Galerie der nicht gelesenen Rezensionen

Nach der Lektüre von „Politik der Feindschaft“ stellt sich die vor langer Zeit getroffene Entscheidung erneut als eine richtig getroffene Entscheidung heraus.

Vor dem Kauf von „Politik der Feindschaft“ wurde keine einzige Rezension dieses Buches gelesen, und also auch nicht die von Klaus Nüchtern, die im letzten Winter, am 18. Dezember 2017, in der „Zeit“ veröffentlicht wurde. Das Nichtlesen dieser Rezension war kein Glück, sondern die Konsequenz aus der vor langer Zeit richtig getroffenen Entscheidung. Nämlich: keine Rezensionen von Klaus Nüchtern zu lesen, vor allem von Klaus Nüchtern. Ein Glück hingegen war es, vor langer Zeit diese Entscheidung getroffen zu haben, und bis zum heutigen Tage konsequent eingehalten zu haben.

Nun, nach der Lektüre von „Politik der Feindschaft“, beim kurzen Anlesen von nüchtern’schen Buchbetrachtungen, kann nur mit Erleichterung festgestellt werden, was für ein Leseglück diese vor langer Zeit getroffene Entscheidung bescherte. Was wäre das für eine Quälerei gewesen, die von Nüchtern positiv betrachteten Bücher zu lesen, was wäre das für ein Verlust gewesen, die von Nüchtern negativ betrachteten Bücher nicht zu lesen.

Wie aktuell das konkrete Beispiel des Buches von Achille Mbembe es eindrücklich aufzeigt.

Die Entscheidung des Nichtlesens von Rezensionen von gewissen Personen, also nicht nur, aber vor allem von Klaus Nüchtern, hat bei Klaus Nüchtern eine Ausweitung erfahren, nämlich auf seine Tätigkeit als Juror des Bachmann-Preises. Was er als Juror für preiswürdig befand, war stets, zwar nicht hauptverantwortlich, aber doch anteilig ausschlaggebend, diese Texte tatsächlich ignorieren zu können.

Wäre also je nach den Betrachtungen von Nüchtern der Kauf und der Nichtkauf von Büchern entschieden worden, es wäre nicht die „Politik der Feindschaft“ erstanden worden. Das wäre menschgemäß kein Unglück gewesen, aber es hätte ein Buch gefehlt, das beitragen kann zum Verständnis der gegenwärtigen Zeit und darüber hinaus vor allem zum Ändern des prekären Weltenlaufs, wie dieser sich gegenwärtig darstellt, nicht nur in Österreich.

Ludwig Wittgenstein schreibt in einem seiner Bücher, es sei als Leiter zu verstehen, auf die hinaufzusteigen sei, um sie dann, die Leiter, wegzuwerfen, wenn es verstanden wurde, Sätze darin auch als unsinnig …

Auch dieses Buch von Achille Mbembe kann als eine solche Leiter verstanden werden. Besser ist es wohl davon zu sprechen, daß es nicht eine Leiter ist, sondern eine solche Leiter aus vielen Sprossen besteht, und eine wichtige Sprosse ist das Buch von Mbembe, um endlich über eine solche Leiter mit diesen Sprossen hinaufzusteigen und über sie hinauszusteigen, hinter sich zu lassen, all das Alte und in Wahrheit lange schon Verweste, all das Denklos-nur-Wiederholte, ob geschrieben oder gesprochen, also auch das von Klaus Nüchtern.

Und zu was hat dieses Buch Klaus Nüchtern bewegt?

Zum Sitzenbleiben.

Zu was sonst? Ein schöngeistiger Stubenhocker kann nur in seinem Schöngeistigen, wie er mit seinem Können halt das Schöngeistige versteht, hocken bleiben, und schön gelangweilt urteilen und ausspeien, was er doch alles von der Welt wisse, oh, was Achille Mbembe schreibt, das hätte er, Nüchtern, ihm alles aus dem Effeff diktieren können, an einem einzigen Nachmittag in Klagenfurt im Café Perstinger, in einer einzigen Pause zwischen den Sitzungen …

Und er, Nüchtern, hätte nichts vergessen, so wie Mbembe: „den Gulag hat er womöglich einfach vergessen.“  Was für ein wesentlicher und berechtigter Einwand von Nüchtern, ganz auf der Höhe österreichischen Denkens, vor allem des in den elitär identitären Kreisen, in denen, fällt beispielsweise das Wort Rechtsextremismus, sofort Linksextremismus hinzugefügt und erhaben verkündet wird, gegen Linksextremismus und Rechtsextremismus zu sein, um dann weiter das eine zu …

Ach, schon der Titel. Nüchtern hätte einen anderen gefunden, keinen, der „eigentlich ein Pleonasmus“ … wie eben der von Mbembe gewählte „Politik der Feindschaft“. Könnte sich Nüchtern bewegen, würde er wenigstens über diese Sprosse hinaufsteigen können, käme er womöglich von der „Politik der Feindschaft“ zur Politik der Freundschaft, vielleicht genau das von Mbembe intendiert … und dann wäre es kein „Pleonasmus“ mehr … Seltsam mutet hierbei nur an, was für ein Gewicht Carl Schmitt in der Welt immer noch hat, sogar für Achille Mbembe, der ihn zitiert. Dafür aber hat Nüchtern kein kritisches Wort übrig, daß Mbembe ausgerechnet den hitlerischen Kronjuristen …

Womöglich wollte Nüchtern nur Mbembe belehren, daß einer von einem anderen Kontinent und mit einer anderen Hautfarbe Carl Schmitt nicht recht verstehen kann, wie beispielsweise einer aus dem schmitt’schen Herkunftskontinent, vor allem was die Frage vom Kern der „Politik“ mit seiner Unterscheidung von „Freund und Feind“ betrifft …

Es könnte noch einiges angeführt werden, einiges aus der nüchternen Betrachtung zitiert werden, damit kein Mensch das sich antun muß, die gesamte Rezension zu lesen, aber das nächste Buch von Mbembe liegt schon griffbereit, um es von der ersten bis zur letzten Seite zu lesen.

Eines nur, doch noch.

