… Plakatierer.

Wie oft in Österreich Menschen sich selber „Mutig in die neuen Zeiten“ aufschreiben müssen, für sich selber „Mutig in die neuen Zeiten“ überall aufhängen lassen müssen, um es immer für sich selbst ablesen, es sich selber vorsagen zu können …

Was nach dem „Mutig in die neuen Zeiten“ in 2016 gekommen ist. Kurz gesagt. Dann kam Ibiza.

„Mutig in die neuen Zeiten“, eine Ankündigung auch als gefährliche Drohung …

Was wohl nach der 2020er Ankündigung „Mutig in die neuen Zeiten“ noch alles kommen wird? Etwas ist schon gekommen. Kurz gesagt. Dann kam Fehlerbeschluß.

„Koste es, was es wolle“, die Wahrheit. Das ist kein Leitsatz des Bundespräsidenten. Sein 2016er Plakat „Mutig in die neuen Zeiten“ war ein Bekenntnis zur Wahrheit. Denn. Er verheimlichte nicht seinen Willen „Mutig in die neuen Zeiten“. Jedoch ebenso deutlich gestand er mit diesem Plakat ein, es ist bloß seine Sehnsucht nach „neuen Zeiten“. Aus einem Raum „der alten Zeit“ mit vergitterten Fenstern kann nicht in einen Raum einer „neuen Zeit“ gelangt werden, es bleibt bloß gefangen in der „alten Zeit“ der Blick in die „neue Zeit“, die es irgendwo geben muß, durch vergitterte Fenster aber nicht zu erreichen, nicht einmal zu erblicken … Er ging nicht, wie in einem Kapitel vermutet, „mutig alten Zeiten entgegen, es blieb ihm einfach wie kurz nur das Herumgehen in der „alten Zeit“ …

Aber sein Wille zur „neuen Zeit“ ist ungebrochen. Auch 2020 ruft der Bundespräsident sich selber erneut zu: „Mutig in die neuen Zeiten“ … Seinen neuerlichen Anlauf, aus der vergitterten alten Zeit in die „neuen Zeiten“ zu kommen, unternimmt er mit Versen einer Lyrikerin, die, lebte sie noch, nun, in Zeiten der größten Schwere für Menschen der Kunst, also in der besten Zeit der Zeiten für Dichterinnen, noch unsterblichere Hymnen …

Und auch der zurzeitige Bundeskanzler läßt 2020 für sich plakatieren: „Mutig in die neuen Zeiten“. Wie leicht könnte das zur Frage verführen, wenn er das dem Bundespräsidenten nachmalt und nachplakatiert, ob er Bundespräsident auch werden will … Vielleicht, vielleicht auch nicht. Denn. Es gibt noch andere Sprüche, die Seb. Kurz nachplakatieren läßt, etwa diesen: „Einer, der unsere Sprache spricht“.

Es muß zugegeben werden, die Mühe der Nachforschung wurde diesmal als nicht wert befunden; es ist auch einerlei, wer zuerst „Einer, der unsere Sprache spricht“ plakatierte, ob es ein Identitärer war, ob es der zurzeitige Bundeskanzler war, beide jedenfalls haben es nur nachgemalt und nachplakatiert … Wer auch immer von diesen beiden zuerst wieder mit „Einer, der unsere Sprache spricht“ rausging, es verführt zur Frage, will der zurzeitige Bundeskanzler ein Identitärer werden oder der Identitäre ein …

Kurz gesagt, wie aus einem Raum mit vergitterten Fenstern nicht in das Freie einer „neuen Zeit“ gelangt werden kann, so unmöglich ist es auch, selbst beim Aufenthalt im Freien, in eine „neue Zeit“ zu gelangen, wenn dafür nichts mitgebracht wird, außer abgekupferte Allerweltssprüche …

Um in „neue Zeiten“ zu gelangen, bedarf es nicht „Mut“. Es bedarf eigene Ideen und eigene Gedanken, nicht das Abschreiben von irgendwelchen überholten Sprüchen, es bedarf Weitsichtigkeit und nicht Kurzsichtigkeit, es bedarf einfach alles, was auf einem nachgedruckten Plakat nicht Platz hat, formuliert zu werden … Erst dann, wenn all diese Voraussetzungen vorhanden sind, ist es vielleicht auch eine kleine Frage des Mutes, das öffentlich zu vertreten …

Soher ist es auch der Mühe nicht wert, ist es müßig, sich von einer Frage verführen zu lassen, ob Seb. Kurz auch Bundespräsident werden will oder ein Identitärer … Mit Blick auf alle diese abgekupferten Sprüche ist es für das Allgemeinwohl das Beste, Sellner bleibt Martin, Höcke bleibt Björn, sonst weiter nichts und Kurz wird, was er ist, Plakatnachstreicher und …