Historiker Stefan Karner distanziert sich „entschieden von krausen Formulierungen“ der Steirischen Wirtschaft

Stefan Karner distanziert sich entschieden von krausen Formulierungen

Stefan Karner: „Ich kenne diese Zeitleiste nicht und distanziere mich entschieden von derartigen krausen Formulierungen[.]“

Es wurde zwar gefragt, aber nicht tatsächlich angenommen, daß ein seriöser Historiker in irgendeiner Weise etwas mit dieser „Zeitleiste“, über die gestern berichtet wurde, zu tun haben kann, und noch desselben Tages bestätigt Stefan Karner, daß die Annahme richtig war.

Es erscheint aber redlich zu sein, die entschiedene Distanzierung von Stefan Karner zu veröffentlichen, um in dieser Angelegenheit nicht den geringsten Schatten auf seine Reputation als Historiker fallen zu lassen:

„Ich kenne diese Zeitleiste nicht und distanziere mich entschieden von derartigen krausen Formulierungen, die in keiner Weise geeignet sind, die Geschehnisse auch nur einigermaßen entsprechend wieder zu geben.“

Um welche „krausen Formulierungen“ es hierbei geht, kann in der Collage auf einen Blick ersehen werden.

„Innenpolitische Wirren“ nennt die Steirische Wirtschaft die christschwarze Diktatur vor 1938

Steirische Wirtschaft - Dollfuß-Diktatur ist gleich innenpolitische Wirren

„5 Jahre faschistische Diktatur mit dem Verbot aller Parteien, Einrichtung von Lagern für politische Gegner und unliebsame Bevölkerungsgruppen wie Bettler als ‚innenpolitische Wirren‘ abzutun, halte ich für ein ziemlich starkes Stück!“

Aus Graz schickte diese Woche ein Leser einen Ausschnitt aus der „Jubelbroschüre der Wirtschaftskammer Steiermark“ vom 12. November 2014 zu, weil er meint, in dieser werde ein „interessantes Geschichtsbild“ transportiert, und nicht nur durch die identitäre Gemein-Schaft

Alles was dazu gesagt werden kann, ist von ihm in seiner E-Mail bereits geschrieben worden:

„Als Beispiel schicke ich Ihnen einen Auszug aus einer Jubelbroschüre der Wirtschaftskammer Steiermark, mit der alle Haushalte der Steiermark diese Woche ‚beglückt‘ wurden,

Unter einem Artikel, der vom Chefredakteur mit geschrieben wurde, findet sich eine Zeitleiste von 1914 bis heute, In der Zusammenfassung der Jahre 1918 bis 1945 finden sich folgende schöne Sätze:

‚… bis zum Schwarzen Freitag 1929. Nach innenpolitischen Wirren und dem Bürgerkrieg marschiert Adolf Hitler 1938 ein.‘

5 Jahre faschistische Diktatur mit dem Verbot aller Parteien, Einrichtung von Lagern für politische Gegner und unliebsame Bevölkerungsgruppen wie Bettler als ‚innenpolitische Wirren‘ abzutun, halte ich für ein ziemlich starkes Stück!“

Bleibt bloß noch die Frage, wer hat diese „Zeitleiste“ erstellt? Der interviewte Historiker Stefan Karner wird es wohl nicht gewesen sein, oder, wird gehofft, er hat die Wirtschaftskammer Steiermark beim Erstellen dieser „Zeitleiste“ nicht einmal beraten …

Und diese Zusendung aus Graz läßt unweigerlich wieder daran denken, wie in der christschwarzen Partei Jahr für Jahr immer noch Leopold Kunschak mit einem Preis ehrend gedacht wird … Aber auch an den Aufmarsch in der Wiener Innenstadt im Juni 2014 mit dem Kruckenkreuz der „Innenpolitischen Wirren“