Der nach wie vor gespielte Schlager heißt zwar „Schlag nach bei Shakespeare“, aber in diesem Fall zutreffender: „Schlag nach bei Goethe“. Noch zutreffender nach dem englischen Originaltitel: Brush up your Goethe. Die Empfehlung also, eine Fähigkeit aufzufrischen, die Johann Wolfgang von Goethe als Finanzminister und Kriegsminister vor über zweihundertvierzig Jahren besaß, als es darum geht, ein Budget zu sanieren.
Was für eine Fähigkeit Johann Wolfgang von Goethe besaß, soll am Ende dieses Kapitels erzählt werden. Davor aber davon, was über zweihundertvierzig Jahren später ein österreichischer Finanzminister …
Susanne Schnabl: Warum demonstrieren die SPÖ-Pensionisten dagegen?
Finanzminister: Ja, öh, kommt mir eigenartig vor, weil ich finde, daß ist eine unter Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten vertretbare gerechte Lösung in schwierigen Zeiten, ja. Aber daß man schaut, daß die Verteilung paßt, auch bei den Pensionserhöhungen, also das halte ich wirklich für ursozialdemokratisch und ich erkläre es auch überall, also wenn ich jetzt meine nächsten Termine hab‘, wenn der Beschluß am Freitag gefallen ist, werde ich das Pensionsthema immer ansprechen. Wir verstecken uns hier nicht.
Das Gespräch. ORF. 15. September 2025.
„Sparen, sparen, sparen“: Finanzminister redet Klartext
Das Finanzministerium hat unter dem Titel „Geldanschauung“ einen neuen Podcast gestartet. Folge 1 bestreitet der „Chef“: Markus Marterbauer (SPÖ) trifft auf die Kabarettistin Marina Lacković, besser bekannt unter ihrem Bühnennamen Malarina.
Wie er sich so fühle, wenn er nun das Budgetdesaster früherer Regierungen aufräumen müsse, fragt Malarina. Dass er als Ökonom nach Jahrzehnten in der Wissenschaft jetzt am finanzpolitischen Ruder der Republik sitze, sei ja an sich eine tolle Chance. Aber wenn man statt gestalten und investieren zu können, der strikten Devise „Sparen, Sparen, Sparen“ folgen müsse – „dann ist das nicht das Lustigste“, gibt Marterbauer zu.
Dass die Bühnenfigur Malarina keine große Freude mit Steuern hat, versteht sich. „Ich würde aber gern eine Bewegung anführen, die sich nennt: Wir zahlen gerne Steuern“, sagt Marterbauer. Und verweist darauf, wofür der Staat die Steuereinnahmen verwendet: Gesundheitssystem, Familienbeihilfen, Pensionen, Kindergärten, Pflegeeinrichtungen… Alles Bereiche von denen jeder profitiert – was man sich beim ungeliebten Steuerzahlen aber nicht so klar mache.
Heute. 18. September 2025.
Es komme, so der Finanzminister, auf eine vertretbare gerechte Lösung in schwierigen Zeiten an, es müsse, so der Finanzminister, geschaut werden, daß die Verteilung passe, es sei nicht das Lustigste, so der Finanzminister, statt gestalten und investieren, der strikten Devise Sparen, sparen, sparen — Gesundheitssystem, Familienbeihilfen, Pensionen, Kindergärten, Pflegeeinrichtungen … dafür verwende, so der Finanzminister, der Staat die Steuereinnahmen, Bereiche, so der Finanzminister, von denen jeder profitiere.
Aber es wird ja doch investiert, in einen Bereich allerdings, dessen Gestaltungswert äußerst fragwürdig, in einen Bereich, von dem wer profitiert, jede profitiert davon gewiß nicht …
Mit dem Doppelbudget 2025/26 erhält das Bundesheer erneut einen klaren politischen Auftrag zur Weiterentwicklung seiner Fähigkeiten. Das Budget steigt im Vergleich zu 2024 um rund 18 Prozent auf 4,740 Milliarden Euro im Jahr 2025 und um weitere rund 8,5 Prozent im Jahr 2026 auf 5,184 Milliarden Euro.
Bundesministerium für Landesverteidigung. Bundesheer.AT. Aufgerufen am 24. September 2025.
Allerdings: Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) gewährt dem Heer für beide Jahre auch eine Überschreitungsermächtigung von je 350 beziehungsweise 400 Millionen Euro. Mit 200 Millionen ist der Großteil davon für Investitionen vorgesehen. Und diesen Überschreitungsrahmen plant Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) bereits fix ein. Mit den zusätzlichen Millionen steigt das Verteidigungsbudget heuer um 18 Prozent – inflationsbereinigt etwas weniger.
Diese Erhöhung braucht Tanner auch, um an ihrem Beschaffungs- und Aufbauplan für das Bundesheer festzuhalten. Bis 2032 soll ihr Ressort ja rund 17 Milliarden für Investitionen zur Verfügung haben.
Der Standard. 14. Mai 2025.
Der Finanzminister gewährt eine Überschreitungsermächtigung von je 350 bzw. 400 Millionen Euro. Eine Erhöhung der Pensionen um 2,7 % für alle hätte 350 Millionen …
Damit kostet die Erhöhung der Pensionen den Staat laut Regierungsangaben 1,73 Milliarden Euro, eine Erhöhung um 2,7 Prozent für alle hätte 350 Millionen mehr gekostet.
Die Inflation von 2,7 Prozent wird nur bei Pensionen bis 2500 Euro vollständig abgegolten. „Der Spielraum war leider nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte“, betont Sozialministerin Korinna Schumann.
