Wochenblickkanzler

Von manchem Menschen wird, um seinen Blick zu beschreiben, aus Erfindungsmangel Zuflucht bei einem Tiervergleich genommen, etwa gesagt, er habe einen Dackelblick. Bei dem zurzeitigen Vizekanzler in Österreich muß nicht – auch wenn sich das aufgrund der recht großen Tierliebe in dieser zu einer recht besonderen Gesinnungsschaft zugehörigen Familie  anböte – auf einen Tiervergleich zurückgegriffen werden, um seinen Blick zu beschreiben.

Der zurzeitige Vizekanzler in Österreich hat den Wochenblick.

Und was sieht der zurzeitige Vizekanzler mit seinem Wochenblick?

Der zurzeitige Vizekanzler, der von sich sagt, er sei „Kanzler“ halt mit einem „Vize“ davor, sieht mit seinem Wochenblick eine Studie, der Wochenblickkanzler sieht also eine Studie, die bereits rund neun Jahre alt ist, eine Studie,  die vor bald neun Jahren veröffentlicht wurde und also seit fast neun Jahren öffentlich bekannt ist.

Aber der Wochenblickkanzler braucht rund zehn Jahre, um auf eine Studie zu reagieren. Und gäbe es Wochenblick nicht, hätte er wohl nie so schnell, also schon nach neun Jahren von der Studie erfahren. Das hätte bedeutet, eine Peinlichkeit für das Land Österreich weniger. Andererseits, auf eine Peinlichkeit mehr der vielen Peinlichkeiten, die das Land Österreich fortwährend ausgesetzt ist, für die jene verantwortlich sind, die ihn zum Vizekanzler machten, kommt es auch nicht mehr an.

Aber es gibt Wochenblick. Und somit bleibt auch diese Peinlichkeit nicht erspart. Nun eine Peinlichkeit für das Land Österreich, vor neun Jahren wäre es nur eine für ihn und seine Partei, nein, da wäre es  – im Grunde wie jetzt auch – nichts gewesen, weil es Wochenblick noch nicht …

„Ohne Worte! Die bisher medial verschwiegene Studie von Migrations-Lobbyisten schockiert: Für die EU wurde berechnet, dass Österreich 75 Millionen und Deutschland sogar mehr als 274 Millionen (!) Menschen möglicherweise beherbergen könnten!

Man ist fassungslos über so einen dokumentierten relalitätsfremden Studien-Wahnsinn, welcher von der EU beauftragt und bezahlt wurde.

Ich empfehle auch jedem die Studie auf der Website der EU-Kommission
nachzulesen und allen Realitätsverweigerern zu schicken:
https://ec.europa.eu/…/final_report_relocation_of_refugees_…“

Es kann die Empfehlung des Wochenblickkanzlers vom 14.12.18 nur bekräftigt werden, diese Studie zu lesen, also wirklich zu lesen, um aus erster Hand zu erfahren, wie auch diesmal eine Studie gesinnungsgemäß mißbraucht, wie eine Studie gesinnungsgemäß absichtlich falsch und zum Teil wohl auch aus Auffassungsmangel gelesen und gesinnungsgemäß mißbräuchlich gedeutet, nicht nur vom Wochenblickkanzler, dem möglicherweise es schon genügt, was Wochenblick darüber schreibt, der mit größter Wahrscheinlichkeit darauf setzt, daß niemand die Studie, trotz seiner Empfehlung, tatsächlich je liest.

Eine rund neun Jahre alte Studie nach ihrem Veröffentlichungsdatum und nach ihrer Entstehungszeit eine rund zehn Jahre alte Studie , das heißt, eine aufgrund ihres Alters veraltete Studie wird vom Wochenblickkanzler zum gesinnungsgemäßen Mißbrauch mit rund zehnjähriger Verspätung — ein flottes Kerlchen dieses Väterchen …

Wochenblick fragt also mit neunjähriger Verspätung nach und bekommt zur Antwort, was ohnehin in der Studie seit ihrer Veröffentlichung vor neun Jahren steht, daß es nicht die „Meinung der EU-Kommission“ …

Wochenblick und Wochenblickkanzler sind wahrlich ebenbürtig. Soher kann es nicht überraschen, daß es nicht das erste Kapitel ist, in dem Wochenblick auch vorkommt …

Einen recht besonderen Wochenblick hat auch der für die zurzeitige identitäre Regierungspartei im Europäischen Parlament seinen Stuhl habenden Mann, dem der Wochenblickkanzler (und wer sonst noch vertraut?), wohl auch bei der Auswahl seiner Lektüre …

Der Wochenblickkanzler scheint auch weiter an seinen Erinnerungen zu arbeiten – das ist auch Arbeit, doch, doch –, wenn er sagt, er sei ja „Kanzler“, halt mit einem „…“ davor … in ein paar Jahren, wenn er längst nicht mehr „…“ und halt auch ohne „…“ davor sein wird, wird er wohl erzählen, er sei „…“ doch gewesen und ehe er das gewesen, sei er „zehn Jahre Sportstadtrat“ in Wien gewesen …

Zehn muß ihm magische Zahl sein. Zehnjährige Verspätung, um auf eine Studie zu reagieren, zehn Jahre etwas gewesen zu sein, das nur ihm seine Erinnerung erzählt — kurz: ein Mann der Realität ganz und gar.

