„#Populistenpause“

populistenpauseEs ist eine hehre Idee, für einen Monat einmal zu allem zu schweigen, „kein Posten, kein Teilen, kein Kommentieren, kein Erwähnen, kein öffentliches Empören über rechtspopulistische und rechtsextreme österreichische PolitikerInnen, Parteien und Webseiten.“

Und es ist eine Idee, die leicht umzusetzen ist, also einen Monat lang, vom ersten bis zum einunddreißigsten März 2017 keine Kapitel zu schreiben, in denen erzählt wird – um ein Beispiel von gestern zu nennen, wobei Beispiele stets von gestern sind, weil die Figuren nur das Gestern haben und aus dem Gestrigen sind, das Gestrige ihnen ein Synonym für Geist ist – etwa von Franz Dinghofer, Björn Höcke, die identitäre Parlamentspartei …

Die Idee wäre gut – 1986 gewesen, gleich beim ersten Auftreten also eines solchen Unseligen; es muß keine Unselige hinzugefügt werden, denn es war ein Mann, nur der erste in einer langen Reihe von …, denen Aufmerksamkeit geschenkt wird, statt diese ihnen zu entziehen, die nicht ignoriert werden, sondern breitest …

Werden aber die Ausführungen zu dieser Idee, die nun im März 2017 umgesetzt wird, gelesen, ist es nicht so, daß mit Begeisterung gesagt werden könnte, das ist eine Aktion zum Mitmachen, auch wenn für den gesamten März kein Kapitel geschrieben werden wird, das dieser Idee zuwiderlaufen wird, aber es ist zu vieles dabei, das … es kann gar nicht gescholten werden die Eitelkeit, manche Formulierungen an die Sprache der Populistinnen gemahnen …

Es ist ebendie Wirklichkeit in einer Echokammer. Schweigen verursacht kein Echo außerhalb der Kammer.

In den Ausführungen zu dieser Idee heißt es, es sei ein „einzigartiges Experiment“. Zweifellos ein Experiment, aber kein einzigartiges. Das Schweigen ist von einer satten Mehrheit gelebte Alltagswirklichkeit in Österreich. Und machte die Populistinnen in dreißig Jahren stärker und stärker, trotz der vielen und vor allem berechtigten Kritik. Was in diesem Land vor allem fehlt, ist Aufmerksamkeit für Kritik, aber auch Selbstkritik und Einbindung dieser in das eigene Handeln.

Weiter heißt es:

„Unsere Aufmerksamkeit ist ein enorm wertvolles Gut. Von diesem hohen Gut hat in den vergangenen 30 Jahren keine politische Gruppierung in Österreich mehr profitiert als die populistische und extreme Rechte. Nun gönnen wir uns im März erstmals für 31 Tage eine Pause – und den Populisten und Extremisten gönnen wir nicht mehr unser wertvolles Gut! Denn nichts fürchten sie so sehr, wie nicht beachtet zu werden. Nichts tut ihnen so sehr weh, wie wenn andere unsere Aufmerksamkeit bekommen und nicht mehr sie.“

„Unser wertvolles Gut“ – welche Fahne soll dazu geschwungen werden? Dreißig Jahre Aufmerksamkeit, dreißig Jahre Beachtung. Und das Ergebnis? Wirkungslosigkeit.

Und weiter:

„Wir wollen kein Ende der Kritik an der populistischen und extremen Rechten in Österreich. Wir wollen nicht, dass Rechtsextremismus verharmlost, ignoriert oder gar normalisiert wird. Wir werden weiterhin vehement dagegen ankämpfen, dass Rechtsextreme in Machtpositionen gelangen. Aber dieser eine Monat Pause ist ein dringend notwendiger Impuls! Er wird unser Bewusstsein schärfen, wie Populisten und Extremisten mit unserer Aufmerksamkeit und Empörung spielen. Und er wird uns helfen, mehr Klarheit zu gewinnen, welche Reaktion den rechten Provokateuren schadet und welche ihnen nutzt.“

„Wir wollen kein Ende der Kritik …“ – was für eine Anmaßung. Und das mit dem „Ankämpfen, dass …“ – nun ja, auflaufen dürfen, anrennen gelassen werden, wäre wohl treffender formuliert mit Blick auf die österreichische Wirklichkeit. Eine Klarheit muß nicht mehr gewonnen werden. „Welche Reaktion den rechten Provokateuren schadet“, führen das nicht gerade, um ein paar Namen zu nennen, Kern, Doskozil, Sobotka und Kurz eindrücklich vor?

Weiter:

„Populisten haben Methoden perfektioniert, wie sie unsere Aufmerksamkeit ködern und uns aus der Reserve locken können. Populisten wissen, wie sie für Gesprächsstoff sorgen. Sie werden auch und gerade im März nichts unversucht lassen, um weiterhin im Gespräch zu bleiben. Doch für 31 Tage stellen alle, die sich an der Aktion beteiligen, andere Dinge in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit. Egal welche neuen Maßstäbe die populistische und extreme Rechte in Sachen Rassismus, Diffamierung, Lüge, Korruption und Peinlichkeiten setzt – wir schenken ihnen unsere Empörung nicht!“

Was für eine Selbstüberschätzung. Als ob Populistinnen die Sorge umtriebe, in einer Echokammer Gesprächsstoff … Die Populistinnen werden wohl auch im März in der Echokammer Mittelpunkt der Gespräche sein, aber die „anderen Dinge“ aus der Echokammer werden nicht Mittelpunkt der Öffentlichkeit … Im Mittelpunkt der Öffentlichkeit werden die Populistinnen stehen, ganz ohne Empörung, mit breiter Zustimmung und wohl auch weiteren ihnen zuarbeitenden Gesetzesideen der Regierung.

