Guido Zernatto erzählt in seiner „Die Wahrheit über Österreich“ von einem „Tabaktrafikanten“, in einer Passage, die nicht vorzuenthalten ist, wegen dieser gibt Guido Zernatto in einem weiteren Kapitel die Hauptfigur ab.
Es ist eine Passage, die in die Gegenwart Zernattos, als er seine „Wahrheit über Österreich“ schreibt, führt, und von dieser ist es eine Passage in die Gegenwart, in die
Seit dem Weltkrieg war in Oesterreich der Besitz einer Trafik, so heissen die Verkaufsstellen des Tabakmonopols, ein Zeichen dafür, dass der Inhaber dem Staat einmal Dienste geleistet hatte, ohne eine ausreichende Pension zu bekommen. Tabaktrafikanten waren Invalide, Witwen nach Offizieren und Soldaten, Kriegswaisen, aber auch Offiziere und Beamte, die durch irgend ein Missgeschick ihre Pension verloren hatten. Wer in eine Wiener Stadttrafik eintrat, der konnte damit rechnen, dass ihm eine Dame das Zigarettenpaket reichte, die vor zwei Jahrzehnten eine führende Rolle im gesellschaftlichen Leben einer Garnisonstadt der alten Monarchie gespielt hatte. Ein Herr konnte die Zigarrenkisten auf den Tisch räumen, der Ritter oder Komtur eines hohen Ordens war, ein junges Mädchen, das von einer Sternkreuzordensdame aus der Taufe gehoben worden war, wovon noch ein brillantbesetztes Goldkreuz, das sie am Hals trug, Zeugnis gab. Als unter Dollfuss die alten Uniformen und Orden wieder erlaubt wurden, gab es Tabaktrafikanten, die sich am Sonntag vormittag zu einem Spaziergang über den Ring den grünbefederten Generalshut auf den grauen Kopf stülpten.
Es ist weniger der Bauerndichter aus Kärnten die Hauptfigur als die Zeit, von der Guido Zernatto erzählt. Es ist nicht seine Zeit die Hauptfigur, sondern die Zeit Jahrzehnte nach ihm. Er erzählt aber auch nicht alles. Was er nicht erzählen kann, ist aus der Gegenwart, von der er noch nichts wissen kann, weil es nicht mehr seine Gegenwart ist, sondern die Gegenwart Jahrzehnte nach seinem Tod. Er kann nicht erzählen, daß es beispielsweise weiter erlaubt ist, am Grab von Dollfuß Lobreden auf Dollfuß zu halten — als hoch angesehene Personen in der Republik Österreichs.
Auf dem Wiener Franz Josefs-Bahnhof gab es einen Tabaktrafikanten, der wohl nicht hoher Offizier und nicht Kriegsinvalide, aber einer der berühmtesten Männer der alten Monarchie gewesen war. Dieser Tabaktrafikant, der kärglich von den Prozenten lebte, die ihm sein Laden abwarf, hatte einmal einen k.u.k. Ministerpräsidenten, den Grafen Badeni, zum Duell gefordert, hatte die deutsche Jugend Oesterreichs zur Begeisterung hingerissen. Ihn feierten die Kleinbürger Böhmens, zu denen er sprach, als »Jungsiegfried«, er war eines der leuchtendsten Vorbilder für einen obdachlosen Maler, der hoffnungslos durch die Strassen Wiens ging, für Adolf Hitler. Dieser Tabaktrafikant lebt noch. Er heisst Karl Hermann Wolf und war in seiner grossen Zeit der erste Mitarbeiter des Führers der alldeutschen Bewegung, Georg Karl Ritter von Schönerer. Diese alldeutsche Bewegung Schönerers ist der politische Ausgangspunkt des Nationalsozialismus und das Vorbild Adolf Hitlers gewesen. Die Partei Schönerers predigte den Antisemitismus, den Kampf gegen die katholische Kirche unter der Parole »Los von Rom«;
Zernatto wird ihn, Wolf, vielleicht selbst in der Tabaktrafik am Franz-Josefs-Bahnhof gesehen und sofort gemeint haben, er sei der Tabaktrafikant, weil er, Wolf, nur seine Frau in ihrer Tabaktrafik kurz vertrat, er vielleicht Zernatto bediente, während sie damit beschäftigt war, ihm sein Taschengeld herzurichten. Ganz wird seine Berühmtheit in der jungen Republik noch nicht verblaßt gewesen sein, in der Wolf „Mitglied der provisorischen Nationalversammlung“ für die „DnP“ war, bis zum „16. Februar 1919“.

