„Herabwürdigung religiöser Lehren“, ein ersatzlos zu streichender Paragraph

Strafgesetzbuch, Paragraph 188:
Wer öffentlich eine Person oder eine Sache, die den Gegenstand der Verehrung einer im Inland bestehenden Kirche oder Religionsgesellschaft bildet, oder eine Glaubenslehre, einen gesetzlich zulässigen Brauch oder eine gesetzlich zulässige Einrichtung einer solchen Kirche oder Religionsgesellschaft unter Umständen herabwürdigt oder verspottet, unter denen sein Verhalten geeignet ist, berechtigtes Ärgernis zu erregen, ist mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen.

Das also, damit nicht gesucht werden muß, wovon hier gesprochen wird, ist der Paragraph, der ersatzlos zu streichen ist.

Denn, dieser Paragraph hat mit allen Religionen eines gemeinsam, nämlich die Qualität, absurd zu sein. Darüber hinaus besitzt dieser Paragraph keine Qualität. Wie jedwede Religion heute keine Qualität mehr besitzt, um weiter als Welterklärungsmodell dienen zu können, oder gar als Anleitung zum weltweiten menschlichen Handeln eine förderliche Rolle zu spielen.

Die erste Absurdität besteht darin, von Lehren zu sprechen. Eine Lehre kann verifiziert und falsifiziert werden. Das ist, nicht erst seit heute, der Standard, dem sich jedwede Lehre zu stellen hat. Der Standard der Religionen aber ist nach wie vor die Unterwerfung eines jeden Menschen, und, immer noch, mit dem Strafgesetzbuch in der einen Hand und in der anderen Hand, gestapelt, der Bibel, dem Koran und anderen Religionsschriften. Die Bücher der Religionen können aber nur erzählt werden, wie Märchen, von denen Menschen, die längst aus dem Alter, in dem sie zum Einschlafen Geschichten benötigen, sind, Priester, Imame und andere Religionsangestellte zu ihren lebenslangen Eltern, die ihnen weiter Märchen erzählen, bestellen. Märchen aber sind eine Textsorte, die, wie jedwede Textsorte, menschgemäß Lob, Kritik, Verehrung und Verriß unterliegt, auch Spott und Hohn sich gefallen lassen muß.

Die zweite Absurdität dieses Paragraphen ist in der Formulierung: „Ärgernis zu erregen“. Wessen Ärgernis. Es gibt in Österreich, um bei diesem Beispielland zu bleiben, an die zwei Millionen Menschen, zu deren verehrendem Personal beispielsweise weder Jesus Christus noch Muhammad gehören. Und mit dieser nichtssagenden Tatbeschreibung der „Ärgerniserregung“ verläßt dieser Paragraph die Absurdität, die Freude erregen kann, und betritt den Boden der Züchtigung. Denn es heißt: „Verhalten geeignet ist, …“. Es geht also darum, bei Androhung einer Strafe alle zu einem bestimmten Verhalten zu züchtigen. Um was zu beschützen? Überholtes. Märchen brauchen jedoch keinen Schutz. Märchen überdauern auch ohne Strafandrohung. Immer noch werden Kindern zum Einschlafen Märchen erzählt, die vor einer Ewigkeit, erzählt, geschrieben wurden.

Es ist ein absurder, ein äußerst bedenklicher Paragraph, und es ist ein Einbahnenparagraph. Denn, er schützt die Religionen. Aber welcher Paragraph schützt die Herabwürdigung des Menschen durch Angestellte der Organisierten Glauben derart explizit (http://bernhardkraut.wordpress.com/zum-beispiel/organisierte-glauben/)?

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