hc strache - wochenblickkanzler mit wochenblick

„Wenn ich je begriffen hätte, daß ich bloß ein Faschhelfer bin, nie hätte ich zu schreiben begonnen.“

Das hat er nicht wörtlich gesagt, aber es könnte – es gibt die Momente der Schwäche im Schreiben eines Romans, in denen einer Figur nachgegeben wird, nur weil sie darauf beharrt, mit ihrem Abhauen aus dem Roman droht, wenn sie das nicht von sich geben kann, was sie von sich geben will, nicht ein Zitat erfinden kann, wie dieses:

„Wenn ich je begriffen hätte, daß ich bloß ein Faschhelfer bin, nie hätte ich zu schreiben begonnen.“

Diese Figur macht es dann doch leicht ihr nachzugeben. Oder sie legt für das Nachgeben einen besonders schmackhaften Köder aus. Immerhin erklärt sie ja das Zitat sogleich für erfunden und führt das auch aus.

Das hat er nicht wörtlich gesagt, aber es könnte  daraus abgeleitet werden, daß er sich ausgerechnet Walter Hallstein aussucht als seinen Kronzeugen für eine „europäische Republik“.

Walter Hallstein: „Immer Musterschüler.“ Das ist eine Schlagzeile vom „Spiegel“ über Walter Hallstein vom 27. März 1951. Immer Musterschüler, das heißt zuerst Musterschüler für Hitler, dann Musterschüler für Adenauer …

Mit Walter Hallstein also für eine europäische Republik einzutreten, heißt, jenen nur zu helfen, die behaupten, die Europäische Union sei ohnehin nichts anderes als …

Es will hier gar nicht ausgeführt werden, was alles gegen die Europäische Union vorgebracht wird, von Menschen unterschiedlichster politischer Orientierung, geeint aber in der Ablehnung der Europäischen Union, die einen gemeinsamen Kronzeugen für ihre Ablehnung der Europäischen Union und deren Weiterentwicklung aufrufen, nämlich den hitlerischen und adenauerischen Musterschüler von Robert Menasse, der auch ihm zum buchstäblichen, wenn auch nicht zum wörtlich zitierenden Kronzeugen …

Das Internet ist übervoll von den die Europäische Union und deren Weiterentwicklung Ablehnenden, die dafür ausgiebig über Walter Hallstein berichten, ihnen Walter Hallstein für ihre Ablehnung herzuhalten hat. Vieles davon, was von den Ablehnenden als Beweise vorgelegt wird, scheint äußerst fragwürdig, sehr zu hinterfragen zu sein. Die Technik dafür ist recht bekannt, alles so lange zu montieren, bis darüber geschrieben werden kann: „Das ist die Wahrheit.“

Robert Menasse und Ulrike Guérot schreiben in einem Artikel unter der Schlagzeile „Es lebe die europäische Republik!“ von den „Träumern“. Was, wenn Walter Hallstein nur weitergeträumt hat den Traum, den es auch für das das deutsche reich gab: vom „neuen Europa“, wie Joseph Goebbels beispielsweise, der einem seiner Artikel diese Schlagzeile gab?

Walter Hallstein soll im Juni 1938 in Rom gewesen, und dann war er wieder in Rom,  allerdings nicht mehr für das hitlerische Massenmordreich, sondern für …

Prädestiniert war der Musterschüler freilich, für alle seine Herren aufzutreten, mit seinen Erfahrungen. Nicht nur in Rom und wieder in Rom, sondern auch in Rostock, wie am 24. Jänner 1939 von einer Zeitung berichtet wird:

„Der Redner des Abends, der Ordinarius der Rechtswissenschaft, Professor Dr. Hallstein, der durch seine vergleichende Forschung in den europäischen rechtspolitischen Verhältnissen reichste Erfahrungen gesammelt hat, behandelte darauf die überaus aktuelle Frage der rechtspolitischen Eingliederung der Ostmark und des Sudentenlandes. Die tiefschürfenden Ausführungen von Professor Dr. Hallstein wurden mit lebhaftem Beifall belohnt. Ein geselliges Beisammensein schloß den Abend. Unter den Ehrengästen befanden sich außer dem Staatsminister u.a.: Oberbürgermeister Volgmann, der Standortälteste Oberst Lieb, Generalarbeitsführer Schroeder, ein Vertreter des Kreisleiters, Kreisorganisationsleiter Degner, SA-Oberführer Behnert, Polizeipräsident Dr. Sommer, Ministerialdirektor Dr. Bergholter, Oberstleutnant von Bleffingh, Warnemünde.“

Welche Bezeichnungen es noch für Walter Hallstein zu finden gibt, ist durchaus aufschlußreich: „Meister der Täuschung“, „Blut- und Ehrenanwalt“ …

Mit solch einer fragwürdigen Person, um es kurz zusammenzufassen, für eine „europäische Republik“ einzutreten, ist äußerst fragwürdig, ist sehr zu hinterfragen. Auf alle Fälle eines: kontraproduktiv. Möglicherweise ist der heutige Zustand der Europäischen Union, den so viele massiv kritisieren, auch darauf zurückzuführen, daß solche Männer wie Hallstein ihren Beginn …

Einmal muß doch noch Adenauer erwähnt werden. Adenauer wußte schon, wen er zu holen hatte. Viele Männer mit Erfahrungen waren um ihn, beispielsweise auch Globke, der gemeinsam mit Stuckart den Kommentar zu den Nürnberger

