Die Tradition oder, was das gleiche ist, die Zukunft mit freiheitlichen Nationalratspräsidenten – Teil 1

Weit davon entfernt, hier mit dem Krieg von 1939 bis 1945 sich beschäftigen zu wollen, äußerst weit davon entfernt, hier mit der nationalistischen Massenverbrechentotaldiktatur und nationalistischen Massenmordtotaldiktatur des Deutschen Reiches sich beschäftigen zu wollen, absolut davon entfernt, der Nationalismus- und Revisionismusindustrie einen Gefallen dadurch gar erweisen zu wollen, ihre Produkte zu besprechen, ihre Produkte zu widerlegen, ist es dennoch notwendig, ein weiteres Mal notwendig, ein derartiges Produkt anzusprechen, aber nicht mit Blick auf die Vergangenheit, sondern ausschließlich auf die Gegenwart, nicht mit Blick also auf den Massenmord- und Massenverbrechenführer Adolf Hitler, sondern ausschließlich auf die Nationalratspräsidenten des III. Lagers in der Zweiten Republik …

Es geht aber noch mehr um die Zukunft, die aktuell von Michael Spindelegger mit dem Werbespruch „Zukunft aus Tradition“ beschworen wird, und zu dieser Tradition in der Zweiten Republik gehört auch die freiheitliche Tradition, nicht von ihrer Fixierung auf die Vergangenheit lassen können, die angesprochen werden muß, wieder einmal angesprochen werden muß, weil vor allem die christschwarze Partei mit ihrem zurzeitigen christschwarzen Führer eine Regierungskoalition mit ebendiesen Freiheitlichen eine nach wie vor als unbedenklich eingestufte Option darstellt …

Die Nationalratspräsidenten des III. Lagers sind ein recht gutes Beispiel für diese freiheitliche Tradition der Fixierung auf die Vergangenheit, konkret der nun bald vier Jahre gewesene III. Präsident NR und die permanente Affäre Dr. Martin Graf und der ehemalige III. Präsident NR Gerulf Stix …

Zur Tradition von freiheitliche Nationalpräsidenten gehört auch die Empfehlung von Büchern, so daß die Frage berechtigt gestellt werden darf, welche Bücher wird der nächste freiheitliche Nationalratspräsident, der in der Zukunft wieder hauptverantwortlich von christschwarzen Abgeordneten …

Der ehemalige III. Nationalratpräsident Gerulf Stix bespricht mit würdigender Anerkennung ein Buch von Alfred de Zaya, das zum Inhalt hat, wie Gerulf Stix schreibt:

Worum es konkret geht, lässt sich in knappster Formulierung dem Vorwort von Prof. DDr. Karl Doehring zu diesem Buch entnehmen: „Dem Autor geht es um den Nachweis, dass die immer wieder erhobene Behauptung, der größte Teil der Deutschen habe durchaus von der mörderischen Judenverfolgung des NS-Regimes Kenntnis gehabt, der geschichtlichen Wahrheit nicht entspricht. Dieser Nachweis ist m. E. in vollem Umfang gelungen.“Dieses Nichtwissen über das System der unbegreiflichen „Endlösung“ bescheinigt Alfred de Zayas auch der Wehrmacht.

In die Collage sind Ausschnitte aus der Besprechung von Gerulf Stix und von der Website von Alfred de Zaya aufgenommen, die für sich sprechen und bereits sehr gut aufzeigen, wie Seriösität und Redlichkeit erscheischt wird … Es will das, wie eingangs geschrieben, nicht mit einem Widerspruch gewürdigt werden, und doch, jedoch mit größtem Widerwillen, wird der Entschluß gefaßt, dennoch ein Beispiel anzuführen … Dieses Beispiel wird nur mit Pausen geschrieben werden können,  weil die Toilette nicht nur jetzt schon schon aufgesucht werden mußte, sondern immer wieder die Toilette aufgesucht werden wird müssen, um sich weiter zu übergeben …

„Dieses Nichtwissen“, schreibt Gerulf Stix, „bescheinigt Alfred de Zaya auch der Wehrmacht“ … Zitate  dazu aus „Soldaten Protokolle vom Kämpften, Töten und Sterben“ von Sönke Neitzel  und Harald Welzer:

Wir gehen nach Sichtung unseres Materials davon aus, dass das Wissen sowohl um die Tatsache als auch um die Art und Weise der Judenvernichtung unter den Soldaten verbreitet war, sie dieses Wissen aber nicht sonderlich interessierte.

