Der „Falter“ bringt in seiner Ausgabe vom 20. Jänner 2026 einen Artikel über ein Denkmal, und das ist sensationell:
„Der braune Fleck
Das bekannteste Kriegerdenkmal in Kärnten hat eine dunkle Vergangenheit. Bis heute hängen dort Tafeln aus der Nazi-Zeit“
und schon im dritten Absatz stellt Jürgen Klatzer in seinem Bericht erkenntnisreich fest und klar:
„Also doch. Es waren die Nazis.“
Es war Kerndle und nicht Lerch‘.
Karl Maria Kerndle wird von Jürgen Klatzer in der Ausgabe 4/26 der Wochenzeitung „Falter“ nicht erwähnt.
Dieses Abwehrkampf-Denkmal befindet sich an der Rosentaler Straße in St. Jakob. Die Gedächtnisstätte wurde 1937 nach Entwurf von Karl Maria Kerndle erbaut . Über Stufen erreicht man eine offene Gedenkhalle, im Inneren befinden sich fünf in Stein gemeißelte, bewaffnete Männer (Handwerker, Bauer, Soldat, Arbeiter und Bürger) sowie Namenstafeln der Gefallenen.
Kriegergedächtnisstätte. Mein Bezirk. 1. Juli 2018
Jürgen Klatzer und der „Falter“ halten es wohl für keine mitteilenswerte Information, daß das Denkmal nach einem „Entwurf von Karl Maria Kerndle erbaut“ wurde. Karl Maria Kerndle nicht zu erwähnen, ach, wie unwesentlich, wessen Entwurf umgesetzt wurde, das erinnert an das Denkmal in Wien auf dem KL-Platz, das in diesem Jahr 2026 gesäubert und herausgeputzt wird —
auch bei diesem Mal dreht sich stets alles um den Bürgermeister und nicht um den Denkmalschöpfer —,
selbstverständlich wird nicht Karl Lueger gesäubert und herausgeputzt,
herausgeputzt und gesäubert wird der sich in das Denkmal zum fortwährenden Ehrenglanz selbst gemeißelte Josef Müllner, nach dessen Entwurf …
„Handwerker, Bauer, Soldat, Arbeiter und Bürger“ zeigt Karl Maria Kerndle und Josef Müllner u. a.: „Arbeiter“, „Landarbeiter“ und sich selbst als Bürger oder als Künstler oder als bürgerlicher Künstler mit einem Ausdruck, als trüge er einen ihm verliehenen Stolzeskranz auf dem Haupt, jedenfalls nicht als Nationalsozialist.
Es erinnert auch an einen Mauerspruch auf der Wieden, über den vor einigen Jahren im „Falter“ zu lesen war, selbstverständlich nicht mit einer reißerischen Schlagzeile, die lauten hätte können: Es war Hitler.
Sensationell war es dennoch, was der „Falter“ zu berichten wußte. Nur. Es war Krupp und nicht Hitler.
Damals war bereits die Rede von einer Kontextualisierung dieses Wandspruches, wie in einem Kapitel vor fünf Jahren geschrieben wurde, das passierte bis heute, 26. Jänner 2026, nicht, wie die Aufnahme des Mauerspruchs vom heutigen Tag zeigt. Im August 2025 gab es auf der Website des öffentlich-rechtlichen Rundsfunks einen Bericht …
NS-Wandbilder vielerorts noch sichtbar
Lösung nur mit Hauseigentümer
Auch ein Relief in der Faulmanngasse in der Nähe des Naschmarkts findet sich darin. Das Zitat „Es gibt nur einen Adel, den Adel der Arbeit“ könnte auch aus der Zeit des Roten Wien stammen, tatsächlich haben sich die Nazis das Zitat zu eigen gemacht, sagt Arnold. „Wir wissen auch, darüber stand höchstwahrscheinlich Adolf Hitler.“ Der Verweis auf Hitler wurde in den Nachkriegsjahren entfernt. Das Wandbild ist auch der Stadt bereits bekannt. „Es gibt bereits einen Text für eine Zusatztafel. Die Abstimmungen mit dem Hausbesitzer konnten leider bisher nicht abgeschlossen werden. (…) Wandgebundene Kunstwerke unterliegen grundsätzlich der Verantwortung der jeweiligen Hauseigentümer*innen und Gebäudeverwaltungen. Die Entscheidung über Zusatztafeln muss daher auf dieser Seite getroffen werden“, heißt es in einer Stellungnahme von Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ).
Wien ORF. 16. August 2025.