Wie wenig muß Robert Menasse wohl Vertrauen in seine Überzeugungskraft haben, daß er meint, eine solchen Führungsoffizier dafür zu brauchen, um die Idee einer europäischen Republik … oder er rechnet es sich einfach hoch an, dafür einen Mann ausgegraben zu haben, dessen Name heutzutage nicht mehr breit geläufig ist, außer in jenen Kreisen vor allem, die meinen, mit ihm das Argument schlechthin gegen die Europäische Union und deren Weiterentwicklung oder gar ihre Zerstörung schleudern zu können, um zu glänzen, wie tiefschürfend auch er …

Um zu einem Ende des ernsten Teils zu kommen. Wer sich auf Männer wie Hallstein beruft, ein anderer Schluß kann nicht gezogen werden, will keine europäische Republik.

Das Heitere.

„Guérot sagte WELT, ihr gehe es als Wissenschaftlerin durchaus um das exakte Zitieren. Zu dem damaligen nicht wissenschaftlichen Artikel hätten sie und Menasse Teile beigetragen – aber nicht die Korrektheit der Zulieferung des jeweils anderen überprüft. Sie habe damals ’nicht genug Autorität oder Souveränität gehabt, um dies anzumahnen‘. Im Nachhinein sei es ‚dumm gewesen, das nicht zu überprüfen‘.“

Es wird ihr Menasse wohl zu viel „Autorität“ besessen haben, eine „Souveränität“ ausgestrahlt haben, als stünde Hallstein selbst vor ihr …

Dabei, wie lange ist das schon bekannt, daß er mit Zitaten so seine ganz eigene … aber das muß nicht besonders ausgeführt werden. Es kann nachgelesen werden. In Zeitungen, in Büchern.

Auch das, was besonders erheiternd ist:

Robert Menasse klagte die FPÖ, weil sie von ihm ein Zitat verwendete. Das war 2005. Es kümmert ihn zwar nicht das Wörtliche, aber wenn etwas aus dem Zusammenhang gerissen wird, das bekümmert ihn doch dermaßen, daß er gleich zum Bezirksgericht läuft.

Wie viele Zusammenhänge hat er wohl selbst erst wegreißen müssen, damit er Hallstein endlich zu seinem …

So wirklich heiter aber will es nicht werden, wenn der Name Hallstein fällt. Es kommen mit dem Anfang der Europäischen Union weitere Männer, die für Adenauer ebenfalls fleißig waren, ins Spiel, etwa Abs … etliche Konzerne kommen ins Spiel, oder genauer, Konzerne, die weiter im Spiel bleiben, bis zum Heute. Soher berührt es eigentümlich, wenn ein Symposium zum einhundertsten Geburtstag von Hallstein, dessen Traum vielleicht doch vor allem der Markt war, im „Casino-Gebäude des I. G. Farben-Komplexes“ zu „Die Zukunft der Europäischen Union“ …

Genug nachgegeben, der Figur.

Schluß mit diesem Kapitel, entstanden nur aus einem Moment der Schwäche.

Dennoch kann daraus doch noch ein Nutzen gezogen werden, durch das Unterbringen eines Hinweises. Und durch diesen ist das Kapitel zu Ulrike Guérot doch nicht nur eines aus Furcht davor, eine Figur könnte weglaufen, das, ist zu hoffen, hiermit verhindert werden konnte, sondern auch eines, um ein weiteres Mal an die Tagesordnungen der Konzerne zu erinnern, durch einen Link auf das Kapitel, das von diesen handelt …

Von den Tagesordnungen, die weiter wie je abgearbeitet werden, und auf diesen wie je keine Punkte zum Wohl der Menschen …

Walter Hallstein - Robert Menasse - Ulrike Guérot

Europäische Erklärung

 

Europäische Erklärung 2018Es gibt nun diesen im März ’18 befohlenen Unterschriftenmarsch in Deutschland. Es will zu diesem nicht viel geschrieben werden. Es gibt dazu eine umfassende Berichterstattung, die alle Informationen liefert, wessen Geist die Vierkantschlüsselfinger bei der Abfassung der „Erklärung 2018“ auf die Tastatur einhämmern ließ.

Es ist tatsächlich befremdlich, wie Menschen mit hoher und höchster Bildung sich in dieser hohen Dichte einspannen lassen, von Menschen, die unter „Rechtsstaatlichkeit“ gewiß nicht Rechtsstaatlichkeit im langläufigen Sinn verstehen.

Es ist tatsächlich befremdlich, daß Menschen eine „Erklärung 2018“ unterzeichnen, nur weil es in dieser um Solidarisierung geht. Ohne zu hinterfragen, mit wem sie sich damit solidarisieren. Es geht bei dieser „Erklärung 2018“ nicht um Solidarität, genauer, es geht bei dieser ausschließlich um die Solidarisierung mit sich selbst, also mit sich und denjenigen, die in ihrem Sinne, in ihrem Verständnis von „Rechtsstaatlichkeit“ demonstrieren.

