Österreich: Donner, Düringer, Hellstorm, Hitler, Hooton – Eine Serie, Einleitung

Österreich - DonnerEs ist wohl diese absolute Kleinheit von Österreich dafür verantwortlich, daß es kein Entrinnen gibt, also es unmöglich ist, den seltsamsten, den obskursten Menschen aus dem Weg zu gehen, schlimmer noch, mit diesen irgend etwas nicht zu tun zu haben, noch schlimmer, mit diesen zusammen irgendwelche Aktivitäten nicht zu setzen.

Und eine aus dieser Riege der sonderlichsten Menschen ist: Monika Donner.

Monika Donner ist ein Mensch, mit dem zu beschäftigen, einem einzigen Grund geschuldet ist, durch die Beachtung, durch die Verbindungen dieses Menschen ist viel über Österreich zu erfahren.

Von Monika Donner zu erzählen, heißt von Österreich zu erzählen.

Es könnte alles in einem Kapitel erzählt werden. Aufgrund der Fülle wäre das ein langes Kapitel. Das ist aber keine Scheu vor einem langen Kapitel. Es ist auch kein Entgegenkommen gegen Sie, Leser und Leserin, das zu Erzählende aufzuteilen, das zu Erzählende Ihnen kleinweise vorzutragen. Aber kurze, also kleine Kapitel passen einfach besser zur Kleinheit Österreichs. Und, auch das mag ein Grund sein, für den Menschen, der das zu schreiben hat, ist die Aufteilung auf kleine Kapitel erträglicher, als alles in einem einzigen langen Kapitel unterzubringen, und, wie gehofft wird, somit der Gefahr zu entgehen, aufgrund der Fülle der zu berichtenden Unfaßbarkeiten Schwindelanfällen zu erliegen, zu taumeln und mit dem Kopf hart gegen eine Wand zu schlagen, sich also massiv körperlich zu verletzen.

Zu was alles mit Monika Donner über Österreich erzählt werden kann? Zu Medien, zur Politik, zum Fernsehen – genug, genug, es beginnt schon schummrig

Drei Steinplatten, Luftlinie.

Wien-Riga - Luftlinie drei Steinplatten

Es gab im Juli 2017 Aufregungen, wieder einmal Aufregungen, wie im Kapitel „Hübner schon wieder“ …

Es ging dabei, wieder einmal, um, wie es diesmal genannt wurde, „antisemitische Codes“.

Es werden jene wohl gleich aufschreien, nicht schon wieder, wenn erinnert wird, erinnert werden muß, wohin „antisemitische Codes“, nein, Antisemitismus führte: in die Vernichtung jedweder moralischer und ethischer Werte.

Zur Beruhigung wird gerne der Abstand zwischen dieser barbarischen Massenvernichtung von Menschen und dem Heute in Zeit gemessen. Und dann zur Verstärkung der Beruhigung hinzugefügt: Das ist so lange her. Es ist vorbei. Die Zeit hat sich geändert.

Wird es aber räumlich gemessen, kann sofort erkannt werden, wie gering der Abstand in Wahrheit ist. Dann kann es keine Beruhigung geben. Denn. Die Zeit hat sich nicht geändert. Die Zeit kann sich nicht ändern. Die Zeit, wie sie von Menschen gemessen wird, geht nur im Kreis, täglich zeigt sie nur die wenigen gleichbleibenden Ziffern, und kehrt täglich nur zu den wenigen gleichbleibenden Ziffern zurück. Der Mensch schaut auf den Kalender und meint, weil er für den heutigen Tag ein anderes Datum als für den gestrigen schreibt, liest, habe sich etwas geänd…

Gerade in Österreich.

Es gibt aber einen Ort, an dem dieser geringe Abstand deutlicher wird als irgendwo sonst.

Im Wald, nahe bei Riga.

Und dieser Ort zeigt deutlich, wie gering der Abstand ist: es sind bloß drei Steinplatten Luftlinie von Wien in den Wald.

Drei Steinplatten zwischen dem Wien der Beruhigung, der Beschwichtigung und der „antisemitischen Codes“ und dem Wald der Greuel.

Die Umgebung von Riga lädt zu Ausflügen ein.

Wer zu solch einem Ausflug aufbricht, in freudiger Erwartung, einfach einen schönen Tag zu verbringen, in heiterer Stimmung durch einen Wald zu radeln, dabei vor allem nichts Geschichtliches erwarten will, nur Stille und Schönheit eines Waldes, findet sich plötzlich, gänzlich unvorbereitet, weil in den Wald auf einem Weg ohne eine Tafel, die darauf hinweist, was in diesem Wald passiert war, hineingefahren, inmitten des Grauens wieder.

Drei Steinplatten, oder eine Grabplatte, sind es von Wien nach …

Wäre zu diesem Wald ein anderer Weg genommen worden, die Straße also, an der deutlich eine Hinweistafel den direkten Weg zur Gedenkstätte anzeigt, informiert, was in diesem Wald geschah, was in diesem Wald zu erwarten ist, es wäre der Wald gemieden worden.

