Was wird dereinst für Herbert Kickl im Vergleich zu seiner Nachfolgerin ins Treffen geführt werden, auch etwas in der Art, wie nun etwa für Heinz-Christian Strache zum Unterschied zu seinem Wiedergänger?

Als Heinz-Christian Strache die FPÖ von 2005 bis 2019 anführte, sei „Remigration“ wohl bloß ein im von einem Freiheitlichen geführten Magazin harmloser Begriff gewesen, nun aber, jetzt aber ist „Remigration“ ein „Kampfbegriff der Identitären“, so sagt es der derzeitige Innenminister in Österreich …

Innenminister Karner motivierte das zu einer Klarstellung: „Remigration ist ein Kampfbegriff der Identitären“, sagte er. Im Unterschied zum früheren blauen Parteichef Heinz Christian Strache habe Kickl jede Distanzierung von den Rechtsextremen aufgegeben.

Der Standard. Streit um „Remigration“ bei Asylreform-Beschluss. 21. Mai 2026.

Und am 21. Mai 2026 wurde im österreichischen Parlament der FPÖ attestiert, in der Debatte um den Rechtsextremismusbericht, ach, sie hätten bloß „Remigration“ übernommen, von den „Identitären“, aber unter Heinz Christian Strache im Unterschied zur zurzeitigen FPÖ …

Es scheint, in Österreich Folklore zu sein, kaum gibt es eine neue Anführerin der FPÖ, einen Unterschied zu den vorangegangenen Anführern der FPÖ verlautbaren zu müssen, der die vorangegangenen Anführerinnnen in ein positives Licht tauchen, sie milde zu berurteilen, wie es jetzt vermehrt für Heinz Christian Strache geschieht,

wie es auch bereits für Jörg Haider geschah, etwa, aber nicht nur durch Ariel Muzicant

dass es einen Konnex zwischen den in letzter gehäufter auftretenden Neonazi-Vorfällen unter Jugendlichen und der Politik von Seiten der FPÖ gibt. „Hier wird eine Stimmung erzeugt, wo man sich auf die Schenkel klopft und sagt: ‚Na, jetzt haben wir es den Juden wieder hinein gesagt.“ Das sei kein Zufall, sondern dahinter würden sich „personelle Netzwerke“ und „fließende Verbindungen“ verbergen, die man mit freiem Auge erkenne, wie zum Beispiel rund um den verurteilten Auschwitz-Leugner John Gudenus. In dieser Dichte habe es das in der Haider-FPÖ nicht gegeben, hält der Chef der Kultusgemeinde fest, ohne dass er der FPÖ des Strache-Vorgängers eine Absolution erteilen möchte. Muzikant: „Dass, was Dirnberger jetzt sagt, wäre in dieser kruden Dummheit unter Haider nicht passiert.“

Einen Unterschied, einen Vergleich zu seinem Nachgänger stellte der Mann aus der Partei des Innenministers nicht an, aber eine um eine milde Beurteilung kam er nicht umhin, das, auch das wurde bereits erzählt, im Kapitel FPÖ, 2016: „Idealisten der NS-Bewegung“:

Schließlich gab der damalige Bundeskanzler Leopold Figl 1952 in der Zeugeneinvernahme zu Protokoll, er habe es Reinthaller zu verdanken, dass er im Mai 1943 nach seiner Rückkehr aus Dachau sein konfisziertes Vermögen binnen vier Tagen zurückbekam. Reinthaller habe ihn als „Kollegen“ angesprochen und ihm einen Posten in der damaligen Gaubauernschaftsführung angetragen. Reinthaller sei ein sehr gemäßigter, idealistischer Nationalsozialist gewesen, der die Selbständigkeit Österreichs nicht untergraben wollte.

Diese Aussagen Anton Reinthallers könnten zweifellos auch in einer zeitgenössischen Rede von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache aufscheinen. Dies beweist, wie groß die ideelle Kontinuität innerhalb der FPÖ zwischen 1956 und 2016 ist.

Österreich zuerst 1956-2016. 60 Jahre FPÖ.

Da gibt es einen, der weder Justizministerin noch Innenminister ist, der keinen Unterschied macht, keinen Vergleich anstellt, der einfach stolz darauf ist, von Heinz-Christian Strache und Norbert Hofer für ein Bild in ihre Mitte …

Und schließlich, Heinz-Christian Strache selbst stellte keinen Vergleich an, machte keinen Unterschied zwischen ihm und Herbert Kickl, denn er, Heinz-Christian Strache, holte, einfach wie kurz gesagt, seinen Wiedergänger als Innenminister.

Wie wird also heftig jetzt gegen den Nachgänger auf dem Parteiführungstuhl gewettert, und wie wird über ihn gesprochen werden, wenn er dereinst nicht mehr die Partei anführt, wird ihm dasselbe gnädige Schicksal ereilen, ebenso milde und nachsichtig beurteilt zu werden wie seine Vorgängerinnen auf dem Parteiführungsstuhl?

Bei vielleicht nicht wenigen Menschen, von denen gehofft wird, sie vergessen alles, wird möglicherweise doch etwas haften bleiben, und zwar, daß es bloßes tagesparteipolitisches Geplänkel ist, denn im Nachhinein sind doch alle Wiedergängerinnen seit, schnell wie kurz gesagt, Anton Reinthaller Harmlose, sobald sie nicht mehr auf dem Parteiführungsstuhl …

Aber harmlos sind sie alle nicht, die je auf dem Führungstuhl dieser Partei saßen, sitzen und werden, sie sind voller Harm und fügen Harm zu, darin gibt es nach deren jeweiligen Absetzung zwischen ihnen keinen Unterschied, können nachträglich keine Vergleiche zwischen ihnen gezogen werden, die für den einen oder die andere auf dem Parteiführungsstuhl spräche …