Europäische Erklärung 2018 und Gegenerklärung von Vera Lengsfeld Weissmann SteinBeispielsweise also Pegida. Soher ist es nur folgerichtig, daß etwa

„Das Institut für Staatspolitik, gegründet von den neurechten Publizisten Karlheinz Weißmann und Götz Kubitschek, legte Anfang des Jahrtausends den ideologischen Grundstein für Pegida und seine Ableger. Kubitschek und die Anhänger von Pegida eint die Ablehnung von Islam und Migration, das Festhalten an einem völkischen Deutschlandbild und der Glaube an die linke Dominanz in Politik und Medien.“

Karlheinz Weissmann ein Erstunterzeichner dieser „Erklärung 2018“ ist, wie hier nachgelesen werden kann. Ebenfalls nur folgerichtig, daß ein Mann wie Götz Kubitschek, ist zu lesen, über diese „Erklärung 2018“ recht erfreut …

Es ist doch tatsächlich befremdlich, daß Menschen mit ihrer Unterschrift ihre Solidarisierung bekunden, etwa mit jenen von Pegida mit ihrem Lutz Bachmann, allein dessen Lebenslauf Zeugnis gibt, wie störend ihm die Rechtsstaatlichkeit im langläufigen Sinn doch sein muß … ist er doch ein durch und durch kriminell serienehrlicher Mann …

Die „Erklärung 2018“ bezieht sich allein auf Deutschland. Und dieser befremdlichen „Erklärung 2018“ ist eine tatsächliche Europäische Erklärung vorzuhalten. Aber eine, die nicht auf Deutschland allein bezogen ist, sondern auf alle Staaten der Europäischen Union. Denn. Nicht nur in Deutschland sind solche Männer und Frauen am Werke, sondern auch in anderen Staaten der Europäischen Union. Und darüber hinaus sind diese Männern und Frauen mit ihrem befremdlichen Verständnis von „Rechtsstaatlichkeit“ und ihrer Solidarisierung mit sich selbst und ihresgleichen mit vielen Männern und Frauen ihrer Gesinnung in anderen Staaten recht vernetzt, wie allein das Beispiel Österreich zeigt, und in Österreich bis in die Regierung hinein, wofür als Beispiele die obengenannten Männer … aber auch Dieter Stein, ebenfalls ein Erstunterzeichner, mit dem gefragt werden kann, was wissen diese eigentlich von der Welt, wenn sie nicht einmal wissen, was im eigenen Haus vorgeht, gemacht, veröffentlicht wird.

Wo Sie sich mit Michael Klonovsky, auch mit ihm, ebenfalls ein Erstunterzeichner der Gegenerklärung 2018, sofort befinden, ist im Keller mit den Fragen nach Religion und Auschwitz … es muß nicht ausgeführt werden, welchen Schuß Logik er dazu abgibt …

In Anbetracht dessen, was zu dieser Gegenerklärung 2018 vulgo „Erklärung 2018“ alles noch gesagt werden könnte, war es kurz …

Nun aber zum Wesentlichen. Zur gemeinsamen Europäischen Erklärung.

Europäische Erklärung

Darum werden Sie hier dazu aufgerufen, die Europäische Erklärung für sich zu unterschreiben. Das ist keine Gegenerklärung zur „Erklärung 2018“, denn diese vom 15.03.2018 ist in Wahrheit die Gegenerklärung zu Rechtsstaatlichkeit und Solidarität.

Der Text der Europäischen Erklärung  vom Mittwoch, dem 15. März, ist so kurz gehalten wie jener der Gegenerklärung vom 15.03.2018, und damit bereits die entscheidende Korrektur der Gegenerklärung 2018.

„Mit wachsendem Befremden beobachten wir, wie Europa beschädigt wird. Wir solidarisieren uns mit denjenigen, die in den Staaten der Europäischen Union friedlich dafür wirken, dass die rechtsstaatliche Ordnung nicht zerstört wird.“

Gemeinsame Europäische Erklärung

 

Eintrag in Reisepässen: „Beim aggressiven Schreien Zigeuner angetroffen.“

Eintrag Reisepass - Beim aggressiven Schreien Zigeuner angetroffen - 01-08-2018

Eine Entgleisung von einer Behörde, die sich bereits vor einiger Zeit zutrug, ist erst jetzt bekanntgeworden.

Einer Österreicherin wurde von einer Beamtin in ihrem Reisepaß handschriftlich vermerkt: „Beim aggressiven Schreien Zigeuner angetroffen.“

Sie sei, wie sie erzählt, mit der Eisenbahn von Linz aus zur solidarischen Bekundung der „Anliegen der Pegida“, die sie für berechtigt halte, angereist. Beim Ankommen habe sie bereits in der Bahnhofshalle und dann weiter vor der Bahnhofshalle beim Überqueren des Boulevards ohne Aggression, aber laut ihren Rechten gemäß vernehmlich ihren Unmut geäußert. Woraufhin sofort die Behörde eingeschritten sei und sofort die Aushändigung ihres Reisepasses verlangt habe, in den die Beamtin ohne Duldung einer Erklärung sofort handschriftlich eingetragen habe, sie sei beim „aggressiven Schreien Zigeuner angetroffen“ worden. Sie wisse jetzt nicht mehr, wie sie sich verhalten solle, ob sie mit ihrem Reisepaß mit diesem handschriftlichen Vermerk je noch reisen könne, ja sie sich überhaupt noch in die Öffentlichkeit, sogar in die österreichische Öffentlichkeit wagen könne. Sie fühle sich an den Pranger gestellt. Schlimmer noch, an den Pranger, zu dem nun ihr Reisepaß durch diesen Vermerk geworden ist, gekettet.

