Besuch aus dem Prolo-Reservat

Die Tageszeitung des österreichischen Standards hat, und das kann ihr gar nicht hoch genug angerechnet werden, an diesem zweiten Wochenende im zweiten Coronamärz einen aus dem Prolo-Reservat eingeladen.

Es ist ihm anzusehen, wie er sich freut, einmal außerhalb des Reservats umhergehen, sich und sein Malgebasteteltes übereifrig herzeigen zu dürfen, seine in der Reservatsabgeschiedenheit zu seiner Wirklichkeitssicherung errichtete Zeltwirklichkeit wortkicherreich …

Das Prolo-Reservat muß als ein einsamer Ort gedacht werden.

Siedelt in diesem bloß dieser eine einzige Proll noch.

Und, wie es für Übriggebliebene einer bis auf ganz wenige im Grunde schon ausgestorbenen Art charakteristisch ist, sieht vor allem er als letzter Übriggebliebener es geradezu als seine Sendung an, mehr Prolo zu sein, als „Prolos“ es jemals waren. Nicht einmal zu der Zeit, als es „Prolos“ in Massen gab, waren sie solche „Prolos“ …

Durch seine Aufmachung und durch seine geistige Zugerichtetheit her übererfüllt der Letzte seiner Art diesen Auftrag, der auch ein zur obsessiven Wiederholung des im Zeltkreis Ausgedachten ist.

Und es ist äußerst wenig, daß im Zeltkreisgehen ausgedacht werden kann.

Mit dem Im-Kreis-Gehen ist das Gehen auf andere Gedanken zu unmöglich, möglich zu machen, nur, das einmal Ausgedachte immer wieder abzugehen. Das einmal im Kreis Ausgedachte holt den Im-Kreis-Gehenden ein, der Im-Kreis-Gehende holt das einmal Ausgedachte ein, das Ausgedachte beißt den Im-Kreis-Gehenden in den Hintern und in der nächsten Kreisrunde beißt der Im-Kreis-Gehende dem Ausgedachten in den Hintern, dann wieder beißt der, und dann wieder der, und dann wieder …

Das Prolo-Reservat ist auch ein rundum weithin unbesiedelter Ort.

Es gibt nicht einmal mehr Cowboys, die nahe zum Reservat leben. Der letzte Cowboy, der in Sichtweite zum Reservat lebte, starb vor vierzehn Jahren.