Höhere Steuer auf Bücher – Das trifft keinen Pröll

Das könnte sich Finanzminister Hans Jörg Schelling und mit ihm die christschwarze Partei – zuviel gesagt – denken, eine Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes für Bücher würde keinen Pröll treffen, und, das ist das Wichtige daran, das würde einen Pröll nicht verärgern, denn wer schon ein Buch hat, läßt eine Erhöhung der Steuer auf Bücher kalt, vor allem dann,  wenn zugleich der Schweinsbraten weiter billig heiß genossen werden kann.

Damit ist aber mit keinem Buchstaben für eine Mehrwertsteuererhöhung auf Lebensmittel das Wort geschrieben.

Was die Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes für Bücher, Zeitungen, Kunstwerke, Theater- und Konzertkarten auslösen würde, ist leicht zu beschreiben.

Erstens ist es abstoßend.

Finanzminister Hans Jörg SchellingEs ist diese Gedankenlosigkeit abstoßend, weil auf der einen Seite wird in diesem Land sekündlich über Bildungsverlust gejammert und händeringend nach Rezepten gegen den Bildungsniedrigstand gesucht. Und nun sollen die notwendigen Mittel zur Erhöhung der Bildung höher besteuert werden. Eine höhere Besteuerung der Bildungsmittel wird die Bildung in diesem Land explodieren lassen. Ein Schelling ist der Schelling nicht, und mit dieser Feststellung, ist der derzeitige Finanzminister noch freundlich besprochen.

Dabei wird noch nicht einmal von den Büchern der sogenannten schönen Literatur gesprochen, sondern nur von den Büchern, die beispielsweise während eines Studiums für das Studium angeschafft werden müssen. Der allseits bekundete Wille zur Anhebung der sogennanten Akademiker- und Akademikerinnenquote in Österreich wird in nie erträumte Höhen aufsteigen. Bald wird es in Österreich einen einhundertprozentigen Anteil von Akademikerinnen und Akademikern geben. Dafür muß bloß ein Parameter in der Zählung geändert werden: Ist der Landesvater ein Akademiker, so sind alle seine Untertanen und Untertaninnen auch mit einem akademischen Grad Ausgezeichnete und mit Herr Doktor unabhängig vom Geschlecht anzusprechen, wie in der guten alten Zeit, als die Frau eines Doktors automatisch eine Frau Doktor war.

Und eine Anhebung des Mehrwertsteuersatzes für Zeitungen – wer wird noch Qualitätszeitungen lesen müssen, diese werden dann ja ohnehin von, nein nicht von dem Schelling dieser Tage gelesen, sondern von dem Herrn Doktor aus dem Land der bewaldeten vier Viertel, und für seine als Herr Doktor Angesprochenen bleiben die zwei Umsonsten, aus denen sie sich die schönen Bildchen ihrer Landesväter ausschneiden können. Andere Zeitungen wird es dann wohl bald nicht mehr geben. Aber das trifft keinen Pröll, auch keinen anderen Landesvater, die können sich dann immer noch Die Welt einfliegen lassen.

Und die Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes für Kunstwerke … Nun, wo sind noch Kunstwerke? Gibt es denn überhaupt noch welche, außer die von Schiele und Klimt schon verkauften. Das Ansehen des Landes kann durch die Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes nur regelrecht explodieren. Bald wird nicht nur mehr von einem Kunst- und Kulturland Österreich gesprochen werden, sondern von dem Klimt-und-Mozart-Schiele-Land gesprochen werden können. Wie neidisch werden dann andere Länder sein, die weiter mit der madigen Bezeichnung Kunst- und Kulturland ihr Dasein fristen werden müssen.

Zweitens ist es abstoßend.

Es ist diese Einfallslosigkeit.

Wer muß denn auch noch in das Theater? Die Schmiere gibt es ohnehin kostenlos. Täglich. Diesmal aber nicht vom historischen Schelling, sondern beispielsweise auch von dem dieser Tage, wie immer sie oder er heißen mag und auftritt auf dem Heuboden Zur Bundesregierung.

Drittens ist es abstoßend.

Es ist dieses Starren auf Zahlen, und dabei nicht einmal Zahlen lesen zu können, vor allem im Hinblick auf ein größeres Ganzes.

Auch eine Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes für den Personenverkehr, also für den öffentlichen Verkehr, soll kommen. Was für eine glorreiche Idee. Wie wird das die Kommunikation in diesem Land befördern? Wenn dieses Land ein vollkommen entbuchtes und zeitungsloses Land sein wird. Die Kommunikation unter den Menschen ist dann gut vorstellbar. In den Händen die ausgeschnittenen Landesväterbilderchen aus den zwei Umsonsten, aus ihren Autos einander Auto! Auto! Auto! zurufend, Busse und Straßenbahnen drehen leer ihre Runden, und jene, die zu Fuß gehen müssen, weil sie sich die Fahrscheine für den öffentlichen Verkehr nicht mehr leisten werden können, aber auch kein Auto, werden beim Anblick der Autos stehenbleiben und rufen: Auto! Auto auch! Auch Auto! Haben! Auto!

Viertens ist es abstoßend.

Weil es bereits jetzt abstoßend genug ist, bevor die Erhöhung dieses Mehrwertsteuersatzes überhaupt in Kraft getreten ist. Deshalb, weil es möglicherweise bloß noch eine steuerrechtliche Anpassung an die Wirklichkeit in diesem Land ist.

Fünftens ist es abstoßend.

Anstatt in diesem Bereich über Senkung des Mehrwertsteuersatzes nachzudenken, etwa auf unter fünf Prozent, wie es diesen in einigen Ländern gibt, um beispielsweise steuerrechtlich Bildung, zu der ursächlich Kunst, Kultur, Literatur in ihren mannigfachen Ausprägungen gehören, zu fördern, aber auch den öffentlichen Verkehr, will steuerrechtlich dafür gesorgt werden, daß alle dort ankommen, wo der Schelling dieser Tage schon ist: auf dem Heuboden, natürlich nicht ganz, sondern auf dem für sie hergerichteten Heuboden unter dem Heuboden, auf dem – auch – er trampelt.

Ein Mehrwertsteuersatz von einem Prozent für Bücher, Zeitungen, Theater und so weiter und so fort wäre tatsächlich förderlich, darüber hinaus mehr als angemessen, wird etwa bedacht, daß ausgerechnet ein Lieferant von Büchern mit einem Steuersatz von einem Prozent für alle Einnahmen in Europa …

Sechstens ist es abstoßend.

Siebentes, es bleibt dabei, ist es abstoßend.

Achtens, es kann nichts anderes gesagt werden, ist es abstoßend.

….

Neuntens …

Zehntens ist es abstoßend.

Die Schaffung eines Landes mit Menschen in Agonie. Denn. Der Mehrwertsteuersatz für Medikamente soll niedrig, begünstigt bleiben die Medikamentenhinwendung, die Hineintreibung eines ganzen sogenannten Volkes in den absoluten Medikamentenrausch zur totalen Betäubung und Handlungsfähigkeit …

Elftens ist es abstoßend.

Wird auch daran gedacht und erinnert, was unentwegt begünstigt wird, während zugleich Förderungen im Bereich der Wissenschaft gestrichen werden:  Erhöhungen der Absetzbarkeit der Kirchensteuer

Zwö…

2 Gedanken zu „Höhere Steuer auf Bücher – Das trifft keinen Pröll

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