Türkis-blauer Miststreuer. Eine Verlockung.

In „Nichtrechthabenwollen“ spielt Martin Seel „Gedankenspiele“.

Das verleitet, es ihm nachzutun. Ebenfalls ein Gedankenspiel zu spielen.

Aber es ist kein Spiel.

Jedenfalls, keines im strengen Sinn von Martin Seel.

Es ist eine Überlegung.

Zu überlegen, wie wohl der eine oder andere Absatz von Leserinnen aufgenommen wird, was zum Beispiel einem Leser in Ungarn dazu einfällt, oder, woran eine Leserin in Italien denkt, welches Bild Lesende in den Vereinigten Staaten von Amerika … kurz gesagt, werden Absätze von Lesern in allen Staaten auf die gleiche Weise verstanden.

Zum Beispiel diese Absätze:

„In bestimmten Perioden meines Lebens habe ich vorwiegend Fassaden gestrichen – Wände, Türen, Tore, Fensterrahmen, Dachgebälk. Als mein Meisterwerk galt die Restaurierung eines Miststreuers und des dazugehörigen Krans, die den einen türkis, den anderen blau zum Leuchten brachte. Allerdings hatte ich bei meiner Malerarbeit unbekümmert über Rost und Dreck hinweg gestrichen, weil mir eine akkurate Ausführung bald zu mühselig wurde. Das fiel aber keinem auf, wie es meistens der Fall ist, wenn eine kleine oder große Menge sich an Glänzendem erfreut.

Der Geruch von Mist und der Geruch der Farbe, mit dem wir jenen zu übertünchen versuchen, sind zwei Grundstoffe des Dufts der Welt. Heimatliche Gefühle verschaffen mir beide.“ 

Ist das „Ich“ für alle Lesenden in allen Ländern das „Ich“ von Martin Seel, oder, spricht diese Absätze zum Beispiel in Ungarn oder in Italien ein „Ich“ zum Leser, das ihm bekannter ist, das er oder sie, die Leserin in den Vereinigten Staaten von Amerika, in diesem „Ich“ erkennt, dieses Rost und Dreck anstreichendes „Ich“ bis zur Kenntlichkeit, wie es kurz gesagt wird, sich selbst preisgibt.

Türkis - Blau