In der Nähe von Städten entstand dabei trotz gegenteiliger Befehle ein Phänomen, das man als „Exekutionstourismus“ bezeichnen könnte. Deutsche jedweder Couleur besuchten während oder außerhalb ihres Dienstes die Erschießungsstätten, um zuzusehen oder zu fotografieren“.

Die Erzählungen der Soldaten – übrigens nicht nur vom Heer, sondern auch von Luftwaffe und Marine – drehen sich um die sogenannten Judenaktionen, wie sie ab der Mitte des Jahres 1941 in den besetzten Gebieten hinter der vorrückenden Front duruchgeführt werden: die systematischen Erschießungen von jüdischen Männern, Frauen und Kindern, denen etwa 900 000 Menschen zum Opfer fielen.

Unteroffizer Kratz, ein Bordmechaniker eines Do 217-Bombers, der mit seiner Einheit, dem Kampfgeschwader 100, 1942 im Süden Russlands eingesetzt war, beschreibt hier die technischen Optimierungen, die die Massenmordaktionen durchlaufen haben. Sachlich führt er aus, dass die zunächst praktizierte Form der Massenerschießung sich nicht als probat erweist, weil man nicht genug Opfer in den Gruben unterbringen kann.

Auch im folgenden Zitat wird deutlich, dass die Judenverfolgung und -vernichtung als sinnvoll betrachtet wird, die konkrete Umsetzung aber auf Kritik stößt.

Nicht die Aufgabe, sondern ihre Umsetzung wird als das Problem betrachtet, und vor diesem Hintergrund muss man sogar Himmlers Klage in seiner berüchtigten Posener Rede vom 4. Oktober 1943 ein gewisses empirirsches Fundament attestieren: „Es gehört zu den Dingen, die man leicht ausspricht. – ‚Das jüdische Volk wird ausgerottet‘, sagt ein jeder Parteigenosse, ‚ganz klar, steht in unserem Programm, Ausschaltung der Juden, Ausrottung machen wir.‘

Auch in den Abhörprotokollen finden sich Beschreibungen von freiwilligen Teilnahmen an Massenerschießungen oder zu Offerten, dass man mal mitschießen dürfte, wenn man Lust dazu habe. Diese von heute aus gesehen unglaublichen Episoden deuten an, dass die Vernichtungsaktionen keineswegs im Verborgenen stattfanden und auch nicht immer mit Entsetzen und Abscheu wahrgenommen wurden. Im Gegenteil versammelten sich um die Erschießungsgruben wie in einer Arena regelmäßig Zuschauer – Ortsansässige, Wehrmachtssoldaten, Angehörige der Zivilverwaltung – und machten die Massenvernichtung zu semi-öffentlichen Schauveranstaltungen mit Unterhaltungswert, als die sie ausdrücklich nicht geplant waren.

Der Attraktionswert scheint insgesamt größer als die Befürchtung gegen Anordnungen oder Befehle zu verstoßen. Major Rösler beschreibt, dass be einer Erschießung „aus allen Richtungen […] Soldaten und Zivilisten auf einen nahen Bahndamm“ zuliefen, hinter dem sich die Aktion abspielte: „Polizisten mit besudelten Uniformen liefen umher. Soldaten (zum Teil nur mit einer Badehose bekleidet) standen in Gruppen beisammen; Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, schauten zu.“ Am Schluss seines Berichts erklärte Rösler, er habe in seinem Leben schon einige unerfreuliche Dinge erlebt, ein solches Massengemetzel aber, noch dazu in aller Öffentlichkeit, wie auf einer Freilichtbühne, übersteige alles bisher Gesehene. Es verstoße gegen die deutschen Sitten, Ideale usw. Trotz einschlägiger Befehle und erzieherischer Maßnahmen war das Problem des Erschießungstourismus offenbar nicht in den Griff zu bekommen; ein Lösungsversuch für dieses Problem bestand dann etwa darin, „den Tötungseinheiten ‚im Wege guten Einvernehmens‘ nahezulegen, ihre Erschießungen ‚wenn möglich‘ nicht am Tage, sondern bei Nacht durchzuführen“, wie auf einer Konferenz von Militärverwaltungsoffizieren am 8. Mai 1942 beschlossen wurde, allerdings ziemlich folgenlos.

