Wandergeselle Rathkolb, Irmgard Griss im politischen Wachkoma in Österreich, Scholle des Führers

Im Namen des Volkes Puls 4 Griss.jpg

15

Für die geplante Sendung von der Fernsehfirma Puls 4 ab Mai 2017 muß kein eigenes Kapitel eröffnet werden. Es ist bloß ein weiteres Beispiel dafür, weshalb  auf dieses Land vortrefflich die Beschreibung paßt:

Österreich, Scholle des Führers.

16

Nun wandert der Historikergeselle Rathkolb von Studio zu Studio, von Redaktion zu Redaktion, um zu erklären, wie das mit der Umfrage sei, an der er beteiligt war … ach, und ein ganzes Land, erschüttert über die Ergebnisse dieser Umfrage, lauscht seinen Ausführungen, sieht ihm bei seinem Zimmern einer gefälligen Erklärungstruhe …

Aber kann das Ergebnis überraschen, wenn nach dem „starken Mann“ gefragt wird?

Jedwede Frage einer Umfrage zeitigt Antworten. Vor allem, wenn verknappte Antwortmöglichkeiten vorgegeben sind. Zwangsläufig kommen Antwortprozentzahlen dabei heraus.

Wie wäre wohl das Ergebnis ausgefallen, wäre nicht nach dem „starken Mann“ gefragt worden, sondern nach „Menschen mit Haltung“? Wenn also gefragt worden wäre, ob Sie Menschen mit Haltung in verantwortlichen politischen Positionen haben möchten. Menschen also, die ihr Amt kleiden und sich nicht vom Amt bekleiden lassen.

17

Was heißt denn, nach dem „starken Mann“ zu fragen?

Nichts.

Es offenbart bloß eine schauerliche Denkweise derer, die die Umfrage durchführen. Es will gar nicht so weit gegangen werden, zu sagen, derartige Fragen nach dem „starken Mann“ erzählen im Grunde von der Sehnsucht der Befragenden nach einem „starken Mann“,  und vielleicht auch von ihrem Traum, da sie es sind, die nach dem „starken Mann“ fragen, selbst ein „starker Mann“ zu sein.

18

Nach dem „starken Mann“ zu fragen, ist nichts anderes als die Fortschreibung autoritärer Denkungsart, die reaktionäre Einteilung in Stärke und Schwäche.

Als ob es darum noch ginge: stark und schwach, schwach oder stark …

Das Ergebnis einer auf einem sehr alten Weltbild fußenden Umfrage, wie es diese Umfrage ist, kann also nicht überraschen, noch erschüttern.

19

Was nun auch so breit erschüttert und überrascht: vor zehn Jahren wären es noch weniger Menschen gewesen, die nach dem „starken Mann“ … Sind dieselben eintausend Menschen wie vor zehn Jahren telefonisch befragt worden? Kann alles, was in einer telefonischen Befragung gesagt wird, für bare Münze genommen werden, als Wahrheit und nichts als die Wahrheit? Wer kennt nicht die lästigen Umfrageanrufe, auf die als Reaktion es auch die Möglichkeit gibt, gleich die Teilnahme genervt abzulehnen, oder sich einen mit ernst wirkenden Antworten maskierten Spaß zu gönnen, Umfrageunternehmen eine lange Nase zu drehen – ganz gleich, ob Fragen gestellt werden nach Politik und Geschichte oder Waschpulver, Eislutscher oder Gummibärchen … Obwohl. Gerade bei Fragen nach der Politik ist es eine besondere Herausforderung, Antworten zu geben, die nicht die eigene Meinung widerspiegeln … Und bei den konkreten Fragen dieser speziellen Telefonumfrage kann es durchaus sein, daß Menschen noch nie über solche Fragen nachgedacht haben … wer fragt sich schon selber und hat dazu wohlüberlegte Antworten für sich, er oder sie wolle einen „starken Mann“ oder der Nationalsozialismus habe dies weniger oder das mehr für Österreich gebracht … Und dann passiert das, aus Höflichkeit, eine Reflexantwort, eine schnelle Wahl wie beim Wirten, zu essen habe er noch Frankfurter oder Debreziner, dann wird schnell entschieden, Debreziner zu nehmen, oder Frankfurter … Und mehr bieten Umfragefirmen bei Telefonumfragen auch nicht an, vielleicht noch Senf, ab und an auch noch Krenn …

Aber die Ergebnisse von Telefonbefragungen werden stets mit einem päpstlichen Ernst präsentiert und aufgenommen, als wären alle vor einer Frau Richterin gestanden und hätten unter Eid bei sonstiger Strafandrohung aussagen müssen …

21

Es wird wohl nicht dokumentiert sein, ob und wie viele Menschen, die befragt wurden, es abgelehnt haben, die Frage nach dem „starken Mann“ zu beantworten, und das auch begründet haben, weil es etwa unsinnig sei nach dem „starken Mann“ zu fragen, weil es eine gänzlich falsche Fragestellung sei und so weiter und so fort.

22

Ach ja, die geplante Sendung der Fernsehfirma mit dem Titel „Im Namen des Volkes“.

