Galerie der nicht gelesenen Rezensionen

Nach der Lektüre von „Politik der Feindschaft“ stellt sich die vor langer Zeit getroffene Entscheidung erneut als eine richtig getroffene Entscheidung heraus.

Vor dem Kauf von „Politik der Feindschaft“ wurde keine einzige Rezension dieses Buches gelesen, und also auch nicht die von Klaus Nüchtern, die im letzten Winter, am 18. Dezember 2017, in der „Zeit“ veröffentlicht wurde. Das Nichtlesen dieser Rezension war kein Glück, sondern die Konsequenz aus der vor langer Zeit richtig getroffenen Entscheidung. Nämlich: keine Rezensionen von Klaus Nüchtern zu lesen, vor allem von Klaus Nüchtern. Ein Glück hingegen war es, vor langer Zeit diese Entscheidung getroffen zu haben, und bis zum heutigen Tage konsequent eingehalten zu haben.

Nun, nach der Lektüre von „Politik der Feindschaft“, beim kurzen Anlesen von nüchtern’schen Buchbetrachtungen, kann nur mit Erleichterung festgestellt werden, was für ein Leseglück diese vor langer Zeit getroffene Entscheidung bescherte. Was wäre das für eine Quälerei gewesen, die von Nüchtern positiv betrachteten Bücher zu lesen, was wäre das für ein Verlust gewesen, die von Nüchtern negativ betrachteten Bücher nicht zu lesen.

Wie aktuell das konkrete Beispiel des Buches von Achille Mbembe es eindrücklich aufzeigt.

Die Entscheidung des Nichtlesens von Rezensionen von gewissen Personen, also nicht nur, aber vor allem von Klaus Nüchtern, hat bei Klaus Nüchtern eine Ausweitung erfahren, nämlich auf seine Tätigkeit als Juror des Bachmann-Preises. Was er als Juror für preiswürdig befand, war stets, zwar nicht hauptverantwortlich, aber doch anteilig ausschlaggebend, diese Texte tatsächlich ignorieren zu können.

Wäre also je nach den Betrachtungen von Nüchtern der Kauf und der Nichtkauf von Büchern entschieden worden, es wäre nicht die „Politik der Feindschaft“ erstanden worden. Das wäre menschgemäß kein Unglück gewesen, aber es hätte ein Buch gefehlt, das beitragen kann zum Verständnis der gegenwärtigen Zeit und darüber hinaus vor allem zum Ändern des prekären Weltenlaufs, wie dieser sich gegenwärtig darstellt, nicht nur in Österreich.

Ludwig Wittgenstein schreibt in einem seiner Bücher, es sei als Leiter zu verstehen, auf die hinaufzusteigen sei, um sie dann, die Leiter, wegzuwerfen, wenn es verstanden wurde, Sätze darin auch als unsinnig …

Auch dieses Buch von Achille Mbembe kann als eine solche Leiter verstanden werden. Besser ist es wohl davon zu sprechen, daß es nicht eine Leiter ist, sondern eine solche Leiter aus vielen Sprossen besteht, und eine wichtige Sprosse ist das Buch von Mbembe, um endlich über eine solche Leiter mit diesen Sprossen hinaufzusteigen und über sie hinauszusteigen, hinter sich zu lassen, all das Alte und in Wahrheit lange schon Verweste, all das Denklos-nur-Wiederholte, ob geschrieben oder gesprochen, also auch das von Klaus Nüchtern.

Und zu was hat dieses Buch Klaus Nüchtern bewegt?

Zum Sitzenbleiben.

Zu was sonst? Ein schöngeistiger Stubenhocker kann nur in seinem Schöngeistigen, wie er mit seinem Können halt das Schöngeistige versteht, hocken bleiben, und schön gelangweilt urteilen und ausspeien, was er doch alles von der Welt wisse, oh, was Achille Mbembe schreibt, das hätte er, Nüchtern, ihm alles aus dem Effeff diktieren können, an einem einzigen Nachmittag in Klagenfurt im Café Perstinger, in einer einzigen Pause zwischen den Sitzungen …