Er, Nüchtern, hätte gerne gehabt: „[…] aber irgendwie würde man doch gerne zumindest einen Hinweis darauf erhalten, wie man wieder rauskommt aus dem ganzen Schlamassel, das da in einem […]“

Kurz zur Geschichte der Lager

Einen Ratgeber also hätte Nüchtern geliefert bekommen haben wollen. Von einem Historiker und einem politischen Philosophen … einen Ratgeber, also etwas Kurzes und schön Schlichtes … Kurzgeber gibt es aber bereits zur Genüge, und viele dieser Kurzgeberinnen sind auch in hoher und höchster politischer Verantwortung, aber die schreiben keine Bücher, von denen er, Nüchtern, dann wenigstens einen Hinweis erhalten würde wollen, mit welchen Handlungen, die zu ihren gegenwärtigen Taten vollkommen entgegengesetzte zu sein haben, sie herauskommen wollen aus dem …

Das Buch „Politik der Feindschaft“ ist kein Ratgeber, kein Kurzgeber, aber eine genaue Beschreibung des gegenwärtigen Menschen auf dem Kontinent mit Schmittuntergrund, und es überrascht nicht, daß die Rezensionen zu diesem ausfallen, wie sie, nüchtern betrachtet, ausfallend …

Nüchtern betrachtet - Galerie der nicht gelesenen Rezensionen

 

Internationaler Porajmos-Gedenktag am 2.8.18 in Österreich

wird auf recht besondere Weise begangen durch: Schweigen.

Nein, das wäre ungerecht. Es wird selbstverständlich nicht geschwiegen.

„2. August – Gedenktag an den Genozid an den Roma und Sinti

Datum: 02.08.2018, 18:00 – 20:00 Uhr

Ort: Ceija-Stojka-Platz, 1070 Wien, Österreich“

Sie sehen. In Österreich wird der Verpflichtung, auferlegt durch die Geschichte des Landes, voll recht nachgekommen. So wird der Porajmos-Gedenktag auf dem größten und edelsten Platz des Landes begangen, in Anwesenheit von den Spitzen des Staates, und wer in den letzten Jahren an einer Gedenkveranstaltung auf dem Ceija-Stojka-Platz teilnahm, weiß, wie viele Menschen zu dieser kommen, wie viele österreichische Medien darüber, sogar live berichten, Menschen aus Wirtschaft, Politik und Kultur lassen sich nicht bitten, daran teilzunehmen, sie strömen in Massen auf den Ceija-Stojka-Platz, auf dem mehr Menschen Platz haben, als beispielsweise auf dem Heldenplatz, der Ceija-Stojka-Platz ist nicht nur der größte und edelste Platz des Landes, dieser Platz ist auch wie kein zweiter Platz in Österreich prominent gelegen, auf einer direkten Achse zu Parlament und Rathaus …

Sie sehen. In Österreich kann es keinem Menschen zum Vorwurf gemacht werden, nicht stets die besten Plätze des Landes für Roma und Sinti … wie beispielsweise auch den Baranka-Park, worüber bereits in Anerkennung ein Kapitel verfaßt werden durfte …

Staatsspitze in Österreich - Internationaler Porajmos-Gedenktag 2-8-18

Aber die Staatsspitze in Österreich weiß darum, es kann nie genug getan werden gegen den Antiziganismus, nie genug getan werden gegen das Vergessen, und so ist es nicht überraschend, daß von der zurzeitigen österreichischen Staatsspitze der Porojmos-Gedenktag auch schreibend in Erinnerung zur Warnung und zur Mahnung gerufen wird, etwa auf den Plattformen der Unternehmen Facebook und Twitter, wie gelesen werden kann rund um den 02.08.18, etwa von dem Bundeskanzler, auch von dem Bundespräsidenten, da will und kann sich auch die Opposition nicht bitten lassen …

Internationaler Porajmos-Gedenktag am 2. August 2018 in Österreich wird auf recht besondere Weise begangen, und von der Website der identitären Regierungspartei wird diese recht besondere Weise gesinnungsgemäß zum Höhepunkt gebracht, wenn sie einen Tag nach dem Gedenktag im achten Monat des Jahres 18 die Schlagzeile bringt: „70.000 Roma auf dem Marsch in die EU?“ …

Gerade diese Regierungspartei gedenkt der Geschichte stets recht besonders und aufopferungsvoll und auch die Schreibstaffel der gesinnungsgemäß zensurierten Website läßt sich nicht bitten, mit ihren Kommentaren Beistand zu sein …

Kann es einen hilfreicheren Rat für Roma und Sinti geben, als den von Richard Joseph Huber – „vorweg und kurz bei“ einem Innenminister „vorbeischauen“?

Der Mann der Aufklärung, von dem schon viel zu erzählen war, weiß, was zu tun ist:

„Wenn ich Bildungsminister wäre, würde ich die Zigeuner- und Neger-Aufklärung ganz oben beim Lernstoff der österreichischen Schüler ansiedeln.“

Der Mann der Aufklärung wird dabei wohl auch recht ökonomisch denken, neue Unterrichtsmaterialien würden dürfen nicht eigens erstellt werden müssen, die sind seit Jahrhunderten reichlich …

Aber es kann nie genügend Unterrichtsmaterialien geben, und niemand weiß das recht besser als die Website, die sich noch nie bitten ließ, diesen weitere hinzuzufügen

Im Kommentar der gesinnungsgemäß zensurierten Website geht es um die Ukraine. Es kann Trauerspiel nicht zum Vorwurf gemacht werden, daß ihm augenblicklich einfällt, Menschen als „Tiere“ zu bezeichnen, es wird doch gewußt, wie gerade in diesen Gesinnungskreisen Tiere geliebt, verwöhnt, verhätschelt werden … und wie lieb sie zu Tieren sind, konnte erst vor kurzem in einem Kapitel über eine Begebenheit in der Ukraine …

Und ein oder eine Charly nimmt gleich diesen Aufruf zur Aufklärung ernst, sieht es als Pflicht an, hierfür Unterrichtsmaterialien beizusteuern und verweist auf die hehre Wissensquelle der von der Vorsehung abgesegneten Gesinnungsart, die über die sonderlichen Pläne …

Ach, wie reichlich es doch in Österreich für Roma und Sinti bestellt ist, es könnte noch viel erzählt werden, wie um sie die Sorge in Österreich, in Europa umgeht, es könnten sogar einzelne Personen vor den Vorhang gebeten werden, deren Sorge einzig ihr Wohl …

„Freunde von mir sind Roma“

Kurz zur medialen Empathie

Aber es wird davor zurückgeschreckt, die Furcht vor einem Vorwurf, es könnte wer sagen oder schreiben, die Empathie werde zur unerträglichen Plage, und es wird, soher ist keine unbegründete Furcht, auch geschrieben, die Plage werde immer unerträglicher …

 

Porajmos-Gedenktag 08-18 - Recht besonders begangen auf gesinnungsmäß zensurierter Website

„Blinder Organist“

Orgelpfeifen lassen sich von einem blinden Organisten spielen

Ein Holzschnitt von Werner Berg aus 1956 mit dem Titel: „Blinder Organist“ und ein Bild von Karl Bauer auf einer Postkarte als Propaganda aus 1933: „Adolf Hitler“ — —

Werner Berg habe, wie auf der Website des gleichnamigen Museums zu lesen ist, „den blinden Organisten der Dorfkirche in zahlreichen Bildern wiederholt dargestellt“.

