Freiheitliche „Zur Zeit“ als Verlautbarungsorgan der österreichischen Bundesregierung – Keine Wahlempfehlung

Was hätte 1939 Georg Trakl über Joseph Georg Oberkofler gesagt? Das fragt sich 2013 Helge Morgengrauen nicht. Stattdessen empfiehlt er Joseph Georg Oberkofler zur Wiederlesung, in der Ausgabe 17/2013 der freiheitlichen ZZ … Und es ist wieder einer der Schriftsteller, für die sich die freiheitliche ZZ glaubt recht fleißig betätigen zu müssen, für einen Ostmark-Lyriker und so weiter und so fort …

Joseph Georg Oberkofler - Ein Empfohlener der Zur ZeitAber das mag heute nicht mehr interessieren, welchen Herren Joseph Georg Oberkofler diente. Freilich, es soll nicht vergessen werden, vor allem in der Wahlzelle darf es nicht vergessen werden, in jedweder Wahl muß daran gedacht werden, was für eine geistige Nahrung Freiheitliche heute noch anbieten, heute noch – nach allem, was gewußt wird – in ihrem Programm haben … Trotz des Umstandes, daß das Jahr 2013 bisher schon für die Freiheitlichen das Wahlstimmenverlustjahr besthin ist, stellen Sie sich dennoch für eine Sekunde vor, was eine freiheitliche Bundesregierungsbeteiligung auch hieße: dann würden in dieser freiheitlichen ZZ plötzlich zusätzlich zum freiheitlichen III. Präsidenten NR, zusätzlich zu den freiheitlichen Mandatarinnen und Mandataren auf Landes- und Gemeinderatsebene Minister, Staatssekretäre schreiben, und auch ein Vizekanzler, der sich jetzt noch damit begnügen muß und wohl weiter bis zu seinem Obmannschaftsende damit bescheiden wird müssen, als zurzeitiger Obmann in der freiheitlichen ZZ zu schreiben … Die ZZ als Verlautbarungsorgan der österreichischen Bundesregierung ist zusätzlich keine Wahlempfehlung für Freiheitliche

Wäre Georg Trakl nicht schon wenige Monate nach den monarchischen Befehlen zum Krieg von 1914 bis 1918 gestorben, auch am Blutgrauen dieses erst wenige Wochen dauernden und kaiserlich angeordneten Schlachtens zugrunde gegangen, sondern erst nach dem Tod von Joseph Georg Oberkofler, hätte er sich noch neben diesem begraben lassen? Sie liegen auf dem gleichen tirolerischen Friedhof nahe Innsbruck. Sie kannten einander, Jahrzehnte vor dem nächsten Schlachten, das von der nationalistischen Massenmordtotaldiktatur des deutschen Reiches befohlen wurde, dessen Wortdiener Joseph Georg Oberkofler war. Obgleich er Zeitzeuge des Schlachtens von 1914 bis 1918 war –, wie wenig bis gar nicht ist Zeitzeugenschaft eine Garantin dafür, wenigstens gegen das nächste Schlachten sich zu stellen …

Georg Trakl konnte 1939 nichts mehr über Joseph Georg Oberkofler sagen. Dafür aber Ludwig von Ficker – „Briefwechsel 1940-1967“, Band 4, Haymon-Verlag, 1996:

A r n u l f M o r s c h e r : geb. 13.3.1911; lebt in Innsbruck. Er arbeitete bis zu seiner Einberufung 1940 in der Maschinensetzerei – der »Budi« – im Deutschen Alpenverlag, ehemals Tyrolia, freundschaftliche Arbeitsverhältnis, schildert Herr Morscher den Herausgebern, war geprägt von Verehrung der Weitsicht – auch in politischen Belangen – des um vieles älteren Kollegen Ficker. Als die Belegschaft 1939 zu Kriegsbeginn geschlossen sich die Proklamation des »Führers« anhorchen mußte, meinte Ficker. mit Morscher etwas im Hintergrund stehend: »Er wird sich zu Tode siegen.« Schon vor 1938 hatte der Maschinsetzer-Verein Ficker einmal gebeten, an einem seiner geselligen Abende einen kleinen Vortrag zu halten. Morscher blieb bis heute in Erinnerung, wie Ficker ihnen an einigen Beispielen nahebrachte, »daß die Dinge nicht tot seien.« Seine strikte und apriorische Ablehnung des Nationalsozialismus fiel, wie Morscher erzählt, umso mehr auf. als Ficker sonst »jede Partei reden ließ und Toleranz zeigte«. Ficker legte die wirtschaftspolitischen Maßnahmen des Regimes, die von anderen in der »Budi« als Erfolge begrüßt wurden, als Kriegsvorbereitung offen. Auch die Teilnahme von Künstlern an Propagandaveranstaltungen kritisierte Ficker: Während der Lesung Joseph Georg Oberkoflers anläßlich des Aufmarsches zur Bergisel-Gedenkfeier 1939 am Rennweg wandte Ficker sich kopfschüttelnd an Morscher: »Das dürfte dieser Mann nicht machen, daran dürfte er sich nicht beteiligen.« In vielen Pausengesprächen und auch in den nicht mehr erhaltenen Briefen an Morscher habe Ficker dem jungen Kollegen dessen anfängliche Aufbruchsbegeisterung für die Bewegung zurechtgerückt, so gut es durch die Feldpost-Zensur eben ging. Morscher war drei Jahre in Rußland, dann in Holland in »Auffrischung«, schließlich kurze Zeit im amerikanischen Kriegsgefangenenlager und kehrte im Juli 1945 nach Innsbruck zurück, wo er wieder in der Tyrolia arbeitete. Dopplers Brief: Franz Doppler war Arbeitskollege im Alpenverlag.