Und er, Nüchtern, hätte nichts vergessen, so wie Mbembe: „den Gulag hat er womöglich einfach vergessen.“  Was für ein wesentlicher und berechtigter Einwand von Nüchtern, ganz auf der Höhe österreichischen Denkens, vor allem des in den elitär identitären Kreisen, in denen, fällt beispielsweise das Wort Rechtsextremismus, sofort Linksextremismus hinzugefügt und erhaben verkündet wird, gegen Linksextremismus und Rechtsextremismus zu sein, um dann weiter das eine zu …

Ach, schon der Titel. Nüchtern hätte einen anderen gefunden, keinen, der „eigentlich ein Pleonasmus“ … wie eben der von Mbembe gewählte „Politik der Feindschaft“. Könnte sich Nüchtern bewegen, würde er wenigstens über diese Sprosse hinaufsteigen können, käme er womöglich von der „Politik der Feindschaft“ zur Politik der Freundschaft, vielleicht genau das von Mbembe intendiert … und dann wäre es kein „Pleonasmus“ mehr … Seltsam mutet hierbei nur an, was für ein Gewicht Carl Schmitt in der Welt immer noch hat, sogar für Achille Mbembe, der ihn zitiert. Dafür aber hat Nüchtern kein kritisches Wort übrig, daß Mbembe ausgerechnet den hitlerischen Kronjuristen …

Womöglich wollte Nüchtern nur Mbembe belehren, daß einer von einem anderen Kontinent und mit einer anderen Hautfarbe Carl Schmitt nicht recht verstehen kann, wie beispielsweise einer aus dem schmitt’schen Herkunftskontinent, vor allem was die Frage vom Kern der „Politik“ mit seiner Unterscheidung von „Freund und Feind“ betrifft …

Es könnte noch einiges angeführt werden, einiges aus der nüchternen Betrachtung zitiert werden, damit kein Mensch das sich antun muß, die gesamte Rezension zu lesen, aber das nächste Buch von Mbembe liegt schon griffbereit, um es von der ersten bis zur letzten Seite zu lesen.

Eines nur, doch noch.

Er, Nüchtern, hätte gerne gehabt: „[…] aber irgendwie würde man doch gerne zumindest einen Hinweis darauf erhalten, wie man wieder rauskommt aus dem ganzen Schlamassel, das da in einem […]“

Kurz zur Geschichte der Lager

Einen Ratgeber also hätte Nüchtern geliefert bekommen haben wollen. Von einem Historiker und einem politischen Philosophen … einen Ratgeber, also etwas Kurzes und schön Schlichtes … Kurzgeber gibt es aber bereits zur Genüge, und viele dieser Kurzgeberinnen sind auch in hoher und höchster politischer Verantwortung, aber die schreiben keine Bücher, von denen er, Nüchtern, dann wenigstens einen Hinweis erhalten würde wollen, mit welchen Handlungen, die zu ihren gegenwärtigen Taten vollkommen entgegengesetzte zu sein haben, sie herauskommen wollen aus dem …

Das Buch „Politik der Feindschaft“ ist kein Ratgeber, kein Kurzgeber, aber eine genaue Beschreibung des gegenwärtigen Menschen auf dem Kontinent mit Schmittuntergrund, und es überrascht nicht, daß die Rezensionen zu diesem ausfallen, wie sie, nüchtern betrachtet, ausfallend …

Nüchtern betrachtet - Galerie der nicht gelesenen Rezensionen

 

Europäische Erklärung

 

Europäische Erklärung 2018Es gibt nun diesen im März ’18 befohlenen Unterschriftenmarsch in Deutschland. Es will zu diesem nicht viel geschrieben werden. Es gibt dazu eine umfassende Berichterstattung, die alle Informationen liefert, wessen Geist die Vierkantschlüsselfinger bei der Abfassung der „Erklärung 2018“ auf die Tastatur einhämmern ließ.

Es ist tatsächlich befremdlich, wie Menschen mit hoher und höchster Bildung sich in dieser hohen Dichte einspannen lassen, von Menschen, die unter „Rechtsstaatlichkeit“ gewiß nicht Rechtsstaatlichkeit im langläufigen Sinn verstehen.

Es ist tatsächlich befremdlich, daß Menschen eine „Erklärung 2018“ unterzeichnen, nur weil es in dieser um Solidarisierung geht. Ohne zu hinterfragen, mit wem sie sich damit solidarisieren. Es geht bei dieser „Erklärung 2018“ nicht um Solidarität, genauer, es geht bei dieser ausschließlich um die Solidarisierung mit sich selbst, also mit sich und denjenigen, die in ihrem Sinne, in ihrem Verständnis von „Rechtsstaatlichkeit“ demonstrieren.

