Luis Trenker, der koloniale Germanenkaiser vom Küniglberg: „Hängt sie an die Laternen, stürmt die Parlamente, erwachet …“

Ob das Flugblatt „Deutsche Brüder“ gleich zu Beginn des Films auch in der Ausstrahlung durch den ORF zu sehen war, kann nun zwei Tage später nicht mehr gesagt werden, vielleicht gerade in dieser Sekunde abgelenkt durch einen Namen auf der Besetzungsliste, zu dem gleich gedacht werden mußte, wer hätte den alten Minetti, der so herrlich das bernhardsche Nichtssagende und nur das leere Bernhardeske und sonst nichts herrlich oder überhaupt spielen konnte, dafür nicht lieben können, aber die Erinnerung daran war kurz, so daß mit Bestimmtheit gesagt werden kann, das zweite Flugblatt ebenfalls am Anfang des Films kommt in der Ausstrahlung vom ORF vor.

orf-luis-trenker-deutsche-bruderGerade das Flugblatt „Deutsche Brüder“ macht menschgemäß klar, daß es kein harmloser Unterhaltungsfilm ist, auch wenn die Programmankündigung vom ORF, wie in der Collage gelesen werden kann, nichts als Unterhaltung versprechen will. Und es ist zu doch zu fragen, was treibt den ORF an, einen Film von Luis Trenker bei diesem Überangebot an Unterhaltungsfilmen zu zeigen? Und auch noch gleich eine Wiederholung nachzureichen?

Bedenklich daran ist nicht, daß derartige Filme ausgestrahlt werden, einzig bedenklich daran ist, auf welche Art die Ausstrahlung angekündigt wird: diese Verharmlosung, als wäre es bloß ein sehr alter Film aus Deutschland, aus dem Jahre 1936. Es ist ein Film aus Deutschland, ja, aber aus dem Deutschen Reich. Und Unterhaltungsfilme im Deutschen Reich hatten ihre Pflicht zu erfüllen, die Menschen für das Nationalsozialistische, also für Massenmord, Massenverbrechen und schließlich für den eigenen mörderischen Untergang freudig zu stimmen.

Luis Trenker - Bernhard Minetti - Der Kaiser von Kalifornien.jpg

Es sollte wohl auch im ORF bekannt sein, welche hochpolitische, nein, hochnationalsozialistische und hochfaschistische Aufgabe der Film zu erfüllen hatte, und gerade die Filme, von denen heute zur Ausrede gerne gesagt wird, sie hätten nichts Nationalsozialistisches, sie seien bloße Unterhaltung, ach, und sie seien auch noch gut gemacht.

Was treibt also den ORF an, solche Filme zu zeigen, bei diesem Überangebot, solche Filme auf diese verharmlosende Art anzukündigen? Bei wem will der ORF sich damit anbiedern? Bei Luis Trenker? Wohl nicht, der ist tot. Aber toten Menschen gilt in Österreich die ganze Liebe. Nichts Schlechtes soll ihnen nachgerufen werden. Das Schlechte aber als Gutes strahlen. Vergessen soll sein, daß Luis Trenker erst 1940 als Mitglied zur NSDAP … ein Südtirol-Optierer war, vergessen soll sein, daß er etwa 1943 als Schauspieler im Film „Germanin – Die Geschichte einer kolonialen Tat“ vom Goebbels-Schwager den Tierfänger Dr. Hofer mimt. In dem Film geht es um die Entwicklung eines Wirkstoffes gegen eine Krankheit: „Germanin Bayer 205 … vergessen soll sein, daß er ein Fälscher war, also ein Krimineller, der mit gefälschtem Eva-Braun-Tagebuch Geld machen wollte, der auch ein Opportunist war, ein Anbiederer aus höchstem Eigennutz, sich auch noch etwa Adolf Hitler versuchte anzubiedern, anzudienern, als der Untergang des Deutschen Reiches bereits am Horizont ohne Fernglas zu sehen war … und so weiter und so fort. Aber am Küniglberg wird sein Film ganz und gar harmlos angekündigt … Für den Küniglberg ist Luis Trenker wohl halt einfach ein wilder Bergbursch‘ aus dem Südtirolerischen. Und Südtirol ist in Österreich für eine gewisse Gesinnung der Vorsehung nächste Prüfung und Bewährungsprobe, ach, und daß von am Küniglberg Arbeitenden nicht sicher gewußt wird, ob jene von der Vorsehung mit einer gewissen Gesinnung Beschenkten nicht doch den Aufstieg auf den Küniglberg schaffen … da ist es doch sicher nicht ungeschickt, schon einmal ein nettes Ankündigungs- und Willkommensbettchen gerichtet zu haben …

Was würde der junge Minetti als der Fremde Luis Trenker als Hofer, lebte er noch, gerade an diesem Tag, am 4. Oktober, an seinem Geburtstag sagen, während er weit in das Land hineinzeigt … sein Aufruf nach dem Erwachen wird mehr und mehr … sogar auf der in die Burg gebauten Landstraße fordert schon der Wortführer der Unschuldigen, daß einer erwacht ….

Ob für dieses Jahr der ORF auch schon Germanin – Bayer 205 programmiert hat? Oder jetzt noch schnell programmiert – wieder für einen Sonntag? Was wäre das für eine passende und heilvolle Adventunterhaltung, Luis Trenker als Hofer in Afrika, was für ein unterhaltsamer Bursch‘ … mit einer Geschichte von „deutschem Heldenmut“, für das auch das Leben eines Luis Trenker …

Ja, der ORF kommt wahrlich seinem Bildungsauftrag nach. Mehr noch. Er geht darüber hinaus. Erweitert diesen zum volksbildnerischen Auftrag. Der ORF schenkt dem Volke Vorbilder. Und es eifert den Vorbildern nach …

Aber nicht nur dem ORF ist es eine, es ist eine in Österreich weitverbreitete volksbildnerische Pflicht, wie erst vor kurzem mit Max Jacob …

PS Es wäre immerhin schon eine Verbesserung der Genauigkeit, würde bei Ausstrahlung von Filmen aus den madigen zwölf Jahren des deutschen reiches nicht gar so neutral harmlos Deutschland als Filmherkunftsland geschrieben werden, sondern Deutsches Reich.

PPS Im ORF dürfte auch seit Jahrzehnten Menschen das Wetter programmieren, die die Abtrennung Südtirols von Österreich nicht verwinden wollen; stets und immer noch auch das Wetter von Südtirol, nur von Südtirol, als gäbe es sonst um Österreich herum kein Wetter mehr.

5 Gedanken zu „Luis Trenker, der koloniale Germanenkaiser vom Küniglberg: „Hängt sie an die Laternen, stürmt die Parlamente, erwachet …“

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