Menschenkinder/Erzählen André Heller/Im Namen der Republik/Dr. Ulrich Heller/ — —

Ab und an macht auch die Wirklichkeit mit einem Gedicht ihre Aufwartung. Sogar mit einem Gedicht, das sich ganz wie in alten Zeit reimt. Als kennte die Wirklichkeit Gnade, mitten im Krieg.

Menschenkinder
Erzählen André Heller
Im Namen der Republik
Dr. Ulrich Heller
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Unter den vielen Büchern, die im Fernseharbeitszimmer des André Heller aufgestellt sind, wird sich wohl auch das eine oder andere Reimlexikon – unerläßliches Werkzeug aus Papier besonders für den telegenen Poeten – befinden, vielleicht sogar ein von ihm selbst handgeschriebenes Reimbuch, in das er ständig Wörter, die sich reimen, schreibt, in das möglicherweise schon längst aufgenommen ist das Reimpaar Heller – Heller. Und wenn nicht, dann kann es nachgeholt werden. Und auch, falls es noch nicht vermerkt: Menschenkinder – Menschenschinder.

Was das Oberlandesgericht Innsbruck als Berufungsgericht durch den Senatspräsidenten des Oberlandesgerichts Dr. Ulrich Heller im Namen der Republik zu Recht erkannte, ist nicht ein kurzes Gedicht, das hier vollständig zitiert werden könnte. Aber das zu Recht Erkannte ist vollständig zu lesen auf der Seite von Markus Wilhelm: „Noch eine Schlappe zum Abschluss“.

Wie gelesen werden kann, ist es vor allem diese Passage

„Was so im Raum steht, im Bühnenraum und im Probenraum: Verdacht auf Lohndumping, auf Lohnwucher, Scheinselbstständigkeit, Abgabenhinterziehung, auf Verstoß gegen das Ausländerbeschäftigungsgesetz, Arbeitsverfassungsgesetz, Arbeitszeitgesetz, Arbeitsruhezeitgesetz, Urlaubsgesetz, auf Umgehung des Dienstvertrages, Aushebelung des Urheberrechtsgesetzes usw.“

aus „Die unfassbaren Zustände bei den Tiroler Festspielen Erl“, die zum Abschluß führte, den das Oberlandesgericht Innsbruck durch Dr. Ulrich Heller zu Recht erkannte …

Lyrisch geht es, darin ganz wieder Sonntag, am letzten Sonntag zu, als ausgestrahlt, was Hans Peter Haselsteiner André Heller aus seinem Leben und seiner Gedankenwelt erzählte.

„Ich glaube, es gibt zu wenige Journalisten und zu wenige Medienvertreter, denen es ein Anliegen ist, der Sache und der Person wirklich gerecht zu werden. Und auch die notwendige Akribie in die Recherche zu legen, sich einmal kundig zu machen, was er hat er denn wirklich gesagt, was hat er denn wirklich veranlaßt, was ist seine tatsächliche Motivation und sein politischer Standpunkt.“

„Ich habe immer den Standpunkt vertreten, daß die Menschen, die in unserer Gesellschaft so erfolgreich wurden wie ich, daß sie dann auch die Verpflichtung haben, dieser Gesellschaft etwas zurückzugeben, und daß das nicht mit der Steuerpflicht erledigt ist. Die Steuerpflicht, da gibt es Gestaltungsmöglichkeiten, also innerhalb der Steuerpflicht, also, das muß ich sagen, das ist einfach nicht genug.“

„Ich gewinne dieses Wohlbefinden, eben letztendlich Privilegien, ja, ich möchte sie aber irgendwie teilen, weitergeben, und wenn es nur ein Bruchteil ist, ich sage ja nicht, es sollen alle das Armutsgelübde ablegen, ich bescheide mich mit wenigen Dingen und gebe alles andere her. Aber zu sagen, jawohl, wenn ich im Überfluß lebe, erwirtschafte, dann habe ich einfach eine Verantwortung für diejenigen, denen es nicht so geht. Und wenn wir dieses Gefühl verlieren, dann, muß ich sagen, wird unser Gesellschaftliches, der Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält, der wird brüchig werden. Und wenn er brüchig wird, dann sind es gerade die Reichen, die Privilegierten, die Wohlhabenden, die was zu verlieren haben. Daher sage ich ja oft, wenn man mir schon nicht abnimmt, daß ich das aus sozialem Bewußtsein oder aus einem Motiv herausmache, dann soll man mir wenigstens den Verstand zubilligen, daß ich sage, es ist sinnvoll. Es ist ja nicht nur wertvoll für einen selbst, es ist geradezu lebenssichernd. Sonst wird der Kitt verlorengehen und werden wir unseres Wohlstands nicht erfreuen können. Es gibt ja Länder, wo das heute schon nicht mehr möglich ist. Und ich möchte nicht in einem Getto leben, wie in Amerika, wo rundherum der Zaun ist und Security vor der Tür steht, damit man drinnen nicht gefährdet ist, ausgeraubt zu werden. Das ist ja nicht so, daß es so weit weg wäre, man kann es ja anschauen. Und man sieht ja jetzt auch, bedauerlicherweise in dieser Krise, was Entsolidarisierung bewirken kann. Und wenn Solidarität als ganz, ganz wichtige gesellschaftliche Errungenschaft, die immer wieder neu verteidigt werden muß und neu genährt werden muß und weitergegeben werden muß an die nächste Generation, wenn wir diese Solidarität verlieren, dann wird es nur Verlierer geben. Aber am meisten verlieren diejenigen, die im Wohlstand und Überfluß gelebt haben und nicht erkannt haben, nicht einmal erkannt haben, daß sie großen Gewinn ziehen könnten, Befriedigung, Freude, Glück, wenn sie sich engagieren für die Gesellschaft.“

„Aber ich glaube, die Gnade der späten Geburt ist ein Schlagwort, das berechtigt ist, weil man nicht sagen könnte, wie man selbst gehandelt hätte, ob man widerstanden hätte, ob man sich angepaßt hätte. Ich hoffe nicht, daß man nicht zum Täter oder Mittäter oder Mittwisser geworden wäre, obwohl es so schrecklich ist, daß man sich auf der anderen Seite eingestehen muß, daß es ja fast alle waren, es waren ja, der Widerstand war ja bescheiden in den ersten Jahren. Ich muß sagen, es ist ja immer wieder, wenn ich davon lese oder wenn es einen Anlaß gibt, darüber nachzudenken, da muß ich sagen, es ist ein wirklich so finsteres Jahrzehnt, wie das von […]“

„Wie ich dann mein Studium vollendet hatte, der Walter war immer noch in einer schwierigen Situation, habe ich mit ihm dann ausgemacht, daß ich ihm meinen Studentenwechsel weitergebe, weil ich habe ja schon etwas verdient, meine Mutter hat mir meinen Wechsel nicht gestrichen, und den habe ich dem Walter gegeben. Habe ich gesagt, du verkaufst jetzt einmal ein Jahr kein Bild, sondern arbeitest und nach einem Jahr schauen wir. Das haben wir gemacht. Dann haben wir eine Ausstellung gemacht, und das hat ihm, glaube ich, ein bissel geholfen, Fuß zu fassen. Von da an, glaube ich, ging es ihm deutlich besser, daß er nicht mehr wie früher die nassen Bilder verkaufen mußte um einen Bettel, weil er vorher in so großer Not war, daß er auch nicht nein sagen konnte. Die Menschen, eine auch eigentlich schlimme Erfahrung, nützen das ja in einem Ausmaß, das man sich ja gar nicht vorstellen mag.“