Wandergeselle Rathkolb, Irmgard Griss im politischen Wachkoma in Österreich, Scholle des Führers

Im Namen des Volkes Puls 4 Griss.jpg

15

Für die geplante Sendung von der Fernsehfirma Puls 4 ab Mai 2017 muß kein eigenes Kapitel eröffnet werden. Es ist bloß ein weiteres Beispiel dafür, weshalb  auf dieses Land vortrefflich die Beschreibung paßt:

Österreich, Scholle des Führers.

16

Nun wandert der Historikergeselle Rathkolb von Studio zu Studio, von Redaktion zu Redaktion, um zu erklären, wie das mit der Umfrage sei, an der er beteiligt war … ach, und ein ganzes Land, erschüttert über die Ergebnisse dieser Umfrage, lauscht seinen Ausführungen, sieht ihm bei seinem Zimmern einer gefälligen Erklärungstruhe …

Aber kann das Ergebnis überraschen, wenn nach dem „starken Mann“ gefragt wird?

Jedwede Frage einer Umfrage zeitigt Antworten. Vor allem, wenn verknappte Antwortmöglichkeiten vorgegeben sind. Zwangsläufig kommen Antwortprozentzahlen dabei heraus.

Wie wäre wohl das Ergebnis ausgefallen, wäre nicht nach dem „starken Mann“ gefragt worden, sondern nach „Menschen mit Haltung“? Wenn also gefragt worden wäre, ob Sie Menschen mit Haltung in verantwortlichen politischen Positionen haben möchten. Menschen also, die ihr Amt kleiden und sich nicht vom Amt bekleiden lassen.

17

Was heißt denn, nach dem „starken Mann“ zu fragen?

Nichts.

Es offenbart bloß eine schauerliche Denkweise derer, die die Umfrage durchführen. Es will gar nicht so weit gegangen werden, zu sagen, derartige Fragen nach dem „starken Mann“ erzählen im Grunde von der Sehnsucht der Befragenden nach einem „starken Mann“,  und vielleicht auch von ihrem Traum, da sie es sind, die nach dem „starken Mann“ fragen, selbst ein „starker Mann“ zu sein.

18

Nach dem „starken Mann“ zu fragen, ist nichts anderes als die Fortschreibung autoritärer Denkungsart, die reaktionäre Einteilung in Stärke und Schwäche.

Als ob es darum noch ginge: stark und schwach, schwach oder stark …

Das Ergebnis einer auf einem sehr alten Weltbild fußenden Umfrage, wie es diese Umfrage ist, kann also nicht überraschen, noch erschüttern.

19

Was nun auch so breit erschüttert und überrascht: vor zehn Jahren wären es noch weniger Menschen gewesen, die nach dem „starken Mann“ … Sind dieselben eintausend Menschen wie vor zehn Jahren telefonisch befragt worden? Kann alles, was in einer telefonischen Befragung gesagt wird, für bare Münze genommen werden, als Wahrheit und nichts als die Wahrheit? Wer kennt nicht die lästigen Umfrageanrufe, auf die als Reaktion es auch die Möglichkeit gibt, gleich die Teilnahme genervt abzulehnen, oder sich einen mit ernst wirkenden Antworten maskierten Spaß zu gönnen, Umfrageunternehmen eine lange Nase zu drehen – ganz gleich, ob Fragen gestellt werden nach Politik und Geschichte oder Waschpulver, Eislutscher oder Gummibärchen … Obwohl. Gerade bei Fragen nach der Politik ist es eine besondere Herausforderung, Antworten zu geben, die nicht die eigene Meinung widerspiegeln … Und bei den konkreten Fragen dieser speziellen Telefonumfrage kann es durchaus sein, daß Menschen noch nie über solche Fragen nachgedacht haben … wer fragt sich schon selber und hat dazu wohlüberlegte Antworten für sich, er oder sie wolle einen „starken Mann“ oder der Nationalsozialismus habe dies weniger oder das mehr für Österreich gebracht … Und dann passiert das, aus Höflichkeit, eine Reflexantwort, eine schnelle Wahl wie beim Wirten, zu essen habe er noch Frankfurter oder Debreziner, dann wird schnell entschieden, Debreziner zu nehmen, oder Frankfurter … Und mehr bieten Umfragefirmen bei Telefonumfragen auch nicht an, vielleicht noch Senf, ab und an auch noch Krenn …

Aber die Ergebnisse von Telefonbefragungen werden stets mit einem päpstlichen Ernst präsentiert und aufgenommen, als wären alle vor einer Frau Richterin gestanden und hätten unter Eid bei sonstiger Strafandrohung aussagen müssen …

21

Es wird wohl nicht dokumentiert sein, ob und wie viele Menschen, die befragt wurden, es abgelehnt haben, die Frage nach dem „starken Mann“ zu beantworten, und das auch begründet haben, weil es etwa unsinnig sei nach dem „starken Mann“ zu fragen, weil es eine gänzlich falsche Fragestellung sei und so weiter und so fort.