„Daran dürfte er sich nicht beteiligen.“ Das sagte Ludwig von Ficker also über Joseph Georg Oberkofler, 1939 war das. Auch sie kannten einander. Auch Oberkofler wurde von Ludwig von Ficker gefördert und veröffentlicht … Trotz dieses günstigen und also kritischen und hellsichtigen Umfeldes entschied sich Joseph Georg Oberkofler dafür, sich zu beteiligen …

Und Helge Morgengrauen entscheidet sich Jahrzehnte danach, einen Roman von Joseph Georg Oberkofler zu empfehlen, der … Es mag nicht in eigenen Worten darüber geschrieben werden, was es an Urteilen über eine solche Literatur ohnehin schon gibt. Es genügen einige Zitate zusätzlich noch, die zum Teil auf die carte postale geklebt sind, um sowohl die Empfehlung zur Wiederlesung als auch Joseph Georg Oberkofler richtig einschätzen zu können, und zum anderen Teil hier noch geschrieben folgen. Aus „NS-Herrschaft in Österreich“, ÖBV und HPT, Wien 2000, Tálos, Hanisch, Neugebauer, Sieder; Klaus Amann: Literaturbetrieb in der „Ostmark“ (1938-1945):

20 Vgl. auch die „Einsatzliste“ für Dichterlesungen (1942-1945) des „Werbe- und Beratungsamtes für das deutsche Schrifttum beim Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda“, enthalten im Nachlass Max Stebich in der Wiener Stadt- und Landesbibliothek. Die „kriegswichtige Bedeutung dieses Dichtereinsatzes“, heißt es 1942, liege in der „Stärkung der seelischen Widerstandskraft des deutschen Volkes“ und, zwei Jahre später, in der „geistigen und seelischen Betreuung der Heimatfront“. In diesen Listen erscheinen mehrfach die Namen der „Österreicher“ Franz Karl Ginzkey, Sepp Keller, Franz Nabl, Joseph Georg Oberkofler, Karl Hans Strobl, Bruno Brehm, Karl Heinrich Waggerl und Robert Hohlbaum. Der letzte im Juni 1944 erstellte „Einsatzplan“ reichte bis März 1945.

Vielleicht wird wer einwenden wollen, Zitate über, aber nichts von Joseph Georg Oberkofler selbst … Nun gut, ein Beispiel seines Schaffens aus dem Buch „Ostmarklyrik der Gegenwart“, Adolf-Luser-Verlag, Wien – Leipzig, 1939, herausgegeben von Dr. Adalbert Schmidt:

Josef Georg Oberkofler

Unser Gesetz

Es hören nicht viel nach der andern Geschwätz.
Wir leben nach unserm eignen Gesetz.

Und alle Schelme in Hof und Haus,
die Scholle verstößt sie. Sie sterben aus.

Wir sind nicht erklügelt von Weis und Lehr.
Wir sind geboren von alters her.

Wer uns will haben, der nehme uns ganz,
der seh auch den Schweiß unterm Erntekranz.

Wir zählen genau, wir wägen gerecht
und Maß des Bauern ist Scholl und Geschlecht.

Sie ändern sich nicht, sie bleiben Gewalt,
sie geben uns ewig Halt und Gestalt.

Wir führen des Hergotts Werk an der Hand,
er hat uns zu seinen Verwaltern ernannt.

Wir kennen ihn gut, er hat uns erprobt.
Wir halten uns Treue. Gott sei gelobt.

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