„Krallen gleich greifen hier die Hände des Blinden ins Nichts und entringen dem dunklen Schwarz eine Welt der Töne.“

Gleich, ob dies eine Interpretation oder eine Aussage von Werner Berg selbst ist über den „blinden Organisten“, wird fortan eines, besonders mit dem bauerischen Portrait „Adolf Hitler“ vor Augen, nicht mehr möglich sein, den „blinden Organisten“ anders als das kenntlichste Portrait von „Adolf Hitler“ anzusehen.

Sich selbst spelende Orgel

Freilich ist dann der Satz von den Krallen umzuschreiben:

Der Blinde mit seinen Krallen in seinem Nichts entringt den Orgelpfeifen sein Gebrüll als einschmeichelnde Töne zum Stoß der Welt in das dunkle Schwarz. 

Es ist dafür gar nicht entscheidend, ob es die bewußte Intention von Werner Berg war oder nicht war, das kenntlichste Bild von „Adolf Hitler“ zu schaffen, dem künstlerischen Menschen bleibt zu oft selbst verborgen, was er eigentlich schafft, welche Einflüsse ihm die Hand führen …

Blinder Organist spielt Orgelpfeife

Karl Konrad Friedrich Bauer, ein Zeitgenosse von Werner Berg, und einer, der zu jener Zeit, auch der Massenverbrechen, nicht unbekannt war, geehrt und ausgezeichnet auch vom massenmörderischen deutschen reich

Der umgeschriebene Satz von dem „blinden Organisten“ trifft auch dann zu, wenn der „blinde Organist“ nicht „Adolf Hitler“ ist, wenn es tatsächlich bloß ein namenloser „blinder Organist einer Dorfkirche“ ist, ihm kein Mensch Modell war, ist der namenlose „blinde Organist“ das kenntlichste Bild für — auch für die Kirche, für jedwede Religion … jede Pfarrerin, jeder Priester, jeder Imam, jeder Rabbiner, gleich wie immer die von Religionen je vorgeschriebene Berufsbezeichnung für ihre Weltblinden lautet, ist der „blinde Organist“, dem sich das „Volk“ als Orgelpfeifen ohne Not anbietet und freiwillig als Orgelpfeifen aufstellt, mit ihnen und auf ihnen zu spielen, ihm zu gewähren, sie zu spielen, die Welt in ein schwarzes Dorf zu verkleinern, in dem ihnen gemeinsam das Dunkle ihr Licht ist, in dem ihnen gemeinsam alles, was die Welt ist, nichts …

Der hochgestellte Kragen des Exhibitionisten ist der hochgestellte Kragen des „blinden Organisten“ der hochgestellte Kragen des „Adolf Hitler der hochgestellte Kragen des „Martin Luther“ der hochgestellte Kragen der …

Martin Luther - Mein leeres Buch.png

Der „blinde Organist“ ist keine Figur der Vergangenheit, keine, die, wie lange Zeit gedacht und mehr noch gehofft wurde, die spätestens mit „Adolf Hitler“ endgültig und endlich aus der Welt vertrieben ist, aber die Hoffnung enttäuscht, wie gewußt wird, zuerst … der „blinde Organist“, gleich welchen Geschlechts, spielt weiter und weiter, und das „Volk“ ist ihm weiter bereitwillig und weiter hingebungsvoll Orgelpfeifen zur Verstärkung seines Gebrülls. Es gibt so viele „blinde Organisten“ in der Welt, allein schon beispielsweise in Österreich, daß nicht zu entscheiden ist, welcher, gleich welchen Geschlechts, für die Gegenwart zu nennen und in die Collage zu kleben ist, so ist es Ihnen, die Sie selbst alle kennen und bereits nach kürzester Überlegung zu nennen wissen, überlassen, einen in die Collage zu kleben, exemplarisch für einen „blinden Organisten“ der Jetztzeit, wie „Adolf Hitler“, wie „Martin Luther“ hier exemplarisch für die Vergangenheit …

Wie sähe ein Bild des „blinden Organisten“, dem das „Volk“, gleich wo auf der Welt, keine Orgel mehr ist, er, gleich welchen Geschlechts, nur mit und sich selbst auf sich spielen könnte, seine Identitäten, von denen der Mensch, wie gewußt wird, mehr als eine hat, ihm die einzigen Orgelpfeifen zur Verstärkung seines Gebrülls …
Blinder Organist ohne Orgel

 

Das Glück der Anderen oder die eiskalte Pflicht gegen den Anderen?

Vor Immanuel Kant schrieb Donatien-Alphonse-François de Sade einen kategorischen Imperativ, der hier bloß wegen des kantischen so genannt wird:

„Alle menschliche Moral ist in diesem einen Wort beschlossen. Mache die anderen so glücklich, wie du glücklich zu sein begehrst! Und tue ihnen niemals etwas Böses an, das dir nicht selbst widerfahren soll. Das, mein Freund, sind die einzigen Prinzipien, denen wir folgen müssen. Um diese zu schützen und zu bekennen, bedarf es weder einer Religion noch eines Gottes, sondern nur eines guten Herzens.“

Wie genau der Menschenforscher de Sade hierbei ist.

Kein Gerede davon, des Einzelnen Wollen zum Gesetz zu erheben.

Kein Imperativ, also keine Befehlsausgabe.

Dafür aber an erster Stelle: die anderen glücklich zu machen.

Wohin es führt, wenn ein Befehl auszuführen ist, wenn der kantische Imperativ Gesetz wird, wenn die Einzelnen ihr Wollen also zum Gesetz erhoben sehen wollen und es auch in Vergangenheit und Gegenwart durchsetzen, davon erzählen gegenwärtige Tage und die grausame Geschichte der Menschen eindringlich, Gegenwart und Geschichte des Eingesperrt-Seins in einem unglücklichen Dasein – verdammt zur eiskalten Pflichterfüllung.

Und es je nicht von ungefähr und je nicht zufällig, sondern bitter folgerichtig, daß etwa mit Vladimir Putin erneut ein kategorischer Befehlsausgeber, ein Wiedergänger dieser kantischen Unsäglichkeit das Geburtshaus von Kant renovieren läßt, die gesinnungsgemäß zensurierte Website der identitären Regierungspartei in Österreich Kant erhebt …

Kant – Putin, Unzensurix: Von der Schrecklichkeit der eiskalten Pflicht

Zu de Sade fiel und fällt Menschen stets sofort die widerwärtige und unerträgliche Frage ein, soll er, also sein Werk, verbrannt werden? Und wer Bücher verbrennt, verbrennt auch Menschen. Louis Sade wäre es nicht anders ergangen, wäre er nicht entkommen. So mußten sie sich damals damit begnügen, de Sade in effigie zu verbrennen, also bloß ein Bild von ihm zu verbrennen …

Wie berechtigter wäre die Frage, weshalb ist Immanuel Kant, also sein Werk, nicht verbrannt worden, aber diese Frage wird hier nicht gestellt. Denn. Das Verbrennen von Büchern können nur Befehlsausführende des kantischen Imperativs verlangen.

