„Wenn ich je begriffen hätte, daß ich bloß ein Faschhelfer bin, nie hätte ich zu schreiben begonnen.“

Das hat er nicht wörtlich gesagt, aber es könnte – es gibt die Momente der Schwäche im Schreiben eines Romans, in denen einer Figur nachgegeben wird, nur weil sie darauf beharrt, mit ihrem Abhauen aus dem Roman droht, wenn sie das nicht von sich geben kann, was sie von sich geben will, nicht ein Zitat erfinden kann, wie dieses:

„Wenn ich je begriffen hätte, daß ich bloß ein Faschhelfer bin, nie hätte ich zu schreiben begonnen.“

Diese Figur macht es dann doch leicht ihr nachzugeben. Oder sie legt für das Nachgeben einen besonders schmackhaften Köder aus. Immerhin erklärt sie ja das Zitat sogleich für erfunden und führt das auch aus.

Das hat er nicht wörtlich gesagt, aber es könnte  daraus abgeleitet werden, daß er sich ausgerechnet Walter Hallstein aussucht als seinen Kronzeugen für eine „europäische Republik“.

Walter Hallstein: „Immer Musterschüler.“ Das ist eine Schlagzeile vom „Spiegel“ über Walter Hallstein vom 27. März 1951. Immer Musterschüler, das heißt zuerst Musterschüler für Hitler, dann Musterschüler für Adenauer …

Mit Walter Hallstein also für eine europäische Republik einzutreten, heißt, jenen nur zu helfen, die behaupten, die Europäische Union sei ohnehin nichts anderes als …

Es will hier gar nicht ausgeführt werden, was alles gegen die Europäische Union vorgebracht wird, von Menschen unterschiedlichster politischer Orientierung, geeint aber in der Ablehnung der Europäischen Union, die einen gemeinsamen Kronzeugen für ihre Ablehnung der Europäischen Union und deren Weiterentwicklung aufrufen, nämlich den hitlerischen und adenauerischen Musterschüler von Robert Menasse, der auch ihm zum buchstäblichen, wenn auch nicht zum wörtlich zitierenden Kronzeugen …

Das Internet ist übervoll von den die Europäische Union und deren Weiterentwicklung Ablehnenden, die dafür ausgiebig über Walter Hallstein berichten, ihnen Walter Hallstein für ihre Ablehnung herzuhalten hat. Vieles davon, was von den Ablehnenden als Beweise vorgelegt wird, scheint äußerst fragwürdig, sehr zu hinterfragen zu sein. Die Technik dafür ist recht bekannt, alles so lange zu montieren, bis darüber geschrieben werden kann: „Das ist die Wahrheit.“

Robert Menasse und Ulrike Guérot schreiben in einem Artikel unter der Schlagzeile „Es lebe die europäische Republik!“ von den „Träumern“. Was, wenn Walter Hallstein nur weitergeträumt hat den Traum, den es auch für das das deutsche reich gab: vom „neuen Europa“, wie Joseph Goebbels beispielsweise, der einem seiner Artikel diese Schlagzeile gab?

Walter Hallstein soll im Juni 1938 in Rom gewesen, und dann war er wieder in Rom,  allerdings nicht mehr für das hitlerische Massenmordreich, sondern für …

Prädestiniert war der Musterschüler freilich, für alle seine Herren aufzutreten, mit seinen Erfahrungen. Nicht nur in Rom und wieder in Rom, sondern auch in Rostock, wie am 24. Jänner 1939 von einer Zeitung berichtet wird:

„Der Redner des Abends, der Ordinarius der Rechtswissenschaft, Professor Dr. Hallstein, der durch seine vergleichende Forschung in den europäischen rechtspolitischen Verhältnissen reichste Erfahrungen gesammelt hat, behandelte darauf die überaus aktuelle Frage der rechtspolitischen Eingliederung der Ostmark und des Sudentenlandes. Die tiefschürfenden Ausführungen von Professor Dr. Hallstein wurden mit lebhaftem Beifall belohnt. Ein geselliges Beisammensein schloß den Abend. Unter den Ehrengästen befanden sich außer dem Staatsminister u.a.: Oberbürgermeister Volgmann, der Standortälteste Oberst Lieb, Generalarbeitsführer Schroeder, ein Vertreter des Kreisleiters, Kreisorganisationsleiter Degner, SA-Oberführer Behnert, Polizeipräsident Dr. Sommer, Ministerialdirektor Dr. Bergholter, Oberstleutnant von Bleffingh, Warnemünde.“

Welche Bezeichnungen es noch für Walter Hallstein zu finden gibt, ist durchaus aufschlußreich: „Meister der Täuschung“, „Blut- und Ehrenanwalt“ …