Aber in Erinnerung an die Aufregungen im Juli 2017 in Wien, wurde, kaum zurück in der Stadt, gedacht, wie gut, in den Wald auf einer Strecke ohne Hinweistafel hineingefahren zu sein, um in diesem vorgeführt zu bekommen,

Wien

daß es bloß drei Schritte sind von … Besonders wegen der Erinnerung, wie schnell es mit der Aufregung wieder vorbei war, mehr noch, wie schnell die diese Aufregung, wieder einmal, verursachende Parlamentspartei gelobt wurde, dafür, in dieser Causa klar gehandelt zu haben, etwa von einem Minister …

Drei Schritte

Es sind nicht nur die „antisemtischen Codes“, an die unweigerlich im Wald gedacht werden mußte … zurück in der Stadt war es unweigerlich, noch einen Ort der Erinnerung aufzusuchen, diesen aber bewußt, einen Ort der Erinnerung an einen Landeshauptmann von Burgenland …

Drei Steinplatten zum Wald

 

1925: „Heimkehr Österreichs ins Reich“ und „Das Frankenburger Würfelspiel“

Es wird recht gern so getan, als wäre etwas, das es beispielsweise seit 1925 gibt, harmlos. Seit diesem Jahr wird in Frankenburg etwas aufgeführt, das seine Unterstützerinnen, seine Förderer hat, seine Partner und Partnerinnen, bis zum heutigen Tage, wie gelesen werden kann …

Das Frankenburger Würfelspiel: „Spül‘ ma an Nazi oder nit“ ist entschieden – Premiere ist am 28. Juli 2017

… oder gar, wie es die itzingerische Witwe meinte, wenn etwas 1625 spiele, dann könne es in der Gegenwart nicht  …

Und noch etwas gab es 1925, noch etwas wurde 1925 geschaffen, ein Bild, das für den Leopold-Stocker-Verlag, wie in der Collage gelesen werden kann, untrennbar nach seiner Reklame zusammengehört mit dem itzingerischen „Würfelspiel“: die „Heimkehr Österreichs ins Reich“ …

„Dieses Bild von Professor Hermann Bergmeister wurde 1925 als Ausdruck der Sehnsucht und der Hoffnung gemalt. Heute ist das symbolische Bild himmelbeglückende Wirklichkeit geworden. Das Bild versinnbildlicht die Heimkehr Österreichs ins Reich; Mutter Germania begrüßt an der Stelle des gefallenen Grenzpfahles den ins Reich heimkehrenden Alpendeutschen. Dieses Bild war unter Anschuldigung des Hochverrates 4 Jahre in Österreich verboten.“

Dreizehn Jahre später konnte der Leopold-Stocker-Verlag sich himmelbeglückt fühlen, und sieben Jahre später wurde Bilanz über zwölf Jahre gezogen: Elend, Not, Tod, Massenmord, und acht Jahre zuvor, 1925, malte Hermann Bergmeister seine Sehnsucht und seine Hoffnung, wurde in Frankenburg itzingerisch gewürfelt. Es wird nicht gewußt, ob die Sehnsucht und die Hoffnung von Bergmeister die nach diesen zwölf Jahren war, von Itzinger darf gesagt werden, dafür spricht seine Biographie gegen ihn, er fand seine Sehnsucht und seine Hoffnung in diesen zwölf Jahren erfüllt.

Was die Sehnsucht und die Hoffnung des Leopold-Stocker-Verlages anbelangt, so mag er sie haben, welche auch immer, zum Teilen oder gar zum Wählen aber sind diese ganz und gar nicht.

Und dann gibt es seit 2016 einen neuen Verlag, von einem Mann, der nicht Herz heißt, aber mit der Zuneigung der Copysite der identitären Parlamentspartei reich gesegnet, dessen Sehnsucht und Hoffnung ihn wohl dazu verleitete, seinen Verlag Jungbrunnen statt Alttümpelverlag zu taufen … es sind Sehnsüchte und Hoffnungen, die je nicht eine erste Chance verdienen.

Stocker Ares Itzinger Bergmeister Frankenburg.png

Das schlimmste von allen Tieren ist, kurz gesagt, das autofahrende Tier

Seit der Überlandpartie am 1. Mai, bei der dem entzückenden Bericht über das radfahrende Pferd gelauscht werden durfte, sind wieder, wie festgestellt werden muß, ganz und gar nicht erfreuliche …

drei junge Menschen wurden ermordet

Menschen rissen der Bildung ihre Maske herunter und zeigten ihre Kruckenkreuznase des Antisemitismus und …

Menschgemäße Tage eben, menschgemäße Tage sind wieder vergangen, und menschgemäß ging es ebenfalls weiter mit innenpolitischen Wirren

kurz und sobotka - schwarz macht altWie gut ist es dann, auch dieses Wochenende neben Karl-Loisl Platz nehmen zu dürfen, über das Land fahren zu können, dabei dem auf der Rückbank bequem Sitzenden zuzuhören, erfreut darüber zu sein, schon am Freitag, dem 12. Mai, losgefahren zu sein, um nichts von dem mitzubekommen, was gerade an diesem Tag noch so plapp plapp plapp … wie angenehmer und vielsagender hingegen die Motorgeräusche, das Schnauben und Wiehern der radfahrenden Pferde, das Geschnatter der Gänse …

Und sogleich wird von ihm, kaum ist der Motor angelassen, sind die ersten Meter zurückgelegt, die Erzählung vom 1. Mai wieder aufgenommen und fortgesetzt, die von ihm abgebrochen wurde mit: „Aber da ist auch noch der Autofahrer.“

Aber da ist auch noch der Autofahrer. Haben wir den Mut, es zu bekennen: Er ist von allen Tieren der Landstraße vielleicht das schlimmste.

