In etwas über einem Jahr werden es sechzig Jahre her sein, daß Ödön (Edmund) Moiret gestorben ist, am 12. Dezember.
Es gibt zu ihm einen Eintrag, gelesen am 24. Oktober 2025, der zum Nationalfeiertag am kommenden Sonntag passend erscheint, diesen zu zitieren:
Moirets Menschendarstellungen entsprachen durchaus der Ästhetik des Nationalsozialismus, weshalb er nach dem sogenannten „Anschluss“ seine Arbeit ungehindert fortsetzen und zu seinem 60. Geburtstag die Glückwünsche des damaligen Kulturamtsleiters und späteren Bürgermeisters Hanns Blaschke entgegennehmen konnte. 1941 wurde Moiret Mitglied des Künstlerhauses. 1942 stellte er gemeinsam mit Künstlern wie Wilhelm Frass, Edwin Grienauer, Alfred Hofmann, Josef Humplik, Josef Müllner, Karl Perl, Josef Franz Riedl, Karl Stemolak und Oskar Thiede anlässlich des 80-jährigen Bestehens der Gesellschaft bildender Künstler Wiens aus. 1948 war er auf der Ausstellung „80 Jahre Künstlerhaus“ mit einigen lebensgroßen Plastiken prominent vertreten. Der Bildhauer gestaltete auch für Wohnbauten Plastiken und Fassaden
Wien Geschichte Wiki. Zuletzt bearbeitet am 19. Oktober 2023.
Es gibt diesen inzwischen berühmten Spruch einer Bühnenfigur, in Österreich müsse wer entweder nationalsozialistisch oder katholisch sein, aber in Österreich entspricht, wie anhand Moirets beispielhaft gesagt werden kann, die Ästhetik des Nationalsozialismus der Ästhetik des Katholizismus und die Ästhetik des Katholizismus entspricht der Ästhetik des Nationalsozialismus oder, so kann es
„Moirets Schaffen beruht auf der Verwebung von christlichem Gedankengut mit einer selbsterdachten, ästhetisch-mystischen Philosophie.“
[aus: Pappernigg, Michaela (Bearb.): Kunst des 20. Jahrhunderts. Bestandskatalog der Österreichischen Galerie des 20. Jahrhunderts, Bd. 3: L–R, hrsg. v. d. Österreichischen Galerie Belvedere, Wien 1997, S. 106]
Österreichische Galerie Belvedere. Wissenschaftliche Anstalt öffentlichen Rechts. 24. Oktober 2025.
auch gesagt werden, christliches Gedankengut entspricht nationalsozialistischem Gedankengut oder nationalsozialistisches Gedankengut entspricht christlichem Gedankengut …
Moirets Menschendarstellungen entsprachen durchaus der Ästhetik des Katholizismus, entsprachen dem christlichen Gedankengut, weshalb er nach dem Untergang des nationalsozialistischen Reiches seine Arbeit ungehindert fortsetzen konnte, von dem sein 1956 geschaffenes Keramikrelief „Erhebet die Herzen“ (Landstraßer Hauptstraße und Rasumofskygasse), von dem sein 1956 geschaffenes Terrakottarelief „Das Nest, Mutter mit Kindern“ (Färbergasse), von dem sein 1936 geschaffenes Terrakottarelief „Mutter mit Kindern“ (Ettenreichgasse) …
Und das vollkommen unabhängig davon, ob wer Mitglied einer nationalsozialistischen Partei, ob wer Mitglied einer faschistischen Partei, ob wer Mitglied einer christlichen Kirche, vollkommen gleichgültig dabei die Frage nach einem sogenannten persönlichen schuldhaften Handeln, nach einer persönlichen mitgliedschaftlichen Involvierung in eine dieser Organisationen.
„Erhebet die Herzen“, nicht weit entfernt von seinem christlichen Relief wohnte lange Zeit Robert Musil, in der Rasumofskygasse.
Nur wer aus diesem österreichischen Nest ist, ist zu solch einer Ästhetik zugerichtet.
Wer nach der Färbergasse in Wien sucht, wird vielleicht auch auf deren Geschichte stoßen, etwa auf Wien Geschichte Wiki, gelesen am 24. Oktober 2025:
Frühere Benennung
Bis 1421 in der Judenstadt gelegen (bis dahin Sammelbezeichnung Judengasse); es wird ein „türlein, als man an den Hof geht“ erwähnt. Im 15. und 16. Jahrhundert ist die Bezeichnung Hofgäßlein gebräuchlich (nach dem Platz Am Hof), ab 1563 Färbergässel beziehungsweise seit 1776 Färbergasse (offenbar in Beziehung zu dortigen Färbereiwerkstätten).
„Bis 1421 in der Judenstadt gelegen (bis dahin Sammelbezeichnung Judengasse)“. Wie sachlich das klingt, wie technisch — „Judenstadt“, „Sammelbezeichnung Judengasse“ … Kalt aber wird es, wenn dazu die Geschichte erinnert, was in diesem Stadtteil geschah, in dem die „Färbergasse“, und nicht weit entfernt von ihr gibt es die Jordangasse, nach wie vor mit einem Relief, das frösteln läßt …
Nur in einem derartigen Nest, wie es Österreich ist, kann einer das „Große Goldene Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich“ verliehen bekommen, und das auch gleich im Jahr 1956 … Einer, von dem berichtet ist, daß er ein „praktizierender Katholik“ gewesen sei, daß er einer „katholischen Studentenverbindung“ angehörte, einer, der auf christliche Unterstützung und Reinwaschung zählen konnte, einer also, der ungehindert seine Arbeit fortsetzen konnte, in oder auf diesem Gedankengut …
NS Auch in einem solchen Nest wie Österreich kann es dann und wann vorkommen, daß wer eine Teilnahme ablehnt, nicht in einer Ausstellung gemeinsam mit einem Wilhelm Frass, einem Edmund Moiret, einem Josef Thorak und so weiter und so fort.
28. Juli 1951
Österreichische Plastik von 1900 bis 1950. Bundespräsident Theodor Körner eröffnet die von der Stadt und Salzburger Kulturvereinigung organisierte Ausstellung im Zwerglgarten, bei der u. a. Werke von Wilhelm Frass, Karl Wollek, Ludwig Kaspar, Edmund Moiret und Josef Thorak gezeigt werden. Eine Gruppe von modernen Künstlern um Fritz Wotruba hat eine Teilnahme abgelehnt. Bis 7. Oktober besuchen 5387 Personen die Ausstellung.
Chronik der Stadt Salzburg 1945–1955.
Zusammengestellt von Margit Roth, Peter F. Kramml, Erich Marx und Thomas Weidenholzer.






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