Hin- und Grisssichtl und das Verharren im Alten in Österreich

Vor einigen Tagen gab es eine Fernsehdiskussion. Irmgard Griss trat auf. Mit jeder Wortmeldung mehr von ihr bestätigt sie, was bereits bei Bekanntgabe ihrer Kandidatur geschrieben wurde: Irmgard Griss in der Bandion-Ortner-Falle …

Allerdings mit einer Korrektur. Im Dezember 2015 war es noch als Frage formuliert: Wie arm muß ein Land sein … Heute kann es nur mehr eine Feststellung mit Ausrufezeichen sein. Wie arm dieses Land ist! Wie armselig Österreich ist!

Dabei kann Irmgard Griss selbst gar kein Vorwurf gemacht werden; ist sie doch selber ein Opfer dieser Armseligkeit, auch wenn sie vermeint, eine Hauptrolle zu spielen, die den Namen tragen könnte: „Ich freue mich wie ein neuer Schilling“. Ob des vielen Aufhebens um sie kann sie verstanden werden, daß sie die Freu-mich-neuen-Schilling gibt …

Und dieser wohl als politische Sendung gedachte Talk im Hangar des Fernsehsenders – Na seawas: mit diesem Ausruf wäre bereits alles gesagt, was zu dieser … oder mit einer kleinen Titelveränderung: Talk im Hänger. Hänger ist ein Kurzwort für Anhänger, bezeichnet aber auch eine Gedächtnislücke während eines Vortrages. Und spätestens ab dieser Sendung bezeichnet Hänger sowohl Gedächtnislücke als auch und vor allem Politlücke.

Es will gar nicht groß ausgeführt werden, sondern lediglich ein paar Stichworte dazu auf einen Schmierzettel geschrieben werden, angemessen dem politischen Gewicht von Irmgard Griss, mehr aber noch der politischen Gewichtslosigkeit  vor allem des Moderators …

Parteien, nicht mehr wählbar?

Parteien, so etwa der Befund im Angesicht der rund neunzehn Prozent von Irmgard Griss in der Bundespräsidentschaftswahl am 24. April 2016, seien nicht mehr wählbar … Nun, die Kandidaten der vier Parteien zusammen haben beinahe neunundsiebzig Prozent erhalten. Kann es in einer Demokratie, wenn sie eine Demokratie bleiben will, noch mehr Zustimmung für die Wählbarkeit von Parteien geben? (Nebenher: wer erinnert sich noch Stronach, Martin …)

Irmgard Griss, Erbin von Jörg Haider?

Es war, soweit Aussagen des Moderators überhaupt erinnerlich bleiben können, der Moderator, der fragte, ob das ein Erbe von Jörg Haider sei, daß so viele sie gewählt hätten. Daß heutzutage nicht mehr brauchtumsstur gewählt wird, dafür steht Jörg Haider mit Sicherheit nicht. Ganz im Gegenteil. Es waren ganz andere Bewegungen, von denen diesmal eine Irmgard Griss profitieren konnte. Gänzlich dem über Jahrzehnte beherrschenden System von Rot und Schwarz und Blau entgegengesetzte Bewegungen, denen Irmgard Griss ihren hohen Stimmenanteil zu verdanken hat. In dem nicht durch Jörg Haider aufgebrochenen System hätte Irmgard Griss höchstens lugnerische Prozente bekommen; vielleicht wäre sie gar nicht angetreten, sondern hätte als brave Wählerin einen Kandidaten von Rot oder Schwarz oder Blau ihre Stimme …

Wahlempfehlung?

Um es nicht mißzuverstehen, es wird hier von Irmgard Griss ganz und gar keine Wahlempfehlung abverlangt. Aber ihr Herumgetue um eine von vielen Seiten herangetragene Forderung, sie möge eine Empfehlung abgeben – auch diesmal im Na-seawas-Hänger –, offenbart wohl ganz deutlich, wie sehr sie in diesem Alten verharrt, als wäre sie eine Parteipolitsoldatin uralten Zuschnitts. Ja nichts Genaues sagen. Hinsichtl und Rücksichtl, es kann ja nicht gewußt werden, wie das alles noch wird, und dann könnte es geschehen, auf der falschen Seite … diese in Österreich so weit verbreitete Angst, auf der falschen Seite …

Es wird von ihr die Nichtwahlempfehlung damit argumentiert, die Bürgerinnen seien mündig genug … Werch ein Illtum! Nicht von den Bürgern, sondern von ihr. Eine Empfehlung ist kein Befehl, aber Irmgard Griss scheint zu denken, es ist ein Befehl. Eine Empfehlung ist lediglich eine klare Positionierung der Empfehlenden. Die Mündigkeit im Umgang mit Empfehlungen besteht darin, abzuwägen, ob die Argumente für eine Empfehlung derart stichhaltig sind, sie für die eigene Wahlentscheidung miteinbeziehen zu können oder nicht. Das Geschwefel von Irmgard Griss, wofür sie stehe, stets geht es nur um sie, wenn sie spricht, wofür sie stehe, also für weltoffen, war ein Wort, wenn richtig in Erinnerung, legt eher den Schluß nahe, es ist gut, daß es von ihr …

Neuer politischer Stil?

Im Na-seawas-Hänger konnte auch nicht ausbleiben, daß Irmgard Griss gefragt wurde, ob sie denn weitermachen wolle, mit einer eigenen Partei vielleicht. Und wieder dieses ihr Freu-mich-Schilling-Herumgetue. Das also wird derzeit von nicht wenigen in Österreich als „neue Politik“ erhofft und ersehnt – das Verharren im alten System von Rot und Schwarz und Blau.

Und wer die 21 Punkte von Irmgard Griss für einen „neuen politischen Stil“ nur einmal überfliegt, findet bloß No-Na-Punkte. No-Na-Punkte und dazu ihr Freu-mich-Schilling-Herumgetue: Na seawas!

Am 24. April 2016 waren die Bürger und Bürgerinnen mündig genug, nicht Irmgard Griss zur Kandidatin für den zweiten Urnengang, zur Stichwahlkandidatin zu wählen. Denn. Für den 22. Mai 2016 hätte das nur heißen können: der Wahl fernzubleiben. Eine Kandidatin des alten und darüber hinaus nicht einmal politischen Stils als Alternative zu einem Kornblumenträgerkandidaten hätte für den 22. Mai 2016 nur eines bedeuten können: auf das Wahlrecht zu verzichten.

Imgard-Freu-mich-Schilling-Griss

 

Ein Gedanke zu „Hin- und Grisssichtl und das Verharren im Alten in Österreich

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