Ich spüre es an mir selbst. Wenn ich, mit beiden Füßen fest auf dem Boden und kühlem Kopf, mein Gewissen erforsche, stelle ich mit Entsetzen fest, daß ich selbst zuweilen dieses Tier bin … Und doch, verehrter Herr, bin ich in meiner generellen Lebenshaltung weder ein Snob, den der Anblick des Reichtums begeistert, noch ein Herzloser, den der Anblick der Armut beleidigt. Ohne Pose, ohne Literatur, ohne Hintergedanken im Hinblick auf die Karrieren, da ich mir keinerlei Pöstchen, keinerlei Mandat, keinerlei Orden erwarte, habe ich tiefstes Mitleid mit dem menschlichen Unglück. Jeden Tag empöre ich mich immer mehr darüber, daß die Männer, die an der Macht sitzen – egal, unter welchem Etikett, und sei es auch das röteste, sie an die Macht gelangen –, allein aus Liebe zur Macht die soziale Ungleichheit, die sorgfältig gezüchtet wird, zur ständig gleichen Regierungsmethode machen und daß sie ein leidendes Proletariat – das den Reichtum eines Landes erarbeitet, ohne daß man es jemals daran teilhaben läßt – unerbittlich in der härtesten, der ungerechtesten Versklavung halten. Und da der Reiche – mit anderen Worten: die Regierung – immer blind gegen den Armen ist, bin ich, ebenfalls blind und zu allen Zeiten, gemeinsam mit dem Armen gegen den Reichen, mit dem Niedergestreckten gegen den Niederstrecker, mit dem Kranken gegen die Krankheit, mit dem Leben gegen den Tod. Das ist vielleicht etwas zu sehr vereinfacht, von unreflektierter Parteilichkeit, wogegen es gewiß vieles einzuwenden gibt … Aber ich verstehe nichts von den Feinheiten der Politik. Und sie verletzen mich wie ein Unrecht.

Sobald ich aber im Automobil sitze, von der Geschwindigkeit mitgerissen und vom Schwindel ergriffen werde, erlöschen diese humanitären Gefühle. Ich spüre, wie sich in zunehmendem Maße dunkle Fermente von Haß in mir regen, ich spüre, wie die schweren Hefen eines schwachsinnigen Stolzes in mir gären und aufsteigen … Es ist wie ein verabscheuungswürdiger Rausch, der in mich fährt … Die schmächtige menschliche Einheit, die ich bin, verschwindet und weicht einer Art wunderlichem Wesen, in dem sich – oh, lachen Sie nicht, ich flehe Sie an! – die Pracht und Kraft der Elemente, der Naturgewalten verkörpern. Im Laufe dieser Seiten habe ich schon mehrmals von den Erscheinungsformen dieses kosmogonischen Größenwahns gesprochen.

Und da ich die Naturgewalt, der Wind, der Sturm, der Blitz bin, müßte Ihnen begreiflich werden, mit welcher Verachtung ich von der Höhe meines Automobils herab die Menschheit … was sage ich? … das gesamte meiner Allmacht unterworfene Universum betrachte. Doch welch erbärmliche Naturgewalt, da bereits ein kleiner Karren, der den Weg versperrt, genügt, um sie machtlos und kleinlaut zum Anhalten zu bringen … Welch erbärmliche Allmacht, da sie bereits ein Stein, der auf der Straße liegt, in den Straßengraben stürzen läßt!

Und dennoch … und dennoch.

Da ich die Naturgewalt bin, lasse ich nicht zu, kann ich nicht zulassen, daß sich auch nur das geringste Hindernis vor der Laune meiner Bewegungen aufrichtet. Es ist nicht nur unter der Würde einer Naturgewalt, daß sie anhält, wenn sie es nicht will, sondern es ist absolut lächerlich und ungebührlich, daß eine Kuh, ein Bauer, der sich auf dem Weg zum Markt befindet, ein Fuhrmann, der Mehl- oder Kohlesäcke in die Stadt befördert, daß all diese Leute, die niedrige alltägliche Arbeiten verrichten, sie zwingen, ihren unbesiegbaren, alles beherrschenden Lauf zu verlangsamen.

»Platz gemacht … Platz gemacht …. Hier kommt die Naturgewalt!«

Und ich bin nicht nur die Naturgewalt, bestätigt mir der Automobil-Club, mit anderen Worten,  die herrliche blinde und brutale Kraft, die verwüstet und zerstört, sondern ich bin auch der Fortschritt, flüstert mir der Touring-Club ein, mit anderen Worten, die organisierende und erobernde Kraft, die unter anderen zivilisatorischen Wohltaten auch den Familienpensionen im hintersten Winkel der Gebirge einen neuen Anstrich in Lackfarbe verleiht und hochmoderne water-closets samt Gebrauchsanweisung in den kleinen Hotels der entlegensten Provinzen verteilt …

»Also Platz gemacht für den Fortschritt! … Platz gemacht! Platz gemacht!«

Und siehe da!