Obgleich im Besitz einer gültigen Hin- und Rückfahrkarte sei sie nicht mit dem Zug gefahren, sondern sie sei zu Fuß nach Österreich auf Schleichwegen zurückgekehrt, sie sei, um etwaigen Kontrollen und dem schmachvollen Vorweisen ihres „Prangers“ zu entgehen, nur in der Nacht marschiert, tagsüber habe sie sich in Scheunen verborgen gehalten. Nur einmal, als der Hunger sie gar so sehr gequält habe, habe sie sich ein Herz gefaßt, und habe auf einem weit abgelegenen Bauernhof eilig drei Birnen erworben.

Zurück in Linz habe sie, als sie diesen handschriftlichen Eintrag ihrer Gesinnungskameraderie, mit deren Zuspruch und Verständnis sie stets rechnen könne, gezeigt habe, erfahren, sie sei bei weitem nicht die erste, aus deren Reisepaß ein Pranger gemacht worden sei, aber niemand könne und wolle darüber reden …

Daß darüber kein Mensch reden wolle, mit seiner Schmach alleingelassen werde in Ketten an seinem „Pranger, da habe sie sich noch einmal ein Herz gefaßt, und sie habe sich an Danijel Majic gewandt, der schließlich …

 

Norbert Hofer, EU Nein

Es muß wohl so etwas wie einen gesinnungsgemäßen Reflex geben. Wie sonst ist es zu erklären, daß Norbert Hofer, auch ein als Minister in Spe gehandelter Präsident NR III, gleich „EU Nein“ abonniert.

Es ist, wie in der Collage gelesen werden kann, wohl auch bezeichnend und allessagend, daß sich Norbert Hofer für ein Abonnement entscheidet mit null Beiträgen. Es  reicht wohl aus ein Nein zur EU, um die Aufmerksamkeit von Norbert Hofer zu erregen – wozu noch je einen einzigen, den geringsten Beitrag leisten …

Norbert Hofer - EU Nein

Auf in die Türkei!

Auf in die Türkei - JunckerDie Menschen haben schon zu viele Tyrannenmorde gesehen, daß je noch gesagt werden kann, ein Tyranninnenmord könnte die Welt befrieden, verbessern, eine wesentliche Änderung zum Besseren, zum Guten für lange, lange, sehr lange …

Auch im Falle des Recep Tayyip Erdoğan ist also gar nicht daran zu denken, es würde irgend etwas besser werden, würde er ermordet werden. Denn. Auch das lehrt die Geschichte. Ist eine Tyrannin ermordet, bleiben ihre Ermöglicher und Ermöglicherinnen zurück, stehen sie Ermöglicherinnen und Ermöglichern gegenüber, die eben noch gegen die eine Tyrannin waren, doch ebenfalls bereit, ihren Tyrannen zu erschaffen … die unheilvolle Zuspitzung der Menschheitsgeschichte auf wenige Figuren, das unheilvolle Karussell der Tyranneierschaffung ist endlich zu stoppen, zu zerstören, Tyrannenmorde jedoch zerstören es nicht, halten es vielleicht für einen Augenblick auf, und dann dreht es sich weiter, nur schneller noch …

Recep Tayyip Erdoğan ist längst ein Fall für das Weltgericht. Nicht erst seit seinen letzten Auszuckungen, beispielsweise gegen Deutschland. Er ist ein Tyrann. Er tyrannisiert nicht nur die Menschen in der Türkei, er geht daran, gegen alle in der Welt tyrannisch und terroristisch auszuzucken, die nicht seiner – ja, was? – sind.

Es sollte aber auf seine terroristische Zuckerei aber nicht mit Verboten reagiert werden, nicht mit dem Untersagen von Auftritten in europäischen Ländern. Verbote und Untersagungen: das ist der Schleim, der die Welt von zwergenhaften Terroristen und Tyranninnen verklebt. Soll doch Recep Tayyip Erdoğan und seine Handlanger und Handlangerinnen ihre Wahlauftritte, ihre Werbeauftritte für ihr Präsidialregime …

Die Antwort darf und kann nur der Ruf sein:

Auf in die Türkei!

Auf in die Türkei

Wenn das Hochlandtyrannisknüpfermännchen beispielsweise in Deutschland poltern will, seinen Geist, der ausgebreitet nicht größer als der kleinste bei Amazon zu habende Gebetsteppich ist, zur Schau stellen will, dann sollen aber im Gegenzug Politiker und Politikerinnen aus Deutschland – Angela Merkel, Sigmar Gabriel beispielsweise – in der Türkei auftreten, um den Menschen in der Türkei zu erzählen, was Menschen, die solch ein Männchen ermöglichen, von einem solchen Männchen zu erwarten haben. Nichts, das mit Wörtern wie Verbesserung, Fortschritt, Entwicklung, Frieden, Freiheit, Demokratie, Religion je in Verbindung gebracht werden kann. Und gerade Politikerinnen und Politiker aus Deutschland könnten in Massenveranstaltungen in der Türkei viel von den eigenen leidvollen und bitteren Erfahrungen berichten, die die Menschen in Deutschland mit einem solchen Männchen machten, dem so viele vertrauten, die ihn erst ermöglichten, in die Position zu kommen, sie, seine Ermöglicher und Ermöglicherinnen, vollends zu enttäuschen, sie in die bitterste Armut zu stürzen, ihnen ihr Land gänzlich wirtschaftlich, ethisch und moralisch zu ruinieren, der Millionen von seinen Ermöglichern und Ermöglicherinnen in die qualvollsten Tode trieb. Mit den Menschen in der Türkei in direkten Kontakt zu treten, das wird dem Männchen zwar nicht gefallen, weil solche Männchen wissen, sie sind verloren, sie verlieren, wenn der Dialog mit den Menschen beginnt, auch und vor allem mit seinen Wählern und Wählerinnen beginnt.