Europäische Erklärung 2018 und Gegenerklärung von Vera Lengsfeld Weissmann SteinBeispielsweise also Pegida. Soher ist es nur folgerichtig, daß etwa

„Das Institut für Staatspolitik, gegründet von den neurechten Publizisten Karlheinz Weißmann und Götz Kubitschek, legte Anfang des Jahrtausends den ideologischen Grundstein für Pegida und seine Ableger. Kubitschek und die Anhänger von Pegida eint die Ablehnung von Islam und Migration, das Festhalten an einem völkischen Deutschlandbild und der Glaube an die linke Dominanz in Politik und Medien.“

Karlheinz Weissmann ein Erstunterzeichner dieser „Erklärung 2018“ ist, wie hier nachgelesen werden kann. Ebenfalls nur folgerichtig, daß ein Mann wie Götz Kubitschek, ist zu lesen, über diese „Erklärung 2018“ recht erfreut …

Es ist doch tatsächlich befremdlich, daß Menschen mit ihrer Unterschrift ihre Solidarisierung bekunden, etwa mit jenen von Pegida mit ihrem Lutz Bachmann, allein dessen Lebenslauf Zeugnis gibt, wie störend ihm die Rechtsstaatlichkeit im langläufigen Sinn doch sein muß … ist er doch ein durch und durch kriminell serienehrlicher Mann …

Die „Erklärung 2018“ bezieht sich allein auf Deutschland. Und dieser befremdlichen „Erklärung 2018“ ist eine tatsächliche Europäische Erklärung vorzuhalten. Aber eine, die nicht auf Deutschland allein bezogen ist, sondern auf alle Staaten der Europäischen Union. Denn. Nicht nur in Deutschland sind solche Männer und Frauen am Werke, sondern auch in anderen Staaten der Europäischen Union. Und darüber hinaus sind diese Männern und Frauen mit ihrem befremdlichen Verständnis von „Rechtsstaatlichkeit“ und ihrer Solidarisierung mit sich selbst und ihresgleichen mit vielen Männern und Frauen ihrer Gesinnung in anderen Staaten recht vernetzt, wie allein das Beispiel Österreich zeigt, und in Österreich bis in die Regierung hinein, wofür als Beispiele die obengenannten Männer … aber auch Dieter Stein, ebenfalls ein Erstunterzeichner, mit dem gefragt werden kann, was wissen diese eigentlich von der Welt, wenn sie nicht einmal wissen, was im eigenen Haus vorgeht, gemacht, veröffentlicht wird.

Wo Sie sich mit Michael Klonovsky, auch mit ihm, ebenfalls ein Erstunterzeichner der Gegenerklärung 2018, sofort befinden, ist im Keller mit den Fragen nach Religion und Auschwitz … es muß nicht ausgeführt werden, welchen Schuß Logik er dazu abgibt …

In Anbetracht dessen, was zu dieser Gegenerklärung 2018 vulgo „Erklärung 2018“ alles noch gesagt werden könnte, war es kurz …

Nun aber zum Wesentlichen. Zur gemeinsamen Europäischen Erklärung.

Europäische Erklärung

Darum werden Sie hier dazu aufgerufen, die Europäische Erklärung für sich zu unterschreiben. Das ist keine Gegenerklärung zur „Erklärung 2018“, denn diese vom 15.03.2018 ist in Wahrheit die Gegenerklärung zu Rechtsstaatlichkeit und Solidarität.

Der Text der Europäischen Erklärung  vom Mittwoch, dem 15. März, ist so kurz gehalten wie jener der Gegenerklärung vom 15.03.2018, und damit bereits die entscheidende Korrektur der Gegenerklärung 2018.

„Mit wachsendem Befremden beobachten wir, wie Europa beschädigt wird. Wir solidarisieren uns mit denjenigen, die in den Staaten der Europäischen Union friedlich dafür wirken, dass die rechtsstaatliche Ordnung nicht zerstört wird.“

Gemeinsame Europäische Erklärung

 

Herbert bringt Kannibalismus ins Leben

Zigeunerräder

Es ist einfach und rasch erzählt, aber die Geschichte ist kompliziert.