Sobald die Sirene ertönt, kommen die Menschen aus ihren Häusern gestürzt, sie verlassen ihre Felder, rotten sich zusammen, verfluchen mich, zeigen mir die Faust, drohen mir mit Sensen und Mistgabeln, bewerfen mich mit Steinen. Seit Jesus ist das immer die gleiche Geschichte. Man opfert sich für die Menschen. Und was passiert? Man wird von ihnen gesteinigt, da die Verweichlichung der Zeit es nicht mehr erlaubt, daß sie einen kreuzigen!

Diese rückschrittliche Verstocktheit der Dorfbewohner, denen ich ihre Hühner, ihre Hunde, manchmal auch ihre Kinder überfahre, ist sie nicht im höchsten Grade beunruhigend, entmutigend, ja empörend, da sie nicht begreifen wollen, daß ich der Fortschritt in Person bin und daß ich für das Glück der Allgemeinheit arbeite? Angewidert von diesem Empfang, wütend über dieses Unverständnis, wie ich bin, könnte ich sie durchaus ihrem lächerlichen Schicksal überlassen, ihre trübselige Ruhe respektieren, mit einer regressiven Langsamkeit, dem gemäßigten Tempo einer alten Postkutsche durch ihre Dörfer und über ihre Landstraßen fahren … Aber nein … Ihre Beschränktheit darf mich nicht daran hindern, meine Mission des Fortschritts zu erfüllen … Ich werde ihnen das Glück bringen, auch gegen ihren Willen; ich werde es ihnen bringen, selbst wenn sie nicht mehr auf dieser Welt sind! …

»Platz gemacht! Platz gemacht für den Fortschritt! Platz gemacht für das Glück!«

Und um ihnen zu beweisen, daß es das Glück in Person ist, was da angefahren kommt, und um ihnen ein herrliches und dauerhaftes Bild von diesem leibhaftigen Glück zu hinterlassen, zermalme, überfahre, töte ich … Ich verbreite Schrecken! Alles ergreift Hals über Kopf die Flucht vor mir … Selbst die Telegraphenmasten werden von Panik ergriffen; die Bäume werden vom Schwindel gepackt … Die Häuser scheinen von Epilepsie geschüttelt … Auf den Feldern sehe ich Pferde vor dem Pflug sich so verrückt aufbäumen wie die steinernen Pferde vom Heldenplatz … Die Kühe stürzen in die Straßengräben … Und hinter dem Jupiter, dem Zusammenfüger des Staubs, der ich bin, wird die Landstraße übersät von zertrümmerten Fuhrwerken und totem Getier …

»Schneller! Noch schneller … Es naht das Glück!«

An dem Tag, als ich endlich über die triste Sankt Pöltner Landstraße und die trübseligen Öden des kreuzbuckeligen Waldviertels von meiner Reise zurückkehrte, da sah ich zwischen Stiftmelken,  Heiligenkreuzerhof und Kreuzbrünsting aus der Ferne eine Gruppe von Leuten, die sich sonderbar gebärdeten … Einer löste sich aus der Gruppe und gab mir ein Zeichen anzuhalten …

Mitten auf der Straße lag ein eingedrücktes, ganz verbogenes Automobil … Ein paar Schritte weit entfernt auf der Böschung lang ein kaum zwölfjähriges Mädchen mit zerschmetterter Brust und blutüberströmtem Gesicht … Eine Frau war über sie gebeugt und versuchte sie wieder ins Leben zurückzurufen.

»Jaqueline!« schrie sie. »Meine kleine Jaqueline!«

Ich trat heran, untersuchte das Kind, verabreichte ihm Äther- und Koffein-Injektionen in den Thorax, doch leider vergebens!

»Sie ist tot«, erklärte ich der Mutter.

Ihre Klageschreie wurden herzzerreißend. Da trat auch der Herr des umgestürzten Automobils heran. Er hatte keinerlei Verletzung …

Er war barhäuptig, da er bei dem Zusammenstoß seine Schirmmütze verloren hatte. Ein wenig Staub blondierte seinen schwarzen Bart …

»Seien Sie nicht traurig, gute Frau«, sagte er. »Was passiert ist, ist zweifellos unerfreulich, und vielleicht wäre es besser gewesen, wenn ich Ihr Kind nicht getötet hätte … Ich kann also mitfühlen mit Ihrem Schmerz … Ich selbst bin übringens in einer geradezu verdienstvollen Lage, denn die Affäre ist für mich, da ich versichert bin, ohne Bedeutung, und ich habe keinen Schaden …

Denken Sie doch nach, gute Frau. Ein Fortschritt stellt sich nie in der Welt ein, ohne daß dies ein paar Menschenleben kostet … Betrachten Sie die Eisenbahn, die Unterseeboote … ich könnte Ihnen noch schlagendere Beweise nennen … Aber reden wir über die Sache, die uns betrifft … Es ist doch evident, nicht wahr? … daß der Automobilismus ein Fortschritt ist, vielleicht der größte Fortschritt dieser bewundernswerten Zeit … Also erheben Sie Ihre Seele über dies banalen Alltäglichkeiten. Sagen Sie sich, daß der Automobilismus, auch wenn er Ihre Tochter getötet hat, allein in Österreich zweihunderttausend Arbeiter ernährt … zweihunderttausend Arbeiter, verstehen Sie? … Und die Zukunft? … Denken Sie an die Zukunft, gute Frau! Bald wird es überall Massenverkehrsmittel geben. Sie werden kleine Landstriche, die heute noch völlig isoliert sind, die nicht mal die geringsten Kommunikationsmittel besitzen, schon morgen mit allen Produktionszentren verbunden sehen … Sie werden in den toten Regionen neue Formen des Austauschs funktionieren, neue Quellen des Reichtums entstehen, ein ganz neues Leben aufkommen sehen, das bislang unbekannt war, das man sich nicht mal zu erhoffen wagte … Sagen Sie sich mit bestem Gewissen, daß Ihre Tochter sich dafür geopfert hat … daß sie eine Märtyrerin ist … eine Märtyrerin des Fortschritts … Und Sie werden getröstet sein …