Auf in die Türkei - Kern

Und, um ein zweites Land beispielhaft zu nennen, Österreich. Sollte das Männchen in Österreich auftreten wollen, soll er doch sein kleines Teppichlein ausrollen, in Wien oder in Unterpremstätten, und dann soll Christian Kern, Sebastian Kurz und weitere  nicht ein Verbot seiner Auftritte in der gesamten Europäsischen Union fordern, sondern in Istanbul, in Ankara, im anatolischen Hochland auftreten. Gerade österreichische Politikerinnen und Politiker können viel den Menschen in der Türkei im direkten Kontakt erzählen, über die Erfahrungen mit solchen Männchen und Frauchen, weil sie dabei nicht nur auf die Vergangenheit angewiesen sind, sondern auch die Gegenwart …

Die Menschen sind zu überzeugen, nicht solchen Männchen Positionen zu ermöglichen, in denen sie nur eines tun: Schaden anrichten und Schaden anrichten und Schaden anrichten, und sind alle Schäden, die sie nur anrichten können, angerichtet, versuchen sie mit prallgefüllten Säcken in ein luxuriöses Ausgedinge zu fliehen. Die Menschen sind zu überzeugen, nicht nur in der Türkei. Aber aktuell in der Türkei am dringlichsten.

Und sollte in dieser sich mehr und mehr aufschaukelnden Situation ein Mensch die Nerven verlieren, keinen anderen Ausweg mehr sehen als im Tyrannenmord, dem ist zu sagen, ein Tyrannenmord ist keine Lösung, er bringt vielleicht eine kurzfristige und doch nur vorübergehende Beruhigung der Situation, bis aus dem Schleim der nächste Tyrannenschädel …

Aber die Beweggründe eines Menschen, der einen Tyranninnenmord beginge, könnten nachvollzogen werden, im Angesicht der Gefahren, im Stehen vor dem Abgrund. Und ob so ein Mensch Schuld auf sich laden würde oder nicht, nun, das könnte dann in einem Fernsehweltgerichtshof entschieden werden, in einer also weltweit ausgestrahlten Beteiligungsfernsehsendung als Weltbevölkerungsgerichtshof. Ein Beispiel gibt es dafür, freilich ging es in diesem um einen fiktiven Vorfall:

Trump, Erdoğan, Putin, Schirach, Assad May

Cabinet: „Strangers at Our Door“

Ist es zu viel verlangt, wenn eine österreichische Bundesregierung auf der Höhe des heutigen Wissens zu sprechen hat?

Es ist nicht zu viel verlangt.

Aber bloß, zu bekommen ist das von ihr nicht. Nicht von dieser österreichischen Bundesregierung, die hier nur exemplarisch für so viele Regierungen in Europa genannt wird. Und von der nächsten, wenn in dieser die Hütchenspielpartei mit von der Partie ist, noch recht viel weniger, gar nicht.

„Strangers at Our Door“ ist ein Essay von Zygmunt Bauman aus 2016.

Das Einzige aber, mit dem die österreichische Bundesregierung mit Bauman in Verbindung zu bringen ist, ist ein Wort aus seinem Titel: „Strangers“ – Fremde. Jedoch nicht mit dem Inhalt seines Essays. Und alles, was sie öffentlich breit zu sagen hat, ist nur „strange“: komisch, sonderbar, merkwürdig, absonderlich.

Wie anders würde sich wohl alles gestalten und entwickeln, spräche die österreichische Bundesregierung etwa wie Bauman. Was für einen Einfluß könnte das auch auf die Massenmedien haben, wie anders fiele wohl die breiteste Berichterstattung etwa über Migration, Asyl, Flucht aus. Und nicht nur über diese Themen. Denn der Essay von Bauman geht weit darüber hinaus, versucht eine Weltzusammenhangssicht, die der Migration einen Platz zuweist – nicht einmal einen in der ersten Reihe.

Wenn Sie diesen Essay gelesen haben werden, aus dem nicht zu zitieren ist, weil dieser in seiner Gesamtheit zu lesen ist, und Sie sich unmittelbar im Anschluß an Ihre Lektüre oder bereits während der Lektüre in Erinnerung rufen, was die österreichische Bundesregierung zu diesen Themen sagt, etwa ein Sebastian Kurz oder ein Wolfgang Sobotka oder ein Hans Peter Doskozil oder ein Reinhold Mitterlehner oder ein Hans Niessl oder ein Christian Kern oder viele andere mehr, die sogenannte gewichtige politische Ämter in diesem Land innehaben, wenn Sie sich im Vergleich zum Essay in Erinnerung rufen, was und wie vor allem die Herren – und es sind in der überwiegenden Mehrzahl Männer – darüber sprechen, kann Ihre Erkenntnis nur sein, wie unheutig alles ist, was sie zu sagen haben, und dieses öffentlich vorgetragene unheutige Wissen gebiert das ethische Elend ihres Tuns.

