„Operation Ramadan: Warum ich kein Christ bin“

Nach seinem Ableben fand die Familie sein Tagebuch, und sie mußte zu ihrem Erstaunen darin lesen, daß ihr Sohn, Mann, Bruder, Vater, Onkel, von dem sie ohne die geringsten Zweifel stets annahm, er ist ein überzeugter Muslim, kein praktizierender Muslim zwar, aber doch ein Muslim mit einem unerschütterlichen Glauben an Allah gewesen, kein Muslim war.

So unerschöpflich Allahs Wege sind, so unergründlich sind auch Allahs Handlungen. Das Tagebuch blieb erhalten. Und es verblieb nicht in der Familie. Allah, der Unergründliche, der Vielwegige, Allah selbst hat der Familie das Tagebuch genommen. Ein Tagebuch von solch einer Tragweite, so hätte es angenommen werden dürfen, das geeignet wäre, auf ewig die Geheimnisse einer Familie zu mehren. Und jede Familie hat ihre Geheimnisse, mag sie eine glückliche und eine unglückliche Familie sein. Und selbst Allah, der strenggerechte Richter, hätte im Falle einer anderen Familie ihren Beschluß, ein solches Tagebuch zum ewigen Familiengeheimnis zu machen, wohl freudig zugestimmt. Nur dieser Familie wollte er kein weiteres Geheimnis zugestehen. Sie muß ihm ein besonderer Fall gewesen sein. So ist es nun möglich, aus diesem Tagebuch zu zitieren, nicht aus freien Stücken, es ist der Wille von Allah, dem Vielwilligen selbst.

Das Erstaunen über das Tagebuch ihres verstorbenen Verwandten war kein einheitliches Erstaunen. Einige in der Familie waren mehr erstaunt über den Inhalt, andere mehr darüber, wie der Verstorbene das aufschrieb. Alle aber waren sich einig in ihrer Verwunderung, wie gewählt und vornehm ihr Onkel, Vater, Bruder, Sohn, Großvater sich auszudrücken verstand. Wie konnte er doch nur schimpfen. Woher hatte er bloß alle unflätigen Wörter. Kein einziger Satz in gehobener Sprache von ihm war seiner Familie in Erinnerung. Sie zweifelte an ihren Erinnerungen, und so frug sie Menschen, die ihn gut kannten, mit ihm befreundet waren, das ganze Arbeitsleben mit ihm verbrachten; aber das Familiengedächtnis war makellos.

Sonderbar daran ist auch. Von dem Tagebuch, das der Verstorbene, so das Gerücht, über Jahrzehnte geführt haben soll, fanden nur die wenigen Eintragungen zum „Ramadan“ den Weg aus der Familie heraus. Und seltsamerweise ebenfalls die Erwähnung des Buches „Warum ich kein Christ bin“. Das mit Notizen versehene Buch von Kurt Flasch aber soll bei seinen Nachlasssachen nicht gewesen sein. Es ist bis zum heutigen Tag nicht aufgetaucht.

Aus dem Tagebuch die erhaltenen und vorliegenden Seiten: 

Ramadan - Seite aus dem Tagebuch eines Mannes aus einer muslimischen Familie.jpgVon Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang essen, essen und essen, trinken, trinken und trinken, die Frau erkennen, essen, trinken, den Mann erkennen, trinken und essen von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang. Wie leicht fällt es dann, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zu fasten, ein paar Stunden nichts zu essen, nichts zu trinken. Was für eine Vortäuschung von Selbstdisziplin.

Wenn das Gebot wäre, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nicht auf die Toilette zu dürfen, alles an sich, alles in sich halten zu müssen, ich hätte Respekt vor einem solchen Gebot haben können. Aber so. Es ist die leichteste Übung. Es ist bloße Täuschung. Was will Allah damit bezwecken, die Selbsttäuschung und die Täuschung der anderen unter die Menschen zu bringen?

Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts dürfen, außer eines: töten, morden. Und dabei soll es doch bei diesem Fasten um Nächstenliebe gehen. Die „Operation Ramadan“ hat mich geheilt. Bis zu dieser Operation war ich anfällig, gefährdet, am Morbus Ramadan zu erkranken. Was bereits geheilt zu sein scheint, kann wieder ausbrechen. Doch nach Ruhollah Chomeini  – „The Blessed Month of Ramadan is an Invitation to God’s Feast.“ „Ramadan is the month in which you should strengthen yourself morally.“ – kamen noch viele mit dieser verfestigten Moral und einluden zum Festmahl Gottes, zu seinem Todesgelage.  Abu Bakr al-Baghdadi wird nicht der letzte sein, aber für mich der letzte Garant, vollständig und für immer vom Morbus Ramadan geheilt zu sein.

Wie unverständlich für mich es immer ist, wenn Menschen, die nicht dem Islam als ihre Religion haben, auch Angehörige von Regierungen, kurz gesagt, Christen einen „gesegneten Ramadan“ wünschen. Es haben mich nie Bücher über den Islam interessiert, der Koran selbst war mir keine Lektüre. Es reichte mir, was mir als Kind gelehrt wurde. Es war mir dunkel und unbegreiflich, so etwas zu lehren. Ich verstand es nicht, aber ich ahnte: alles hinkt. Nun,  da ich verstehen wollte, wie Christenmenschen ein gesegnetes Todesgelage wünschen können, die doch selbst so von Nächstenliebe erfüllt sind, kam ich auf das Buch von Kurt Flasch. Und mit einem Male verstand ich nicht nur die Bibelnächstenliebe, sondern auch die Korannächstenliebe. Und nun verstehe ich, warum ich kein Muslim bin, weil ich „Warum ich kein Christ bin“ las. Zuerst zögerte ich, es kam mir wie ein Frevel vor, aber dann begann ich, Notizen in das Buch zu schreiben. Wo „Bibel“ stand, strich ich es durch, ersetzte es durch „Koran“. Und alles ward mir deutlich. Ich notierte im Buch auch Geschichtliches zum Islam. Soweit es mir aus der Schulzeit noch in Erinnerung war. Und aus all den Nachrichten über den Islam seither. Um es mir noch klarer zu machen.  Ich hätte das nicht machen müssen. Denn, alles was Kurt Flasch über das Christentum sagt, ist genug, um auch dagegen gefeit zu sein, je ein Muslim zu werden. Es hätte seines Buches nicht bedurft, um kein Muslim zu werden, aber nun kann ich es auch ausdrücken, weshalb ich nie ein Muslim wurde, das ausdrücken, was ich als Kind bereits ahnte, als mir unbegreiflicherweise Dunkles und Abwegiges gelehrt wurde. Wie wenig kann ich dem abgewinnen, also nichts, ob der Islam reformierbar sei oder nicht. Ich müßte es meiner Familie berichten, mich ihr erklären, aber es werden andere kommen, auch aus meiner Familie, die das besser vermögen. Mich soll sie in Erinnerung behalten, und das noch lange, sehr lange, wofür ich einiges noch tun werde können.

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