Wenn aber gefragt wird, ob es nicht an der Zeit wäre, in bezug auf den sogenannten kategorischen Imperativ Kant durch Sade zu ersetzen, diese Frage kann nur bejaht werden. Louis Sade an die Stelle von Kant zu setzen, unbedingt. Ja. Mit dem Menschenforscher die anderen glücklich zu machen, als mit der kantischen Pflicht eiskalt die anderen …

Damit verbunden menschgemäß die vollkommene Aufgabe des Begriffs kategorischer Imperativ, der auch nicht durch einen neuen zu ersetzen ist, das Wort von de Sade braucht keine Bezeichnung, es reicht vollkommen, diesen zu sagen, in Erinnerung wieder und wieder zu rufen, und vor allem, danach zu leben:

Der kategorische Imperativ

 

 

Kurz eine Bilanz: Mit 88 gestorben …

Nun berichten Medien in Deutschland und auch in Österreich, daß die Tochter von Heinrich Himmler gestorben ist.

Auffällig daran ist die Klage, die Tochter hätte sich nie von ihrem Vater distanziert. Was wäre sie, hätte sie je sich von ihrem Vater distanziert, für eine unwürdige und undankbare Tochter gewesen. Gerade in diesen christlichen Ländern wäre sie zur ungehorsamen Tochter gegen Gott-Vater gestempelt worden.

Und zu dieser Klage, auch von österreichischen Medien veröffentlicht, fällt ein, noch nie wurde beklagt, daß beispielsweise Karl Habsburg

Wann fragt ORF das Enkelchen von Mao Hitlerstalin, ob er als Diktator im Schloß wohnen wolle

je nicht von seinen Vorfahren sich distanziert, sondern Gudrun Himmler gleich gut über seine Familie zu reden weiß. Für Karl Habsburg kann auch der Name Österreich eingesetzt werden. Eine Distanzierung von Österreich ist nicht bekannt, ganz im Gegenteil. Die lieblichste Erinnerung an diese Familie wird hochgehalten, die größte Schönfärberfabrik für diese Familie betrieben.

Und was noch auffällig ist an den Berichten über den Tod der Tochter von Heinrich Himmler. Es wird der Massenmord an Menschen, die als Juden und Jüdinnen bezeichnet werden, erwähnt, nicht aber der Massenmord an Menschen, die heute noch als „Zigeuner“ bezeichnet werden, obgleich der Holocaust aus zwei Namen besteht: Shoa und Porajmos. Und Heinrich Himmler einer der Hauptmassenmörder und Hauptmassenmörderinnen für den zweifachen Holocaust

Der offiziell ungefeierte Vater von Gudrun Himmler und beispielsweise eine in Österreich offiziell gefeierte Urgroßmutter von Karl Habsburg haben darin etwas gemein, ihre Sicht auf die Menschen, die heute noch „Zigeuner“ genannt werden.

Und es wirkt grauenhaft bis in die Gegenwart. Auch gegen Menschen, die nicht „Zigeuner“ genannt werden. Zum Beispiel die „Wohnsitzbeschränkung“. Schon die Urgroßmutter schränkte die Bewegungsfreiheit von Menschen ein, beim Vater hieß diese Einschränkung „Festschreibungserlass“. Die Urgroßmutter, die Henne, der Vater, das Ei. Und in der Gegenwart wird es „Residenzpflicht“ genannt, wenn Menschen ihren Wohnort nicht verlassen dürfen. „Residenzpflicht“: Kann eine Bezeichnung je mehr verdeutlichen, aus welchen Tiefen der Vergangenheit heute verabschiedete Gesetze …

Mit 88 Jahren ist Gudrun Burwitz gestorben. Nicht gestorben ist 88 …

„Was habt ihr von dieser Rasse erwartet“

zungl888: Aufruf zur Spendenaktion für Mark 48 Torpedos

Die Tochter ist nun also gestorben, die Tochter von HH, oder ziffernmäßig abgekürzt, von 88, von einem, der auch recht viel von der Sprachpose der Anständigkeit hielt, die der Gegenwart wieder feschester enganliegender Anzug …

Was für eine grausame Laune der Gegenwart, fällt noch bei der Nennung von Vater 88 ein, mit dieser seit Jahrhunderten währenden Geschichte nicht zu brechen, diese nicht endlich für ewig zu begraben, sondern ganz im Gegenteil, weiter und vermehrt deren Agenda abzuschreiben.

Tochter gestorben mit 88

NS Auffällig an den Berichten über den Tod der 88-Tochter ist die Erschütterung über ihre Tagebucheintragungen, daß ihr der Besuch eines Konzentrationslagers ein schöner gewesen sei. Sie war ein Kind. Sie war mit ihrem Vater unterwegs. Was hätte sie sonst schreiben sollen? Was soll ein Kind über einen Ausflug mit dem Vater schreiben, wenn dieser gar zu ihm lieb ist, sich ihm aufmerksam widmet? Mit dem Wissen der Gegenwart von einem Kind andere Tagebucheintragungen zu erwarten oder gar zu verlangen, was für eine Anmaßung. Wie vielen kommen in der Gegenwart die Konzentrationslager noch als „schöne Orte“ vor, wenn sie, ohne mit ihren Vätern und Müttern allerdings Vernichtungslager zu besuchen, beispielsweise schreiben, und das nicht in einem geheimgeführten Tagebuch:

Entwicklung 18 in Österreich: FPÖ unzensuriert – Schreibplatz von Harald Vilimsky: „Dort [Mauthausen] befindet sich der geeignete Standort für seine [Soros] ‚Universität‘. Hunderttausende können sich dort inskribieren – aber niemand kommt dann wieder raus!“

FPÖ unzensuriert: „Alle Willkommensklatscher … Arbeitsdienst … Am besten nach Buchenwald“

Hofer-FPÖ-Werbewähler: „Jelinek eine Hinfahrkarte ins nächste Krematorium samt ‚bevorzugter‘ Behandlung“

Auf freiheitlicher Website bewirbt sich wieder einer als Krematoriumsheizer in Auschwitz