Es könnte gesagt werden, ein Fortschritt, es wird wenigstens nicht mehr davon gesprochen und geschrieben, es wäre ein Spruch des Österreichers, sondern die „Nazis“ hätten sich „das Zitat zu eigen gemacht“. Wenn es um Nationalsozialismus geht, sind Unterstellungen aber sofort bei der Hand, so auch in diesem Fall, wenn — aus welchem zu rechtfertigenden Grund und auf welcher Basis? — spekulativ unterstellt wird, das Zitat „könnte auch aus der Zeit des Roten Wien stammen“ …
Aber das paßt in die Zeit der forcierten Unterstellungen, alle seien Nazis, die anderen seien Faschistinnen, nur Faschisten oder Nazissen selbst nicht … Soweit ist es also noch nicht, daß statt einer spekulativen Unterstellung einfach wie kurz gesagt wird: Es war Krupp.
Es war Krupp. Es war ein Industrieller. Es war ein Industrieller des militärisch-industriellen Komplexes, dem, mit einem aktuellen Blick, wieder eimal auch in Österreich die Wehrpflicht zum größten Gewinnzuschanzungsvorteil …
Zutreffender und genauer als von dem militärisch-industriellen Komplex zu sprechen ist es wohl, vom industriell-militärischen Komplex zu sprechen, denn, was kommt zuerst, zuerst kommt die Industrie und dann das Militär …
In Klagenfurt schmerzt, wenn Tafeln für einen Moment eine Seele unterstellt werden darf, den Tafeln im Landhaus es wohl recht, nach wie vor keine Kontextualisierung erfahren zu dürfen.
Kärnten, kein schöner Land, es braucht nur ein Blick in einen „Reiseführer“ geworfen zu werden, um der Herrlichkeit dieses Landes ansichtig zu werden, wie es etwa Walter M. Weiss beschreibt, den seinen „Führer“ nicht der von Jürgen Klatzer erwähnte „Eckart“
[…] etwa Bruno Burchhart, ein älterer Herr mit grauem Henriquatre-Bart. Er ist die lokale Größe des Abwehrkämpferbundes und schreibt für das ausländerfeindliche Magazin Der Eckart [..,]
verlegt, sondern „Dumont“, in dem so gut und ehrlich und gültig beispielsweise die Fresken von Thomas von Villach …
„[F]ür das ausländerfeindliche Magazin Der Eckart„, wie schnell und leichtfertig das doch hingeschrieben ist, Jürgen Klatzer hätte sich vielleicht vorab beim Franz-Dinghofer-Institut, der ehrenwerte Nationalratspräsident hätte ihm wohl recht gerne einen Kontakt hergestellt, informieren sollen,
was für ein ehrenwertes Magazin Der Eckart ist, dieses mit der Franz-Dinghofer-Medaille ausgezeichnete Magazin,
so ehrenwert wie eben alle Dinghofer-Ausgezeichneten vom ehemaligen Justizminister bis zum Stocker herauf im November 2025 …
Und in welchem schönen Land spielt der ehrenwerte Präsident schön auf? In Kärnten.
In Kärnten zur Gitarre zu greifen, dabei gar von einem Geiger noch begleitet zu werden, wo als in Kärnten könnte es je erhebender sein,
in einem Land, in dem die Jugend noch weiß, Gedichte aufzuzusagen, Gedichte von der tiefergreifendsten Art,
Anruf bei Bürgermeister Guntram Perdacher (SPÖ). Das Denkmal, sagt er, solle in den Zustand von 1937 zurückgeführt werden. Heißt: Die Tafeln müssen weg. Wann? Unklar. Der Antrag sei bereits gestellt worden. Nachsatz: „Für mich ist nicht das Wichtigste, was der Abwehrkämpferbund will, sondern was das Denkmalamt empfiehlt.“
Das ist auch im Artikel von Jürgen Klatzer zu lesen.
Das Denkmal „solle in den Zustand von 1937 zurückgeführt werden.“
Wie würde das Karl Maria Kerndle wohl recht freuen, könnte er das noch erleben, das Denkmal auf seinen Entwurf zurückgeführt, sein Denkmal wiederhergestellt, wie ehedem, in seinem Sinne. Wahrscheinlich würde er seine Freude darüber nicht polternd zum Ausdruck bringen, vielleicht nur still für sich, zurückgezogen, wie es für einen feinen Menschen, „für einen Bürger, für einen bürgerlichen Künstler, für einen sensiblen Maler von Blumen in deutscher Zeit zur Erbauung, der er wohl gewesen sein wird, wie es nach der Beschreibung auf der Website „Krumpendorfchronik – Persönlichkeiten“ vermutet werden darf, und es wäre ihm, darf hinzugefügt werden, vergönnt, daß das Denkmal in seinen Zustand von 1937 zurückgeführt werde, denn, was hatte dieser Mann nicht alles zu ertragen gehabt: „schlechte Wirtschaftslage“, wohl nicht nur einen „Schicksalsschlag“, und was hatte dieser Mann wohl schwer zu kämpfen gehabt, um die „finanzielle Situation der Familie“ …
Karl Maria Kerndle
(*13.9.1882, +1.3.1957)
Kerndle galt als einer der begabtesten Schüler des Architekten Otto Wagner. Er kam mit seiner Frau 1920 nach Krumpendorf, wo er bis zu seinem Tod wohnhaft war. Er plante auch in Krumpendorf mehrere Objekte wie sein eigenes, rundes Wohnhaus am Lorbeersteig, das eine herausragende Stellung in seinem architektonischen Schaffen einnimmt.