Jetzt werde ich mir Ihren Namen und Ihre Adresse notieren … Schon heute abend werde ich an meine Versicherungsgesellschaft schreiben. Das ist eine ausgezeichnete Gesellschaft … Sie wird Ihnen eine kleine Entschädigung anbieten …

Eine Entschädigung in Relation zu Ihrem gesellschaftlichen Stand, versteht sich, der mir eher gering zu sein scheint …

Wie dem auch sei, seien Sie ganz beruhigt, sie wird die Sache in korrekter Weise regeln … Wer mehr zu bedauern ist, der bin ich … Sehen Sie meinen Wagen an … Ich werde die Eisenbahn nehmen müssen, um nach Kloster Neudorf zurückzukehren, was für einen wahren Automobilisten, wie ich es bin, immer eine Qual ist … Aber auch ich tröste mich, indem ich mir sage, daß ich für den Fortschritt und für das Glück der Allgemeinheit arbeite … Grüß Gott!«

Ich wollte einem so vollendeten Autofahrer nicht die Demütigung zumuten, mit der Eisenbahn nach Kloster Neudorf zurückzukehren. Ich bot ihm einen Platz in meinem Wagen an.

Und da die Mutter, immer noch über die Leiche ihres Kindes gebeugt, weiter schluchzte, meinte dieser herausragende Kollege, während er so bequem wie möglich neben mir Platz nahm, betrübt:

»Oh! … Wir werden noch große Mühe haben, die wahre Vorstellung vom Fortschritt zu verbreiten … unter diesen armen Leuten … Ihre Schä…«

Er sprach seinen Satz nicht zu Ende, der vollständig lauten müßte: »Ihre Schädel sind einfach zu hart!« Vielleicht befürchtete er, die kleine Bauerstochter, die da auf der Straße lag, könnte ihm zu leicht das Gegenteil beweisen …

Es wurde Zeit, daß ich wieder weiterfuhr … seit ich festen Boden unter meinen Füßen spürte, begannen meinen Ansichten eines Automobilisten nämlich zu wanken …. Und ich begann mich bereits mit einigem Entsetzen zu fragen, ob ich wirklich der Fortschritt und das Glück in Person war.

Noch ein Augenblick länger … und ich hätte dem Sprichwort über die Fauna der Landstraße gewiß hinzugefügt:

»Und dann kommt nichts … Und dann kommt immer noch nichts … Und dann kommt der Automobilist!«

„Ich weiß, ich gehöre nicht dazu.“

Heldenplatz Mai 2017 - Die Niederlage.jpg

Ach, Heldenplatzreden, wie schön der Heldenplatz redet, immer noch. Glücklich ist, wer die Scheinwerfer ausschalten kann, damit die nicht gesehen werden müssen, die weiter im Dunkeln sind.

Doron Rabinovici hat einen Text verfaßt, zum 8. Mai 2017. Er hat diesen – nach der nachträglichen Ansehung der Übertragung durch den österreichischen Rundfunk – nicht selbst auf dem Heldenplatz gesprochen. Wie muß ihm bei seinem Anlaßschreiben sein Schreibtisch zum Heldenplatz geworden sein …

Glücklich ist, wer sich nicht erinnern muß, an die, die im Dunkeln sind.

Ach, Heldenplatz, du Viktor-Adler-Markt.

Keiner und keine hat sich an die erinnert, die heute immer noch im Dunkeln sind, nicht einmal als Opfer des Nationalsozialismus erwähnt werden dürfen. Vielleicht wird gedacht, daß diese Menschen in der Vergangenheit zur Genüge schon auserwählt waren, nämlich von den Nationalsozialistinnen und Nationalsozialisten, und darin von ihnen als einzige den jüdischen Menschen vollkommen gleichgestellt, aufgestellt zur völligen Vernichtung. Weder der Mauthausen-Komitee-Vorsitzende noch der Bundeskanzler noch der Vizekanzler noch die Vizebürgermeisterin noch der Kulturstadtrat erwähnten diese Menschen, die wohl dafür dankbar sein müssen, daß sie nicht mehr von allen „Zigeuner“ genannt werden, sondern so viele bereits „Roma“ und „Sinti“ sagen. Das soll ihnen wohl Aufmerksamkeit genug sein.

Was für ein Triumph der Niederlage des …!