Und das sind nicht die einzigen Kapitel, die davon erzählen, wie „schön“ diesen Menschen, die kein Tagebuch führen, als wären sie im Alter der 88-Tochter und ihrer Zeit, diese Orte der Vernichtung heute erscheinen müssen, wenn sie diese wieder und wieder öffentlich empfehlen, als wären alle diese Konzentrationslager und Vernichtungslager ein einziges Neapel, und von Neapel heißt es ja bekanntlich: sehen und sterben – und das ist absolut als das Schönste gemeint, das ein Mensch – Neapel sehen und sterben

Und wie viele es noch in der Gegenwart gibt, die diese Schönheitsgeschichte für sich und ihre Kinder wiederholt sehen möchten:

Kurz zusammengefaßt FPÖ unzensuriert seit dem 05.05.18

Für Betreiber und Betreiberinnen und deren Kinder von Konzentrationslagern und Vernichtungslagern selber sind diese keine Orte des Grauens, sondern Stätten des Alltags, Arbeitsplätze mit Rechten und Pflichten, Einkommensquelle, für Vater, Mutter und Kind auch Plätze des gemeinsamen Erlebens schöner Tage …

„Vater, Mutter, Kind“, diese Parole fällt nicht ungefähr ein, diese Parole von den Marschierern und Marschiererinnen in der Gegenwart in der Wiener Innenstadt … der 88-Vater war ja auch zuständig für die Bekämpfung von gleichgeschlechtlicher Sexualität, Abtreibung …

Von Österreich mit seinem Panorama wird auch gerne von einem Land gesprochen, das schön ist, wohl deshalb die Anrufung Österreichs als „Concentration Camp Austria“

Es kann, wie schon erzählt, alles kurz zusammengefaßt mit einem Satz: „Wir wollen den neuen Menschen nicht!“ Und wenn Vater und Mutter – wo sie wohl ihre Kinder gelassen – etwa auf dem Albertinaplatz zusammenkommen, um zu skandieren „Vater, Mutter, Kind“ vereinen sie alle Hs der Vergangenheit zu ihrer vergangenen Gegenwart …

Vor 80 Jahren mußte Robert Musil als Flüchtling fort aus Österreich – III. Wiener Gemeindebezirk, Landstraße: Einst und zurzeit

Wien ohne Robert Musil - Landstraße

Im August 18 werden es achtzig Jahre her sein, daß Robert Musil den dritten Bezirk verlassen mußte, im April 18 sind es sechsundsiebzig Jahre her, daß Robert Musil

Migration ist des Menschen Heimat

in der Schweiz verstarb, nur vier Jahre nach der Flucht.

In der Rasumofskygasse wohnt Robert Musil. Gleich in der Parallelgasse Kundmanngasse baut Ludwig Wittgenstein sein Haus. So ist es einst. „Die Fackel“ von Karl Kraus wird in der Hinteren Zollamtsstraße gedruckt, auch der Verlag „Die Fackel“ hat hier seinen Sitz.

Einst durch den dritten Bezirk zu spazieren, und dabei einem Musil, einem Wittgenstein, einem Kraus im Vorbeigehen zu begegnen, für sich ihre Werke in Erinnerung zu rufen …

Und nun? Zur Zeit? Wer kann jetzt entgegenkommen, wenn der Tag noch schlechter werden soll, als er vielleicht ohnehin schon ist? Der zurzeitige Vizekanzler. Und im Vorbeigehen fallen keine Werke ein, Werke sind keine bekannt, höchstens recht zu vergessende Sprüche, und diese sind nicht einmal von ihm selbst, bloß nachgeredet, wie etwa der von „Ehre, Freiheit, Vaterland“ …

Wer kann noch gesehen werden? Etwa der Mann, der nun auch ein zurzeitiger Minister ist, und ab und an im Kino gesehen wurde, als er noch kein zurzeitiger Minister war. Ob er jetzt noch in das Kino auf der Landstraße gehen wird, als zurzeitiger Minister? Einerlei. Er vergällt auch so jetzt jeden Kinobesuch. Jeder Kinobesuch erinnert, ihn im Kino gesehen zu haben und sofort – an keine Werke erinnert er – fällt sein Gesetzeswurf ein, den er kaum zum zurzeitigen Minister gemacht …

Wer kann noch gesehen werden? Täglich und zu jeder Tageszeit Touristinnen über Touristinnen in der Löwengasse, vor dem Kitschreichbaumhaus, und es muß auf dem Boden kriechend vorbei an diesem Haus, um nicht gegen den eigenen Willen auf Hunderten und Hunderten Fotos der Touristen …

Erst in der Rasumofskygasse kann wieder in den aufrechten Gang gewechselt werden.  Gelassen im aufrechten Gang kann weiterspaziert werden, die Kundmanngasse unbekümmert erreicht werden. Denn. Hier ist niemand. Keine Fotos werden gemacht, in der Kundmanngasse, nicht von sich und schon gar nicht von sich mit dem Wittgenstein-Haus.

Was es einst in der Rasumofskygasse nicht gab, war das häßlichste Auto der Welt, und dieser Tage ist es erfreulich, es macht zwar den Tag nicht besser, daß – einen Superlativ hat es sich nicht verdient – das häßliche Auto nicht auf der Straße steht, sondern in einer Garage in der Rasumofskygasse. Es wurde einmal der Fehler durch Neugier begangen, durch die Glastüre in die Garage zu blicken; es kann aus Fehlern gelernt werden, in diesem Fall wenigstens, einen zweiten Blick wird es nicht geben.

Josef Weinheber - Selbstmord April 1945

Es ist aber keine Verklärung. Es wäre einst im dritten Bezirk … es wird schon gewußt, es haben auch andere auf der Landstraße  gewohnt, und diesen Menschen zu begegnen hätte einst den Tag auch nur schlechter gemacht, als er vielleicht ohnehin schon war. Etwa gleich um die Ecke von der Rasumofskygasse einem Josef Weinheber, von dem die Mannen und Frauen der identitären Regierungspartei dieser Tage noch ganz angetan sind. Wie auch anders? Mit seinen „Verwicklungen“ – oh, unschuldiger Mann, werden sie wohl recht seufzen und untereinander seine Gedichte tauschen …

Es sagt wohl viel aus, über Wien, über Österreich, daß es ein Denkmal beispielsweise für Josef Weinheber im Schillerpark im ersten Wiener Bezirk gibt, aber für Robert Musil, der siebzehn Jahre im dritten Bezirk wohnte, nicht ein Denkmal, nicht einmal im dritten Bezirk, aber für Ludwig Wittgenstein in ganz Wien ebenfalls nicht …

Wittgenstein-Haus im dritten Wiener Gemeindebezirk - Landstraße, einst und zur Zeit

 

Von den Tagesordnungen der Konzerne

Tagesordnungen - Sitzungen von Hartz IV bis Göring

In der „Anstalt“ stand am 24. April 2018 auf der Tagesordnung: Hartz IV.