Aber Zygmunt Bauman ist nicht der einzige Beispielgeber dafür, was für ein unheutiges Wissen öffentlich breit von Regierungen und von Massenmedien breitest gestreut wird. Und vieles, das heute breitest öffentlich zu diskutieren notwendig wäre, zitiert und verweist darauf Bauman  selbst.

strangers-at-out-door-osterreichWie anders also könnte die öffentliche Diskussion verlaufen, was für andere Ergebnisse zeitigen, würden sich Regierungen nicht öffentlich breit als unheutig darstellen zu müssen meinen, würden sie auf der Höhe des heutigen Wissens breit öffentlich argumentieren, diskutieren, Konzepte entwickeln, die nicht einen Haltbarkeitswert von zwei Stunden haben. Wie sehr könnten Medien dem nicht entkommen – und es wird hier ausschließlich von Massenmedien gesprochen -, breitest darüber zu berichten. Und vielleicht, mit der Zeit, sogar einen eigenen Beitrag auf der Höhe heutigen Wissens dazu leisten.

Was wäre das für ein Gewinn für alle Seiten, sprächen Sobotka, Doskozil, kurz alle anderen öfffentlich breit so wie beispielsweise Bauman und schrieben Massenmedien, um eine  Umsonst ob ihres Namens exemplarisch zu nennen, beispielsweise so wie Bauman. Platz hätten die Massenmedien dafür genug; sie bräuchten etwa bloß das Gerümpel vom Dschungelcamp zu entsorgen.

PS Ein Wort soll aus dem Essay doch zitiert werden: „Taschenspielertricks“.

Hütchenspiel scheint zutreffender. Beim Hütchenspiel gewinnt kein Mensch. Und noch etwas: Die Hütchenspieler – es sind zumeist Männer die Spielenden – aber tun so, als hätten sie Gewinne zu verteilen, als hätten sie wenigstens in einem ihrer Hütchen einen Würfel oder gar den Stein der Weisheit.

Die Hütchenspielpartei in Österreich ist schlechterdings die identitäre Parlamentspartei. Diese wird von Bauman ob ihrer Unbedeutsamkeit  nicht erwähnt, aber viele Hütchenspieler und Hütchenspielerinnen aus anderen Ländern, zu denen sie aufschauen. Was ihnen jedoch allen gemein ist: alle ihre Hütchen sind leer, in keinem ein Würfel, schon gar kein Stein der Weisheit. Aber ihre Hosensäcke sind voller Steine, die sie gegen alle werfen, kaum daß sie gewählt sind.

Strangers at Our Door - Strange Speech.jpg

 

Vom Vorteil, gestorben zu sein

Ob es notwendig ist, erst geboren werden zu müssen, um dann wahrhaftig vom Nachteil, geboren worden zu sein, berichten zu können, ist eine Frage – wer diesem Luxus frönen will, möge sich selbst antworten – mit nur ungewissen Antworten. Gewiß ist aber eines, es wäre von Vorteil gewesen, vor diesem letzten Dienstag gestorben zu sein. Um nicht mehr dieser ausufernden Berichterstattung über einen Flugzeugabsturz in den französischen Alpen ausgesetzt zu sein.

Menschgemäß ist nichts gegen eine angemessene Berichterstattung zu sagen. Aber diese ausufernde ist unerträglich. Sogar in Österreich, in einem Land, das weder direkt noch indirekt irgend etwas mit diesem Absturz zu tun hat, seit Tagen Aufmacher darüber, Sondersendungen im Fernsehen darüber und so weiter und so fort.

Verdrängte Aufmacher des WestensDiese Berichterstattung ist deshalb so unerträglich, weil sie wieder einmal daran erinnert, worüber nicht in diesem überbordenden Ausmaß  berichtet wird, obgleich es dringend geboten … Über die Hungertoten in der Welt, über die Ermordeten in allen Kriegen, die es jetzt gibt. Allein in Syrien an die 200.000 Tote in den letzten vier Jahren … Millionen von Flüchtlingen …. Was alles könnte noch aufgezählt werden, was für Schrecklichkeiten ständig auf der Welt zugelassen werden, worüber es keine Sondersendungen, keine Aufmacher über Tage gibt, die keine Staatsspitzen dazu veranlassen, etwa sofort an die Küsten Europas zu fahren, um die Ertrunkenen zu betrauern, ihre Angehörigen und Freunde herzlich zum Kommen einzuladen und alles dafür vorbereiten zu lassen … Keine Aufmacher mit einem WARUM? in Riesenlettern also zu den fortwährenden und strukturell bedingten Schrecklichkeiten – warum? Es wäre ein zum Handeln verpflichtendes Warum, während das Warum zu einem Unfall zu nichts verpflichtet, vor allem zu keiner Handlungsantwort. Der Unfall ist geschehen, dieser wird sich so nicht wiederholen. Soher ist dieses mediale Warum bloß ein Warum als Aufforderung zur apathischen Betroffenheit. Es ist ein systemerhaltendes Warum, das darüber hinaus die kollektive Lüge nährt, Mitgefühl zu haben, sehr wohl betroffen sein zu können, zur Solidarität fähig zu sein, aber Mitgefühl, Betroffenheit und Solidarität bei einem einmaligen Ereignis kostet nichts, verlangt kein Handeln, fordert keinen einzigen Menschen, seinen Teil zur Veränderung der systemischen Schrecklichkeiten beizutragen. Dieses mediale Warum ist eine massenhaft verabreichte Ruhigstellungsdroge mit der zusätzlichen angenehmen Nebenwirkung, sich menschlich fühlen zu können in einer strukturell unmenschlich zugerichteten und mitgetragenen Welt …

