Eben erst mußte wieder einmal erzählt werden, wie leicht es Identitarian gemacht wird, etwas zurückzuweisen, etwas zu entkräften, das ist gerade eine halbe Woche her, und schon muß von der Identitarian nächsten Leichtmachung erzählt werden.
Thomas Mayer von der Tageszeitung des österreichischen Qualitätsjournalismus tappt in die Falle, die, das darf vermutet werden, nicht einmal aufgestellt wurde, die Landeshauptmann-Stellvertreterin hat wohl einfach einen ihr gesinnungsgemäß geläufigen Begriff auf ein Plakat schreiben lassen, und schon …
Ja, und schon kann beispielsweise „Report24“, und schon kann sogar dieses Medium, dessen Herausgeber und Chefredakteur Florian Machl, es entkräften, was Thomas Mayer zu „Sonderbehandlung“ …
Es gehört inzwischen zum politischen Ritual der Linken: Verwendet ein Freiheitlicher ein Wort, das irgendwann auch im Sprachgebrauch des Nationalsozialismus auftauchte, beginnt die Suche nach braunen Botschaften. Diesmal hat es den Begriff „Sonderbehandlung“ erwischt. Die Salzburger FPÖ wirbt mit dem Satz: „Unsere Salzburger zuerst – keine Sonderbehandlung für Ukrainer.“ Gemeint ist eine aus Sicht der Freiheitlichen ungerechtfertigte Bevorzugung bei Sozialleistungen. Dafür braucht kein deutschsprachiger Leser eine historische Übersetzung.
„Standard“-Journalist Thomas Mayer versteht den Satz trotzdem ganz anders. „Sonderbehandlung“ sei ein „berüchtigter Nazi-Begriff“, schrieb er auf X. Die Nationalsozialisten hätten damit Vergasungen und Hinrichtungen getarnt. Anschließend fragte Mayer, ob FPÖ-Vizelandeshauptfrau Marlene Svazek überhaupt wisse, was sie da plakatieren lasse. Der historische Hinweis stimmt. Die daraus gebastelte Unterstellung allerdings nicht.
Report24. 28. August 2026.
Und sogar für „Exxpress“ ist es wohl ebenfalls eine rechte Freude, sich einzureihen, in die leichtgemachte Widerlegung …
Menschgemäß ist es zu verstehen, daß Thomas Mayer bei dem Wort „Sonderbehandlung“ gleich an die madigen zwölf Jahre des deutschen reiches denkt;
es kommt ja immer darauf an, wer mit welchem Gesinnungsuntergrund welches Wort verwendet.
Es ist wohl nicht von ungefähr, daß in der massenmörderischen und massenverbrecherischen nationalsozialistischen Diktatur gerade „Sonderbehandlung“ diese verbrechensverschleiernde Verwendung fand, hat doch bereits im Winter 1917 Kriegsminister von Stein mit seiner Erklärung, das hier noch einmal zu zitieren ist, ein Wort zur gesinnungsgemäßen Umdeutung und zum gesinnungsgemäßen Mißbrauch offeriert:
„Der Herr Kriegsminister von Stein hat mit Bestimmtheit erklärt, daß alle begründeten Beschwerden über Sonderbehandlung von Juden auf Eingehendste geprüft werden und daß gegebenenfalls Abhilfe geschaffen wird.“
wie dieser bereits im Kapitel „Von der Sonderbehandlung zu Sonderbehandlung“ zitiert wurde, und es wird nicht überraschen, daß der Anlaß, mit „Sonderbehandlung“ sich zu beschäftigen, schon einmal die Aufregung um einen Parteikameraden der Landeshauptmann-Stellvertreterin …

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