Es wurde auch vom „Stammbaum“ von Hartz IV berichtet.

Wer dabei war, damals, 2002, als Hartz IV …

Diese Arbeitsgruppe hatte wohl auch viele Sitzungen, mit ordentlich geschriebenen Tagesordnungen, und bestimmt waren die Herren – und weil es bereits das Jahr 2002 ist, war auch eine Frau dabei  – und auch die Frau hübsch und elegant angezogen, wie damals – weil es erst das Jahr 1933 ist, waren es nur Herren –  die Herren mit ihren Vatermördern zu einer Sitzung gingen in das Reichstagspräsidentenpalais, zu Hermann Göring.

Die Aufzählung des Stammbaumes in der Anstalt am 24. April 2014 war rasch. Aber ein Unternehmensname blieb sofort hängen: BASF.

Ein Herr von BASF ist 2002 dabei, ein Herr von BASF ist 1933 dabei.

BASF von 1933 bis …

Wenn es also darum geht, etwas zu ersinnen, etwas auszumachen, das für die Menschen nichts Gutes bedeutet, dann sind sie stets dabei, die Konzerne, ob in einer Massenmorddiktatur, ob in einer Demokratie …

Und es kam nichts Gutes für die Menschen in Deutschland ab 1933, als die Konzernherren fertig waren mit der Abarbeitung ihrer Tagesordnung.

Und es kam nichts Gutes für die Menschen in Deutschland ab 2002, als die Konzernbevollmächtigten fertig waren mit der Abarbeitung ihrer Tagesordnung.

Freilich, wenigstens kein Krieg, jedenfalls nicht in den Ländern der Europäischen Union, wenigstens kein Krieg in Deutschland, wenigstens auch keine Vernichtungslager. Wenigstens keine Massenverbrechen. Wenigstens keine Massenmorde. Wenigstens keine Zwangsarbeit.

Es kam Hartz IV. Bloß Hartz IV. Hartz IV, die Bloßstellung des Menschen, der kein Konzernherr ist, dessen Kinder keine Konzernerbinnen sind. Das Gute bleibt in den Konzernen, das Bloße draußen den Menschen: das konzernmäßig zugestandene nackte Überleben.

Und wenn Sie die Fakten zur Sendung vom 24. April 2018 lesen, überlesen Sie nicht das wichtige Wort „Waschmaschine“.

Was für ein literarisches Wort. Was für ein lebenswichtiges Wort: Waschmaschine.

Einmal für den Menschen, dem trotz Hartz IV gerade noch eine Lebensfristungsduldung großzügig zuerkannt ist, und einmal für die Konzerne. Aber was für ein Unterschied allein bei der Waschmaschine. Den Unterschied Waschmaschine würde jeder Mensch gern an Geld und vor allem Einfluß haben.

In „Die Tagesordnung“ beschreibt Éric Vuillard diesen Unterschied Waschmaschine …

„Sie heißen BASF, Bayer, Agfa, Opel, I.G. Farben, Siemens, Allianz, Telefunken. Unter diesen Namen kennen wir sie. Kennen sie sogar bestens. Sie sind hier, unter uns und zwischen uns. Sie sind unsere Autos, unsere Waschmaschinen, unsere Reinigungsmittel, unsere Radiowecker, unsere Hausversicherung und die Batterie in unserer Uhr. Sie sind überall, in Gestalt von Dingen. Unser Alltag ist der ihre. Sie heilen und bekleiden uns, fahren uns über die Straßen der Welt und lullen uns ein. Und die an jenem 20. Februar im Reichtagspräsidentenpalais versammelten vierundzwanzig Biedermänner sind nichts anderes als ihre Bevollmächtigten, der Klerus der Großindustrie; Hohepriester des Ptah. Reglos verharren sie dort, wie vierundzwanzig Rechenmaschinen an den Toren zur Hölle.“

Es darf hinzugefügt werden:

„Sie sind unser“ Hartz IV.

Stammbaum Hartz IV

Für Menschen, für die „Rechenmaschinen“ Hartz IV ausspucken, ist Hartz IV nicht „eine alltägliche Episode“ wie für Konzerne, und das nicht erst seit 1933, sondern seit … der erste Paragraph der Konzerngründungsurkunden …

„Dieses Treffen vom 20. Februar 1933, in dem man einen einmaligen Moment der Arbeitgebergeschichte sehen könnte, ein unerhörtes Zugeständnis an die Nazis, ist für die Krupps, die Opels und die Siemens nicht mehr als eine alltägliche Episode des Geschäftslebens, ein banales Fundraising. Sie alle sollten das Regime überleben und in Zukunft mit ihren jeweiligen Erträgen noch weitere Parteien finanzieren.“ 

NS In Österreich will nun die schwarzidentitäre Regierung ebenfalls, kurz zusammengefaßt, ein Hartz IV, also sechzehn Jahre später als in Deutschland … In welchen Sitzungen mit welchen Firmen und mit welcher Tagesordnung das wohl … Bisher war es mit der „Tagesordnung“ von Eric Vuillard noch lustig, also Österreich betreffend, wie im Kapitel gelesen werden kann:

Auf der Tagesordnung: kurz, Österreich

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Harald Vilimsky - Holding Banner

Es gibt Bilder, die sind in das sogenannte kollektive Gedächtnis eingekocht.

Das Halten einer Fahne etwa ist ein derart eingekochtes Bild. In den Gedächtnistopf hinzugefüllt.

Über die Zeit haben sich viele Teile vom Bild abgelöst. Mehr noch. Derart aufgelöst, daß nicht mehr zu sehen ist, wer je die Fahne hält. Mehr noch. Ist die Gärung so weit fortgeschritten: es nicht mehr festzustellen, daß je ein mit seinem Namen bestimmter Mensch zu identifizieren ist, der die Fahne hält. Mehr noch. Die Umwandlung längst schon vollkommen abgeschlossen ist.

Gewonnen daraus zu achtundachtzig Prozent das Halten der Fahne. Ein Stoff, losgelöst, abgelöst, unabhängig geworden von seinen einstigen Ingredenzien, der schmeckt, immer noch schmeckt, nach so langer Zeit, und das Seltsame daran, es so vielen nicht bitter schmeckt, obgleich ein Stoff, gewonnen aus dem Bittersten, das je als Zutat zum Einkochen genommen ward.