In einer Welt, die nicht in ihrer Gesamtheit gesehen werden will. Denn. Die Schrecklichkeiten ohne tagelange Aufmacher, ohne Sondersendungen, ohne Warum geschehen in einer Welt, die in Europa nicht als weltzugehörig klassifiziert wird, obgleich in derselben Minute – so paradox das ist – mit Stolz die Globalisierung zelebriert wird. Aber die Trauer, das Mitgefühl, die Solidarität gilt am Ende in Europa nur den sogenannten eigenen Menschen. Am Schluß bleibt der europäische Mensch ein Alpendorfmensch, gerade noch fähig und das zumeist auch nur unter größter Mühe zur Anteilnahme mit den Menschen aus dem Nachbaralpendorf, im aktuellen Fall also reicht es in Österreich bis Frankreich und bis Deutschland … Dabei würde eine tatsächliche Globalisierung zur weltweiten Anteilnahme und Solidarität verpflichten, nicht nur mit den Menschen aus den nächstgelegenen Alpendörfern.

Eine weitere Unerträglichkeit im Zusammenhang mit diesem Absturz ist es, plötzlich kann schnell gehandelt werden, ganz rasch gehandelt werden. Wenn es um Tote aus dem sogenannten Westen geht, kann gehandelt werden, ohne zu zögern. Denn. Nun wird rasch geregelt, daß kein Pilot (gibt es eigentlich Pilotinnen?) hinkünftig mehr allein im Cockpit sein darf, um zu verhindern, daß wieder ein derartiger Selbstmord …

Damit einhergeht noch eine weitere Unerträglichkeit der Berichterstattung. Diese Terrorgeilheit im sogenannten Westen, dieser Terror-Fetisch. Sofort mußte breit spekuliert werden, ob es nicht ein Terroranschlag war. Während es nun bereits ziemlich klar sein darf, daß ein Mann aus Deutschland sich für einen grausamen Selbstmord entschieden hat, will nicht aufgehört werden mit den Vermutungen, ob es nicht doch einen terroristischen … Es entbehrt nicht der Ironie, daß der Terror-Fetisch dem Selbstmörder es im Grunde erst ermöglichte, einen solchen Selbstmord durchzuführen, das Flugzeug zum Absturz zu bringen, weil es dem zweiten Piloten nicht möglich war, wieder in das Cockpit zu gelangen, aufgrund der Sicherheitsmaßnahmen, die nach 9/11 getroffen wurden, um ein Eindringen in das Cockpit unmöglich zu machen. Der zweite Pilot konnte nur, das ist die Komödie in der Tragödie, hilflos gegen die gepanzerte Tür, die vor Terroristen und Terorristinnen schützen sollte, schlagen, während sein Copilot allein im Cockpit …

Der richtige Zeitpunkt macht einen Vorteil erst zu einem wirklichen Vorteil. Vor dem letzten Dienstag gestorben zu sein, wäre soher kein tatsächlicher Vorteil gewesen. Vor 9/11 gestorben zu sein, das wäre ein wirklicher Vorteil gewesen. Denn. Damals gab es u.v.a.m. sogar in Österreich ganztägige Sondersendungen im Fernsehen, daß schon befürchtet wurde, die Sondersendungen werden mindestens bis zum Jahresende, also über Monate fortgeführt … Vieles hätte seit damals nicht mehr gelesen und gesehen werden müssen. Das wäre der Vorteil, schon gestorben zu sein. Das Warten auf eine andere Berichterstattung hätte vor über einem Jahrzehnt bereits ein Ende gehabt.

Viktor Orbán spricht in Paris für den „europäischen Menschen“

Viktor Orban weltoffen in ParisEs mag möglicherweise hart und gar herzlos klingen, aber worum es bei den gestrigen Bekundungen tatsächlich ging, hat Viktor Orbán in Paris auf den Punkt gebracht. Er sprach zwar von Ungarn, aber er sprach tatsächlich von Europa und für Europa. Während eine Masse brav das verordnete Lied von Weltoffenheit und Freiheit und Demokratie in schönster sentimentaler Melodei zu singen hatte, so laut zu singen hatte, damit sie ja nicht selbst hören kann, weshalb sie auf so viele Plätze in Europa hingestellt wurde, sprach er:

„Die Wirtschaftsmigration ist eine schlechte Sache für Europa“, sagte er dem staatlichen ungarischen Fernsehen. „Man darf nicht so tun, als würde sie irgendeinen Nutzen haben, denn sie bringt nur Probleme und Gefahren für den europäischen Menschen. Deshalb muss die Einwanderung gestoppt werden.“

Es war wohl die seltenste Gelegenheit, im Namen von „Weltoffenheit“ gegen Weltoffenheit auftreten zu können, und sich dabei als guter und freier und tapferer Mensch fühlen zu können, gerade auch in Österreich, in dem ein Satiremagazin wie „Charlie Hebdo“ aufgrund entsprechender Gesetze wohl bereits nach einer Ausgabe ihr Erscheinen hätte einstellen müssen …