Wenn spirituelle Führer bejubelt werden, ist es recht und billig zu sagen, es sind bloß allzu irdische Weiterbetätiger

Weiterbetätiger

Favoriten der Wettbüros …

Menschgemäß kam es gleich im Anschluß an den „Nachtzug nach Lissabon“ im Kino-Buffet bei einem Glas Bier sofort dazu, über den Film zu sprechen, nur kurz war das Verweilen bei der Grabinschrift Wenn die Diktatur eine Tatsache ist, ist die Revolution eine Pflicht, dafür aber augenblicklich und um so länger und ausführlicher vor allem bei der römisch-katholischen Kirche

Jetzt, da der ägyptische Freund wieder abgereist ist, es also zu spät ist, ihn, auch ihn, fragen zu können, wie es geschehen konnte, daß diese Grabinschrift unweigerlich dazu führte, über die römisch-katholische Kirche sprechen zu müssen, weshalb das Stehen auf einem Friedhof kein anderes Thema aufkommen ließ, als die römisch-katholische Kirche, schmeckt es noch bitterer, die letzte Stunde vor seiner Abreise nach Moskau nicht genutzt zu haben, für –

War es der Friedhof mit seinen Toten, der all die massenweise Ermordeten, all die massenweise physisch und psychisch Gequälten und Erniedrigten die Anklage sprechen ließ, gegen den Organisierten Glauben auch der römisch-katholischen Kirche? Ist es die Spiritualität, die den ägyptischen Freund dazu drängte, nachsichtig zu sein mit Vergangenheit und Gegenwart Organisierter Glauben, ist es die Spiritualität, die den Organisierten Glauben das Wohlwollen, die Großzügigkeit gegen sie sichert, ihnen das Weiterexistieren als Organisationen garantiert, mehr noch, ihnen eine entscheidende Teilhabe an gesellschaftlichen Entwicklungen zugesteht? Ist es die Spiritualität, die es verhindert, Organisierte Glauben zu verbieten, mehr noch, ein Verbot nicht einmal zu denken sich zu erlauben?  Mit diesen Fragen auf dem Wiener Ostbahnhof alleingelassen, der ägyptische Freund im Zug nach Moskau, kann ihm nur noch einmal aber von ihm ungehört nachgerufen werden, gerade in Österreich gibt es ein Verbot, das außer von den Wiedergängern und Wiedergängerinnen unbestrittenes Gesetz ist, ein Verbot, das auch Vorbild sein kann für ein Verbot von Organisierten Glauben …

Wie es den Wiedergängerinnen und Wiedergängern verboten ist, je wieder eine Organisation zu gründen, ist es den Angestellten des Organisierten Glaubens auch der römisch-katholischen Kirche erlaubt, mehr noch, mit Hochachtung und Ehrfurcht ihnen gegenüber wird von den Angestellten der römisch-kathlischen Kirche geradezu erbeten und erfleht, daß sie sich weiter betätigen …

Es blieb keine Zeit mehr, um auch noch auf die unmittelbar bevorstehende Wahl im absolutistisch regierten Staat in einem Grätzel von Rom noch zu sprechen kommen zu können, es wird der ägyptische Freund zwar nicht sofort darauf antworten können, aber wenn er auf seine Reise nach Moskau irgendwann und irgendwo, vielleicht beim Durchfahren von Warschau, sein iPad einschaltet, wird er lesen können, was zu den derzeit von Wettbüros hochfavorisierten Kandidaten, hier auf einer Bank auf dem Wiener Ostbahnhof, auf eine carte postale geklebt und geschrieben wird, und es ist vielleicht auch gut, daß er nicht in der Sekunde antworten kann, denn das Schriftliche ermöglicht es in seinen besten wenn auch seltenen Momenten, klarer zu sehen, überlegter zu antworten, wobei es nicht um Zustimmung geht, sondern um Einlassung, um das Verstehen, wie ohne Belang die Organisierten Glauben selbst sind, aber sich in Menschen einzufühlen, denen heute weltweit Nachrichten in ihr Zuhause geliefert werden, Bilder von Abertausenden von Menschen, die Weiterbetätigern zujubeln, Bilder von Abertausenden von Menschen, die für sich den Segen von Weiterbetätigern erbitten …

Vielleicht wird der Staat in einem Grätzel von Rom in einer Woche oder in zwei Wochen einen sogenannten gemäßigten Herrscher haben, aber auch dieser wird ein absolutistisch Regierender sein, vielleicht wird es einer von den derzeit buchmacherisch Hochfavorisierten sein, zu dem dann Abertausende aus demokratischen Ländern reisen werden, um ihn zu bejubeln, vielleicht wird es Peter Turkson sein, und wie werden sich die Menschen, gegen die Peter Turkson wettert, fühlen, wenn sie sehen werden müssen, daß diesem Peter Turkson Abertausende als ihren neuen Papst feiern, ihn als ihren neuen spirituellen Führer begrüßen und für ihn beten, ihn segnen, einen Verteidiger von Gefängnis und Todesstrafe für Menschen, die nichts verbrochen haben, die nur eines haben, was auch die Abertausenden naturgegeben haben, was also auch Peter Turkson, für ihn nach seiner Welterklärung formuliert, gottgegeben hat, eine sexuelle Orientierung –, jedwede Strafe aber gegen sexuelle Orientierung ist Unrecht, die Todesstrafe gegen sexuelle Orientierung ist mehr noch, es ist Mord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Vielleicht aber wird Tarcisio Bertone der neue römische Grätzelstaatsherrscher, dem dann Abertausende aus demokratischen Ländern … Oder Angelo Scola …

Der ägyptische Freund sagte auf dem Wiener Ostbahnhof, mit einem Fuß schon auf der ersten Waggontüreinstiegsstufe, schnell noch, es interessiere ihn nicht, was die genannten Beispielgeber – Andreas Laun, Christoph Schönborn u.v.a.m. – von sich geben … Wie wahr das ist, aber es hat zu interessieren, weshalb ihr Auswurf nach wie vor von so vielen nicht nur geschluckt wird, sondern wiedergekäut, als wäre es feinste Speise, die weltweit serviert werden muß, aber in Wahrheit sind es Brocken, an denen andere zu würgen haben, an denen andere ersticken …

Wenn der ägyptische Freund zurückkehrt, ist für den Tag der Wiederbegegnung bereits jetzt entschieden der Vorsatz zu wählen, nicht in die spirituelle Falle der Organisierten Glauben zu gehen, und dann ist das Gespräch nachzuholen, unbedingt zu führen, das diesmal nicht geführt wurde, für das diesmal die Zeit nicht genützt wurde, und dafür einen Satz sich unbedingt jetzt schon vormerken: Wenn die Demokratie stagniert, ist die Revolution eine Pflicht.

6 Gedanken zu „Wenn spirituelle Führer bejubelt werden, ist es recht und billig zu sagen, es sind bloß allzu irdische Weiterbetätiger

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