Weiter geht es mit „Tipps“:

„Ruf Dir ins Bewusstsein, dass die Aufmerksamkeit, die du rechten Provokateuren schenkst, für sie zumeist eine Belohnung ist. Doch du willst sie nicht belohnen. Ruf Dir auch ins Bewusstsein, dass wir schon alles kennen, was die rechten Provokateure tun: Wir kennen die Schlagzeilen, die sie provozieren. Wir kennen die Ungeheuerlichkeiten, die sie immer wieder von sich geben. Wir kennen die Menschenverachtung und Skrupellosigkeit, mit der sie ihr Programm durchziehen und die sie zu ihrem Programm gemacht haben. Wir kennen ihre Menschenfeindlichkeit, ihren Rassismus, ihren Versuch immer wieder neue Keile zwischen die Menschen zu treiben. Wir kennen ihre nationalen und internationalen rechtsextremen Vernetzungen. Und wir kennen die Abläufe ihrer Veranstaltungen und Reden. Damit Dir der Populisten-Entzug leichter fällt, fang am besten schon vor dem 1. März damit an. Statt auf rechte Provokateure öffentlich zu reagieren, mach Dir private Notizen, wenn Dich etwas bewegt. Du kannst uns Deine Notizen gerne zuschicken. Aber verkneife Dir Postings, Tweets, Kommentare, etc., ganz egal wie arg die Provokation ist. Die Populisten werden alles tun, um Deine Aufmerksamkeit zu bekommen. Lass sie ins Leere laufen. Sei ruhig stolz auf Dich, wenn Du etwas nicht postest, obwohl es Dich in den Fingern juckt. Und sei stolz auf Dich, wenn Du stattdessen etwas postest, das Du gut findest, das Dir gefällt, das Du empfehlen magst. Bitte schicke uns Deine Beobachtungen und Erfahrungen. Und berichte uns über Deine starken und schwachen Momente.“

„Stolz“ und noch einmal „Stolz“ – welche Fahnen sollen dazu geschwungen werden?

„Populisten-Entzug …“ – „Populisten-Entzug“?

„Wenn Dich etwas bewegt. Und berichte uns über Deine starken und schwachen Momente.“ Die Echokammer, eine Therapiekammer …

„Wir kennen die Ungeheuerlichkeiten …“ Das ist allzu wahr. Es  ist auch wahr, daß Populistinnen nach Kritik gieren, und es ist die Ohnmacht der Kritik im Angesicht der österreichischen Wirklichkeit … es wurde bereits vor längerer Zeit in Anbetracht der eigenen Ohnmacht und Ausrichtungslosigkeit entschieden, keine Kapitel mehr zu schreiben zu dem Magazin der identitären Parlamentspartei, obgleich es dazu den Wunsch des Magazinsatirikers gab …

Einem für die „Zur Zeit“ Tätigen kann ein Wunsch nicht erfüllt werden

Abschließend heißt es in den Ausführungen:

„Schaffen wir das?

Gemeinsam können wir die erste Populistenpause in Österreich schaffen! Bitte mach mit und animiere auch andere dazu, mitzumachen!

Und was kommt nach dem 31. März?

Dann ziehen wir Bilanz! Und dann gehen wir alle hoffentlich ein wenig bewusster mit unserer großen Macht um, Aufmerksamkeit zu schenken oder zu entziehen. Denn die Zukunft unserer Demokratie wird nicht nur an der Wahlurne entschieden, sondern auch indem wir wählen, wem wir wann und wie unsere Aufmerksamkeit zuteil werden lassen.“

Menschgemäß muß das in einem Monat zu schaffen sein, aus einer Echokammer eine Therapiekammer zu machen.

Nach dem 31. März kommt der 1. April. Und das wird ein wunderbarer langer, langer erster April, wenn an der Wahlurne entschieden werden wird, die „Populisten“ bekommen die Stimmen und also die Macht, aber, was ist das schon für eine kleine Macht die Macht der Legislative und der Exekutive gegen die „große Macht“ zu „wählen, wem wir wann und wie unsere Aufmerksamkeit zuteil werden lassen“.

Zum Schluß kann gefragt werden, wer wird an diesem einzigartigen Experiment“ mitmachen? Gewiß nicht die österreichischen Medien. Die werden, auch im März, brav und breit berichten, was die Populistinnen von sich geben werden. Und vor allem werden sie, auch im März, nicht breit und ausführlich berichten, was es in Österreich noch alles gibt. Es gibt in Österreich mehr als nur die Populistinnen und den Populistinnen zuarbeitende Landes-, Stadt- und Bundesregierungen.

Das wäre nicht nur lohnenswert, sondern dringlich erforderlich, daß Massenmedien in Österreich darüber ausführliche Berichte bringen, wenigstens, für den Anfang, einen Monat lang, im gesamten März 2017, einen Monat lang wenigstens nicht das Geschäft besorgen für …

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