Year of integration

Year of integration kann übersetzt werden mit Integrationsjahr. Aber auch, und das scheint stimmiger bei Berücksichtigung, wie darüber breit gesprochen wird, mit Einordnungsjahr. Und diese Übersetzung erinnert sogleich an Zeiten, in denen Abkürzungen wie FAD, SAD, RAD hoch in Mode waren; allerdings ging es damals nicht um „Flüchtlinge“, „Asylwerber“.

integrationsjahr-arbeitsdienstWenn aber die mit dem Einordnungsjahr ins Visier genommenen Menschen für einen Moment außer Acht gelassen werden, dann kommen die Arbeitsdienste, die vor Jahrzehnten in Europa, also auch in Österreich,  Zuspruch fanden, gesetzlich geregelt waren, schnell in den Sinn, etwa beim Lesen des Plans der rot-schwarzen österreichischen Regierung:

„Integrationsvertrag Dieser verpflichtet zu Deutschkursen, Wertekursen und zu Arbeit. Bei Verstößen kann die Mindestsicherung gestrichen werden. Derzeit sind 15.000 Leute in Wertekursen. 2017 sollen 35.000 neue Deutschkurs-Plätze geschaffen werden.

Integrationsjahr Es gilt für anerkannte Flüchtlinge und Asylwerber „mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit“. Deutsch-, Wertekurse und gemeinnützige Tätigkeit sind verpflichtend. Die Organisation läuft über das Arbeitsmarktservice, gemeinnützige Arbeiten sollen über Zivildienstträgerorganisationen abgewickelt werden. Eine Entlohnung ist nicht vorgesehen. Die gemeinnützigen Tätigkeiten sind durch die Mindestsicherung abgedeckt. De facto handelt es sich also um 0-Euro-Jobs.“

Es ist alles dabei, was von den Arbeitsdiensten gekannt wird. Etwa die Sache mit der Bezahlung. Was heute „Wertekurse“ genannt wird, wurde damals „Erziehung“ genannt. Bis hin zur militärischen Anbindung, wenngleich nun indirekt, aber ohne das Militär gäbe es keine „Zivildienstträgerorganisationen“. Und auch die Gemeinden sollen bei der sogenannten gemeinnützigen Arbeit wieder eine Rolle spielen, das Arbeitsamt, die Bauhöfe. Es würde zu weit führen, das hier ausführlich zu behandeln. Aber es ist leicht, sich kundig zu machen. Für Eilige – Wikipedia: Einträge zum Freiwilligen Arbeitsdienst (FAD〉, zum Staatlichen Arbeitsdienst (SAD〉, zum Reichsarbeitsdienst (RAD〉. Wer ein Buch zur Hand nehmen möchte, könnte beispielsweise „Erziehung durch Arbeit – Arbeitslagerbewegung und freiwilliger Arbeitsdienst 1920-1935“ von Peter Dudek aufschlagen und selbst die Parallelen herausarbeiten. Wie sehr an den nun Regierenden rund einhundert Jahre vorübergegangen sind, ohne zu anderen Entwürfen greifen zu können, zu wollen, als wären einhundert Jahre ohne neue Erkenntnisse vergangen.

Sad and rad … no passing fad.

Es erinnert, das muß klar sein, nicht an den Arbeitsdienst eines bestimmten Staates oder einer bestimmten weltanschaulichen Orientierung. Das wäre auch töricht, war dieser doch politisch von rechts bis links … Wenngleich zum Heute eine weitere Parallele durchaus darin gesehen werden könnte, daß es damals in bezug auf den Arbeitsdienst Zugeständnisse gab an gewisse Parteien – besonders in einem Staat …

Und besonders erinnert ein junger Mann in Österreich an die Zeiten der Arbeitsdienste, der von einer Disziplinargesellschaft wie einst träumt und andere vielleicht schon dabei sind, neue Lieder zu schreiben – für eines könnte vielleicht die erste Zeile schon geschrieben sein:

Wir ziehen in Fußfesseln zur Arbeit hin.

Ein Gedanke zu „Year of integration

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