Ausgießung des Geistes

Mit Bedauern (so kann es gelesen werden) kann festgehalten werden, daß auf dem Judenplatz in Wien, bis heute, Juni 2025, keine erklärende Tafel angebracht worden ist, zum antisemitischen Relief auf dem Haus Jordangasse 2:

Durch die Fluten des Jordan wurden die Leiber von Schmutz und Übel gereinigt. Alles weicht, was verborgen ist und sündhaft. So erhob sich 1421 die Flamme des Hasses, wütete durch die ganze Stadt und sühnte die furchtbaren Verbrechen der Hebräerhunde. Wie damals die Welt durch die Sintflut gereinigt wurde, so sind durch das Wüten des Feuers alle Strafen verbüßt.

Der seit Jahrhunderten täglich von diesem Haus herab auf den Judenplatz verkündete Antisemitismus ist nicht in deutscher, sondern in lateinischer Sprache.

Eine prominente Stelle nimmt heutzutage weiter der „Jordan“ in einem Spruch ein, in diesem zwar nicht namentlich und auch nicht mehr in lateinischer Sprache, sondern, so modernd ist das Heute, in englischer Sprache: „Vom Fluß bis zum Meer.“

In Thörl-Maglern im so gar recht schönen Kärnten steht eine Kirche und in deren Gemäuer verewigt Thomas von Villach mit seinem offensichtlich vor, wie der Broschüre der katholischen Kirche Kärntens zu entnehmen ist, fünfhundertfünfzig Jahren fertiggestellten Fresko vom „Lebenden Kreuz“ mit der

Darstellung der „Synagoga“, die dermaßen drastisch unmißverständlich ist, daß es nicht notwendig ist, auch noch zu entziffern, was Thomas von Villach sich zu diesem seinem barbarischen Bild der „Synagoga“ an Sprüchen hinzu fiebrig phantasierte – vor über fünfhundertfünfzig Jahren gläubig kirchentreu ergeben selbstverständlich in lateinischer Sprache …

Im Gegensatz zum drastisch unmißverständlichen, barbarischen Relief in der Jordangasse unter dem Villach-Fresko ein Ständer, mit Information. Wann der Informationsständer hingestellt wurde, seit wann es diesen Ständer gibt, wird nicht gewußt. Vielleicht erst seit dem Jänner 2023. Jedenfalls läßt die mit 17. Jänner 2023 datierte Broschüre „Die Darstellung von Synagoga und Ecclesia im Fresko vom ‚Lebenden Kreuz'“darauf schließen, aber auch der mit einem QR-Code versehene zum Fresko hingestellte Informationstext, mit dem direkt auf die Website der katholischen Kirche Kärntens zu gelangen ist, zum am 16. Jänner 2023 veröffentlichten Text „‚Synagoga‘ und ‚Ecclesia‘ im Fresko von Thörl-Maglern“ …

Spät, sehr spät, könnte gesagt werden, daß eine solche Drastik, daß derart Barbarisches doch endlich nach Jahrhunderten zur Einsicht des Organisierten Glaubens führt, es nicht länger ohne erklärenden Text ausgestellt lassen zu können. Wenn es schon nicht übermalt wird, so könnte gesagt werden, immerhin, immerhin die Bereitstellung von Informationen … Womit aber der Informationsständertext und auch der Broschürentext und auch der Text auf der Website des Organisierten Glaubens der katholischen Kirche Kärntens

Allmächtiger, ewiger Gott,
du hast Abraham und seinen Kindern
deine Verheißung gegeben.
Erhöre das Gebet deiner Kirche für das Volk,
das du als erstes zu deinem Eigentum erwählt hast:
Gib, dass es zur Fülle der Erlösung gelangt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

endet, wird, so könnte es gelesen werden, der bis heute fehlende Informationsständer auf dem Judenplatz vor dem Reliefhaus Jordangasse 2 nicht bedauert, denn, was würde denn auf solch einer Tafel stehen, eingedenk der bestehenden Tafeln mit deren nicht unbedingt immer glücklich gewählten Inhalten

„Erhöre das Gebet deiner Kirche für das Volk, das du als erstes zu deinem Eigentum erwählt hast: Gib, dass es zur Fülle der Erlösung gelangt.“ Ja, am Ende geht es doch nie ohne Erlösung, und wer sich etwas zum „Eigentum“ nimmt, macht mit diesem „Eigentum“ ebendas, versteht das „Eigentum“ als genau das, was vor einhundertachtzig Jahren Max Stirner über das Eigentum schrieb:

Dennoch ist Eigentum der Ausdruck für die unumschränkte Herrschaft über Etwas (Ding, Tier, Mensch), womit „Ich schalten und walten kann nach Gutdünken“.

Das muß nicht noch einmal erzählt werden, wie mit diesem „Volk“ als „Eigentum“ geschaltet und gewaltet, nach Gutdünken

PS Die Menschen des „Volkes“, das der „Allmächtige“ sich als Erstes als „Eigentum“ einverleibte, waren noch nie dafür auf der Straße gesehen, wie die Gläubigen des Organisierten Glaubens der katholischen Kirche, die auf die Straße gehen zur

Feier der Ausgießung des Geistes, in einem feierlichen Umzug „Herr, ich bin dein Eigentum“ werbend zu singen, wie in der Abenddämmerung des 5. Juni 2025 auf der Landstraße wieder einmal von Gläubigen des Organisierten Glaubens der katholischen Kirche gehört, sich dem „Einzigen“ als „Eigentum“ darbringt, so ist an dieser freiwilligen Wandlung in „Eigentum“ des „Allmächtigen“ zu seinem Schalten und Walten je nach seinem Gutdünken in seiner allmächtig einzigen Launenhaftigkeit das Erfreuliche, freilich bloß aus der Sicht des „Einzigen“,

er muß nicht mehr selbst zum Hamstern von „Eigentum“ ausrücken, die in „Eigentum“ gewandelten Menschen arbeiten für ihn, sie alle tun unbezahlt alles für ihn, sein „Eigentum“ zu mehren …