Portrait eines christlichsozialen Putschisten

Im Juli 19 werden es 85 Jahre her sein, daß Anton Rintelen für die kurze Zeit einer Rundfunkansage zum Bundeskanzler in Österreich ausgerufen war. Viel länger dauerte auch der gesamte nationalsozialistische Putsch nicht, noch am selben Tag war klar, das wird nichts mit dem mörderischen nationalsozialistischen Versuch der Machtübernahme in Österreich, und drei Tage später war es mit dem gewaltsamen nationalsozialistischen Umsturzversuch endgültig vorbei. Es sollte dann vier Jahre dauern, daß es den Nationalsozialistinnen mit ihrer barbarischen Gesinnung doch noch gelang, die Macht in Österreich zu übernehmen, die Nationalsozialisten Anton Rintelen aus dem Gefängnis entließen, in dem er lebenslänglich einsitzen sollte.

Das freilich ist in der digitalen Galerie der Österreichischen Galerie Belvedere nicht zu erfahren, wird das Gemälde von Franz Köck angesehen. Zu erfahren ist: „Bundesminister Dr. Anton Rintelen“. Von Franz Köck gemalt ist. „Stilistische Epoche: Moderne vor 1945.“

Freilich ist es nicht die Aufgabe einer Galerie, auch die Geschichte der Gemalten zu erzählen, und das wird auch nicht gefordert.

Deshalb wird es hier erzählt. Aber nicht, weil es interessiert, was Anton Rintelen vor 85 Jahren verbrochen hat, was er, kurz zusammengefaßt, als christlichsozialer Landeshauptmann in der Steiermark, als christlichsozialer Minister für zwielichtige Rollen spielte, daß er durch die mordende Unterstützung der Nationalsozialisten sich zum Bundeskanzler machen wollte, daß er ein Mittäter der mordenden Nationalsozialistinnen war, und während seiner gesamten Laufbahn ein, kurz gesagt, Intrigant war, sein größtes Talent die Intrige war, von ihm eingesetzt nur für sein persönliches Weiterkommen, für seine Gier nach Macht.

Bilder wurden immer schon, gleich wie die Technik war, eingesetzt, und nicht für hehre Ziele, so ist es immer schon wichtig gewesen, zu wissen, wie mit Bildern umzugehen ist, die vorgesetzt werden, um getäuscht zu werden …

Es wird vor allem deshalb erzählt, weil sein Gemälde von Franz Köck, der auch Adolf Hitler, auf den Rintelen für seinen persönlichen Machtaufstieg setzte, vorteilhaft zu malen verstand, in der Belvedere vorbildhaft zeigt, wie sie aussehen, die für eine Gesellschaft tatsächlich Gefährlichen. Es sind nicht jene, wie vor allem nach wie vor in Österreich gemeint wird, die etwa beim Branntweiner, beim Heurigen, im Fußballstadion, auf bestimmte Gesinnungsart zensurierte Websites etwas brüllen, etwas schreiben, mit ausgestrecktem Arm, das nach Anklage nach dem Verbotsgesetz klingt, die tatsächlich Brüllenden sehen aus wie Anton Rintelen, so sehen Nationalsozialistinnen, so sehen Faschisten, mit einem Wort kurz die Rechten aus, so gibt sich die Antidemokratie, wie Anton Rintelen auf dem Gemälde in der Belvedere: ordentlich gekleidet, verantwortungsvoll aufgesetzte Miene, durch und durch vertrauenserweckend, um die Zukunft der Menschen besorgt, klug erscheinend, belesen, ganz und gar in der Wahrheit lebend, das Wort Lüge ihnen gänzlich unbekannt, ihr Leben ganz dem Dienst zum Wohle der Menschen geweiht, so sehen die, um es kurz zu wiederholen, tatsächlichen Zerstörer aus, und das kann nicht oft genug wiederholt werden, wer die tatsächlichen Zerstörerinnen sind, die, wird von diesem Gemälde in der Belvedere alles heruntergekratzt, was oben angeführt ist, also, um es kurz zu wiederholen: ordentliche Kleidung, verantwortungsvolle Miene, vertrauenserweckend, Wahrheit, geweihter Dienst zum Wohle der Menschen, ist zu sehen der Mensch beim Branntweiner, beim Heurigen, im Fußballstadion, beim Hinterlassen von Kommentaren auf Websites …

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