Jemand schreibt an die Firma Kelly und erhält diese Antwort:

„Vielen Dank für Ihr Mail, bezugnehmend darauf möchten wir natürlich gerne Stellung nehmen.
Unser Produkt Zigeunerräder wurde bereits in den 50er Jahren erstmals verkauft.
Der Name und die Vermarktungsstrategie ergibt sich damals wie heute  aufgrund der feurigen Paprikawürzung. Über Jahrzehnte sind Zigeunerräder ein vom Konsumenten „gelerntes“ Produkt und eine Namensänderung hätte ganz sicher einen Kaufrückgang zur Folge. Der Kunde verbindet seit Jahren mit diesem Namen ein Kelly’s Produkt mit würzigem Paprikageschmack.
Nach wie vor wird im deutschen Sprachgebrauch und vor allem in der Küchensprache das Wort Zigeuner verwendet (z.B. Zigeunersauce, Zigeunerschnitzel usw.), auch da bedarf es keiner großen Erklärung, sondern der Konsument weiß sofort, dass es sich um ein Produkt mit einer gewissen Schärfe und Paprika handelt.
Nicht zu vergessen ist auch die Operette der Zigeunerbaron von Johann Strauss. Es wäre kaum vorstellbar, diese Operette umzutaufen.
Wir können Ihnen versichern, dass wir mit dem Produktnamen Zigeunerräder, weder einer Randgruppe zu nahe treten, noch jemanden beleidigen wollen oder politisch Stellung nehmen wollen. Uns liegt viel an der Tradition unseres Unternehmens und auch unserer Produkte, weshalb sie immer noch den Namen Kelly’s Zigeunerräder Paprikan Style tragen. Genau wie sie unsere Kunden kennen und lieben.“

So rasch und einfach ist es erzählt, wie es zu dieser Antwort aus der Firma Kelly kommt.

Und dann wird die Geschichte kompliziert.

„Zigeunerräder“ würden, schreibt die Firma Kelly, schon seit den 1950er Jahren … wie frisch muß damals noch der Schmerz gespürt worden sein, in Österreich, nicht nur den Krieg von 1939 bis 1945 verloren zu haben, sondern es auch nicht geschafft zu haben, alle Menschen, die mit dem Stempel „Zigeuner“ zur Vernichtung selektiert, zu ermorden.

Die Firma Kelly hätte auch Rast heißen können. Kelly klingt halt gar so amerikanisch, und es ist doch eine österreichische Firma. Es war ja auch ein Amerikaner beteiligt. Wie ehrlich, eben österreichisch. Kelly klingt doch recht unverfänglich, mehr noch, offen, weltläufig, so gar nicht nach engem Gebirgsland, dunklen Tälern, schweren Trachten, harten Kartoffeln. Kelly klingt auch gar so dynamisch. Werbetechnisch ein äußerst dankbarer Name. Wie fade hingegen klänge ein Werbespruch wie „Rast bringt Knabberspaß für jeden“ … oder „Herbert bringt K…

Herbert Rast, reifenschlitzender Unternehmer – das ist so ein Gschichtl aus den Gründungstagen, einfach, nicht kompliziert, eben eine über brutale Geschäftsmethoden, wie sie gang und gäbe waren und in verfeinerter Form sind …

„Zigeuner…“: ein „gelerntes Produkt“, schreibt die Firma Kelly vulgo Rast. Das könnte genannt werden: Vollkommener, vollendeter Rassismus … Das Kennzeichen eines vollendeten Rassismus ist, die Lehrenden wissen bewußt nicht mehr, daß sie Rassismus verkaufen, und die Lernenden wissen bewußt nicht mehr, daß sie Rassismus kaufen.

Soweit wäre es noch eine unkomplizierte Geschichte zu nennen.

„Nach wie vor wird im deutschen Sprachgebrauch und vor allem in der Küchensprache das Wort Zigeuner verwendet“, schreibt die Firma, die auch Herbert hätte heißen können, wäre der Firmengründer weniger einfallsreich gewesen.

Weshalb das Wort „Zigeuner“ gerade im „deutschen Sprachgebrauch“? Aus christlicher Tradition wohl auch … hat doch Martin Luther schon gewußt, soll einem Menschen etwas Schlechtes gewünscht werden, schreibe, es solle ihm wie den „Zigeunern“ ergehen …

Es ist im Grunde keine komplizierte Geschichte, sondern erschreckend einfach, einfach erschreckend.