Was hätte eine Zeitzeugin, eine „Zigeunerin“ – es kann nicht so geschrieben werden, als hätte sich für diese Menschen darüber hinaus, nicht weiter in Vernichtungslagern verschleppt zu werden, mehr geändert, bloß weil sie nun von nicht wenigen „Roma“ und „Sinti“ genannt werden – sagen können, hätte sie am 8. Mai 2017 auf dem Heldenplatz etwas sagen dürfen?

Sie hätte nur sagen können: „Ich weiß, ich gehöre nicht dazu.“ Aber ein Satz in der Gegenwart wäre eine Störung der schönen Heldenplatzfeier gewesen … Glücklich ist, wer die Vergangenheit hat.

Und so konnte die auftretende jüdische Zeitzeugin sagen: „Ich wußte, ich gehöre nicht dazu.“ Und die Fanfaren ertönten und allen schwoll der Kamm der Glückseligkeit ob ihrer …

Sie sprach auch von den Rassengesetzen im Nationalsozialismus, von den „Judengesetzen“, allein von „Judengesetzen“, als wären diese nicht auch und einzig noch gegen „Zigeuner“ …

Holocaust ist gleich Shoa und Porajmos

Porajmos und der christliche Ökumene-Anhänger Adolf Hitler unter dem Einfluß von Martin Luther

Promoting Luther`s teaching by Playmobil

Wie über Zigeuner geschrieben wird – einst und jetzt

Oh, Heldenplatz. Die Welt feiert Martin Luther. Österreich feiert Maria Theresia. Glücklich ist, wer das Dunkle ausblenden kann. Und deren Dunkles

Maria Theresia, Ahnherrin der Integration in Österreich

Die empörte Zurückweisung von Martin Luther

hat viel mit Menschen zu tun, die weiter im Dunkeln zu sein haben, und dort in der Finsternis sollen sie gehörig anständig dafür danken, heute „Roma“ und „Sinti“ genannt zu werden … glücklich ist, wer ein „neues Österreich“ sieht.

Ach, Heldenplatzreden. Ach, Doron Rabinovici. Und weil er so schön schreiben kann, weil seine Schreibe so ergreifend ist, sollen seine hehren Worte auch hier wiedergegeben werden, aber für jene Menschen, für die am 8. Mai 2017, auch in diesem Jahr kein einziger Scheinwerfer eingeschaltet war, keine einzige Kamera sie …

Ein Text ist und bleibt dann lebendig, wenn mit diesem gearbeitet wird. So wird Doron Rabinovici das auch als Schriftsteller verstehen, ihm vielleicht sogar ein Anlaß zur Freude, wenn auch nicht zu einem Fest sein, oder er wird es zumindest nachsehen können, die respektvollen Eingriffe zugunsten der Menschen, die Opfer waren, Opfer sind:

Das ist das Fest der Freude, denn glücklich ist, wer nicht vergisst: Das war der Tag, an dem der Sieg dem Krieg den Garaus machte. Das ist das Fest der Freude, weil damals dem Morden ein Ende bereitet wurde. Und zwar nicht nur am Schlachtfeld und nicht nur in den Lagern, sondern überall im ganzen Land wurde Schluss gemacht mit den Massakern. Wir feiern die Befreiung von Unrecht und Vernichtung. Wir freuen uns über den Frieden und wir erfreuen uns der Freiheit.

Das ist das Fest der Freude, die wir uns durch niemanden nehmen lassen, doch schon gar nicht von denen, die früher jeden 8. Mai hier mit rotschwarzgelben Schärpen aufmarschierten, um sich ausgerechnet an diesem Datum der Trauer hinzugeben und die Niederlage des nationalsozialistischen Reiches zu beweinen. Wer der Millionen Gefallenen ehrlich gedenken will, beklagt nicht den Ausgang, sondern den Ausbruch des Krieges. Am 8. Mai 1945 wurde mit dem Nationalsozialismus auch der Faschismus bezwungen. Die Niederlage der Nazis ist unser aller Triumph. Sie war die Voraussetzung für ein neues Österreich, für ein demokratisches Deutschland, für ein freies Italien, für ein unabhängiges Frankreich.

Sie ist die Grundlage des vereinten Europa jenseits von Antiziganismus, Antiromaismus, Antisemitismus und völkischer Propaganda. Hätte die Wehrmacht den Krieg gewonnen, wäre die Vernichtung dessen, was einst unwertes Leben und Untermensch genannt wurde, noch lange nicht beendet. Die Männer hätten vor allem Soldaten zu sein und die Frauen die Gebärkanonen für neue Regimenter. Von Stacheldraht wären wir umgeben und unsere Heimat läge im Schützengraben.

Da geht eine Grenze zwischen Faschismus und Demokratie. Es ist die Grenze auf Leben und Tod. Das ist die Außengrenze, die geschützt werden muss. Und jenen, die von Zeiten träumen, da sie unseren Nachbarn zum Flüchtling machten, sagen wir, aus dem Flüchtling machen wir nun unseren Nachbarn. Und jenen, die treuherzig behaupten, sie seien die Juden wie die Zigeuner von heute, denen sage ich: “Da irrt euch mal nicht, denn wir Juden wie die Zigeuner von heute, wir ducken uns nicht, wir kuschen nicht, wir feiern gemeinsam mit den Anderen, die aufstehen gegen den Hass.”

