Der Zeit Gesinnung, Gesinnung der Kunst

Was für eine Mühe, noch 2022 wieder ein Einsatz, widerlegen zu wollen, daß Günther Mittergradnegger ein NSDAP-Mitglied gewesen sei, keine Mühe wird es 2025 für Johann Kogelnig wohl gewesen sein, Günther Mittergradnegger zu malen; schaffe er, Kogelnig, ein Portrait doch ungefähr an einem bezirksgerichtsfreien Wochenende

Wie recht doch Johann Kogelnig in seiner Kunstauffassung geht, es müsse nicht erst erklärt werden, was zu sehen ist, und so müssen seine Portraits nicht erst erklärt werden, was sie zeigen, denn sie zeigen alles, was sie sind, sie verbergen nichts, nicht einmal die Motive, warum wer wann gemalt wird, es muß nur bei Betrachtung der Portraits über den Bilderrahmen hinausgedacht werden.

Die Mühe von Wilhelm Wadl für Günther Mittergradnegger niedergelegt im

Sonderdruck aus CARINTHIA I 2022 / 212. Jahrgang
Zeitschrift für geschichtliche Landeskunde von Kärnten
Verlag des Geschichtsvereines für Kärnten, Klagenfurt

„Ich bin nicht registrierungspflichtig“ –
Günther Mittergradneggers angebliche NSDAP-Mitgliedschaft

Was wendet Dr. Wilhelm Wadl dafür doch auf einundzwanzig Seiten alles auf, das ist, einfach wie kurz gesagt, so seriös, wie eben Wilhelm Wadl nur seriös sein kann. Darauf einzugehen, hieße, ein Interesse daran zu haben, ob Günther Mittergradnegger ein NSDAP-Mitglied gewesen sei oder kein NSDAP-Mitglied gewesen sei, aber was er gewesen oder was er nicht gewesen war, das ist in keiner Weise von Belang.

Beim Lesen der wadlischen Bemühungen um Günther Mittergradnegger am 28. Mai 2026 fällt der Name doch von einem auf, von dem erst vor kurzem etwas erzählt wurde, nicht wegen der Vergangenheit, sondern wieder wegen der Gegenwart, immer wegen der Gegenwart …

Im zweiten Abschnitt ging die Kommission ausführlicher auf 16 Personen ein, die „in unter schiedlicher Form über das gewöhnliche ‚Mitläufertum‘ und gesellschaftsimmanenten Opportunismus hinausgehend mit dem Schreckensregime des Nationalsozialismus verbunden waren, ohne jedoch deswegen eine Umbenennung der Straße zu empfehlen.“3 Unter den so eingestuften Persönlichkeiten finden sich einige mit einem engen persönlichen Bezug zu Günther Mittergradnegger, wie z. B. Anton Anderluh (Lehrer, später Direktor an der LBA) und Georg Graber (Landesschulinspektor) sowie Hans Steinacher, dessen militärischer Vorgesetzter an der Eismeerfront.

Ach, der enge persönliche Bezug, oh, wie viele enge persönliche Bezüge es doch gibt, die sind auch in Kärnten keine Ausnahmen … es wäre erhellend und zugleich, weil es ohnehin bekannt ist, müßig, einen Rezitationsabend, in Kärnten einen besonderen Rezitationsabend zum 10. Oktober, der heuer auf den … fällt, zu den engen persönlichen Bezügen zu veranstalten, muß bei einem weiteren von Wilhelm Wadl genannten Namen gedacht werden, von Georg Graber bis Franz Podesser und weiter bis Wilhelm Rudnigger und weiter bis Dinklage und weiter bis, und weiter, weiter bis —

Es muß von Franz Podesser kein enger persönlicher Bezug zu Günther Mittergradnegger unbedingt vorhanden gewesen sein, aber etwas wird es doch gewesen sein müssen, das Günther Mittergradnegger zu Franz Podesser hinzog, ihn, Podesser, zu vertonen,

Franz Podesser war ein Kärntner Mundartdichter, Sägearbeiter in Radl und NSDAP-Ortsgruppenleiter von Trebesing. Er veröffentlichte Gedichte, Tagebucheinträge, aber auch auch Prosa und schrieb für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften. Komponisten wie Günther Mittergradnegger oder Justinus Mulle vertonten einige seiner Gedichte zu Kärntnerliedern. Trebesing widmete ihm einen Gedenkstein und Klagenfurt benannte eine Gasse nach ihm. Wikipedia weiß mehr über den Dichter.

wie ihn, Podesser, auch Justinus Mulle vertonte … Persönlich eng wird es wohl zwischen ihnen, Mittergradnegger, Mulle, Glawischnig gewesen sein, die zusammen die „Gründung des St. Veiter Kreises“ …

Justinus Mulle, das ist über ihn zu erfahren, am 28. Mai 2026: „Österreichisches Musiklexikon online, Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften“:

Mulle, Justinus
* 3.3.1891 Lebmach/K, † 29.3.1966 St. Veit an der Glan/K. Komponist und Lehrer. Besuchte die Klagenfurter Lehrerbildungsanstalt. Ab 1910 war er als Volksschullehrer u. a. in Zweikirchen/K tätig. Im Ersten Weltkrieg Truppenoffizier, danach im Kärntner Abwehrkampf. Nach dem Ersten Weltkrieg wirkte M. bis zu seiner Pensionierung als Volksschuldirektor in St. Veit. Neben dem Geigenspiel, das er infolge einer Kriegsverletzung aufgeben musste, beschäftigte sich M. nach 1920 v. a. mit der Vertonung hochdeutscher Texte. Mit G. Glawischnig schrieb er bekannte Kärntnerlieder (St. Veiter Kreis). Der J.-M.-Preis wurde von der Witwe M.s erstmals 1981 für die Pflege der Lieder des St. Veiter Kreises, im speziellen des M.-Liedes, vergeben.
Ehrungen
Prof.-Titel; Ehrenring der Stadt St. Veit; Ehrenbürger von Liebenfels/K; Ehrenmitglied des Kärntner Sängerbundes und zahlreicher Gesangvereine.
Werke
Kärntnerlieder (Untarn Lattasteig zuabe is an Alm schean grean, Wann i furt muaß in di Fremd, Ulrichsberglied, Weise vom Glantalboden, Turracher Lied, Die Liab is a Traman, Summaabnd, Hamgeahn); Chöre.
Literatur
A. Kreuzer, Kärntner. Biographische Skizzen 19./20. Jh. 1996; G. Mittergradnegger in K. Dinklage (Hg.), Heimatbuch des Bezirkes St. Veit an der Glan 1956; E. Jung-Mittergradnegger/R. Jung, Günther Mittergradnegger – Lebensmosaik 2013; K. Grafschafter in A. Besold et al., St. Veit an der Glan 1997.

Was und wer vertont wird, alles und alle zugleich, auch darin sind in Kärnten die künstlerisch Tätigen keine Ausnahme, beispielsweise Justinus Mulle, der nicht nur Podesser vertonte, sondern auch „Lasst die roten Fahnen wehn“ von Thekla Merwin, die in Auschwitz …

Was für ein Unterschied zwischen den Gesinnungen von Merwin und Podesser, und doch beide von Justinus Mulle vertont, Mulle, ein Komponist, zu dem einfach wie kurz wohl auch gesagt werden könnte, ein Mann für alle Gesinnungszeiten. Jedwede Gesinnung auf Verlangen belegbar vorweisen zu können, zu allen Gegebenheiten, besonders aber in denen mit dem herrschenden Wahlspruch:

Der Zeit Gesinnung, Gesinnung der Kunst …