Die Sieger der EU-Wahl – wenn schon derart darüber geredet werden soll – sind die NEOS und nicht die freiheitliche Gemein-Schaft

Und trotzdem kam es am gestrigen Wahlabend medial so rüber, als wären die NEOS die Verlierer dieser Wahl und die freiheitliche Gemein-Schaft die Siegerin. Auch das heutige Durchblättern österreichischer Zeitungen vermittelte diesen Eindruck, wenn zu lesen ist, nur ein Mandat hätten die NEOS … oder, die NEOS seien unter den Erwartungen und so weiter und so fort.

Menschgemäß sind an diesem medial verbreiteten Bild, verloren zu haben, viel zu wenig dazu gewonnen zu haben, weit unter den Erwartungen geblieben zu sein, die NEOS selbst nicht unschuldig. Wer die eigenen Träume in die Öffentlichkeit trägt, muß damit rechnen, an diesen eigenen Träumen gemessen zu werden und diese wieder hineingewürgt zu bekommen. Aber es stellt den Journalistinnen und professionellen politischen Beobachtern in Österreich ein äußerst schlechtes Zeugnis aus, wenn sie diese psychologisch durchaus verständlichen Träume zu einer ihrer Grundlagen ihrer Wahlanalyse machen.

NEOS dynamischer als FPÖ - Ein VergleichEine weitere Grundlage, auf der nun die NEOS ausgerutscht sind, statt als große Siegerin der EU-Wahl in Österreich auf dem Boden der Wirklichkeit zu stehen, sind die Meinungsumfragen, mit denen törichterweise das Wahlergebnis verglichen wird. Und ein solcher Vergleich macht die NEOS automatisch zu einer Partei, die verloren hat, weil es eben Voraussagen gab mit einem prozentual mindestens zweistelligen Ergebnis und zeitweilig sogar noch … Dabei sind Meinungsumfragen nichts anderes als die sündteuren praktischen Ausführungen des in Österreich beliebten Spruches Hätt-i-War-i … Wer war beispielsweise bei einer telefonischen Meinungsumfrage noch nicht versucht, in eine Rolle zu schlüpfen, um Meinungen von sich geben zu können, die nicht die eigenen sind, oder gelangweilt schnell irgendwelche Antworten hinwarf, damit die Umfrage, weil aus Höflichkeit eine Beteiligung nicht abgelehnt werden wollte, irgendwelche Reflexe auf Fragen verbalisierte, die sofort wieder vergessen sind, und erst beim Lesen einer Umfrage möglicherweise die Erinnerung kommt, diese Antwort mit diesem oder jenem ausgewiesenen Prozentsatz, die könnte selbst gesagt worden sein, oder, dieser Meinung können Menschen sein – unglaublich …

Eine weitere Grundlage der Wahlanalysen, wieder eine zum Nachteil der NEOS, ist das Heranziehen der letzten Nationalratswahl in Österreich … Oh, haben NEOS gar wenig dazu … Das ist zum einem eine katastrophale Vermischung von Wahlen, die nichts miteinander zu tun haben – nicht nur ergebnistechnisch. Zum anderen wird dieser Vergleich zum nachteiligen für die NEOS …

Bei der freiheitlichen Gemein-Schaft wird das gestrige EU-Wahl-Ergebnis mit der EU-Wahl 2009 verglichen und soher kann und wird von einem großen Zugewinn, einem großen Sieg, einer Verdoppelung der Mandate und so weiter und so fort. Für einen Zeile will dieser nicht korrekte Vergleich auch für die freiheitliche Gemein-Schaft herangezogen werden. Im Vergleich zur Nationalratswahl verlor die freiheitliche Gemein-Schaft die EU-Wahl, sie erreichte nicht einmal das Ergebnis der letzten Nationalratswahl, sie blieb weit unter ihren Erwartungen, sie ist die Verliererin …

Vom Boden der Wirklichkeit aus gesehen, ist es tatsächlich so, daß die NEOS mit 8,1% den höchsten Zugewinn nach dem vorläufigen Endergebnis in dieser EU-Wahl hatten, um 1,1% mehr als die freiheitliche Gemein-Schaft, die im Vergleich zur EU-Wahl 2009 7% mehr bekam. Daß die freiheitliche Gemein-Schaft nun zwei Mandate mehr hat als 2009, das ist Wahlarithmetik. Daß die NEOS nur ein Mandat hat, auch das ist Wahlarithmetik.

Ob das alles bloß aus Gedankenlosigkeit passiert, nur bequemes Nachreden und Nachschreiben ist, also diese den NEOS zum Nachteil gereichende mediale Vermittlung des gestrigen Wahlergebnisses, besonders aber in der Nachwahlbetrachtung auch noch ab heute, kann letztlich nicht endgültig beurteilt werden, aber es darf geahnt werden, daß es dafür durchaus auch handfeste Gründe gibt. Einer könnte sein, den NEOS den Nimbus des Siegens zu nehmen, sie kleinzureden, damit sie in den nächsten bevorstehenden Wahlen dann wirkliche Verlierer … Sie nicht mehr ein so „dynamisches Wachstum“ hinlegen, wie es die freiheitliche Gemein-Schaft nun für sich beansprucht, hingelegt zu haben, während sie, die freiheitliche Gemein-Schaft – um noch einmal den nicht korrekten Vergleich mit der letzten Nationalratswahl zu bemühen – nicht nur stagnierte, sondern auch noch verlor. Wie in der Collage im Vergleich auch gesehen werden kann, waren die NEOS auch in der letzten Nationalratswahl dynamischer als die freiheitliche Gemein-Schaft, die bloß um 3% zulegen konnte, während die NEOS … Und der Denkzettel, den die freiheitliche Gemein-Schaft den Parteien ÖVP und SPÖ mit dieser EU-Wahl schreiben wollte, ist weiß geblieben; ein verfehltes Wahlziel.

Und natürlich ist wieder einmal die große Warnung vor der freiheitlichen Gemein-Schaft angesagt, die prozentmäßig den Parteien ÖVP und SPÖ dicht auf den Fersen ist, und es ist wohl eine Pflicht der medialen Helfer und Helferinnen dieser beiden Parteien, ihnen beizuspringen. Aber Warnung ist keine Politik, zumindest keine aktive.  Warnung ist auch kein Journalismus, zumindest kein profunder. Und es gibt wohl auch einen psychologischen Grund … Huch, wieder so ein großer Stimmenzuwachs für die freiheitliche Gemein-Schaft …Huch, wieder die Mandate verdoppelt … Der wohlige Schauer, die garantierte Fortsetzung der Empörung über diese freiheitliche Gemein-Schaft, auch Sicherung der Auflage …

2 Gedanken zu „Die Sieger der EU-Wahl – wenn schon derart darüber geredet werden soll – sind die NEOS und nicht die freiheitliche Gemein-Schaft

  1. Pingback: Noch ein verfehltes Wahlziel von Freiheitlichen – In Deutschland bringt Hitler der Pro NRW gerade mal 0,2% | Prono Ever

  2. Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. -Churchill-
    Die Erwartungshaltung haben die NEOS, wie du eh sagst, selbst geschürt und das alte „hätti wari“-Spiel ist nun einmal sehr beliebt in Österreich. Man muss aber auch die harten Fakten sehen und da stehen die Freiheitlichen Mandatstechnisch und in absoluten Zahlen viel besser da als die NEOS. Dass sich nach der Wahl alle als Gewinner sehen und nur die NEOS Selbstkritik üben spricht auch für die Pinken meiner Meinung nach.

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