„Irmgard Griss führt als Vorsitzende durch die Verhandlung: ausgleichend, hinterfragend – aber auch mit der Möglichkeit zur Sanktionierung von Ausfälligkeiten und Polemiken, als echte Autoritätsperson.“

Ständig, und diese geplante Sendung ist das aktuellste Beispiel hierfür, wird der „starke Mann“ bedient, beworben, schmackhaft gemacht, und dann das große Erstaunen, die große Erschütterung, wenn in einer Umfrage ein hoher Prozentsatz einen „starken Mann“ …

23

Es ist nachvollziehbar, wenn eine Fernsehfirma auf ihrer ständigen Jagd nach Quote auf die abstrusesten Sendungsideen verfällt, aber daß ein Mensch, der immerhin Bundespräsident werden wollte, also ein politisches Amt bekleiden wollte, bei solch einer Sendung mitmachen will und wird, das kann nur ein Mensch im politischen Wachkoma sein.

24

Ein „Diskurs brisantester gesellschaftspolitischer Themen Österreichs“ als Puls-4-Verhandlung mit einer „echten Autoritätsperson“, die den „Vorsitz mit der Möglichkeit der Sanktionierung“ führt, und am Ende mit einer „Entscheidung im Namen des Volkes“ … das ist der Stoff, aus dem Satiren sind, in Österreich aber der Stoff, aus dem die Wirklichkeit ist.

25

„Im Namen des Volkes“ … in welcher Zeit, Entscheidungen respektive Urteile „im Namen des Volkes“ gefällt wurden, muß nicht besonders vermerkt werden …

Wie das Ergebnis der Umfrage nicht überraschen kann, überrascht es auch nicht, daß auf der Scholle des Führers derart unbekümmert für eine Sendung „Im Namen des Volkes“ als Titel genommen wird, ach, was für ein Fortschritt wird das sein, gesittet und ruhig werden nun die Entscheidungen „im Namen des Volkes“ verkündet werden, nicht wie seinerzeit brüllend von einem der in seiner Zeit vielen eine „echte Autoritätsperson“ war … und das ist kein Vergleich zwischen Irmgard Griss und Roland Freisler, keine Gleichstellung von Roland Freisler und Irmgard Griss …

Wenn Irmgard Griss wenigstens für einen Moment aus dem politischen Wachkoma herauskommen würde, fiele ihr vielleicht doch auf, die Unmöglichkeit an der Teilnahme an einer solchen Sendung, die für die unsägliche Kontinuität einer Denkungsart stehen wird, die einst den Nationalsozialismus hervorbrachte, und es sollte jeden Menschen davor schaudern, was dieses überholte „Im Namen des Volkes“-Geschwefel heute hervorbringen wird, was es heißt, diese überholte Denkungsart durch Mitwirkung zu bedienen, zu bewerben. Wie einst das Geschwefel vom Volke zum Nationalsozialismus führte, wird das heutige Geschwefel vom Volke zu etwas führen, das nichts Gutes sein wird, auch und vor allem nicht für das sogenannte Volk.

25.1

Irmgard Griss. Zu ihr ist nichts hinzuzufügen, was nicht bereits …

Hin- und Grisssichtl und das Verharren im Alten in Österreich

26

Ach, wie recht doch der Wandergeselle hat, die Wichtigkeit der Bildung zu betonen, den Bildungsauftrag einzumahnen … ist es nicht schauerlich, wie die sogenannten unerreichbaren Bildungsfernen gemütlich und nostalgisch etwa von „Lieblingsnazis“ …

Alle wissen alles und alle tun nichts! Höchste Zeit zur Aufarbeitung der Aufarbeitung des Nationalsozialismus – Aber in der Gegenwart

Österreich, Scholle des Führers

Österreich - Scholle des Führers

1

Bereits mit dem ersten Bekanntwerden der Ergebnisse des Referendums in der Türkei war klar, es wird nicht lange dauern, und die Bildungsfrage wird bemüht werden. Und es hat nicht lange gedauert, hervorzuheben, es seien die sogenannten Bildungsfernen, die für ein Ja gestimmt hätten, für Recep Tayyip Erdoğan,  für einen „Führerstaat“, wie es in der Umsonst, die sich treffenderweise Österreich nennt, einer ihrer Herausgeber in seiner Analyse schreibt.

Auf der Scholle des Führers überrascht es nicht, daß ihm dazu sofort „Führerstaat“ einfällt.

2

Und mit dem Bekanntwerden, wie Menschen mit türkischer Staatsbürgerschaft, die in Österreich leben, abstimmten, nämlich beinahe drei Viertel stimmten mit Ja zu diesem unseligen Plan einer Verfassungsänderung in der Türkei, ging augenblicklich das Geheul los, wie können Türkinnen und Türken in Österreich nur dafür sein. In diesem Ausmaß. Was sind das nur für Menschen. Und sofort wurden Forderungen erhoben, diese alle müssen Österreich verlassen, solche Menschen hätten in einer Demokratie, wie sie Österreich ist, wobei nicht mehr klar ist, wird damit das Land oder die Umsonst gemeint, nichts verloren. Solche Menschen, die derart abstimmen, gehören bestraft; eine Strafaktion gehört her, wie sie gleich vom in Bestrafungen vernarrten Innenminister  kundgetan wurde, freilich nennt er es nicht so, bemäntelt sie mit dünnen sachlichen und rechtlichen Argumenten.