Kerndle bekam bei einem Wettbewerb den ersten Preis und somit den Auftrag zur Gestaltung eines Kriegerdenkmals in Villach, für das er auch die bildhauerische Arbeit durchführte. Es wurde 1918-1924 geschaffen. Es hat die Form einer monumentalen Schwertspitze und befindet sich an der Südseite der Stadtpfarrkirche.
Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage nach dem Krieg und vermutlich auch auf Wunsch seiner Frau übersiedelte die Familie Kerndle 1920 nach Krumpendorf. Die Familie wohnte damals in der Villa Kutternig an der Hauptstraße. Kerndle und seine Frau gründeten inspiriert durch die „Wiener Werkstätten“ die „Kärntner Werkkunst“ in Klagenfurt. Sie befassten sich vor allem mit der Erzeugung und Ausfuhr kunstgewerblicher Textilien.
Aus finanziellen Gründen arbeitete Kerndle auch als Zeichenlehrer am Klagenfurter Realgymnasium und ab 1926 an der Fortbildungsschule, der heutigen Berufsschule.
Er war aktives Mitglied im „Kunstverein Kärnten“ und damit auch an zahlreichen Ausstellungen im „Künstlerhaus“ beteiligt. Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre bekam Kerndle mehre größere Architekturaufträge in Radenthein, Klagenfurt und Villach. Die finanzielle Situation der Familie verbesserte sich. Ende der 1930er Jahre wird Kerndle Schulleiter an der Klagenfurter Berufsschule. Ende 1943 trat er die Nachfolge des zum Wehrdienst eingerückten Leiters der „Meisterschule des deutschen Handwerks“ an. Diese Meisterschule war während des Krieges in der „Festung“ in Klagenfurt in der Nähe der Bahntrasse nach Villach untergebracht.
Nach Kriegsende zog sich Kerndle, der aktives Mitglied der NSDAP war, aus dem öffentlichen Leben zurück. In Krumpendorf realisierte er nur noch das Badehaus Obid am Koschatweg. Finanzielle Gründe zwangen ihn, die Wohnung im zweiten Stock seines Hauses zu vermieten. Seine Frau Frieda verstarb Ende der 1940er Jahre. Durch diesen Schicksalsschlag schwer getroffen verbrachte Kerndle die letzten Jahre seines Lebens zurückgezogen in seinem Hause. Er starb am 1.3.1957 in Krumpendorf.
Krumpendorfchronik. Persönlichkeiten. Gelesen am 26. Jänner 2026.
In Kärnten bekannt wurde Kerndle 1923 zunächst als Bildhauer durch die Planung und Ausführung des Kriegerdenkmals an der Südseite des Turms der Stadtpfarrkirche St.Jakob, Villach, Kirchplatz 9 und 12, dessen Anlage bereits frühe faschistoide Züge aufweist. Weitere Kriegerdenkmäler lassen Einflüsse des nationalsozialistischen Gedankenguts erkennen.
Kerndle war aktives Mitglied zahlreicher Architekten- und Künstlerverbände und beteiligte sich zudem an etlichen Ausstellungen.
Um 1930 erhielt Kerndle etliche größere private Bauaufträge, wobei er in einigen Fällen auch an der Inneneinrichtung im Sinne der „Wiener Werkstätte“ beteiligt war. Etwa zur gleichen Zeit wurde er zum Schulleiter der Berufsschule Klagenfurt ernannt und wandte sich ab 1938 mehr dem Kunstgewerbe und der Lehre zu. 1943 folgte die Ernennung zum Leiter der Meisterschule des Deutschen Handwerks in Klagenfurt.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zog sich Kerndle bedingt durch aktive Zugehörigkeit zur NSDAP fast völlig aus dem Architekturgeschehen in Kärnten zurück und war nur mehr als Maler tätig. Kerndle starb im 75.Lebensjahr in Krumpendorf.
Architekturlexikon. Architekturzentrum Wien. Zuletzt geändert am 10.04.2008.
Gelesen am 26. Jänner 2026.





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