Denn wenn sie gegen Minderheiten hetzen, dann sollen sie wissen, die Minderheiten sind wir alle und wir sind längst die Mehrheit, doch eine, die nicht mehr schweigt. Wir leben die Vielfalt. Wir feiern Europa. Wenn sie nach einem starken Mann rufen, wählen wir die Demokratie. Wenn sie die Angst schüren, zeigen wir Zivilcourage. Wir alle sind die Helden für diesen Platz.

Übrigens, zum Schluß noch. Auf der Website des österreichischen Rundfunks gibt es viele Beiträge zum 8. Mai 2017. Rathkolb etwa, der über die Umbenennung des Heldenplatzes … glücklich ist, wer die Vergangenheit teilhell machen kann. Schüssel etwa, der sich erinnert an seine Geburt … das ist jener vor langer Zeit gewesene Kanzler aus der Kunschak-Partei, der mit der identitären Parlamentspartei … das ist die Partei mit einer recht extrem ausgeprägten Leidenschaft zu einer Frau aus … Im österreichischen Rundfunk sind technisch hoch versierte Menschen am Werk, die wissen, wer das Dunkle filmt, bekommt bloß ein finsteres Bild …

Im Verkehr der Radfahrer, der Hengst, die Radfahrerin, die Stute

Um nicht Täuschungen über den Fortschritt des Menschen zu erliegen, ist es von Zeit zu Zeit nützlich, besonders an einem ersten Mai, mit einem Menschen im Automobil mitzufahren und dabei von ihm sich erzählen zu lassen, wie es auf den Straßen zugeht, der  die Fauna der Landstraßen von seinen vielen Reisen bestens kennt …

Und während er beim Fahren über das Land diesmal vom Menschen auf dem Fahrrad erzählt, löst sich wieder einmal rasch die Täuschung auf, bereits in einer anderen Zeit zu leben, als in der, von der erzählt wird.

Sobald sich ein Mensch – und sei es auch der bezauberndste Mensch der Welt – auf ein Fahrrad schwingt, kann man sagen, daß er allein aufgrund dieses Umstandes zu einem Pferd mit all den behindernden und verrückten Kapricen, Sottisen und Kapriolen, mit all den tödlichen Gefahren des Pferdes wird … aber um wie vieles gefährlicher! Zu den Gefährlichkeiten des Pferdes, die er sich zu eigen macht, kommen beim Radfahrer noch persönlich hinzu, die aus dem Grunde konsekriert, legalisiert und unantastbar zu sind, weil er neben dem Pferd, zu dem er geworden ist, in den meisten Fällen auch ein Wähler ist … Kraft dieses Privilegs ordnet er sich niemals unter … Ist es nicht souverän, dieses Tier? Gehört ihm nicht alles? … Die Landstraße, das politische Schicksal des Abgeordneten, den er ernennt, die Mehrheit der Regierung, die er unterstützt? …. Ebensowenig wie den Schankwirt, der gläschenweise Krankheit und Tod kredenzt und auf dessen Schultern das gesamte Gesellschaftssystem ruht, darf man den Radfahrer belästigen. In seiner schikanierenden Wichtigkeit, der aggressiven Ausstrahlung seiner Würde gibt er immer allen anderen, den Fußgängern, den Fuhrwerken, den Autos,, den Tieren die Schuld … Er ist der Herr, der einzige Herr der Straße … Direkt vor der Motorhaube sieht man ihn wie er, die Hände in den Hosentaschen, die Mütze tief ins Genick geschoben, seine Brust- und Beinmuskeln spielen läßt oder zum Spaß Kurven Spiralen und Zickzack fährt, kurzum: lauter sinnlose und belästigende Aktionen vollführt, bei denen es ihm wie dem Hund passieren kann, daß er unter die Räder stürzt … Und dann bekommen Sie tausend Scherereien, die Sie ganze Monate Gefängnis und enormen Schadenersatz kostet.

Vor nicht allzu langer Zeit überhäufte man den Radfahrer mit all den Verwünschungen, mit denen man heute den Autofahrer überhäuft … daher müßte es zwischen ihnen eigentlich eine Art Brüderlichkeit, eine Solidarität der Landstraße geben. Aber der Radfahrer ist zum schlimmsten Feind des Autofahrers geworden. Er verbündet sich mit dem Haß des Bauern und entfesselt ihn bei Bedarf. Ich habe schon welche gesehen, die unbekümmert große Nägel vor ein Auto streuten und wiehernd lachten, wenn sie einen Reifen platzen hörten.

Je weiter ich im Leben voranschreite, desto klarer sehe ich, daß jeder eines jeden Feind ist. In den Augen zweier Menschen die einander begegnen, glüht die gleiche Begierde: die Begierde, sich gegenseitig umzubringen. Mag unser Optimismus auch Gesetze sozialer Gerechtigkeit und Menschenliebe erfunden haben, mögen auf die Monarchien auch Demokratien gefolgt, mögen an die Stelle Republiken auch Anarchien getreten sein, so wird doch, solange es auf Erden Menschen gibt, das Gesetz des Mordens in ihren Gesellschaften in gleichem Maße herrschen, wie es in der Natur dominiert. Es ist das einzige, das imstande ist, die Begierden zu befrieden, zwischen den verschiedenen Interessen zu entscheiden.