22

Ach ja, die geplante Sendung der Fernsehfirma mit dem Titel „Im Namen des Volkes“.

„Irmgard Griss führt als Vorsitzende durch die Verhandlung: ausgleichend, hinterfragend – aber auch mit der Möglichkeit zur Sanktionierung von Ausfälligkeiten und Polemiken, als echte Autoritätsperson.“

Ständig, und diese geplante Sendung ist das aktuellste Beispiel hierfür, wird der „starke Mann“ bedient, beworben, schmackhaft gemacht, und dann das große Erstaunen, die große Erschütterung, wenn in einer Umfrage ein hoher Prozentsatz einen „starken Mann“ …

23

Es ist nachvollziehbar, wenn eine Fernsehfirma auf ihrer ständigen Jagd nach Quote auf die abstrusesten Sendungsideen verfällt, aber daß ein Mensch, der immerhin Bundespräsident werden wollte, also ein politisches Amt bekleiden wollte, bei solch einer Sendung mitmachen will und wird, das kann nur ein Mensch im politischen Wachkoma sein.

24

Ein „Diskurs brisantester gesellschaftspolitischer Themen Österreichs“ als Puls-4-Verhandlung mit einer „echten Autoritätsperson“, die den „Vorsitz mit der Möglichkeit der Sanktionierung“ führt, und am Ende mit einer „Entscheidung im Namen des Volkes“ … das ist der Stoff, aus dem Satiren sind, in Österreich aber der Stoff, aus dem die Wirklichkeit ist.

25

„Im Namen des Volkes“ … in welcher Zeit, Entscheidungen respektive Urteile „im Namen des Volkes“ gefällt wurden, muß nicht besonders vermerkt werden …

Wie das Ergebnis der Umfrage nicht überraschen kann, überrascht es auch nicht, daß auf der Scholle des Führers derart unbekümmert für eine Sendung „Im Namen des Volkes“ als Titel genommen wird, ach, was für ein Fortschritt wird das sein, gesittet und ruhig werden nun die Entscheidungen „im Namen des Volkes“ verkündet werden, nicht wie seinerzeit brüllend von einem der in seiner Zeit vielen eine „echte Autoritätsperson“ war … und das ist kein Vergleich zwischen Irmgard Griss und Roland Freisler, keine Gleichstellung von Roland Freisler und Irmgard Griss …

Wenn Irmgard Griss wenigstens für einen Moment aus dem politischen Wachkoma herauskommen würde, fiele ihr vielleicht doch auf, die Unmöglichkeit an der Teilnahme an einer solchen Sendung, die für die unsägliche Kontinuität einer Denkungsart stehen wird, die einst den Nationalsozialismus hervorbrachte, und es sollte jeden Menschen davor schaudern, was dieses überholte „Im Namen des Volkes“-Geschwefel heute hervorbringen wird, was es heißt, diese überholte Denkungsart durch Mitwirkung zu bedienen, zu bewerben. Wie einst das Geschwefel vom Volke zum Nationalsozialismus führte, wird das heutige Geschwefel vom Volke zu etwas führen, das nichts Gutes sein wird, auch und vor allem nicht für das sogenannte Volk.

25.1

Irmgard Griss. Zu ihr ist nichts hinzuzufügen, was nicht bereits …

Hin- und Grisssichtl und das Verharren im Alten in Österreich

26

Ach, wie recht doch der Wandergeselle hat, die Wichtigkeit der Bildung zu betonen, den Bildungsauftrag einzumahnen … ist es nicht schauerlich, wie die sogenannten unerreichbaren Bildungsfernen gemütlich und nostalgisch etwa von „Lieblingsnazis“ …

Alle wissen alles und alle tun nichts! Höchste Zeit zur Aufarbeitung der Aufarbeitung des Nationalsozialismus – Aber in der Gegenwart

2 Gedanken zu „Wandergeselle Rathkolb, Irmgard Griss im politischen Wachkoma in Österreich, Scholle des Führers

  1. Pingback: Irmgard Griss sur Pouls quatre: Au nom du peuple en France et en Autriche | Prono ever

  2. Pingback: Alice Weidel, die Hans Albers | Prono ever

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s