Das Oberkommando der Verbindungsoffiziere gibt bekannt …

In Österreich, seit dem 17. Mai 19:

Niemand tritt vor die Presse. Die Frage der Zulassung von Fragen stellt sich nicht.

Einstweilen wird es Mittag. Samstag.

Strache tritt vor die Presse. Ein Rücktritt. Aber Fragen sind nicht zugelassen.

Kurz tritt vor die Presse. Noch kein Rücktritt. Aber Fragen sind ebenfalls nicht zugelassen.

Der Bundespräsident tritt vor die Presse. Bei ihm stellt sich die Frage des Rücktritts selbstverständlich in keiner Weise. Aber Fragen sind weiter …

Der Bundespräsident tritt mit Sebastian Kurz vor die Presse. Noch kein Rücktritt von Kurz. Aber Fragen sind weiter …

„An dieser Stelle möchte ich auch auf die wesentliche Rolle hinweisen, die unabhängiger Journalismus in einer funktionierenden liberalen Demokratie spielt.“

Sagt der Bundespräsident in seiner Erklärung am 18. Mai 19, wie fein, daß er die Presse lobt, nur befragen soll sie auch ihn nicht. Von den anderen ist nichts anderes zu erwarten, für sie sind Journalisten und Journalistinnen ihre Boten, Meldegängerinnen, die verbreiten sollen, was sie ihnen auftragen …

Von dem derzeitigen Bundespräsidenten jedoch hätten wohl viele einen anderen Stil erwartet, besonders aufgrund seiner beruflichen Laufbahn, wie er sich gab, als er noch nicht Bundespräsident war. So muß es wohl, um eine längst vergangene Zeit als Beispiel herzunehmen, in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts in Österreich gewesen sein. Vielleicht können Menschen, die das noch erlebten, einmal erzählen. Wie das war. Als die Herrschenden vor die Presse traten und verkündeten und verkündeten, was sie hinter verschlossenen Türen, das die Journalisten mitzustenographieren hatten, ohne Fragen zu stellen, oder es gab Fragen, ein Bundeskanzler, ein Bundespräsident, die nachfragten, ob eh alles ordentlich aufgeschrieben worden sei. Mit der väterlich gütigen Ermahnung, alles so brav zu drucken. Und dann verschwanden sie wieder hinter den gepolsterten Türen, um …

Sebastian Kurz tritt vor die Presse. Noch kein Rücktritt. Mittlerweile ist es Montag geworden. Aber Fragen sind weiter …

Es wäre also angebrachter, da sie, obgleich gewählt, auch dazu, Rede und Antwort zu stehen, ohnehin keine Fragen beantworten wollen, daß sie gar nicht selber mehr vor die Presse treten, sondern einfach diese Verkündigungen den Verbindungsoffizieren der Ministerien, des Präsidentschaftskanzlei, des Bundeskanzleramtes überließen. Wozu diese auch gar nicht persönlich vor der Presse erscheinen müßten, es könnte einfach durch Funk und Fernsehen übertragen werden, zu Beginn mit einer gewichtigen Musik als Signal, nun komme etwas Wichtiges, und dann:

Das Oberkommando der Verbindungsoffiziere gibt bekannt …

Wenn Sebastian Kurz, um einen Tag noch in dieser Woche zu nehmen, am Donnerstag vor die Presse tritt. Wer wird dann noch …

Ein Gedanke zu „Das Oberkommando der Verbindungsoffiziere gibt bekannt …

  1. Pingback: Kurzens Bote Wolfgang Sobotka – Österreich erlebt im Mai 19 die Zeugung einer Diktatur | Prono ever

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