Und immer noch ist die Parole „Los von Rom“ im Einsatz, besonders von jenen Männern, die einen in Österreich berühmten Namen tragen: Hofer —
stiess die christliche Zeitrechnung um und erhob das Jahr der Schlacht im Teutoburger Wald zum Jahre 1 einer neuen germanischen Weltzeit. Sie setzte den lichten Baldur an die Stelle Christi und erfand aus wahren und erdichteten Büchern ein theatralisches Germanentum, das sich im eigenen Urväterkostüm verwickelte und verhedderte. Die grössten Erfolge erzielten Schönerer und Wolf in den kleinen Provinzstädten Oesterreichs, insbesondere aber Böhmens. Hier lebte eine neue Menschenklasse ohne besondere Aufgaben. Eine Menschenklasse ohne eigenes Kulturmilieu, nicht mehr proletarisch und nicht bourgeois, nicht mehr bäuerlich und schon garnicht weltbürgerlich. Ein Bürgertum, das sich von den armen Leuten, den Arbeitern, Kleinhäuslern, Bauern, die fromm oder marxistisch waren, durch Bildung, Aufgeklärtheit abheben wollte, aber doch nur bis an die Tore des ersten Vorhofs der Bildung gelangt war. Das Jagdrevier der Dietwarte, deutschen Turnvereine, der Leser der Gartenlaube, Karl May’s und der Adlersfeld-Ballerstrem. Dieses Kleinbürgertum, eine bürgerliche Pseudomorphose, suchte nach einer Aufgabe, einer Bestimmung. Diese Aufgabe, diese Bestimmung gab all diesen Leuten, die mehr sein wollten als sie waren, Georg Schönerer, sie hiess: Kampf um eine germanische Welt, in den Negativformeln: Antisemitismus, »Los von Rom«, Verteidigung des Deutschtums in den Grenzgebieten. In den Reihen dieser nationalen Bewegung war jetzt jeder wieder irgend etwas. Mehr als früher.

in ihrer „Gartenlaube“ mit ihren Romanen mit Karl May; einfach wie kurz gesagt: mit all dem, das ihnen ihre Weltbildung,
Angehöriger einer Edelrasse, auch wenn die Herkunft und das Aussehen dagegensprach. Prophet einer neuen Zeit, Gegner der »finsteren Bildungsfeinde, die von den Kanzeln das Volk verdummten«, Gegner der »jüdischen Agenten des internationalen Proletariats«, Entschleierer der »düsteren Geheimnisse der Weisen von Zion«, der »Ligourimoral«. Schönerer und Wolf gaben dem kleinen Mann, der nicht Proletarier sein wollte und nichts besseres sein konnte, den Schlüssel zu den Geheimnissen der Welt in die Hand.
die ihnen ihre „Edelrasse“ bestätigt, sie auserwählt zur Prophetie, sie lehrt ihre Namen der „Agenten“, ihnen ihre „Kanzeln“,
Da konnte nun endlich der Kaufmann, der Tierarzt, der Apotheker, der Handelsangestellte am Wirtshaustisch, so zwischen zwei Gläsern »Pilsener Bier«, die Welträtsel entschleiern. Er war ein »Wissender«, der eine »Mission« hatte, ein Edler, ein Besonderer.
in denen sie die „Welträtsel entschleiern“, nicht mehr zwischen zwei Gläsern ‚Pilsener Bier‘ aber auch weiterhin, sondern so zwischen zwei Postings tiktok und x — in ihrem Schanigarten der Sancta Media
Einer dieser Leute, die das mit Begeisterung aufnahmen, was man in der »Ostdeutschen Rundschau« niederschrieb, war Adolf Hitler. Von der Welt Schönerers aus hat er die Welt des Nationalsozialismus gestaltet. Die alldeutsche Bewegung war ein Strohfeuer. Ihre Führer überlebten die Bewegung und sich selbst um viele Jahre. Welches Gefühl aber muss den Tabaktrafikanten Karl Hermann Wolf beseelt haben, als er den neuen Siegfried – Adolf Hitler – die Ideale seiner Jugend zur Herrschaft über das ganze deutsche Volk erheben sah!