Auf der Scholle des Führers hätte es nicht überraschen dürfen, daß rund drei Viertel von den an diesem Referendum Teilnehmenden mit Ja stimmten. Sie haben dieses Land verstanden, die Atmosphäre auf der Scholle des Führers verleitet zu einem Ja. Sie sind integriert, auf eine schauerliche Art sind sie integriert, sie riechen den Lockduft des Führers, der über das ganze Land ausgebracht ist und unentwegt ausgebracht wird, und dieser mit dem Geruch der Jauche am besten beschreibbare Lockduft verströmt das Ja, das Ja, wie es der Österreichmann bezeichnet, zum „Führerstaat“.

3

Ein paar Tage nach dem Bekanntwerden des Ergebnisses des Referendums in der Türkei nun die Veröffentlichung einer Umfrage in Österreich, es stellt sich die Frage, sind Türkinnen oder Österreicher befragt worden, nach dem Ergebnis der Umfrage fällt es schwer, ist es eigentlich schon unmöglich, zwischen türkischen und österreichischen Menschen zu unterscheiden, die zum Ergebnis hat:

„43 Prozent der Österreicher wünschen sich einen ’starken Mann‘ an der Spitze des Staates. Und immerhin noch 23 Prozent stimmen der Aussage zu: ‚Man sollte einen starken Führer haben, der sich nicht um ein Parlament und Wahlen kümmern muss.'“

Auf der Scholle des Führers ein Ergebnis, das nicht überrascht.

4

Unterfüttert ist die Veröffentlichung dieses Umfrage-Ergebnisses, auch keine Überraschung, mit der Bildungsfrage. Es sind menschgemäß die sogenannten Bildungsfernen, die „nach einem starken Mann“ lechzen.

Oliver Rathkolb, der nun medial fleißig die Fragen zu dieser Umfrage beantwortet, sieht einen „ganz klaren Bildungsauftrag“, er meint, „vor allem für das Bildungssystem ist das aber ein schlechtes Ergebnis.“ Die Lösung: er bräuchte einen „eigenen You-Tube-Kanal“. Weil, so meint er, „Historiker“ würden zwar brav bei Fernsehdokumentationen usw. helfen, aber damit nur jene erreichen, die ohnehin schon von ihrer Meinung überzeugt seien.

Was, es kann nicht anders gesagt werden, für ein Unsinn. Weshalb sollte es mit einem eigenen You-Tube-Kanal anders als beispielsweise mit Fernsehdokumentationen …

Was es allein alles auf You-Tube gibt … er, Rathkolb, ist Historiker, vielleicht ist die Gegenwart nicht so seines, zusätzlich einen Rathkolb auf You-Tube, nun, das wird es nicht bringen, vor allem nicht, wie er es bringt.

Der Mangel ist nicht die Bildung. Der „Bildungsauftrag“ wird, auch was den mit dieser Umfrage verbundenen Nationalsozialismus angeht, übererfüllt. Wie viele der täglichen Sekunden werden nicht darauf verwendet, auf mannigfache mediale Weise zu bilden?

Es herrscht ein Mangel an einem aufrechten Umgang. Es gibt ein Übermaß, sich vor dem Nationalsozialismus zu verbeugen, ein Entgegenkommen, eine Großzügigkeit, eine Nachsicht. Wenn dies in der Gegenwart belanglos, fruchtlos wäre, könnte es abgetan werden, sollen sich jene, die sich dieser perversen Nostalgie hingeben, sich daran erfreuen, wie sich andere an den sogenannten Evergreens etwa eines Peter Alexander erfreuen. Bedauerlicherweise aber ist dem nicht so, es hat Auswirkungen auf die Gegenwart, es wirkt heute, und die Nachsicht im Heute ist das Ungeheuerliche, das Verwerfliche …  Es mag schon sein, wie Rathkolb sagt, daß Menschen, die den Nationalsozialismus ablehnen, nicht so für autoritäre Systeme anfällig seien, aber es hindert sie nicht, bildungsbeflissen Empfehlungen abzugeben, die …

Oliver Rathkolb selbst ist dafür ein Beispiel, wie einerseits der Bildungsauftrag erfüllt wird, aber andererseits … hier reicht es auf das Karl-Lueger-Denkmal und den Wehrmann in Eisen hinzuweisen:

Das Lueger-Denkmal von Josef Müllner mit der Tafel auf Karl-Art von Oliver Rathkolb

„Wehrmann in Eisen“, Josef Müllner und das tourismusgerecht zugerichtete Wien

Zugespitzt könnte gesagt werden, Oliver Rathkolb verwechselt Bildungsauftrag und Bildung mit Indoktrination und Gehirndurchgriffsrecht.

