Von der Leichtigkeit des Miteinanders von Gitarre und Klavier

Holger Marschall und Sigrid Trummer - 30-05-2016

Sigrid Trummer und Holger Marschall widerlegen eindrucksvoll die Schwierigkeit des Miteinanders von Gitarre und Klavier.

Es gibt Menschen, die sind unbedingte Anhängerinnen von Hunden. Keine Katze käme ihnen je ins Haus. Ebenso gibt es Menschen, die sind unbedingte Anhängerinnen von Katzen. Kein Hund käme ihnen je ins Haus. Auch mit Instrumenten verhält es sich wohl kaum anders. Wer ein bestimmtes Instrument zum Lieblingsinstrument erwählt hat, will ein anderes Instrument gar nicht hören. Nimmt dieses höchstens in Kauf, es mit anhören zu müssen, aber nur, wenn das geliebte Instrument dabei die erste Geige spielt.

Und doch kann es passieren, in einem Moment, in dem alles Festgefahrene aufgegeben werden muß, nein, gerne aufgegeben wird, weil es leicht gemacht wird, es aufzugeben, dann kommt zum Hund eine Katze, zur Katze ein Hund ins Haus.

Und ein solcher Moment war das Konzert am 30. Mai 2016 in der Bezirksvorstehung Mariahilf in Wien.

Das Konzert wurde nur besucht, um das Klavier zu hören. Das Konzert wurde aber verlassen, mit der Erkenntnis, der Gitarre für lange Zeit unrecht getan zu haben, sie abgetan zu haben, als das Instrument für politromantische Lagerfeuer, als das Wünschen noch verklärt war als ein Tun, das etwas bewirken könnte. Die Gitarre ein Instrument, das seit langem nicht mehr gehört werden wollte, präziser, die absolute Verweigerung, ein Konzert nur für Gitarre je zu besuchen.

Was kann über ein Konzert also besseres gesagt werden, als das, es veranlaßt die unbedingte Ablehnung eines Instruments aufzugeben. Wie kann ein Konzert als ein gelungenes beschrieben werden, als dadurch, dieses mit der Freude zu verlassen, ein Instrument hinzugewonnen zu haben, ohne das Lieblingsinstrument dabei herabzustufen, es gar zu verleugnen.

Das kann über das Konzert von Holger Marschall gesagt werden, das vom Kulturkreis Mariahilf veranstaltet wurde.

Die Gitarre spielte an diesem Abend die erste Geige.

Für zwei Stunden war es still im Raum, alle waren darauf bedacht, das Spiel der Gitarre nicht zu stören, keinen Gitarrenton durch einen Laut aus dem Publikum überhören zu lassen. Eine Katze fühlte sich sichtlich wohl, aber, vielleicht aus Achtung vor der Gitarre, verbat sie sich das Schnurren, ein Hund wedelte freudig, ebenso sichtlich darum bemüht, dabei keine Geräusche zu verursachen, die das Spiel der Instrumente stören könnten.

Hund und Katze können durchaus friedlich miteinander sein, und auch das Zusammenspiel von Gitarre und Klavier ist doch so ein leichtes, wie es Sigrid Trummer und Holger Marschall erleben ließen. Schwierig an dieser Instrumentenbesetzung ist bloß die Schwierigkeit, sich nicht vorstellen zu können, daß es schwierig ist. Es ist nicht schwer, denn Gitarre und Klavier können durchaus leicht miteinander.

Soher war das ein denkwürdiger Abend. Er brachte die Gitarre zurück. Er erzählte von dem leicht zu schaffenden Miteinander – auch von Klavier und Gitarre.

Er widerlegte auch unaufgeregt, aber eindringlich das Vorurteil, das Miteinander von Gitarre und Klavier sei schwierig. Menschgemäß braucht es für ein gelungenes Konzert begabte Menschen, die ihre Instrumente zu spielen verstehen, wie eben Holger Marschall und Sigrid Trummer es so gut verstehen und vor allem können. Aber das ist doch stets die Voraussetzung für eine musikalisch hochwertige Darbietung. Die besten Werke, etwa von Enrique Granados, Astor Piazzolla oder von Heitor Villa-Lobos wären nicht anzuhören, spielten diese vollkommen Unbegabte und darüber hinaus auch noch Übungsfaule.

Es war ein stiller Abend. Und ein lehrreicher. Holger Marschall erzählte von den Komponisten auf eine ebenso feine Art, wie er ihre Kompositionen spielte. Er sprach etwa von Astor Piazzolla, der als Kind mit seinen Eltern von Argentinien nach New York auswanderte. Ein Auswanderer, der lange schon in die ganze Welt eingewandert ist. Oder vom tragischen Ende des Enriquo Granados, der im Ärmelkanal beim Versuch, eine Frau aus dem Wasser zu retten, ertrank. Beide ertranken. Das war 1916. Weil ihr Schiff von einem U-Boot torpediert wurde. Dabei war Granados schon gerettet. Aber als er seine Frau im Meer treiben sah …

Es wollte diesen Erzählungen noch nachgegangen werden, aber sobald Holger Marschall zu spielen begann, war das je nicht möglich. Es konnte nur mehr zugehört werden. Jedwedes Abschweifen ward wie selbstverständlich verbeten. Und auch von daher war es ein sehr gelungenes Konzert, für zwei Stunden nicht an das denken zu müssen, was außerhalb des Konzertsaals … bei Auswanderung, Meer nicht gleich an heutige politische Gegebenheiten, Ungeheuerlichkeiten denken zu müssen. Aber es war keine Ablenkung und keine Flucht vor diesen; denn an diesem Abend wurde erzählt von dem leichten Miteinander, das zu schaffen ist, und nicht nur von Gitarre und Klavier.

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