„Was man in der ‚Ostdeutschen Rundschau‘ niederschrieb“, in dieser Zeitung des Wolf, wurde von Menschen niedergeschrieben, die Namen hatten, einer dieser Namen Heinrich Damisch, von dem auch zu erzählen war,
als „Das Buch mit den sieben Siegeln“ im Oktober 2022 im Musikverein „unter dem deutschen Dirigenten“ wieder zur Aufführung —
Heinrich Damisch, „Mitbegründer der Salzburger Festspiele“ …

„Welches Gefühl aber muss den obdachlosen Maler beseelt haben“, als er den „Versicherungsvertreter“ und Mann einer Tabaktrafikantin als „Ehrengast auf dem Nürnberger Parteitag 1937“ einladen durfte … das verschweigt auch die „alternative Enzyklo…“ nicht, ist am 7. Dezember 2023 zu lesen:
Adolf Hitler kannte Wolf aus seiner Wiener Zeit und hatte diesen nie vergessen. So wurde dieser am „Reichsparteitag der Arbeit“ 1937 Ehrengast Adolf Hitlers und jenem vom deutschböhmischen Gauleiter Hans Krebs vorgestellt. Wolf, bereits 75jährig und auf Krücken gestützt, war in gesundheitlich schlechtem Zustand und fast taub. Deswegen wurde ihm vor dem Reichsparteitag ein Kuraufenthalt in Bayern auf Kosten der NSDAP finanziert. Im persönlichen Gespräch erzählte Hitler aus seiner Jugend in Wien und versprach ihm seine besondere Fürsorge. Weiterhin stand Wolf neben Franz Stein auf der Führerliste für die Volksabstimmung und die Wahl zum Großdeutschen Reichstag am 10. April 1938. Ab Juni 1938 erhielt Wolf einen monatlichen Ehrensold des Führers.
Als Wolf am 11. Juni 1941 in Wien starb, wurde sein Einsatz für das deutsche Volk ein letztes Mal in gebührlicher Form gewürdigt. Er erhielt ein Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof in Wien und ein feierliches Begräbnis. Der Gauleiter Groß-Wiens Baldur von Schirach sprach in seiner Trauerrede von Wolf als „Bannerträger des Deutschtums“ und schilderte in lebhaften Worten den Abwehrkampf gegen die Tschechen. Hitler schickte einen Kranz aus Eichenlaub mit Lilien und der Aufschrift „Dem Vorkämpfer der großdeutschen Idee“, und der Burschenschafter der Ghibellinia zu Prag und Gauleiter Niederdonaus Dr. Hugo Jury, warf Wolfs Ghibellinen-Mütze in dessen Grab. Ein Ehrensturm der SA, eine Ehrengefolgschaft der Hitlerjugend und ein Marschblock der Politischen Leiter standen Spalier. Der Staatsopernchor trug Franz Schuberts „Litanei“ vor, und ein Trompetenchor blies, als der Sarg hinabgelassen wurde.
Ab einer gewissen Zeit kam der österreichische „obdachlose Maler“ nicht mehr, sondern schickte Kränze, viele Kränze auch nach Österreich, nach Wien, in die Steiermark …
Wolfs „Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof in Wien“ wurde bald schon aberkannt – 2004, ein Jahr vor dem sechzigsten Geburtstag der Wiedererrichtung der demokratischen Republik Österreich … Seit 1963 gibt es in Salzburg die Heinrich-Damisch-Straße — und alle bleiben …
Eine offene Debatte darüber dürfte es nun aber nicht geben. Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP) hat sich bereits klar deklariert: Alle Namen bleiben. Wie die „Salzburger Nachrichten“ am Mittwoch berichteten, ist Preuner die politische Mehrheit für seine Linie im Gemeinderat sicher. Die FPÖ hatte sich schon vor der Vorstellung des Berichts gegen Umbenennungen ausgesprochen, die Neos am Tag der Präsentation: „Nur die Anbringung von Zusatztafeln kann für die notwendige Aufklärung sorgen.
Ach, könnte von der Gegenwart nur ganz gelassen werden, um sich ganz widmen zu können …
Wolf war gesinnungsgemäß auch ein „Burschenschafter“, so gründete er mit „Reichenberger Maturanten“ die „Ghibellinia“, von den Budenschaften

Und weil es bald wieder zum Tanz in der Hofburg kommen wird, darf angenommen werden,
Teutonia wird wie in den letzten Jahren der Gegenwart jetzt schon dem gesinnungsgemäßen Tanze in der hofburglichen Budensaal entgegenfiebern, die Tage bis zum 16. Februar 2024 wird sie mit Fechten wohl recht die Zeit sich zu verkürzen wissen.
Und wenn Teutonia, deren Nachnahme, darf angenommen werden, Würzburg ist, wenn Teutonia Würzburg nicht zum Tanze ausgeführt wird, versenkt sie sich in alte Sprüche, etwa eines Ulrich von Hutten, und in recht höchste Kunst, etwa eines Ernst Dombrowski.
Vielleicht war Teutonia Würzburg schon in der Stiftung ihres gesinungsgemäß zusagenden Schnitters im steiermärkischen Graz zu Besuch, und wenn nicht,
geht es sich vielleicht im Februar ’24 aus: ein Abstecher —
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