5

Im Grunde ist diese Umfrage auch ein Beispiel dafür, wie sehr nicht das Bildungssystem versagt. Es werden die Signale wahrgenommen, die mit der Bildung ausgesandt werden. Das sind schauerliche Signale. Etwa in bezug auf den Nationalsozialismus. Dieser wird immer noch als eine Option behandelt und nicht als das, was er ist: ein Verbrechen. Wenn etwa gefragt wird, ob der Nationalsozialismus „sowohl Gutes als auch Schlechtes“ für Österreich gebracht habe. Als Gegenprobe. Oliver Rathkolb würde in einer Umfrage wohl nicht die Frage stellen, ob Sie glauben, daß eine kriminelle Vereinigung, beispielsweise die Mafia, „nur Schlechtes, großteils Schlechtes, großteils Gutes, nur Gutes“ …

6

Es sind nicht die sogenannten Bildungsfernen, die in Österreich die „Führer“ und die „Führerinnnen“ feiern, sie als Vorbilder hinstellen, aber die sogenannten Bildungsnahen wenden sich vor Ekel ab, wenn Menschen einem „starken Führer“ etwas abgewinnen können,  der ihnen doch stets schmackhaft gemacht wird. Nicht in Schmuddelblättern, sondern auf den Seiten der sogenannten Qualitätszeitungen in diesem Land.

Österreich, Platz der schlampigen Erinnerungen

Maria Theresia, Ahnherrin der Integration in Österreich

7

Wenn angenommen werden darf, daß das österreichische Parlament die Versammlung der sogenannten Bildungsnahen ist und darüber hinaus der Menschen, die bestens Bescheid wissen, die bestens informiert sind, die am meisten den Nationalsozialismus ablehnen und diesen auch kraft ihres Amtes ablehnen müssen, dann muß die Frage gestellt werden, zu was ist die Bildung nutze?

Kornblumenland Österreich: 80,3% wählten „Nazi-Blume“-Träger zu ihrem Präsidenten

Nach Einschätzung von Christine Nöstlinger ist das Parlament der Ort der „denkfaulen“ Wählenden

Die Kornblume von Norbert Hofer seit 107 Jahren Symbol für antiösterreichische Gesinnung

Die Menschen sind klüger, als Belehrer und Belehrerinnen sie haben wollen.

8

Ach, es sind stets die sogenannten Bildungsfernen, die jene verhätscheln, die nicht zu hätscheln sind. Dazu reicht der Hinweis auf die Kapiteln über die Veranstaltung im letzten Jahr, im Vorort von Braunau …

Reist die feine Gesellschaft an, um ihrer Nathalie Holzmüller mit Wiener Handkuß beim Vortrag beizustehen?

9

Ach, wie überrascht, über die hohe Zustimmung zu „Law and Order“. Ja, es sind die sogenannten Bildungsfernen, die unentwegt Gesetzesvorschläge formulieren, sie sind es, die im Parlament unentwegt Verschärfungsgesetzesinitiativen …

Österreich 2017: Strafen, Kerker, Verbote, Anhaltelager

10

Ach, was für ein ungebildeter Pöbel, der einen „starken Mann“ … Ja, es ist der ungebildete Pöbel, für den ein Diktator einer ist, der als „Player“ einzubinden ist …

11

Sagt das nicht auch sehr viel aus, wenn eine sogenannte respektive österreichische Qualitätszeitung ihren Bericht über diese Umfrage mit einem Bild von Vladimir Putin illustriert? Geradeso, als würde es in Österreich keinen Mandatar, keine Funktionärin geben, die nicht den „starken Mann“ geben wollte, weil sie, ach so gebildet, immun wären gegen die Verlockungen, den „starken Mann“ raushängen zu lassen?

12

Ach, es sind stets die sogenannten Bildungsfernen, die dem „starken Mann“ huldigen, ihm Denkmäler errichten wollen …

Adolf-Hitler-Gedenkhaus in Westlake Hanoi, Vietnam

13

Ach, wie das Bildungssystem versagt hat, wer bekommt den Auftrag, mit der jahrzehntelang kreisfahrenden Nationalikone der sogenannten Bildungsfernen mit dem Bedarf nach einem Diktator bildungsmäßig zu arbeiten …

Das Gift der verschuldeten Vermutungen

14

Führerergeben wird in Österreich nach wie vor das Wort eines absolutistisch herrschenden Mannes – von irgendeinem Papst also – mit Sehnsucht und in völliger Verklärung der Landesidentität zitiert, Österreich sei eine Insel der Glückseligen. Tatsächlich aber ist Österreich eine Scholle des Führers, auf dieser schwarzbraunen Scholle des Führers wird seit Jahrzehnten die Bildungssaat ausgebracht, reichlich gedüngt, und was geerntet wird, nun davon erzählt auch diese aktuelle Umfrage. Es gibt nicht nur die Scholle des österreichischen Bildungsbauern, der darauf bedacht ist, sein Heu ins Trockene zu bringen, es gibt auch die Eisscholle, also eine Insel aus Eis. Österreich, eine Eisscholle des Führers, die mit einem sehr dünnen Zivilisationsboden provisorisch …

Ostern: Weltsadomasohochamt

Ostern - Weltkreuzmesse - dreifaltige Leistungsschau der Abgründe

Es muß dazu nicht viel gesagt werden. Die Medien berichten Jahr für Jahr ohnehin von Osterbräuchen, die es auf dieser Welt gibt, und Jahr für Jahr kann nur eines gedacht werden: Ostern, das ist das Weltsadomasohochamt.

Für Sadismus und Masochismus gibt es, wie bereits ausgeführt, in Wahrheit nur einen einzigen Begriff: Kreuz.