Die Presse. 12. September 2025.
Und die „Kriegsministerin“ respektive Verteidigungsministerin, das heutzutage die offizielle Amtsbezeichnung ist, plane den Überschreitungsrahmen bereits fix ein, für ihr Ressort soll sie ja bis zum Jahr 2032 17 Milliarden Euro für Investitionen zur Verfügung haben, aber es können, so hat es die Verteidigungsministerin bereits verlautet, noch einige Milliarden mehr werden, für den ihren „Aufbauplan“, der ein Abbauplan für Gesundheitssystem, Familienbeihilfen, Pensionen, Kindergärten, Pflegeeinrichtungen …
Es kommt ja in Mode, sich wieder „Kriegsminister“ statt „Verteidigungsminister“ zu nennen, wie jener dabei vorpreschende Mann aus der Truppe des Präsidenten, in den, so einer für sehr, sehr kurz gewesener Bundeskanzler aus ihrer Partei appellierte, „haben wir doch Vertrauen …“ — vielleicht eine Mode, der sich die derzeitige Verteidigungsministerin auch nicht mehr lange entziehen lassen wird wollen.
Für das Auftreiben des Geldes für ihre Überschreitungsermächtigung wird der Finanzminister wohl auch auf den Wirtschaftsminister zählen dürfen, gibt es doch einen geplanten Pakt, bei „Sozialbetrug“ hart durchzugreifen, wenn das gelingt, wären schon etwas über zwanzig Millionen Euro hereingeholt — was für eine erkleckliche Summe das schon wäre, die sich noch erhöhen könnte, wenn etwa mehr Menschen in Pension sich selbst ermächtigten, diese bisher stabile Summe von etwa zwanzig Millionen zu überschreiten: für die Überschreitungsermächtigung von je 350 beziehungsweise 400 Millionen Euro —
Zur Rechtfertigung der gestaltlosen Investitionen in den militärischen Komplex werden vor allem seit dem putinischen Angriffskrieg gegen die Ukraine Bedrohungsszenen für Österreich gespielt, jedoch — ehe durch diese Österreich tatsächlich verteidigungsfähig geworden werden könnte, könnte Österreich längst schon ohne nennenswerte Verteidigungsmöglichkeiten eingenommen worden sein, und auch das, bis 2032 könnte sich in Rußland viel ändern, 2032 wird Wladimir Putin, geboren am 7. Oktober 1952, achtzig Jahre alt sein, wird er dann noch regieren, wird er dann überhaupt noch am Leben sein, mit 80 Jahren wäre er nach der derzeit geschätzten Lebenserwartung für Männer in Rußland weit darüber hinaus, über zehn Jahre darüber, und so könnte es spätestens dann oder sogar früher zu einer grundlegenden Veränderung in Rußland kommen, zu einer völlig entgegengesetzten Änderung der derzeitigen Gegebenheiten in Rußland kommen; und was werden dann diese milliardenfachen Investitionen gewesen sein, ohne zu spielende Bedrohungsszenen, was wird mit diesen dann gestaltet, aufgebaut worden sein?
Der österreichische Finanzminister sagt:
„Ich würde gern eine Bewegung anführen, die sich nennt: Wir zahlen gerne Steuern.“
Selbst eine Bewegung anzuführen, wer möchte das nicht, vor allem dann, wenn wer ein derart hohes Amt bereits innehat, kann doch nicht mehr damit zufrieden sein, sich damit begnügen, bloß irgendeiner in einer Bewegung zu sein, die genannt werden könnte, und das nicht nur in Österreich: „Wir rüsten gerne.“
Durch lauter zum Spielen aufgestellte ausländische Bedrohungsmikadobäume keine freie Sicht im inländischen Militärgestrüpp auf, was in diesem gelehrt, welche Anschauungen, wer für Betreuung und so weiter und so fort.
Wenn der seit diesem Jahr 2025 österreichische Finanzminister auch Kriegsminister wäre, so wie es Johann Wolfgang von Goethe war, dann hätte er wohl auch sofort gehandelt wie Finanzminister und Kriegsminister Goethe handelte, als es darum geht, die Finanzen des Kleinststaates in Ordnung zu bringen, den Etat des Landes auszugleichen. Was Finanzminister Goethe sicherlich nicht zu machen brauchte, angesichts der prekären budgetären Staatslage, ist, sich selbst als Kriegsminister eine Überschreitungsermächtigung zu gewähren, und diese wäre auch vollkommen kontraproduktiv und gegen die Staatshaushaltssanierung gewesen, die er sich vornahm und erfolgreich umsetzte: u. a. durch ein radikales Abrüstungsprogramm und durch das Kürzen des Heeres um knapp die Hälfte .
Darüber schreibt auch Peter Merseburger in „Mythos Weimar. Zwischen Geist und Macht“:
Kriegsminister Goethe rüstet ab
Einige Verdienste des Ministers Goethe sind indes unbestritten. Er führt eine Finanzreform durch, zwingt den Herzog zu persönlicher Sparsamkeit und gleicht den Etat des Landes aus. Dem Finanzkommissar Goethe gelingt dies nur, weil der Kriegsminister Goethe ein radikales Abrüstungsprogramm durchsetzen kann. Die Notwendigkeit eines Weimarer Militärs leuchtet ihm nicht ein. So kürzt er das stehende Heer seines Freundes Carl August um knapp die Hälfte.
Die Demilitarisierung des Herzogtums bleibt des Politikers Goethe größte Tat[.]


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