Über Balthasar Hubmaier muß im Grunde nichts mehr geschrieben werden, seine Taten sind so bekannt, daß über sie geschwiegen werden kann, wie die Evangelische Kirche in Österreich in ihrer gottauferlegten Toleranz über seine Taten schweigt, und sie dennoch so viel von ihm weiß, das ihr erzählenswert — auf ihrer Website am 15. April 2026 gelesen werden darf.
Es geht um Toleranz, mit der Balthasar Hubmaier mit einer Gedenktafel geehrt wurde, die am 10. Juni 2003 feierlich auf diesem Platz enthüllt wurde, auf diesem Platz der Feiern seit einhundert Jahren …
Seit 1926 fallen auf diesem Platz die Hüllen.
Und wann immer die Hülle fällt, offenbart sich je die Toleranz, die Toleranz gegen alle, die ehrend zu erinnern sind, auf diesem Platz, der das Symbol der Toleranz schlechthin für die Stadt und das gesamte Land, einträchtig hintereinander, Balthasar Hubmaier, Josef Müllner und sein Bürgermeister …
Und was der Evangelischen Kirche von Balthasar Hubmaier erzählenswert ist, ist ihr auch teilenswert:
Gedenktafel für Hubmaier in Wien enthüllt
Keine Toleranz und Religionsfreiheit vor 475 Jahren
Keine Toleranz und Religionsfreiheit vor 475 Jahren
Wien, 11. Juni 2003 (epd Ö) Eine Gedenktafel für den Täufer Balthasar Hubmaier am Stubentor in Wien hat der Bezirksvorsteher für Wien Innere Stadt, Kommerzialrat Franz H. Drundwalt, vor zahlreichen Vertretern der Religionsgemeinschaften am 10. Juni enthüllt.
Anlass für den Festakt war der 475. Todestag Hubmaiers und das 50-jährige Bestehen der Baptistengemeinden in Österreich. Eingeladen hatte der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) und der Bund der Baptistengemeinden in Österreich.
„Die Kirchen müssen Vorurteile beseitigen und Begegnung suchen“ forderte die Vorsitzende des ÖRKÖ, Oberin Prof. Christine Gleixner, bei dem Festakt, der zuvor im Museum für Angewandte Kunst begonnen hatte. Dazu müsse auch die gemeinsame Geschichte der Kirchen angeschaut werden, „die freudige Geschichte, aber auch die schuldbeladene Geschichte.“
Für strikte Trennung von Kirche und Staat
„Es ist klare Aufgabe der Kirche, Friedensmacher zu sein“, sagte Dr. Denton Lotz, Generalsekretär der Baptist World Alliance. Dies sei häufig in der Geschichte nicht so gewesen: „Die, die den Himmel von oben bringen wollen, haben oft die Hölle von unten gebracht.“ Unselig sei die Verquickung von Staat und Kirche, denn dann werden „immer Minderheiten unterdrückt.“ Daher seien die Baptisten stets dafür eingetreten, Staat und Kirche strikt zu trennen. Die Kirchen müssen allerdings „immer das Recht haben, dem Staat zu sagen: Was ihr tut, ist falsch“. In diesem prophetischen Amt zeige sich die Religionsfreiheit.
„Es ist die Verpflichtung des Staates, der religiösen Dimension Raum zu geben“ sagte Ministerialrat Dr. Werner Jisa. Der Leiter des Kultusamtes im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur weiter: „Der Staat ist die neutrale Instanz, in die die Religiosität in all ihrer Pluralität hereingenommen ist.“ Im institutionellen Bereich gebe es eine klare Unterscheidung und Trennung, „und das ist gut so.“ Als es in Österreich eine „Verquickung von Staat und Kirche gab, war dies zum Wohl der Menschen gedacht, wurde aber zu ihrem Nachteil.“
„Diese Tafel soll erinnern an eine schmerzliche Zeit, als andere Konfessionen als die katholische verfolgt wurden“ sagte Mag. Werner Horn, Superintendent von Wien, bei der Enthüllung der Tafel zum Gedenken an Dr. Balthasar Hubmaier am Stubentor. Heute werde die Religion und die Meinung des anderen respektiert, diese Tafel solle dabei helfen, auch zukünftig „in einem Land und in einer Gesellschaft zunehmender Toleranz zu leben.“
Hubmaier: Kein Recht für die Obrigkeit, über den Glauben zu urteilen
Balthasar Hubmaier wurde etwa 1485 in Friedberg bei Augsburg geboren, hingerichtet worden ist er am 10. März 1528 in Wien. Hubmaier hat Theologie und Philosophie studiert und führte 1524 in Waldshut die Reformation ein: Der Gottesdienst wurde verdeutscht, die Bilder und Statuen wurden beseitigt, die Fastengebote und der Zölibat wurden abgeschafft, er selbst heiratete 1525.
Da er von der österreichischen Regierung verfolgt wurde, wich er nach Schaffhausen aus. Hier schrieb er 1524 sein Hauptwerk „Von Ketzern und ihren Verbrennern“, in dem er sich gegenüber dem Vorwurf der Ketzerei rechtfertigt. Er spricht der Obrigkeit das Recht ab, über den Glauben zu urteilen.
Im Herbst 1524 schloss sich Hubmaier in Zürich den Täufern an und setzte sich für die Erwachsenentaufe ein. Unter der Beschuldigung, an dem Bauernkrieg in Waldshut beteiligt gewesen zu sein, wurde Hubmaier schließlich 1527 an die Habsburger ausgeliefert und auf der Burg Kreuzenstein inhaftiert. Als er den Widerruf verweigerte, wurde er vor ein Ketzergericht gestellt und zum Tode verurteilt.
Wenn es nicht derart intolerant anmuten würde, würde beinahe vorgeschlagen werden wollen, den nach dem müllnerischen Bürgermeister benannten Platz auf Platz der Toleranz umzubennen, werden doch an diesem Ort seit jeher so viele Zeichen der Toleranz —
Freilich wäre es mit einer Umbenennung allein nicht getan, ein Platz der Toleranz verlangte auch eine gänzliche Umgestaltung des Geländes, in diesem Fall hieße es, die Errichtung eines Museums.

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