Ein Mann aus Österreich, also Herbert Rast, erlebt den Krieg von 1939 bis 1945, bringt ein paar Jahre danach „Zigeunerräder“ in die Verkaufsregale, unbewußt wohl geprägt von der kollektiven Schande, nicht nur einen Krieg verloren zu haben, sondern auch die Vernichtung der zur vollkommenen Vernichtung selektierten Menschen trotz größtmöglicher Konzentration auf die Vernichtung nicht vollkommen geschafft zu haben.

Und was nicht geschafft wird, muß menschgemäß eine Wandlung erfahren. Der symbolische Kannibalismus wird seit einer Ewigkeit täglich in den christlichen Kirchen zelebriert. In dieser christlichen Tradition heißt das also nichts anders, als alle, die nicht mehr ermordet werden konnten und können, müssen verspeist werden. Und dann ausgeschieden … Um wenigstens symbolisch die kollektive Schande zu tilgen.

Das heißt aber nicht, daß sich alle mit dem symbolischen Kannibalismus begnügen …

Europa der Nacht

Plauen

Der Kannibalismusspeiseplan im „deutschen Sprachraum“ ist reichhaltig: „Zigeuner…“, „Neger…“, „Mohr …“

„Wir können Ihnen versichern, dass wir mit dem Produktnamen Zigeunerräder, weder einer Randgruppe zu nahe treten, noch jemanden beleidigen wollen oder politisch Stellung beziehen“. Schreibt die Firma Herbert.

Eine „Randgruppe“? Gemessen an der Zahl sind in Europa, um diesen furchtbaren Terminus von Herbert zu verwenden, im Vergleich Österreicherinnen und Österreicher eine „Randgruppe“, und nicht …

Herbert kann das tatsächlich geglaubt werden, nicht „beleidigen“ zu wollen, nicht „politisch Stellung“ beziehen zu wollen … Herbert liefert ja nur den „Knabberspaß“. Was wohl beispielsweise auf den Buden

Mädelschaften singen auch

so recht hungrig vertilgt wird, zwischen den spaßigen Strophen?

Herbert bringt KnabberspaßAch, wie treuherzig, wie ehrenvoll von Herbert, nicht beleidigen zu wollen … Zum Kannibalismus gibt es noch eine einfache und rasch erzählte Geschichte:

Er habe, erzählt Sarközi, vor vielen Jahren wegen der finanziellen Notlage des Kulturvereins versucht, einige der Unternehmen, die mit dem Wort ‚Zigeuner‘ werben, als Unterstützer zu gewinnen. Ohne Erfolg. ‚Man hat uns zum Fressen gern, aber wir sind ihnen nicht mal ein Blatt Papier wert.'“ 

Ob Sarközi auch Herbert gefragt hat, wird nicht gewußt, wurde nicht recherchiert. Vielleicht erklärt sich die Firma Kelly aber ungefragt bereit, als Unterstützerin … Allerdings könnte eine solche Unterstützung, das wäre keine unberechtigte Befürchtung im Hause Rast, für die Firma Kelly die gleiche unerfreuliche Wirkung haben, wie „eine Namensänderung hätte ganz sicher einen Kaufrückgang zur Folge.“ Da ist es unternehmerisch gedacht doch viel klüger, weiterhin die europäische „Randgruppe Österreich“ mit Knusprigem auf ihren Buden zu versorgen …

MarchfelderPS Ja, wie ehrenvoll, Herbert will nicht „beleidigen“, aber auch nicht loben, hervorheben. Dabei hat Rast doch Produkte, die könnten auch anders genannt werden als beispielsweise „Sunland Farm“. Von der Produktbeschreibung her – „Kartoffeln für Chips nur durch ehrliche Arbeit und die Hilfe von Mutter Natur. Österreichische Qualität“ –, was für Namen böten sich da an – Tiroler Erdäpfel, Kärntner Knollen, Marchfelder

PPS Ja, niemand beleidigt, niemand wird beleidigt, niemand bezieht politisch Stellung, und weil alles so heiter und fröhlich und unschuldig und ehrlich ist, muß auch niemand darüber berichten, darüber reden, erinnern und vor allem breit aktiv …

Österreich: „Antiziganismusbericht“ und „Antisemitismusbericht“

Und was, Alexander Van der Bellen, ist mit dem Antiziganismus?

