Heinz Mayer bestätigt die Notwendigkeit der Binnen-I-Schreibung – Teil 8 der Komödie in Fortsetzung

Die Komödie in Fortsetzung hätte mit Teil 7 enden können, aber eines ist an dem Brief der 800 doch derart auffällig, daß darüber nicht geschwiegen werden kann und vor allem nicht geschwiegen werden darf, weil diese Auffälligkeit der eigentliche Mittelpunkt jedweder Debatte sein muß.

Es ist die Auffälligkeit, die erschreckende und äußerst bedenkliche Auffälligkeit, wie viele aus dem Bildungsbereich diesen Brief mit unterzeichnet haben, wie viele Menschen, die unterrichten, diesen Brief mit unterzeichnet haben. Lehrer und Lehrerinnen u.a.m. von Volksschulen, Berufsschulen, Gymnasien, Universitäten … Diese Auffälligkeit kann nicht übergangen werden. Es stellen sich dazu besorgte Fragen ein. Was für ein dichtes Netzwerk besteht hier zwischen Bildungsbereich und den Verfassern und Verfasserinnen dieses Briefes, um derart viele aus dem pädagogischen Bereich für eine Mitunterzeichnung gewinnen zu können? Was sagt das über das vergangene und gegenwärtige Bildungsniveau in Österreich aus? Und vor allem, was bedeutet das für die Zukunft? Es verheißt, im schlimmsten Fall, nichts Gutes. Es verheißt, in einem weniger schlimmen Fall – und das wäre schon schlimm genug -, keine Verbesserung …

Der im Abschnitt 6 dieser Komödie in Fortsetzung bereits erwähnte Hauptunterzeichner Thomas Kubelik ist ein Gymnasiallehrer, der für sein im Selbstbezahlverlag verlegtes Buch „Genug gegendert“ von Mitunterzeichner Andreas Unterberger zum „Sprachexperten“ erhoben wird, der „in besonders brillanter …“

Nun, von Andreas Unterberger gerühmt zu … Eigentlich wollte Andreas Unterberger nicht mehr erwähnt werden, aber es ist in diesem Zusammenhang – es ist zu hoffen, zum letzten Mal – doch eine Ausnahme zu machen … Verantwortlich dafür sind die in diesem Brief angeführten Umfragen, nach denen „lehnen 85 – 90 % der Bevölkerung die gegenwärtige Praxis der Textgestaltung im öffentlichen Bereich ab.“ Natürlich werden keine Quellen für diese Umfragen genannt, und das erinnert an die unterbergersche Redlichkeit – auch – im Umgang mit Umfragen, wie nachgelesen werden kann …

Wie in der Collage zu lesen, wird Andreas Unterberger nicht müde, zu beweisen, wie redlich er … „800 Persönlichkeiten“, schreibt Andreas Unterberger, „insbesondere des akademischen Lebens haben sich jetzt öffentlich gegen den ‚Wildwuchs durch das sprachliche Gendern‘ gewandt.“ „800 Persönlichkeiten“, „darunter führende Philosophen, Juristen und Schauspieler Österreichs“, „300 Frauen […] genauso gegen die Diktatur der Genderisten wenden.“

Es ist eigentlich schön zu lesen, daß für Andreas Unterberger mitunterzeichnende „Hausfrauen“, „Pensionisten und Pensionistinnen“, „Studenten und Studentinnen“, „Angestellte“, „Tischler“ u.a.m. „Persönlichkeiten“ sind, er nicht zur sonst üblichen und gängigen Formulierung für diese Menschen griff und schrieb, zum Beispiel, auch viele aus der Bevölkerung haben diesen Brief … Weshalb alle für Andreas Unterberger zu „Persönlichkeiten“ werden mußten, ist offensichtlich, muß also nicht besonders ausgeführt werden. Das hat Gewicht. Das ist Propaganda, die weiß, es wird nicht nachgesehen, wer die „Persönlichkeiten“ – das ist unterbergersche Redlichkeit, so funktioniert aber auch journalistische Schreibe  …

Und die Propaganda funktioniert.

Wie viele Medien in Österreich – wer kann diese noch zählen – schreiben im Zusammenhang mit diesem Brief, 800 Sprachkritiker … In Österreich sind also Pensionisten, Studentinnen, Hausfrauen u.a.m. Sprachkritiker – und alle so brillant wie Hauptunterzeichner Thomas Kubelik, dessen Selbstbezahlbuch leicht beschrieben werden kann. Es ist ein Buch, in das alles hineingestopft wurde, was nur hineingestopft werden kann, alles wird vermischt; ein Auszug als Beispiel wurde in die Collage aufgenommen. Autoren und Autorinnen der Nationalismus- und Revisionismus-Industrie pflegen mit Vorliebe diesen Stil der inhaltlichen Unkonzentriertheit, der Überwucherung, der Vermischung …

Es wird nicht gewußt, wer diesen Brief tatsächlich schrieb. Möglicherweise haben alle, die das Schreiben hauptunterzeichneten, Formulierungen beigesteuert, und vielleicht hat der unterbergerische Sprachexperte das Satz-Beispiel geliefert, der gleich auf der ersten Seite des Briefes steht:

„Die Verpflichtung zur generellen getrenntgeschlechtlichen Formulierung führt darüber hinaus dazu, dass manche Aussagen nun schlichtweg nicht mehr ‚politisch korrekt‘ formulierbar sind, z. B. Sätze wie ‚Frauen sind eben doch die besseren Zuhörer‘. Das Beispiel zeigt klar auf: Die verordneten Vorschriften widersprechen zum Teil den Grundregeln unserer Sprache.“

Brief der 800 unterbergerischen Persönlichkeiten

Brief der 800 unterbergerschen „Persönlichkeiten“

Wie leicht dieser Beispiel-Satz anders formuliert werden kann: Frauen sind eben doch die besseren Zuhörerinnen. Wer es genauer sagen will, könnte schreiben: Im Gegensatz zu Männern sind Frauen eben doch die besseren Zuhörerinnen. Oder: Im Vergleich mit Männern sind Frauen eben doch die besseren Zuhörerinnen. Oder: Frauen können eben doch besser zuhören als Männer. Kurz, klar, verständlich, lesbar … Im Grunde sogar klarer, eindeutiger, unaufwendiger, denn der Satz „Frauen sind eben doch die besseren Zuhörer“ läßt offen, im Vergleich zu wem sind „Frauen die besseren Zuhörer“. Es wird von den Lesenden verlangt, den Vergleich selbst herzustellen zu müssen. Mit diesen Satz-Varianten wird aber ganz und gar nicht an eine „politisch korrekte“ Schreibweise gedacht, sondern nur daran, wie kann eine Information klar, verständlich, unmißverständlich formuliert werden.

„Führende Philosophen“ … Das kann und darf und wird von diesem Brief der 800 bleiben – wer hinkünftig nach der Profession von dem Mitunterzeichner Konrad Paul Liessmann frägt, soll zur Antwort bekommen:

Konrad Paul Liessmann, pensionierter Student.

Wer mag, kann auch andere Berufsbezeichnungen von Mitunterzeichnerinnen und Mitunterzeichner, die für Andreas Unterberger „Persönlichkeiten“ und für so viele Medien „Sprachkritiker“ sind, für ihn, auch ihn …

Fortsetzung folgt.

3 Gedanken zu „Heinz Mayer bestätigt die Notwendigkeit der Binnen-I-Schreibung – Teil 8 der Komödie in Fortsetzung

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