Von Proporzstaatshistorikern und Gedenkveranstaltungsabonnentinnen

„Köhlmeier hat es versäumt, diese verschlungenen Wege der historischen Abläufe klar nachzuzeichnen. Damit ging auch das, was er als einen Paukenschlag in der Hofburg gemeint haben mochte, daneben.“

Das schreibt Gerhard Botz in der Qualitätszeitung österreichischen Zuschnitts am 11.05.18.

Zuerst. Michael Köhlmeier wußte, zu wem er sprach. Eine Rede richtet sich stets an die anwesenden Zuhörer und Zuhörerinnen. Und diese seine Angesprochenen im Saal sollten wie niemand sonst im Land doch die „historischen Abläufe klar“ kennen. Denn. Sein Publikum in der Hofburg am 04.05.18 war die sogenannte zurzeitige Staatsspitze. Und für diese sollte es doch klar sein, was von Michael Köhlmeier gemeint ist, wenn er davon spricht, „auf der ganzen Welt“

Nicht die „Nazis“, kurz gesagt, haben die Fluchtrouten geschlossen, sondern, kurz zusammengefaßt, die Welt war es.

hätte es damals schon Menschen gegeben, die sich damit gebrüstet hätten, Fluchtrouten zu schließen. Wer sonst als die zurzeitige Staatsspitze muß in der Sekunde klar verstehen, den Zusammenhang mit den „historischen Abläufen klar“ herstellen können, wenn Michael Köhlmeier mit seinem Satz der brüstenden Menschen „auf der ganzen Welt“ endet?

Wenn es die Staatsspitze nicht vermag, wer dann? Zumal die Staatspitze, auch die zurzeitige, kurz gesagt, eine Gedenksveranstaltungsabonnentin ist …

Zweitens. Es wird nicht gewußt, ob Gerhard Botz die Rede von Michael Köhlmeier gehört oder gelesen hat. Wenn er sie gehört oder nachgehört hat, dann hat er seinen Hörbehelf wohl so eingestellt, daß er das, was Köhlmeier sagte, nicht hört. Sollte er, Botz, sie gelesen haben, dann wird er seinen Lesebehelf wohl ein weiteres Mal so geputzt haben, daß er liest, was er zu lesen hat …

Gerhard Botz putzt sich seine Dollfuß-Lupe und entdeckt die weite Welt

Gerhard Botz - Ein Paukenschlag daneben

Was für eine klare Zeichnung Gerhard Botz zu seiner Frage, wie „faschistisch der Austrofaschismus wirklich“ gewesen sei, herstellte, nun, das kann in diesem Lupenkapitel gelesen werden … Und nun meint er, Botz, „daneben“ gegangen sei, was Michael Köhlmeier …

Es gibt in Österreich ein Wort, das nicht als Kompliment gedacht ist: „Staatskünstler“. Zu wenig bis gar nicht wird in Österreich von den Staatshistorikerinnen gesprochen, deren Rolle beleuchtet, und es fällt zu Staatshistoriker nicht nur Botz ein … In Österreich allerdings muß dieser Begriff und kann dieser Begriff eingegrenzter und konkreter ausfallen: Proporzstaatshistorikerinnen …

Nur in einer Hinsicht bedarf es in Österreich keines Proporzes. Weil, so scheint es, in dieser Hinsicht alle aus nur einem Geisteslager kommen, wenn es gilt, großzügig, nachsichtig zu sein, Menschen mit einer bestimmten Weltanschauung in guter Erinnerung zu behalten, wie etwa den Bundeskanzler …

Postskriptum. Ein Tipp- oder ein Rechtschreibfehler in der Analyse von Gerhard Botz darüber, was daneben gehen kann, kann nicht unerwähnt bleiben:

„In einer wenige Minuten dauernden Rede las er Vertretern der Regierungsparteien, die mit steinernen Minen zuhörten, gehörig die Leviten.“ 

Erstens, das Sprichwort. Es könnte nun ein Sprichwort umgeschrieben werden: Böse Mienen zum guten Spiel

Zweitens, die Hoffnung. Dieser Tippfehler oder dieser Rechtschreibfehler mag keine Prophezeiung sein, mag sich je nicht erfüllen. Wie oft ist nach einer schrecklichen und zumeist mörderischen Tat zu hören, dieser oder jene sei, im Rückblick, doch eine tickende Zeitbombe, also eine Mine, gewesen, aber das Ticken konnte aus dem höflichen Ton einfach nicht herausgehört werden, die Bombe konnte nicht so einfach erkannt werden, zeigte sie doch stets ihr freundlichstes Gesicht gegen alle …

 

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