Soher ist Ostern das Weltkreuzhochamt, die Weltkreuzmesse, eine dreitägige Messe der Leistungsschau der Abgründe.

Ostern 2017 in Österreich, Traunkirchen

Stephansdom Traunkirchen - Maßvorgabe für Schwanzgröße.jpg

Was für eine Erregung um einen Penis in Traunkirchen, Österreich, genauer, in Österreich, Traunkirchen.

Es gibt also eine Erregung in dem Dörflein Österreich, das in dem Ländchen Traunkirchen gelegen ist, um eine Penisstatue auf einem Privatgrund, an dem vorbei direkt ein Kreuzweg … es wäre eine Zumutung, eine Ungeheuerlichkeit, eine Ärgerlichkeit, wenn gläubige Menschen an diesem Riesenpenis vorbei müßten auf ihrem Kreuzweg, und das ausgerechnet zu Ostern, was für eine Sauerei, Menschen des Jahres 2017 solche Rieseneier zu legen, und diese gegen den trachtigen Brauch nicht einmal zu verstecken …

Kreuzwege - PhalluswegeDer Eigentümer dieser Statue weiß wohl schlicht und einfach nicht, das Suchen nach versteckten Eiern ist das schönste Erregendste, was es auf der Welt, also in Traunkirchen gibt … was für ein Hallo stets, wenn die Kinder in den Soutanen der Pfarrer, in den Krachledernen der Väter …

Nun aber wurde eine Lösung gefunden, die es wieder einmal verstehen läßt, weshalb Österreich in Traunkirchen eine Weltrolle einnimmt. Die Phallus-Statue wird für die Osterzeit, für die Dauer der Prozessionen verhüllt, in einem Gelb, das an ein Osterwunder gemahnt … und sehet, da ward es geschehen, kaum als die rechtschaffenen Männer das Wasser aus ihren Schläuchen ließen, wurde es fest und verhüllte ganz und gar …

Freilich, der Eigentümer hätte sich selbst die Aufregung ersparen können. Er hätte bloß eine andere Penis-Statue auf seinem Privatgrund aufstellen müssen, eine, die passender zum Kreuzweg … sozusagen kreuzwegauthentischer … es gibt doch so schöne, wie das abgebildete Beispiel in der Collage es zeigt … ein bißchen christlicher gestaltet, gepierct mit einem Kreuz, tätowiert mit Mariechen und ihrem Kinde, das ihr zum Geschenk gemacht wurde, vielleicht nach einem erfolgreichen Eiersuchen … Freudig wäre in diesem Falle sofort der Sichtschutz weggeräumt, falsch, die Männer wären erst gar nicht ausgezogen zum Errichten …, und sein kreuzwegauthentischer Schwanz auf seinem Privatgrund in der Sekunde seiner Auferstehung dem Kreuzwege vor seinem Hause einverleibt, gesegnet …

Kreuzweg

Und. Der Eigentümer dürfte mit den hiesigen Maßen nicht vertraut sein. Vielleicht wäre es gar nicht zu dieser Aufregung gekommen, hätte er sich an die Maßvorgabe für hiesige Schwänze gehalten, wie sie auf dem Stephansdom in Wien, Traunkirchen vorgegeben ist, also nicht so enorm groß, nicht so enorm gesund, nicht so enorm himmelhochsteif, sondern klein, deformiert, unbrauchbar winzig, eierlos … Er hätte also eine Stephansdomschwanzkopie mit Uhr an seinem Haus … die hiesigen Männer des Glaubens hätten dann wohl nur gelacht, ha ha ha, wie verhunzt, ha ha ha, wie mickrig, ha ha ha …

Was für wunderbar erregende Ostern 2017 in Österreich, Traunkirchen. Denn. Es scheint sich auch eine Antwort auf die bisher unbeantwortete Frage einzustellen, weshalb der Mann auf dem Kreuz stets in diesem weißen Tüchlein dargestellt wird … es Lendenschutz zu nennen, wäre wohl eine Angabe, das Fetzchen erinnert mehr an eine Windel (in irgendeinem Dom auf dieser Welt soll ja auch eine Windel von diesem Mann, die er als Baby tragen mußte, heute noch angebetet werden, riechend angebetet werden〉 … mit solch einem eierlosen Stephansdomschwänzchen (für diesen Maß genommen wohl an dem Mann vom Kreuz, ist dieser doch das Kirchenmaß schlechthin〉  sind wohl keine anderen Spielchen möglich, Spielchen, für die ein enorm gesundes …

Traunkirchen Oberösterreich.jpg

„Wehrmann in Eisen“, Josef Müllner und das tourismusgerecht zugerichtete Wien

Josef Müllner Bildhauer - Tourismusgerecht betafeltVom Wiener Karl-Lueger-Platz bis zum Wiener Rathaus ist es nicht weit, ein wenige Minuten dauernder Spaziergang. Um zu erfahren, ob es beim „Wehrmann in Eisen“ mehr über Josef Müllner zu lesen gibt, als beim

Lueger-Denkmal von Josef Müllner mit der Tafel auf Karl-Art von Oliver Rathkolb

… nein, mehr nicht, noch weniger, gar nichts. Kernstock wird auf der Zusatztafel erwähnt, Josef Müllner, der den „Wehrmann“ schuf, nicht. Als hätte den „Wehrmann“ niemand geschaffen, als wäre er vom Himmel herabgestiegen, zu lindern die Not der „Witwen und Waisen“ …

Müllner und Kernstock, 1915. Gemeinsam an der Arbeit.