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Eingekochtes, das so vielen so schmackhaft ist, wird menschgemäß fleißig und tüchtig gelöffelt. Und seltsam daran auch, dieser Gedächtnistopf müßte doch längst leergelöffelt sein. Er ist es aber nicht. Auch scheint es, daß die vielen trotz der ständigen und unaufhörlichen Topfnascherei sich davon noch immer nicht überessen haben, diesen Stoff nicht längst überhaben.

Die Gärung ist wohl doch nicht vollkommen abgeschlossen. Es fehlen noch die zwölf auf einhundert Prozent, um ein gänzlich reines Halten der Fahne gewonnen zu haben — —

Dann erst wird es wieder derart bitter schmecken, daß es auch die vielen nur noch würgen wird, auch sie schließlich es nur noch ausspucken werden können, mehr noch, ausspucken werden müssen, wie einst, um am Bittersten nicht zugrunde zu gehen.

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„Was bringt die Oper für das Deutsche Volk?“

FPÖ unzensuriert - Was bringt die Oper dem Deutschen Volk

Es gibt wohl im Jahr ’18 keinen besseren Tag als den 20. April, um Einsicht zu zeigen, sich selbstkritisch zu hinterfragen.

Und wer weiß um die Bedeutung dieses Tages recht besser Bescheid als die Website der identitären Regierungspartei?

„Interessant finden wir die Tatsache, dass viele, die behaupten, dass sie die Oper nicht mögen, diese nie in ihrem Leben besucht haben. Sie verstehen nicht, welche spannende und beeindruckende Erfahrung das darstellt. Das bedeutet, dass wir in der Welt der Vorurteile leben. Wir verstehen nicht, wie viele Schubladen wir in unseren Köpfen haben, die unser Denken bestimmen. Wir teilen die Wirklichkeit in einfache Kategorien ein. Als verantwortungsbewusste Menschen müssen wir unsere Vorurteile immer hinterfragen und uns darum bemühen, vorschnelles Urteilen ohne eigene Erfahrung zu vermeiden und einzelne Erfahrungen nicht zu verallgemeinern.“

Das schreibt FPÖ unzensuriert am 20. April ’18. Ist das nicht eine hervorragende Selbsterkenntnis? Ist das nicht eine hervorragende selbstkritische Befragung und Hinterfragung des eigenen Tuns? Gerade an diesem verhängnisvollen Datum.

Es gibt diese Tage der kritischen Selbstbefragung, ab und an. Und dann kommen wieder die Tage des gesinnungsgemäßen Alltags. Die Gegenwart lehrt, solche Tage der Erkenntnis gehen vorüber, bleiben ohne Konsequenzen, ändern die Handlungsweisen nicht im geringsten …

Das lehrt nicht nur die Gegenwart. Das lehrt auch die Vergangenheit. Am 20. April ’18 fragt FPÖ unzensuriert, ob denn die Oper „Schnee von gestern“ sei.

„Interessant finden wir die Tatsache, dass viele, die behaupten, dass sie die Oper nicht mögen, diese nie in ihrem Leben besucht haben. Sie verstehen nicht, welche spannende und beeindruckende Erfahrung das darstellt. Das bedeutet, dass wir in der Welt der Vorurteile leben. Wir verstehen nicht, wie viele Schubladen wir in unseren Köpfen haben, die unser Denken bestimmen.

Das lehrt auch die Vergangenheit. Was für „beeindruckende Erfahrung“ die Oper für den Mann war, der am 20. April, um mit Martin Heidegger zu sprechen, in die Welt geworfen wurde, machten Millionen von Menschen nicht in der Oper, sondern draußen vor der Tür …

Nächte der Oper

Im Jahr ’38 kehrte der am 20. April Geworfene zurück in seine Oper. Auftakt der Nächte der Oper für lange, lange sieben Jahre. Für die Oper im Haus mit von innen verschlossenen Türen, wo mit Operndegen gemordet und Kunstblut verspritzt wird, verkleidete sich sogar der Geworfene, zog einen Frack über den Soldatenrock, während draußen vor der Tür wirkliches Menschenblut zur Sintflut ward.

Kurier - Was Hitler von der Oper lernte

Der Geworfene, ein Pendler zwischen den Opern. Kaum ist die Tieflandvorstellung in Wien vorüber, muß der Frackverkleidete nach Berlin, zu einer Lohengrinvorstellung, mit dem „großen Staatsmann“ aus Ungarn, nein, nicht mit Viktor Orbán, der wohl davon träumt, daß auch von ihm einst so gesprochen wird, wie er über den Mann an der Seite des Geworfenen spricht. Und er, Orbán, kann sich berechtigte Hoffnung darauf machen, wird er doch in der Gegenwart gewürdigt, sogar von Menschen, kurz gesagt, die nicht von ihm abhängig sind …

„Oper. Vollkommen unbedeutend. Was bringt die Oper für das Deutsche Volk? Bereichert es uns in militärischer, materieller, geistiger Form (in Form von Intelligenz) oder schiebt sie gar die Ausländer ab? Die Oper ist ein Paradebeispiel für abgehobenes Menschentum. Abgehoben nicht an Intelligenz oder höherem Geiste, wie der klassische Operngänger gerne glauben soll. Dekadentes Schauspiel. Kreischende Furien auf der Bühne. Der Inbegriff vom Spiessertum. Gutsituierte ‚Geister‘, sich gegenseitig falsch-lächelnd zum Intellektuellen ernennend, sinnieren in des tieferen Sinn des erlebten Spiels. Woher tiefer Sinn kommen soll fragt niemand.“

Das ist der Kommentar von einem Menschen, der sich für die Website der identitären Regierungspartei „politisch Verfolgter“ nennt, von ihm auf FPÖ unzensuriert geschrieben am 21. April ’18.

„Was bringt die Oper für das Deutsche Volk?“ Politisch Verfolgter urteilt hart über die Oper. Und es ist wahr, lehrt die Vergangenheit, die Oper hat, so wie sie vom Geworfenen und seinen Kameraden und Kameradinnen verstanden wurde, nichts Positives gebracht, nur Verheerung, Not, Elend, Tod, Untergang. Der Geworfene und sein Opernreich haben die Oper und also die Hochkultur nicht mißverstanden, sondern blutig genau verstanden und ihre Massenblutkonsequenzen daraus gezogen, die Hochkultur sinkt herab zum Niedrigsten, das Niedrigste steigt auf zur Hochkultur, die Hochkultur nie versiegende Quelle des Barbarischen, die Hochkultur liefert den Treibstoff für Panzer, die Hochkultur die Stahlschmiede für Bomben …

Die Tagesordnung - Krupp - Opel - BASF - Bayer - Siemens - AllianzGöring an der Seite des Geworfenen mit dem ungarischen Staatsmann in der Lohengrinvorstellung … ob er, Göring, Jahre zuvor, nach seiner Sitzung am 20. Februar ’33 mit den vierundzwanzig Herren zur Feier der für alle Seiten erfolgreichen Verhandlung noch in die Oper ging?