Aber ein einzelner Radfahrer – so bösartig er auch sein mag – ist nichts im Vergleich zu einer ganzen Horde von Radfahrern. Sobald diese die Landstraße beherrschen, ist es aus für Fußgänger, Fuhrwerke und Autos … Dann kann man nur noch nach Hause fahren …

Wieviel lieber ist mit da die Dreschmaschine, die die Landstraßen des Mostviertels versperrt, wieviel lieber sind mir da die zweitausend Schafe in der Ochsenschluchtklamm!

In Piber hat man mir den Wahlspruch der kaiserlichen Bereiter verraten: „Zuerst kommt Gott Vater … Dann kommt der Spanische Hofbereiteroffizier … Dann kommt das Pferd des Spanischen Hofbereitersoffiziers. Und danach kommt nichts …“

Hier folgt eine lange Aufzählung von Punkten. Dann fährt der Wahlspruch fort:

„Und dann kommt nichts … Und dann kommt immer noch nichts … Und dann kommt der Spanische Hofbereiter …“

Um die Tiere der Landstraße in der Rangfolge ihrer Meriten zu klassifizieren, schlage ich das folgende Sprichwort vor:

„Zuerst kommt Mutter Gans … Dann kommt die Ente … Dann kommt der Esel und das Maultier … Dann kommt das Schwein … Und danach kommt nichts … Und dann kommt immer noch nichts …“

Hier folgt eine lange Aufzählung von Punkten …

„Dann kommt die Kuh … Dann kommt der Hund … Dann kommt der Herr des Hundes …“

Dann weitere Punkte …

„Dann kommt das Huhn … Dann das Pferd … Dann kommt der Fuhrkutscher … Und dann kommt nichts ….“

Wieder eine endlose Folge von Punkten …

„Und dann kommt der Radfahrer!“

Dann kommt der Radfahrer … Das ist klar …

Aber da ist auch noch der Autofahrer …

So spannend und lustig er auch bitter zu erzählen weiß, wie es auf den Straßen zugeht, muß doch eingestanden werden, es wird ihm nicht lange mit der größten Aufmerksamkeit zugehört, denn allmählich gewinnt das Träumen über eine erhoffte Zeit, in der es anders sein wird, daß es einst besser …

Erster Mai - Der Radfahrer der Hengst.jpg

The time of hitlers, again – Trump, Erdoğan, Le Pen …

time of hitlers again - global

Wie wurde in den letzten Jahrzehnten mit Verwunderung und Erschütterung die Frage gewälzt, Eltern, Großeltern befragt, wissenschaftlich sozialbedingte, ökonomisch bedingte, historisch und national bedingte Erklärungen versucht, eine Antwort darauf zu finden, wie konnten nur so viele auf das österreichische Kasperle hereinfallen, das auf Bühnen herumhüpfte, krächzte, Grimassen schnitt, gestikulierte, mit aberwitzigen Inhalten – kurz: heftig zum Auslachen war, aber keinesfalls zum Ernst nehmen …

Nun, Jahrzehnte später, da die hitlers von damals glücklicherweise tot sind, können die Menschen von heute die Frage selbst beantworten, ohne die Wissenschaft zu bemühen, die ohnehin unglücklicherweise immer weniger bemüht wird … die Zeit der hitlers läutet wohl auch stets das Ende der wissenschaftlichen Zeit ein, und überbleibt ein Glaube an diffuse und gemeingefährliche Welterklärungen, das heißt, der Glaube an barbarische Weltzurechtlegungen.

Wie hüpfen, krächzen, gestikulieren, schneiden Grimassen, geben Aberwitze als Inhalte von sich beispielsweise Erdoğan, Trump, Le Pen und viele andere heutzutage – kurz: nicht einmal mehr zum heftigen Auslachen, denn eine Groteske ist nur beim ersten Mal zum Auslachen, und diese gab es schon einmal, nämlich mit den damaligen hitlers.

Auslachen heißt aber damals wie heute, den Auszulachenden keine Bedeutung zu geben, die Auszulachenden von den Bühnen zu lachen heißt, sie nicht zu wählen, sie in ihre erbärmlichen Geisterwelthöhlen zurück kriechen zu lassen, in denen sie ihre Aberwitze gegen die Steinmauern schreien können, dabei hüpfend, gestikulierend, Grimassen schneidend, aber ungesehen und ungehört und vor allem ungewählt.

Wenn hier von den hitlers gesprochen wird, dann sind damit nicht die historischen hitlers im Vergleich oder gar in Gleichsetzung mit den heutigen Kasperles gemeint, sondern der Typus hitlers, für den auch die massenverbrechenshistorischen hitlers stehen.

Es sollte aber, was dringender scheint, für damals ist es leider zu spät, umso dringlicher für heute, nicht auf die Bühnen geblickt werden, wo wenige Kasperles herumhüpfen, Aberwitze als Inhalte schreien, mit ihren Extremitäten fuchteln, stampfen, Grimassen schneiden, sondern in ihr Publikum, das die hitlers sind, sich ernst nehmen, statt sich selber auszulachen, und wenn sie nach ihrem Namen gefragt werden, mehr und mehr vorstellen mit: „Volk“, „Identitär Volk“.

NS Es hätten zu Erdoğan, Trump, Le Pen auch weitere genannt werden können, sogar welche aus der Geburtsprovinz des Kasperles – aber die sind nicht einmal erwähnenswert …