Gedenkt der Staatsspitze in Österreich – Ohne Sinti und Roma, aber wer will schon neben ihr sitzen

 

Eintrag in Reisepässen: „Beim aggressiven Schreien Zigeuner angetroffen.“

Eintrag Reisepass - Beim aggressiven Schreien Zigeuner angetroffen - 01-08-2018

Eine Entgleisung von einer Behörde, die sich bereits vor einiger Zeit zutrug, ist erst jetzt bekanntgeworden.

Einer Österreicherin wurde von einer Beamtin in ihrem Reisepaß handschriftlich vermerkt: „Beim aggressiven Schreien Zigeuner angetroffen.“

Sie sei, wie sie erzählt, mit der Eisenbahn von Linz aus zur solidarischen Bekundung der „Anliegen der Pegida“, die sie für berechtigt halte, angereist. Beim Ankommen habe sie bereits in der Bahnhofshalle und dann weiter vor der Bahnhofshalle beim Überqueren des Boulevards ohne Aggression, aber laut ihren Rechten gemäß vernehmlich ihren Unmut geäußert. Woraufhin sofort die Behörde eingeschritten sei und sofort die Aushändigung ihres Reisepasses verlangt habe, in den die Beamtin ohne Duldung einer Erklärung sofort handschriftlich eingetragen habe, sie sei beim „aggressiven Schreien Zigeuner angetroffen“ worden. Sie wisse jetzt nicht mehr, wie sie sich verhalten solle, ob sie mit ihrem Reisepaß mit diesem handschriftlichen Vermerk je noch reisen könne, ja sie sich überhaupt noch in die Öffentlichkeit, sogar in die österreichische Öffentlichkeit wagen könne. Sie fühle sich an den Pranger gestellt. Schlimmer noch, an den Pranger, zu dem nun ihr Reisepaß durch diesen Vermerk geworden ist, gekettet.

Obgleich im Besitz einer gültigen Hin- und Rückfahrkarte sei sie nicht mit dem Zug gefahren, sondern sie sei zu Fuß nach Österreich auf Schleichwegen zurückgekehrt, sie sei, um etwaigen Kontrollen und dem schmachvollen Vorweisen ihres „Prangers“ zu entgehen, nur in der Nacht marschiert, tagsüber habe sie sich in Scheunen verborgen gehalten. Nur einmal, als der Hunger sie gar so sehr gequält habe, habe sie sich ein Herz gefaßt, und habe auf einem weit abgelegenen Bauernhof eilig drei Birnen erworben.

Zurück in Linz habe sie, als sie diesen handschriftlichen Eintrag ihrer Gesinnungskameraderie, mit deren Zuspruch und Verständnis sie stets rechnen könne, gezeigt habe, erfahren, sie sei bei weitem nicht die erste, aus deren Reisepaß ein Pranger gemacht worden sei, aber niemand könne und wolle darüber reden …

Daß darüber kein Mensch reden wolle, mit seiner Schmach alleingelassen werde in Ketten an seinem „Pranger, da habe sie sich noch einmal ein Herz gefaßt, und sie habe sich an Danijel Majic gewandt, der schließlich …

 

„Zusammenbringen, was zusammengehört!“

Heute rief ein Redakteur von einer Zeitung an.

Er versuche herauszufinden, wo am 3. März 2018 der „Kongress Verteidiger Europas“ stattfinde. Deshalb rufe er an. „Sie dürften weiter sein als wir“.

Ja, auf deren Website sei er bereits gewesen, aber „die machen diesmal ein Geheimnis daraus“.

„Sie schreiben von einem Vorort von Braunau. Der Kongreß soll diesmal in Grenzlandnähe –“

„Linz –“

„Welchen Vorort meinen –“

„Linz.“

So ging das Telefonat heute noch eine Zeit weiter. Nach dem Auflegen mußte gedacht werden, wie schön, daß Ironie so ernstgenommen wird, und auch, wie schrecklich, daß sie nicht verstanden wird, von einem Redakteur einer österreichischen Tageszeitung.

Wie schrecklich auch, daß Medien in Österreich den „Verteidigern Europas“ die Freude gönnen, sich wichtig zu fühlen,

Europäisches Forum Linz: „Rechtsextremes Treffen“ – ein Kniedichhin der in Österreich Gehätschelten

weil eben alle auf ihr Veranstaltungsorträtsel einsteigen.

