Friedrich Gulda, Helmut Wobisch, Wilhelm Backhaus in Ossiach – Vom Schnee von gestern, der längst schon geschmolzen werden hätte können

Aber nein, das wird nicht gewollt, daß der Schnee von gestern endlich schmilzt, wie eine aktuelle Reaktion aus Ossiach auf

Alle wissen alles und alle tun nichts! Höchste Zeit zur Aufarbeitung der Aufarbeitung des Nationalsozialismus

auch veranlaßt zu vermuten, eine Reaktion, die von der Sorge geprägt ist, der „Carinthische Sommer“ werde als „Nazi-Festival“ … Und eine Reaktion, die dazu verleitet, noch einmal darauf … Wer diesen Alle-wissen-alles-Text bereits gelesen hat, wird bis auf … zustimmen können, daß in diesem keine Silbe dafür mißbraucht wurde, den „Carinthischen Sommer“ als ein „Nazi-Festival“ hinstellen zu wollen …

Wie kann also ein Text nur dermaßen mißverstanden werden wollen, möglicherweise, weil es einfacher und bequemer ist und vor allem die einzige Wahrheit ist, die in Österreich gesagt werden kann und will, nämlich beispielsweise kein „Nazi-Festival“ zu sein, aber gleich nach dieser Entgegnung eines ganz und gar nicht erhobenen Vorwurfes muß augenblicklich wieder und weiter geschwiegen werden, oder, was nicht einfach ist, was nicht bequem ist, endlich die eigene Geschichte, die weit nach 1945 einsetzt, …

Und ist die Geschichte des „Carinthischen Sommers“ nicht noch ein weiteres Paradebeispiel für den Befund von Anna in „Heldenplatz“ von Thomas Bernhard, die zu Olga sagt:

In Österreich mußt du entweder katholisch oder nationalsozialistisch sein
alles andere wird nicht geduldet
alles andere wird vernichtet
und zwar hundertprozentig katholisch
und hundertprozentig nationalsozialistisch

Sagt dieser Befund nicht auch alles über die Gründung des „Carinthischen Sommers“? Gegründet von einem katholischen Pfarrer und einem musizierenden Nationalsozialisten … Und das erste Konzert gegeben von Reichskultursenator Wilhelm Backhaus, der von Adolf Hitler wohl noch persönlich wußte, daß keiner die „deutsche Musik glühender liebt als“ der nationalistische Massenmordtotaldiktator …

Carinthischer Sommer - Gulda - Wobisch - Backhaus

„Guldas Musikforum Ossiach […] wurde 1969 ganz bewusst […] Helmut Wobisch übergeben.“

Auf die carte postale wurde einiges geklebt, als Anregung zur weiteren Recherche, zur Erinnerung daran, wie es bei der Gründung des „Carinthischen Sommers“ in Ossiach und wie es damals über Ossiach hinaus in Österreich … Was Friedrich Gulda für Ossiach vorschwebte, das konnte in den späten 1960er Jahren nicht geduldet werden, das konnte in dieser Zeit, den der Befund von Anna einhundertprozentig richtig beschreibt, nicht erlaubt werden, mußte verhindert werden …  Wie bestimmend das untergegangene Nationalistische der Massenverbrechenstotaldiktatur des deutschen Reiches in Österreich noch war, kann möglicherweise auch daran abgelesen werden, daß irgendwann Friedrich Gulda wohl resignierte, und sogar für Wilhelm Backhaus Gedenkkonzerte … Wilhelm Backhaus, Beethoven-Ringträger von 1961 der Musikakademie, hat heute noch, 25. Mai 2013, einen prominenten Platz auf der Website des „Carinthischen Sommers“ …

Und wie ist Anna zu diesem Befund gekommen? Wie konnte Thomas Bernhard das schreiben, was er schrieb? Thomas Bernhard war nicht der Außenseiter, zu dem er sich gekonnt stilisierte, er war ein bestens Eingeweihter, und als Eingeweihter war er gut gegen alle, denn er beging nicht das Verbrechen, Namen zu nennen, er blieb im allgemeinen, das ihm erlaubte, festes und wichtiges Mitglied dieser ehrenwerten Hochkulturgesellschaft zu bleiben und gleichzeitig sich als deren Kritiker bejubeln zu lassen …

PS Thomas Daniel Schlee wird am 11. März 2013 vom ORF zitiert:

Das ganze sei nicht ehrlich genug, das hätte längst passieren können.

Das hätte längst passieren können … Thomas Daniel Schlee kann sich vielleicht gemeinsam mit Karl Löbl (und österreichgemäß mit vielen weiteren) eine Antwort überlegen, auf die dem Herrn Balkonlöwen (der, wie er der Tageszeitung „Die Presse“ am 7. April 2013 verriet, immer nur ehrlich sein wollte) bereits gestellte Frage: Wo waren Sie, Karl

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s