In den folgenden zwölf Jahren, während draußen die Welt in wirklichem Blut ersoff, den vierundzwanzig Herren ihre Tresore zu gigantischen Geldarchen drinnen in ihren Villen wurden, werden sich die vierundzwanzig Herren mit Frack und Vatermörder wohl oft in die Oper begeben haben und also sich der Hochkultur hingegeben haben. Während für die Menschen draußen Morden und Ermordet-Werden auf der Tagesordnung stand, stand für die Herren Siemens, Krupp, Opel, Flick, um nur drei namentlich von diesen vierundzwanzig Herren zu nennen, auf dem Theaterzettel vielleicht Tiefland, Rienzi, Lohengrin … Wie die übrigen Herren hießen, Éric Vuillard nennt sie alle beim Namen …

„Was mich betrifft so ist es mir einerlei was Junge von der Oper bzw.von Klassischer Musik halten . ich werde wie schon Jahrzehnte in der Vergangenheit auf in der Zukunft meinen Vier Lebens Säulen treu bleiben die da wären :
Kunst, Geschichte, Literatur und Klassische Musik . Und wenn es wer nicht ausprobiert ?“

FPÖ unzensuriert - Oper Schnee von gestern

Das schreibt Eugens-rache am 21. April ’18 auf FPÖ unzensuriert in seinem Kommentar und bedankt sich artig für „diesen sehr Gut geschriebenen Artikel“ … Ja, Menschen der Hochkultur auf der FPÖ unzensuriert, auch wenn sie wohl keine geldvollgestopften Tresore wie die Herren „im Nirwana der Industrie und Finanz“ haben werden …

Oh, Hochkultur, ewige Quelle, aus der das Barbarische in Fontänen … das lehrt weiter die Gegenwart. Auch Eugens-rache bleibt ihr treu, von dem erst ein Hochkulturkommentar gezeigt werden durfte, Seite an Seite mit dem „politisch Verfolgten“, der sich verfolgt sieht wie Gerd Honsik … 

Oh, Prinz Eugen von Savoyen, Ahn‘ der Hochkultur …

FPÖ unzensuriert - Eintrittspreise zu hoch

Es klagt FPÖ unzensuriert, die Eintrittspreise für die Wiener Staatsoper seien zu hoch, nun, wer die Preisstaffelung der Oper kennt, wird leicht zur Meinung gelangen, die Verantwortlichen der Website der identitären Regierungspartei waren selbst noch nie … Aber Eintrittspreise können leicht gesenkt werden, hierzu reicht es oft schon, die Steuer zu senken. Aber das ist der zurzeitigen schwarzidentitären Regierung kein Anliegen, hingegen die Steuersenkung für Beherbergungsbetriebe sehr wohl. Wenn sie wenigstens zum Schlafen Theater, Kinos aufsuchte und nicht Pensionen, Hotels, dann wäre die Umsatzsteuer ebenso schnell gesenkt wie für das Campieren …

Daran ließe sich beinahe ein Unterschied zwischen Gegenwart und Vergangenheit festmachen. In der Vergangenheit: Vatermörder der Hochkultur, in der Gegenwart: Schlafende der Hochkultur …

Auf der Tagesordnung: kurz, Österreich


Kurt Schuschnigg auf der Tagesordnung

Es gibt Bücher, die sind nicht zu zitieren, Bücher, von denen nur gesagt werden kann, diese sind zu lesen.

L’ordre du Jour von Éric Vuillard gehört zu diesen Büchern.

Es gibt Bücher, die sind nicht zu besprechen, über die keine Kritik zu schreiben ist, diese sind einfach nur zu lesen.

Die Tagesordnung gehört zu diesen Büchern.

Das Buch ist nicht zu lesen, weil in diesem sehr viel über Österreich im Jahr ’38 zu erfahren ist, sondern ausschlaggebend ist das Wie. Die Einbettung dieser Zeit in die Zeit davor und in die Zeit danach. Es geht also weit über die massenmordblutige Posse des deutschen reiches hinaus.

Auch wenn es von Männern erzählt, die auf ihre tatsächlichen Größen reduziert sind, während diese in Österreich im Jahr ’18 noch immer behandelt werden, als hätten sie Größe gehabt.

Auf der Tagesordnung:

  • Kurt Schuschnigg, österreichischer Bundeskanzler und kleiner Rassist und hasengefügige Adlige
  • Österreichischer Bundespräsident, Trottel von Miklas
  • Guderian, der Panzerstaugeneral
  • Hitler, das Untier
  • Krupp, Opel, BASF, Bayer, Siemens, Allianz, die heute noch der Menschen Alltag im Griff haben

Mehr als zu sagen, dieses Buch zu lesen, ist nicht zu sagen.

Vielleicht noch. Von Guderian wurde in einem Kapitel schon erzählt, von den Menschen, die durch die Geschichte draußen vor der Tür zu bleiben haben …

Vielleicht noch. Von den Vorgängern des österreichischen Bundeskanzlers im Jahr ’18 wurde auch schon erzählt …

Vielleicht noch. Die treffendsten Erzählungen zu Österreich sind nicht aus Österreich, wie schon Retour à Reims

Vielleicht noch. Auch davon wird erzählt, dass die Gründe für die policy of appeasement so hehre nicht waren, wie es sonst oft darzustellen versucht wird … und auch in der Gegenwart wird zu oft eine Politik der Beschwichtigung betrieben, wobei zu fragen, ob den Nachgebenden selbst ihre Gründe hierfür im ganzen Ausmaß bewußt sind

Vielleicht noch. Gerade im Erinnerungsjahr ’18 ein Buch zur Anleitung im Umgang mit Gegenwart und Zukunft …

Vielleicht noch. Um den tatsächlichen Stellenwert eines Menschen zu bestimmen, reicht es schon, wie im Fall Schuschnigg die Entfernung des Blattes, zu erzählen, wie eine Fotografie für die Propaganda manipuliert wird, um diesen, kurz gesagt, gewichtiger erscheinen zu lassen …

Mit dem herumfliegenden Papier Kurt Schuschnigg nur ein Blatt in einem schwarzgemusterten Raum …

PS Es scheint für Wikipedia das geschönte, also dem hasenfüßigen Adligen schmeichelnde Foto angemessener zu sein als das … das wird in Österreich auf viel Zustimmung stoßen, und macht auch ein wenig verständlich, weshalb Wikipedia gerade in Österreich eine reichlich genutzte Quelle ist – und Metapedia …

Kurt Schuschnigg Wikipedia