Eine Steigerung des Dabeiseins stellt das bereits erwähnte Mitschießen dar. Oberstleutnand von Müller-Rienzburg von der Luftwaffe erzählt: „Die SS hat eingeladen zum Judenschießen. Die ganze Truppe sind mit Gewehren hingegangen und […] zusammengeknallt. Hat jeder sich aussuchen können, was für einen er wollte.“

Eine der großen geschichtspolitischen Debatten der Bundesrepublik wurde durch die Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“ des Hamburger Instituts für Sozialforschung ausgelöst. Von 1995 bis 1999 wurde diese Dokumentation von Kriegsverbrechen und der Verstrickung der Wehrmacht in die Jugendvernichtung in zahlreichen Städten gezeigt, oft zur Empörung vor allem älterer Besucher, die selbst Soldaten gewesen waren. Seit diesem Zeitpunkt, heißt es, sei der Mythos von der sauberen Wehrmacht endgültig dahin. Bemerkenswert an den Auseinandersetzungen um die Ausstellung war aber, dass viele Kriegsteilnehmer jede Verstrickung der Wehrmacht in den Holocaust vehement bestritten. Wie unsere Abhörprotokolle zeigen, hatte das weder etwas mit „Verdrängung“ noch mit „Verleugnung“ zu tun: Viele Verbrechen, die heute zu Vernichtungskrieg und Holocaust gerechnet werden, wurden zeitgenössisch ganz anders eingeordnet – als Partisanenbekämpfung etwa. Insofern hat man es hier mit der Unterschiedlichkeit zweier Referenzrahmen – des zeitgenössischen und des gegenwärtigen – zu tun. Aber noch etwas ist an den Abhörprotokollen höchst bemerkenswert: Sie belegen nämlich, dass viele Soldaten über den Prozess der Judenvernichtung en détail Bescheid wussten; zum Teil erzählen sie sogar Aspekte, die die Forschung bis heute noch gar nicht entdeckt hat. Sie stellen aber keine Verbindung zwischen diesen Wissensbeständen und ihrem eigenen Handeln her, obwohl den meisten Soldaten bereits während des Zweiten Weltkrieges bewusst war, dass Einheiten der Wehrmacht eine Vielzahl von Kriegsverbrechen begangen hatten und auch an den systematischen Erschießungen von Juden in den besetzen Gebieten vielfältig beteiligt waren – als Ausführende, als Zuschauer, als Mittäer, als Hilfskräfte, als Kommentatoren. Sehr selten auch als Störfaktoren, etwa in Gestalt einzelner Offiziere, die sich beschwerten, Opfer retteten oder, wie in einer besonders spektakulären Aktion, die SS mit Waffengewalt an der Ermordung einer Gruppe von Juden hinderten. Dies freilich sind solitäre Ausnahmehandlungen gewesen; Wolfram Wette taxiert die Gesamtzahl der Fälle von „Rettungswiderstand“ unter den 17 Millionen Wehrmachtsangehörigen auf etwa 100 Fälle.

„Dieses Nichtwissen bescheinigt“ also Alfred de Zaya, schreibt Geruf Stix in Würdigung und Erleichterung -, er hat ihnen also nicht bescheinigt, diese Handlungen oder diese Nichthandlungen …

Es mag jetzt für den Vormittag nicht weitergeschrieben werden …

5 Gedanken zu „Die Tradition oder, was das gleiche ist, die Zukunft mit freiheitlichen Nationalratspräsidenten – Teil 1

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