Wie unwichtig dabei es doch ist, wo diese „…eidiger“ gerade im Gedenkjahr 2018 ihren Aufmarsch mit Festkommers …

Der Ort ist doch vollkommen belanglos. Sollen sie doch ihre Stühle abladen, in welchem Prachtsaal in Linz, in welchem Prunkraum in Oberösterreich, in Österreich auch immer. In Anbetracht, was etwa eine Ausrichterin schreibt, wie in der Collage gelesen werden kann: „Zusammenbringen, was zusammengehört!“

Kongress Verteidiger Europas März 2018 - Zusammenbringen was zusammengehört

Stolz sind sie, und sie rechnen es sich wohl als Ehre an, daß der montagsgemachte Innenminister im Jahr 2016 ihr Redner war … „Zusammenbringen, was zusammengehört!“ Götz Kubitschek wird am 3. März 2018 auch wieder …

Stolz sind sie, und sie rechnen es sich ebenfalls als Ehre an, daß einer ihrer Autoren, nämlich Magnet, gar zum „zweiten Mal“ im mateschitzigen Sender … „Zusammenbringen, was zusammengehört!“ Und Magnet selber wird wohl recht stolz auf seine kornblumigen Leiberln und Janker sein: Die Heimatmode der FPÖ unzensuriert.

Wie umsonst es doch ist, herausfinden zu wollen, wo die Zusammenbringerinnen der Zusammengehörigen ihre Stühle … in Anbetracht ihres unentwegten Geschwefels von „Patrioten“ … Das ist wesentlich zu wissen, was in diesen Kreisen unter dem Deckwort „Patriotismus“ tatsächlich …

Unmißverständlich erkennbar etwa daran, wer für sie einen „ausgeprägten Patriotismus“ lebte: Werte, Töchter der Zeit …

Unmißverständlich erkennbar etwa daran, wer für sie ein „Patriot“: Formel der FPÖ – Rechtsextremismus ist gleich Patriotismus.

Und so weiter und sofort.

Sie haben doch kein einziges Geheimnis. Alles legen sie stets zur offenen Lektüre auf und vergessen dabei nie, freundlich wie sie nun einmal recht sind, dafür ihre selbstgemachten Stühle anzubieten … denn sie möchten, daß die Menschen bei der Lektüre es recht weich und bequem haben.

Heute rief ein Redakteur einer österreichischen Tageszeitung an.

„Wo ist der Vorort von Braunau?“

Die richtige Antwort fällt immer zu spät ein.

Die richtige Antwort wäre gewesen:

Das wissen Sie doch selber.

Das wissen Sie doch selber nur zu genau.

Aber diese Antwort hätte der Redakteur wohl auch nicht verstanden, nicht verstehen wollen.

Jubiläum 465 Jahre – Erster Scheiterhaufen der Reformation

465 Jahre Erster Scheiterhaufen der Reformation

2017 wurden 500 Jahre Martin Luther, 300 Jahre Maria Theresia gefeiert. Auch 2018 stehen Jubiläen an.

Ein Gedenken, das es 2018 mit Bestimmtheit nicht breit und groß geben wird, ist das Gedenken an den ersten Scheiterhaufen, an den ersten Gesinnungsterrormord der Reformation, vor 465 Jahren in Genf. Der Name des Mörders: Jehan Calvin.

Was es für Gedenken 2018 geben wird, gerade in Österreich, davon kann im Kapitel

Im Gedenkjahr 2018 eine ÖVP-FPÖ-Regierung: Schaften, geht voran!

gelesen werden, von Menschen, die viel für das Verbrennen …

Vor rund 480 Jahren ging Calvin daran, in Genf „den ersten Gottesstaat auf Erden zu schaffen“. „Mit der Stunde, da dieser hagere und harte Mann im schwarz niederwallenden Priesterrock […] ein mit unzähligen Lebenszellen atmender Staat soll in einen starren Mechanismus, ein Volk mit allen seinen Gefühlen und Gedanken in ein einziges System verwandelt werden; es ist der erste Versuch einer völligen Gleichschaltung eines ganzen Volkes, der hier innerhalb Europas im Namen einer Idee unternommen wird.“

Vor rund 85 Jahren begann die Beschäftigung von Stefan Zweig mit diesem ersten Scheiterhaufenmörder und dem ersten Gottesstaat innerhalb Europas und mündete im Buch „Castellio gegen Calvin oder Ein Gewissen gegen die Gewalt“, abgeschlossen 1936.