Mit solch einer fragwürdigen Person, um es kurz zusammenzufassen, für eine „europäische Republik“ einzutreten, ist äußerst fragwürdig, ist sehr zu hinterfragen. Auf alle Fälle eines: kontraproduktiv. Möglicherweise ist der heutige Zustand der Europäischen Union, den so viele massiv kritisieren, auch darauf zurückzuführen, daß solche Männer wie Hallstein ihren Beginn …

Einmal muß doch noch Adenauer erwähnt werden. Adenauer wußte schon, wen er zu holen hatte. Viele Männer mit Erfahrungen waren um ihn, beispielsweise auch Globke, der gemeinsam mit Stuckart den Kommentar zu den Nürnberger

Wie wenig muß Robert Menasse wohl Vertrauen in seine Überzeugungskraft haben, daß er meint, eine solchen Führungsoffizier dafür zu brauchen, um die Idee einer europäischen Republik … oder er rechnet es sich einfach hoch an, dafür einen Mann ausgegraben zu haben, dessen Name heutzutage nicht mehr breit geläufig ist, außer in jenen Kreisen vor allem, die meinen, mit ihm das Argument schlechthin gegen die Europäische Union und deren Weiterentwicklung oder gar ihre Zerstörung schleudern zu können, um zu glänzen, wie tiefschürfend auch er …

Um zu einem Ende des ernsten Teils zu kommen. Wer sich auf Männer wie Hallstein beruft, ein anderer Schluß kann nicht gezogen werden, will keine europäische Republik.

Das Heitere.

„Guérot sagte WELT, ihr gehe es als Wissenschaftlerin durchaus um das exakte Zitieren. Zu dem damaligen nicht wissenschaftlichen Artikel hätten sie und Menasse Teile beigetragen – aber nicht die Korrektheit der Zulieferung des jeweils anderen überprüft. Sie habe damals ’nicht genug Autorität oder Souveränität gehabt, um dies anzumahnen‘. Im Nachhinein sei es ‚dumm gewesen, das nicht zu überprüfen‘.“

Es wird ihr Menasse wohl zu viel „Autorität“ besessen haben, eine „Souveränität“ ausgestrahlt haben, als stünde Hallstein selbst vor ihr …

Dabei, wie lange ist das schon bekannt, daß er mit Zitaten so seine ganz eigene … aber das muß nicht besonders ausgeführt werden. Es kann nachgelesen werden. In Zeitungen, in Büchern.

Auch das, was besonders erheiternd ist:

Robert Menasse klagte die FPÖ, weil sie von ihm ein Zitat verwendete. Das war 2005. Es kümmert ihn zwar nicht das Wörtliche, aber wenn etwas aus dem Zusammenhang gerissen wird, das bekümmert ihn doch dermaßen, daß er gleich zum Bezirksgericht läuft.

Wie viele Zusammenhänge hat er wohl selbst erst wegreißen müssen, damit er Hallstein endlich zu seinem …

So wirklich heiter aber will es nicht werden, wenn der Name Hallstein fällt. Es kommen mit dem Anfang der Europäischen Union weitere Männer, die für Adenauer ebenfalls fleißig waren, ins Spiel, etwa Abs … etliche Konzerne kommen ins Spiel, oder genauer, Konzerne, die weiter im Spiel bleiben, bis zum Heute. Soher berührt es eigentümlich, wenn ein Symposium zum einhundertsten Geburtstag von Hallstein, dessen Traum vielleicht doch vor allem der Markt war, im „Casino-Gebäude des I. G. Farben-Komplexes“ zu „Die Zukunft der Europäischen Union“ …

Genug nachgegeben, der Figur.

Schluß mit diesem Kapitel, entstanden nur aus einem Moment der Schwäche.

Dennoch kann daraus doch noch ein Nutzen gezogen werden, durch das Unterbringen eines Hinweises. Und durch diesen ist das Kapitel zu Ulrike Guérot doch nicht nur eines aus Furcht davor, eine Figur könnte weglaufen, das, ist zu hoffen, hiermit verhindert werden konnte, sondern auch eines, um ein weiteres Mal an die Tagesordnungen der Konzerne zu erinnern, durch einen Link auf das Kapitel, das von diesen handelt …

Von den Tagesordnungen, die weiter wie je abgearbeitet werden, und auf diesen wie je keine Punkte zum Wohl der Menschen …

Walter Hallstein - Robert Menasse - Ulrike Guérot

Ein Gedanke zu „„Wenn ich je begriffen hätte, daß ich bloß ein Faschhelfer bin, nie hätte ich zu schreiben begonnen.“

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