Abriß eines Gebäudes im Resselpark zur Schaffung eines Begegnungsgrünraumes

resselpark-ohne-karlskirche

Wie von alters her wird darum gekämpft, die Kirche im Dorfe hat das größte Gebäude auf dem Anger zu sein, es muß weiter zwischen diesem Gebäude und den anderen Gebäuden einen Respektabstand geben.

Nun, im wienerischen Resselpark, ist das ein besonderer Kampf. Es geht dabei um zwei Versicherungshäuser. Um das Gebäude der einen Versicherung, die lange schon ausgedient hat. Von der seit langem gewußt wird, ihre Polizze ist das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt ist. Trotzdem gibt es noch immer viele Menschen, die sich dafür einsetzen, sie soll weiter den Platzhirschen geben.

Und es geht um das Gebäude einer zweiten Versicherung, für deren Gründung keine sado-masochistische Erzählung erfunden werden mußte.

Der Einsatz für das Gebäude der einen Versicherung gegen das Gebäude der anderen Versicherung wird nicht verstanden.

Weshalb sollte das Gebäude der einen Versicherung nicht ganz an das Gebäude der Kreuz- Versicherung herangebaut werden? Es würde die Parallele zwischen den Versicherungen nur verdeutlichen. Zwischen der Schein-Versicherung und den Polizzen-Versicherungen. Sie sind einander zum Verwechseln ähnlich. Für viele Jahrhunderte wurde geglaubt, das Leben versichern zu können, durch Erwerb einer Versicherungspolizze, die von der einen Versicherung nach wie vor Taufschein genannt wird. Aber der Taufschein bietet keinen Schutz. Und das wird seit langem auch schon begriffen. So greifen seit langem viele Menschen zur Absicherung zu Versicherungspolizzen. Und besonders vorsichtige zu beiden Scheinen. Was beiden Versicherungen gemein ist, ist die Exkommunikation. Wer jahrzehntelang gewissenhaft Prämien beispielsweise für die Haushaltsversicherung gezahlt hat, den Obolus entrichtete, und plötzlich ohne Haushaltsversicherung dasteht, von der Versicherung exkommuniziert, nur weil der Versicherung in einem Jahr die Gutmachung von drei, vier kleineren Schäden eine zu große Bürde erschien, wird das verstehen, wie sehr die Versicherungen einander gleichen, deren Hauptpsalm wohl lautet: Der Herr nimmt, und der Herr nimmt.

Soher wäre es nur billig und recht, wenn das Gebäude der einen Versicherung nicht nur am Gebäude der anderen Versicherung „klebte“, sondern die beiden Häuser ineinander übergingen, so daß beim Wechsel von einer Versicherung zur anderen Versicherung das Gebäude gar nicht verlassen werden muß. Das wäre auch wettermäßig ein nicht zu verachtender Vorteil. Bei Regen beispielsweise. Aber auch bei großer Hitze … Synergieeffekte durch Einbau und Betrieb einer einzigen Klimaanlage für beide …

Jene, die sich für „Rettet die Karlskirche“ einsetzen, bringen vor:

„Dieser Zubau würde regelrecht an der Karlskirche ‚kleben‘: Der Abstand beträgt nur rund drei Meter. Das hätte zur Folge, dass die Karlskirche quasi einen weiteren – unschönen – Seitenturm bekäme. Auf der anderen Seite (Argentinierstrasse) [sic] beträgt der Abstand zwischen Kirche und dem nächsten Gebäude mehr als das dreifache, wodurch die Karlskirche bisher optisch freistehend erscheint.“

Wie in der Collage gesehen werden kann, war in früheren Zeiten das „Kleben“ … Wenn schon dermaßen am Historischen geklebt wird, ist das Ankleben aus weltkulturerblicher Sicht ein Muß … Von alters her, wie zu Beginn geschrieben wurde, ist also nicht richtig, von der Gegenwart her wird auf ein Alters-her gepocht, das es so nicht gab.

Es wird von einem „städtebaulichen Furunkel“ – schlecht gewählt, ein Furunkel, heißt es, trete ohne Ursache auf, anderseits gut gewählt, Ursache für ein Furunkel, heißt es, sei eine Selbstinfektion … ob das als „Furunkel“ noch bezeichnet werden kann, was beispielsweise auf dem der zweite Anger – vielleicht, aber ein Furunkel nach einem Supergau …Rettet die Karlskirche - Furunkel.jpg

Und es wird auch vom „grünen Platz“ gesprochen. Sehr grün ist das Plätzchen ja nicht. Um es tatsächlich zu einem grünen Platz zu machen, müßte ein Gebäude abgerissen werden. Der Karlskirchenstil konnte lange genug geschaut werden. Der Abriß dieses Gebäudes eine zukunftsweisende Tat. Um dann diesen unverbauten Raum als Grünfläche zu nutzen, nicht aber mit Ziersträuchern und Zierbäumen, sondern mit Obstbäumen, mit Gemüsebeeten, als einen Begegnungsgrünraum, in dem Menschen miteinander etwas tun, miteinander reden, nicht stumm auf ihren Knien sado-masochistischen Erzählungen lauschen und sich selber zu Kreuze schlagen.

Und zugleich könnten die anderen Gebäude, deren Umbauten geplant sind … um in der Gegenwart endlich anzukommen, auch in Wien, neu geplant werden, um eine neue Architektur zu schaffen. Das ist auch ein Grund, weshalb für den Abriß nur das Gebäude der Schein-Versicherung … denn es ist sein Umbau nicht geplant. Um endlich in der Gegenwart anzukommen, auch in Österreich, in dem immer mehr das Ticket in die Vergangenheit, die es so nie gab, lösen, und darunter sind bereits viele, die modern … Um in die der Vergangenheit entgegengesetzte Richtung zu fahren, ist es aber menschgemäß notwendig, damit endlich aufzuhören, auch damit, am alten Stein zu kleben. Wie es einst nicht war. Denn, wäre das so gewesen, sähe der Resselpark mit seinen zusammengeklebten Häusern heute noch so aus, wie in längst vergangenen Zeiten …

Als an der Karlskirche ein Gebäude klebte.jpg

3 Gedanken zu „Abriß eines Gebäudes im Resselpark zur Schaffung eines Begegnungsgrünraumes

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