Für einen Moment, der durchaus eine Schrecksekunde genannnt werden könnte, wurde gedacht, als der österreichische Bundespräsident von zwei Soldaten flankiert zu sehen ist, der österreichische Bundespräsident gebe jetzt auch schon Stellungnahmen unter Militärpräsenz ab, aber es war seine keine Stellungnahme im habsburgischen Schlafzimmer mit tapezierter Tür, sondern es ist seine Stellungnahme in Litauen, und die zwei Soldaten links und rechts von ihm hat nicht er aufstellen lassen, sondern die wurden ihm zur Seite beordert.
Und was sagt er, am 8. Oktober 2025, in Vilnius?
Er sagt nicht: „We are the people.“ Er sagt: „We are a strong team.“ Das paßt auch zu dem, was er vor kurzem in Klagenfurt am Gemeindetag sagte: „Was auch immer Österreich ist oder werden soll, es ist unser gemeinsames Projekt.“ Ein Projekt. Wenn Menschen modern sich wähnen, reden sie von Projekten und von Teams. Aber was ist ein Projekt? Und was ist ein Projekt ohne Team? Die Definition, was ein Projekt ist, lautet in etwa: es sei ein einmaliges, zeitlich begrenztes Vorhaben mit einem definierten Ziel, das durch die Planung und Umsetzung von Handlungen erreicht werden soll, wobei begrenzte Ressourcen wie Geld, Zeit und Personal eingesetzt werden; typische Merkmale sind eine klare Zielvorgabe, ein definierter Anfang und ein Ende.
Wann hatte, nach der Projektdefinition, „unser gemeinsames Projekt“ seinen Anfang mit einem „definierten Ziel, mit „Planung und Umsetzung von Handlungen und mit einer „klare[n] Zielvorgabe“, wann wird „unser gemeinsames Projekt“ sein Ende finden? Was wird dann an der Stelle von „Österreich“ sein, wenn dieses „Projekt“ sein „Ende“ findet?
Was sagt er noch, in Vilnius, unter militärischer Ehrenwache? Er sagt: „We, the European Union, we are 27 member states and 450 million people. We are a strong team. Let’s apply this strength to our security as well. Now is the time to do so.“ Und er redet auch in der von ihm verbreiteten rund eine Minute langen Stellungnahme von „reliable partner of NATO“ …
Was für ein „strong team“ das doch ist, in dem alle an einem Strang ziehen, ein Mitglied zieht besonders den Strang …
Kurz ist es her, es war am 16. Juni 2025, als der österreichische Bundespräsident davon redet, wie auf seiner Website am 9. Oktober 2025 zu lesen ist:
„Die Menschen der Ukraine wollen keine russischen Untertanen sein, sie kämpfen für ihre Freiheit“, betonte er. Es gehe darum, dass ein Land sein Wertesystem selbst wählen dürfe. „Diesen Kampf führt die Ukraine nicht nur für sich selbst, sondern für ganz Europa, auch für uns. Dafür danke ich Ihnen“, sagte er in Richtung Selenskyjs. Österreich unterstütze die Ukraine in vielen Bereichen, nur nicht militärisch. Selbst wenn es letzteres tun wollte, „ich wüsste nicht, was wir für die Ukraine tun könnten, weil wir selbst mit dem Aufbau beschäftigt sind“
Und wovon redet sein Gast am 16. Juni 2025? Davon, das auch am 9. Oktober 2025 auf seiner Website zu lesen ist:
Selenskyj machte auch klar, dass er sich eine stärkere Kooperation der österreichischen Behörden bei Auslieferungsbestrebungen in Bezug auf eigene Staatsbürger erwartet. Es gehe dabei um Ukrainer, „die sich jetzt in Österreich verstecken, damit sie sich der Verantwortung entziehen können. Das ist verantwortungslos, vor allem in Zeiten des Krieges“, sagte er. „Wir hoffen, dass Österreich uns in dieser Frage helfen wird und uns unterstützen wird.“
Ist seinem Gast mittlerweile seine Erwartung nach einer „stärkere[n] Kooperation der österreichischen Behörden bei Auslieferungsbestregungen in Bezug auf eigene Staatsbürger“ erfüllt worden, „Ukrainer, die sich jetzt in Österreich verstecken“, auszuliefern? In den Krieg, in den Tod?
Das Gute an dieser soldatisch begleiteten Stellungnahme, es wird keinen Moment mehr geben, der eine Schrecksekunde genannt würde werden können, denn es wird sich bis dahin eine Gewöhnung eingestellt haben, wenn dereinst der österreichische Bundespräsident unter Militärpräsenz seine Stellungnahmen im tapezierten Zimmer, heimelig wie in einem Einfamilienhaus, abgeben sollte, vielleicht sogar selbst in Uniform, ist er doch Oberbefehlshaber des —
Das wohl aber erst dann, und das dürfte nicht mehr derzeitige Bundespräsident sein, wenn der militärische Aufbau soweit gemauert ist, daß die Bundespräsidentin, ja, eine Bundespräsidentin, es gäbe durchaus eine erste Kandidatin vom Projektfach dafür,
stolz in Uniform auftreten kann, auch um zu verkünden, jetzt könne Österreich auch militärisch die …

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