Die ewig identitäre Polka der Getreuen. Versuch eines Kapitels

Wir sind nicht Kurz

„Ich verstehe einfach nicht, was da alles jetzt abläuft“, das sage ich mir jetzt viele Male am Tag. Genau aus diesem Grund frage direkt. Seit wir diesen Film sehen, passiert sehr viel. Es gibt – diktiert mir die Entlassung. Daraufhin. Habe ich den Auftrag bekommen. Was nicht passiert ist, warum diese verstörenden Bilder nicht ebenso verstören. Wir alle sehen ein Sittenbild, das Grenzen zutiefst verletzt. Ein Bild der Respektlosigkeit, des Vertrauensbruchs, der politischen Verwahrlosung. Der Schaden, den diese Bilder anrichten, ist noch nicht abzuschätzen. Besonders, weil viele jetzt „Die sind doch eh alle Kurz!“ sagen. Ich verstehe, dass man so reagiert. Aber ich bitte Sie, genau hinzusehen. Gewählt, um es gut zu machen. Um das gut zu machen, muss sie genau unterscheiden können, was anständig und was unanständig ist, was korrupt und was korrekt ist, was sich gehört und was eben nicht. Anstand nicht nur, wenn gerade Kameras in der Villa an, handelt ständig so aus einer inneren Überzeugung heraus. Wir alle sollten in diesem Sinne danach streben, nicht Kurz zu sein. Politikerinnen tun das auch. Ich bin überzeugt davon, niemand geht in die Politik, um die eben genannten Grenzen zu verletzen. Politikerinnen wollen das Leben in einer Gesellschaft verbessern und ordnen diesem Ziel für gewöhnlich viel unter. Und kommen von ihrem Weg ab. Überschreiten Grenzen, verletzen Menschen, zerstören Vertrauen. Und in diesem Sinne entschuldige ich mich für das Bild, das Kurz bei uns gerade hinterläßt. Wir sind nicht Kurz! So ist Kurz einfach! Das müssen wir nun alle gemeinsam beweisen. Politikerinnen wird dabei eine ganz besondere Rolle zukommen. Wie wir gesehen werden, ist nicht nur wichtig, wenn wir unterwegs sind. Sondern vor allem auch und nicht nur für kurz, sondern auf lange wichtig für unsere Exportwirtschaft, Unternehmen sich ansiedeln. Touristinnen gerne kommen. Das ist eine triviale Frage, die sich Kurz nicht stellt. Hier geht es um unsere wirtschaftliche Zukunft, um Arbeitsplätze. Mit dieser Verantwortung spielt man nicht. Das Bild wiederherzustellen. Vertrauen aufzubauen – das alles wird nur gemeinsam gehen. Kurz möchte ich deutlich sagen: Jetzt ist nicht die Zeit der Reden. Ich appelliere an alle Verantwortungsträgerinnen, die politische Verantwortung handelnd zu tragen. Denken Sie jetzt nicht einmal für kurz daran, was Sie für kurz herausschlagen können, sondern denken Sie daran, was Sie tun können. Fragen Sie nicht kurz: Hilft es bei der Wahl? Fragen Sie: Hilft es für lange? Hilft es im Inneren, stärkt es die Glaubwürdigkeit? Ich bitte Sie. Wenden Sie sich nicht von der Politik ab. Denken Sie nach, und vor allem: beteiligen Sie sich. Gehen Sie auch wählen! Mit Kurz – das kriegen wir schon hin, mit etwas Mut und Zuversicht.

Da es vom seienden Tag, wie dieser sich besonders im Mai 19 zeigt, nur Abwendung geben kann, kann denn nur in die Zukunft vorgetaucht werden. Wie würde Éric Vuillard in einigen Jahren, vielleicht in fünf oder zehn Jahren ein Kapitel schreiben über diese Tage in Österreich im Mai 19? Wenn er sich je noch einmal entschließen würde, Österreich in einem Buch vorkommen zu lassen, wie in seinen Büchern „Die Tagesordnung“ oder „Ballade vom Abendland“. Um der Gegenwart entgehen zu können, muß das angenommen werden. Er schreibt also ein Buch, in dem auch Österreich vorkommt, in fünf oder zehn Jahren. Er nennt es: „Die ewig identitäre Polka der Getreuen“. Das Buch handelt von dem „Bündnis der Rechten“ in Europa, dem mannigfach zum Aufstieg verholfen wird. Das Kapitel mit Österreich könnte so geschrieben sein, wie oben es versucht.

Und der vom Verlag in „Die ewig identitäre Polka der Getreuen“ gedruckte Klappentext? Dieser könnte knapp und bündig ausfallen, etwa so:

Wir kennen alle Details. Den Beginn. Den Verlauf. Das Ende. Doch die Wahrheit über diese fundamentale Erschütterung kennen wir nicht. Vuillard führt uns diese Unkenntnis mit seiner Geschichtsrhapsodie vor Augen. Er vermischt die sonst säuberlich getrennten Perspektiven und fügt sie zu einem neuen Ganzen zusammen. In seinen Szenen verbindet er die gemeinsamen Tänze der Mächtigen mit dem von ihnen hinterlassenen Elend.

Ein Gedanke zu „Die ewig identitäre Polka der Getreuen. Versuch eines Kapitels

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