Von Ottokar Kernstock kann nicht gesagt werden, daß er ein Nazi der Nazidiktatur wurde. Er starb bereits 1928. Trotz seines viel zu frühen Todes ist er auch heute noch ein rechter Liebling. Was – wird es in nicht wenigen Köpfen heute noch spuken und dauern –

Zum Nationalfeiertag 2016 deklamiert identitärer Parlamentarier Ottokar Kernstock

Idealtypische Bundeshymne für das österreichische Pflichtwaldheim – Verse von Ottokar Kernstock

Was herauskommt, wenn über Bundeshymne und Identität g’redt wird: Kernstockhymnenidentität

Im Teutschgärtlein von „Zur Zeit“

für ein Wiener Adolf-Hitler-Sängerknabe wäre er doch geworden, wenn er nicht Jahre zu früh gestorben – mit der hellsten christlichen Messenstimme, zu hören vom steiermärkischen Wien über die Buchenwälder von Narvik zurück hinunter in den berlinerschen Bunker im tiefsten Abgrund …

Josef Müllner hingegen lebte lange, bis 1968, ein Held des Durchkommens, nun, das muß verstanden werden, eine Tourismusstadt wie Wien muß eine nazireine Stadt sein. Die Werke von Josef Müllner im sogenannten öffentlichen Raum in Wien sollen ja äußerst beliebte Fotomotive der Touristinnen und Touristen sein; wie Kurt Scholz vor zehn Jahren in der Tageszeitung „Die Presse“ schrieb, als er sich freute über die zum „Wehrmann in Eisen“ endlich angebrachte erklärende Zusatztafel …

Beim Lueger-Denkmal die korrekte Benennung von einem korrekten und professoralen Historiker, wer also das Denkmal geschaffen hat, mit Daten der Geburt und des Todes, wie eine Weihe, alles in Ordnung, ein harmloser und also nicht zu hinterfragender Künstler. Beim „Wehrmann“ der Name eines katholischen Dichters, der aber Jahre vor dem Naziregime, aber nicht der Name des Bildhauers, der den „Wehrmann“ schuf und während der Nazidiktatur … das könnte doch Touristen und Touristinnen abschrecken, müllnerische Werke weiterhin zu fotografieren, oder sie gar erinnern, daß Wien eine, die Nazidiktaturhauptstadt … und wenn sich das auch noch herumspräche, wer weiß, wie viele dann noch kämen, wenn ihnen dazu auch noch die Gegenwart dieses Landes einfiele … Mit ihm, Müllner, steht auch Franz Schubert auf dem Spiel, mit dem er durch seinen Forellenbrunnen … was, wenn plötzlich Menschen einfiele, Wiener Klassik nicht  mehr hören zu wollen, nicht mehr in den Musikverein gehen zu wollen, wie Vladimir Jankélévitch sie nicht mehr hören konnte, als er erfuhr, daß Schubert gespielt wurde, in den Konzentrationslagern …

Josef Müllner brachte es nicht nur zu Auszeichnungen in den zwei Republiken des Landes Österreich und in der Nazidiktatur, er war bereits in der Habsburgerei recht fleißig, schuf zu den kernstockschen Worten:

„Gut und Blut fürs Vaterland/Der Wehrmann Wiens gemahnt an die Zeit/ da unerschöpflich wie des Krieges Leid/ die Liebe war und die Barmherzigkeit“

den „Wehrmann“, für ein wahrlich hehres Ziel: Spenden durch das Nageln einzutreiben zur „Fürsorge für die Waisen gefallener Helden“.

Wenn die „Helden“ gefallen sind, was waren dann die, die nicht gefallen sind, beispielsweise die Habsburgischen? Tüchtige Geschäftsleute, könnte gesagt werden, sie fangen etwas an, aber die Zeche zahlen die Gefallenen selbst,

Straßennamen einzig aus heutiger Sicht gerechtfertigt: Franz-Joseph-Habsburg-Ring – Menschheitsmassenverbrecher, Oskar-Potiorek-Gasse – Menschheitsmassenverbrecher

wenn den Gefallenen etwas daran liegt, daß ihre Kinder nicht verhungern. Den Hunger gab es trotzdem, auch wenn ein Nachfolger von Kernstock im Priesterock einmal meinte, es hätte im letzten Jahrhundert eine Hungersnot nur in dem Land gegeben, in dem Stalingrad …

Josef Müllner Bildhauer

„Zwanzigköpfige Bettlergruppe“ gewerkschaftlich organisiert

Floridsdorf, Österreich. Aus der überall Aufliegenden, der Österreich vertraut und die Österreich teuer ist, war vor einigen Tagen zu erfahren, daß es am Franz-Jonas-Platz eine „Bettlerszene“ gibt.

