Aladdin, die Wunderlampe, Amazon und der Antisemitismus

Aladdin und die Wunderlampe - Amazon AntisemitismusEs könnte darüber spekuliert werden, weshalb Helge Morgengrauen in der von NR Wendelin Mölzer geführten ZZ in der vorliegenden Ausgabe, in der Walter Seledec mit seinem Hofburgkandidaten einer „neuen Zeit“ entgegenfiebert, zur Lektüre Konrad Haemmerling empfiehlt, dessen Roman „Der Mann, der Shakespeare hieß“. Offensichtlich ein Roman, der schon bei seinem Erscheinen vor Jahrzehnten … Aber wer den Anspruch von Morgengrauen an die Literatur kennt, wird das nicht verwundern.

Sonderbar an dieser morgengrauenschen Empfehlung ist, daß im deutschen reich Bücher von ihm verbrannt wurden, er mit eingeschränkten Publikationsmöglichkeiten, wie von anderen berichtet wird, sich abzumühen hatte. Das wird von Morgengrauen, der selbst ein Märchenerzähler wohl recht gerne geworden wäre, aber nicht erwähnt. Morgengrauen schreibt, sein Shakespeare-Roman sei 1938 erschienen. Es gibt auch Mitteilungen, daß der Roman 1937 zwar gedruckt worden sei, aber gleich auch verboten. Aber das ist nicht von Belang. Bloß als Notiz. Auch, daß Morgengrauen sonst bei seinen Empfehlungen recht vornehm verschweigt, wenn wer im deutschen reich

Es hat was von Ironie. Konrad Haemmerling soll es im deutschen reich deshalb schwer gehabt haben, seine Bücher sollen verbrannt worden sein, weil er nämlich irrtümlich für einen Juden gehalten worden sei. Ein Pseudonym von ihm war Curt Moreck.

Was also in der von NR Wendelin Mölzer geführten ZZ zu Konrad Haemmerling steht und auch nicht steht, ist ohne Belang. Und zu Haemmerling respektive Moreck etwas zu schreiben, wäre nie eingefallen, wenn nicht …

Anhand von Haemmerling kann nämlich gezeigt werden, wie schnell sich etwas ändern kann, gerade dann, wenn von „neuen Zeiten“ geträumt wird, „verheißungsvoll göttliche Morgendämmerung“ ersehnt wird – die „Dämmerung“ … Es mögen die Menschen unehrlich sein, ihre Sprache ist es nicht: Kaum bricht das „verheißungsvolle“ Morgen aus, beginnt es auch schon zu dämmern, geht aus diesem Morgen kein Tag hervor, sondern Nacht.

Im Jahr 1912 erschien von Ludwig Fulda eine Übersetzung von „Aladdin und die Wunderlampe“. In dieser Übersetzung war es einfach ein „Trödler“, der Aladdin betrog. Nicht einmal acht Jahre später war es ein „Jude“ – herausgebracht von Curt Moreck respektive Konrad Haemmerling. So rasch also kann es gehen, wenn es neuen Zeiten entgegen …

Und rund einhundert Jahre später können beispielsweise beim Unternehmen Amazon beide Übersetzungen erworben werden, also die von Curt Moreck, in der der Betrüger ein „Jude“ ist, und die von Ludwig Fulda, in der der Betrüger einfach ein „Trödler“ ist.

Deshalb mußte doch zu Haemmerling/Moreck, der vor langer Zeit einmal als „Mitläufer“ bezeichnet wurde, etwas geschrieben werden: wie gerade einmal innerhalb von acht Jahren aus einem „Trödler“, der ein Betrüger ist, ein „Jude“ …, und wie nach der bekannten massenmörderischen Geschichte des deutschen reiches immer noch die von Curt Moreck herausgebrachte Übersetzung beispielsweise von dem Konzern Amazon …

Konrad Haemerling ZZ Morgengrauen

 

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