Stefan Zweig schrieb dieses Buch also in der Zeit, als die nächste völlige Gleichschaltung diesmal in Deutschland bereits im Gange war, die zu einer der grausamsten, barbarischsten Gleichschaltung führte. In Österreich nicht minder. In Österreich, wo so viele die massenmörderischste Gleichschaltung herbeisehnten, „sakral inbrünstig“ sie erwarteten, ihren Beitrag leisteten, vorerst in Wort und Schrift.

Es kann das Buch von Stefan Zweig hier nicht in seiner Gesamtheit zitiert werden. Dabei ist es ein Buch, das in seiner Gesamtheit zitiert werden muß. Aus diesem Buch ist nicht nur die Grausamkeit zu erfahren, mit welcher Perversion dieser erste Gesinnungsmord der Reformation begangen wurde. Es sind vor allem die Mechanismus beschrieben, wie es zu einer Diktatur kommt, wie eine Diktatur sich halten kann. Wie sich solche barbarischen Menschen selbst als „Verfolgte“ darstellen, sie die „Opfer“ seien … wer wird dabei nicht an die Gegenwart denken, besonders in Österreich an jene Menschen einer Partei, die sich stets als …

Es gibt so vieles, das in diesem Buch angeführt und auf so eindrückliche Art ausgeführt ist, was hier zu erwähnen wäre. Allein, es ist zu viel. Es ist in seiner Gesamtheit zu lesen.

Es ist in seiner Gesamtheit zu lesen. Was vor rund 480 Jahren begann mit dem ersten Gottesstaat innerhalb Europas, begann, wie es seitdem stets begann. Das sind die Jubiläen, die zu begehen sind. Und dem Buch von Stefan Zweig ist ein Jubiläum zu widmen, ein Gedenkjahr. Denn. Es gibt auch die Instrumente in die Hand, wie es zu einer Zeit kommen kann, in der nicht mehr Jubiläen mit den dunkelsten Figuren der Geschichte begangen werden.

Es ist in seiner Gesamtheit zu lesen. Eines aber soll doch noch angesprochen werden. Zweig schreibt auch von der stets vorgebrachten Entschuldigung für solche Gesinnungsmörder und Gesinnungsmörderinnen, sie seien eben „Kinder ihrer Zeit“ gewesen, Calvin sei ein „Kind seiner Zeit gewesen“. Stefan Zweig hält dagegen, es hätte auch andere zu dieser Zeit gegeben, vor allem aber nicht nur Castellio.

Und immer wieder die Gegenwart. „Kind seiner Zeit.“ Damit entschuldigt etwa ein Mann aus der ÖVP den Antisemitismus eines Leopold Kunschak.

Und ist nicht gerade Stefan Zweig selbst der größte Zeuge dafür, was für ein Pimpf, für ein Wicht Leopold Kunschak war, der zur gleichen Zeit wie Zweig lebte, und so gar kein Zeitgenosse von Zweig war, höchstens einer von Calvin, Luther, Maria Theresia …

Sie waren nicht „Kinder ihrer Zeit“. Sie waren und sind, kurz gesagt: „Squirts of her time“. Sie können es mit „Wichte ihrer Zeit“ übersetzten, auch mit „Pimpfe ihrer Zeit“. 

Es ist nicht das erste Mal, um zu einem Schluß zu kommen, daß von Castellio gesprochen wurde … schlagen Sie das Kapitel

Doppelpaß Südtirol und Faschismus vor den Augen des Bundespräsidenten

auf …

Und auch von den finsteren Figuren der Geschichte wurde schon erzählt, etwa von

Maria Theresia 2017

Schließlich leben neben Martin Luther und den M. T. Habsburgs Menschen

Der halbe Luther von Michael Bünker oder „Zigeuner“ werden Opfer sein dürfen, wenn sie keine Opfer mehr sind

„Nazikirche“, Hofer und die Angst des Bischofs vor dem Tor der Geschichte

Endlich Schluß mit Anhimmelung von Mao Hitlerstalin, heißen sie Johannes Calvin oder wie auch immer sonst noch