Sehr erstaunt darüber, obwohl täglich auf dem Franz-Jonas-Platz unterwegs, nie etwas von der „zwanzigköpfigen Bettlergruppe“ mitbekommen zu haben, ist der Umherliegenden, der nicht nur Österreich, sondern die hochkarätigsten politischen Verantwortlichen in Floridsdorf vertrauen, wieder einmal zu danken, wie sehr sie den Menschen die Augen öffnet, um zu sehen, was sie sonst nicht sehen.

Dermaßen von der breitteuer Daliegenden die Augen geöffnet und von ihr angespornt, selbst aktiv zu werden, selbst herauszufinden, weshalb die „zwanzigköpfige Bettlergruppe“ noch nie gesehen wurde, war die Sache rasch aufgeklärt.

Die „Bettlergruppe“ ist gewerkschaftlich organisiert. Es wird, so wurde es erklärt, strikt auf die Einhaltung der Arbeitszeit geachtet. Sie werden, wurde erklärt, immer vor Dienstbeginn und immer nach Dienstschluß am Franz-Jonas-Platz unterwegs sein. Das wird der Grund sein, weshalb Ihnen die „zwanzigköpfige Bettlergruppe“ noch nie aufgefallen ist. Und zur Mittagszeit, wenn Sie am Franz-Jonas-Platz Ihr Jausenbrot essen, hält die „zwanzigköpfige Bettlergruppe“ eben auch gerade ihre vorgeschriebene und in die Arbeitszeit inkludierte Mittagspause ein. Genauso wie Sie, Sie verbringen Ihre Pause ja auch nicht am Arbeitsplatz. Dem zarten Hinweis, aber die Mittagspause nicht in die Arbeitszeit eingerechnet zu haben, folgt die Feststellung: Sie werden wohl kein Gewerkschaftsmitglied sein.

Und der Mann mit dem Rucksack, von dem die so oft achtlos Irgendwohingeworfene berichtet, wie in der Collage gelesen werden kann, könnte der Mann sein, der in seinem Rucksack eine mobile Stempeluhr, mit der dokumentiert werden kann, daß Arbeitszeit und Mittagspause auch wirklich strikt eingehalten werden, mit sich führt.

Die Frage, ob alle Bettler und Bettlerinnen gewerkschaftlich organisiert sind, ihre Arbeitszeiten kollektivvertraglich geregelt sind, oder nur die von Floridsdorf, konnte nicht beantwortet werden. Zu hoffen wäre es, etwa für jene in Erdberg, an die gerade gedacht werden muß. Im Bericht über diese war von keinem Mann mit Rucksack die Rede; aber es war ja auch kein Bericht von der Teuerhingelegten, wenngleich von der Qualität her ihr ebenbürtig.

Floridsdorf - Österreich Bettler sind gewerkschaftlich organisiert

Warum Thomas Bernhard in seiner Sterbeminute schon zum Klassiker wurde, Octave Mirbeau aber sofort mit seinem Tod für Jahrzehnte in den Giftschrank kam

Thomas Bernhard - ein österreichischer KlassikerEs soll nicht ungerecht gegen Thomas Bernhard gesprochen werden. Es war immer ein Spaß. Es war immer eine Gaude, eine Hetz. Als er lebte. Seine Interviews im Fernsehen. Wer zählte diese nicht zu den Sternstunden des Fernsehens. Freilich, im Fernsehen …

Seit er, Bernhard, nicht mehr lebt, ist es vorbei mit dem Spaß, ist es vorbei mit der Gaude, mit der Hetz. Freilich, was geblieben gibt, was bleibt, ist die Schimpferei, das recht konservative und alles wie es je war stützende und verteidigende Granteln von seinen Zeitgenossen und Zeitgenossinnen, die heute ins Facebook zur Wirtin Unzensurierta gehen, wenn es sie zu ihrem Stammtisch treibt, sie ihren Harmdrang zum Ausspeien nicht mehr zurückhalten … Was es noch gibt, ist sein Werk, das verblaßt, schal und kenntlich in seinem Konservatismus, in seiner Abschreibe und in seiner Nachschreibe. Es langweilt, ganz ohne Fernsehbegleitung. Nicht alle noch, vor allem für die ehrenwerte Lodentrachtjagdgesellschaft auf dem österreichischen Lande ist sein Werk kurzweilig und seine Wiederholungen so passend zu ihren Leben in ihren Wiederholungen, mit dem sie sich auch ein wenig rebellisch empfinden dürfen, freilich österreichisch rebellisch. Eine Rebellion, die sich darin erschöpft, am Sonntag in der Kirchenbank während der Predigt bemerkbar zu flüstern, und dies schon als Revolte gegen den Herrn Pfarrer …

So wird es verständlich, weshalb Thomas Bernhard, kaum daß er tot war, zum Klassiker wurde, freilich zum österreichischen Klassiker. Zugleich wird verständlich, weshalb Octave Mirbeau, kaum daß er tot war, für Jahrzehnte in den Giftschrank gesperrt wurde.

Im Octave Mirbeau ist der gesamte Thomas Bernhard, aber, wie traurig, wie wenig Octave Mirbeau im gesamten Thomas Bernhard ist.

Octave Mirbeau schaffte es punktgenau, daß sein Todestag genau auf seinen Geburtstag fiel. Thomas Bernhard nicht, er verfehlte diesen um drei Tage. Vielleicht wollte Thomas Bernhard den gleichen Todestag wie sein geliebter und unlesbarer Großvater. Auch das schaffte er nicht, er verfehlte diesen um einen Tag.

Und was alles Octave Mirbeau noch schaffte, lange vor Thomas Bernhard, und was Thomas Bernhard nachschaffte, freilich nur in der konservativsten Weise … die Übertreibung, die Beschimpfungen von Städten und Ländern und so weiter.

Octave Mirbeau, der „rote Millionär“, Thomas Bernhard, der Landwirt aus dem Oberösterreichischen … auch das macht verständlich, weshalb Thomas Bernhard sofort ein Klassiker werden konnte, eben ein österreichischer Landwirteklassiker.

Octave Mirbeau war auch ein äußerst erfolgreicher Bühnenschriftsteller. Und wird an Thomas Bernhard als Bühnenschriftsteller gedacht, befällt doch der Verdacht, es muß an seinen Stücken liegen, daß ein Schauspieler des deutschen reiches diese dermaßen hervorragend zu spielen verstand, sich so außerordentlich wohl fühlte in den bernhardschen Figuren. Es will nicht ungerecht gegen Bernhard Minetti gesprochen werden. Wer amüsierte sich nicht köstlich bei seinen bernhardschen Spielereien. Noch heute wird gerne das eine oder andere Stück mit Minetti hervorgeholt, um ihn sprechen zu hören. Freilich auf die bernhardschen Worte wird dabei nicht mehr gehört.

Octave Mirbeau war ein Autofahrer. Thomas Bernhard war ein Autofahrer. In einem Charron war Mirbeau unterwegs, in einem „tannengrünen Mercedes“ Thomas Bernhard. Das macht auch verständlich, weshalb er, kaum daß er tot war, zum österreichischen Klassiker erhoben wurde. Wer verdiente in diesem konservativen Land mehr, zum Klassiker gemacht zu werden, als einer aus der konservativsten Tiefe des Landes: der Landwirt mit seinem grünen, also mit seinem Trachtenlodenmercedes. Wer das Werk von Octave Mirbeau kennt, wird es verstehen, daß die Entscheidung, wenn je eine notwendig war, längst gefällt wurde: niemals in einen Trachtenlodenmercedes einzusteigen, aber immer in den Charron mit dem Kennzeichen 628-E 8. Dazu fällt ein. Thomas Bernhard sprach davon, er sei ein Geschichtenzertrümmerer. Das paßt zu einem Nebenerwerbslandwirten: das Kleinhäuslerische.

Wie verdreckt für Thomas Bernhard die Toiletten von Wien doch waren, für Octave Mirbeau waren die Toiletten des ganzen und ungleich größeren Landes verdreckt. Bernhard wußte über Wien nichts anderes zu sagen, als Mirbeau über Frankreich sagte. Und das ist ein Verdienst von ihm, Bernhard, auch mit ihm sagen zu können, wie töricht es von Menschen ist, auf nationale Unterschiede zu pochen, stolz darauf zu sein, wie besonders und einzigartig ihre Nationen doch wären, während über ihre Heimaten stets nur dasselbe gesagt werden kann, verdreckte Toiletten in der einen Nation, verdreckte Toiletten in der anderen Nation.

Das Kleinhäuslerische. War Thomas Bernhard gemein zu dem kleinen Tonsetzer aus dem kleinen Maria Saal, so war Octave Mirbeau zum großen Balzac aus dem großen Paris  … Freilich, es kann nicht Bernhard angelastet werden, daß er sein Mütchen gefahrlos an einem sozialistischen Höhensonnenkönig … die Zeit der Monarchien war vorbei, und es ist nicht das Verdienst von Mirbeau, daß er eine mehrjährige Gefängnisstrafe riskierte, weil er über einen Kaiser …

Octave Mirbeau zerstörte groß, also gleich den Roman.

Nur wer in Österreich geboren ist, in Österreich aufgewachsen ist, die Fernsehgaude mit Thomas Bernhard miterlebt hat, wird töricht ausrufen können, beim Lesen des ersten Satzes von „Diese verdammte Hand“: Das ist Bernhard. Nein. Das ist Mirbeau. Nur in Österreich kann zu Mirbeau Bernhard einfallen, den Österreich als Klassiker braucht, um zu bleiben, was es ist, ein Land des Konservatismus bis hin zu noch Schlimmeren. Aber Österreich bräuchte einen Mirbeau. Wenn an die Malerei in Österreich gedacht wird, kommt es zwangsläufig, österreichischen Malerinnen und Malern zu empfehlen, „Diese verdammte Hand“ zu lesen. Es ist keine Empfehlung, daß sie sich ebenfalls die Hand abhacken. Das wäre eine zu große Geste, eine, die den Großen vorbehalten ist, etwa einem Vincent van Gogh, der wohl Modell war für den Maler in diesem Buch, und von dem Mirbeau zwei Bilder kaufte, als … zwei Bilder, die heute zu den teuersten … und dann gibt es von Thomas Bernhard einen Roman mit einem Maler, für den, also den Roman, Modell war … die Landwirte in Österreich werden den bernhardschen Titel wissen … Es ist also keine Empfehlung, die Hand …, aber schlicht und ruhig auf…