Das Burgtheater, die Josefstadt

Nun hat also, wie zu lesen ist, die Staatssekretärin für Kunst und Kultur in ihrer sonderlichen Funktion als Aufpasserin des Ministers für Kunst und Kultur, der ihrer Partei angehört, also für eine Staatssekretärin in einer österreichischen Bundesregierung vollkommen unüblichen Rolle, weil Staatssekretärinnen sonst stets Ministerinnen von der jeweils anderen Regierungspartei als Aufpasser beigestellt sind, den Aufsichtsrat für das Burgtheater bestellt, mit Personen, die in einem illustren Alter sind, in dem menschgemäß vom Balkon aus murmelnd auf die zur Guckkastengröße geschrumpften Welt …

Es sind nun in den Aufsichtsrat Personen berufen, denen menschgemäß das Theater eine Liebhaberei ist, die seit Jahrzehnten wohl auch unerschütterliche Theaterabo-Besitzerinnnen sind und wohl auch etwa gern gesehene Zuschauerinnen in ihren hübschen Kostümen und Blusen mit Volantkragen in der Josefstadt, die nun, spätestens seit den ihres Direktors Auftritte in Zeiten der Corona, gänzlich das Burgtheater geworden ist, in dem nun sogar der ehemalige Burgtheaterdirektor einen Thomas Bernhard inszeniert, wohl in der festen Überzeugung, er inszeniere wieder im Burgtheater, das die Mitglieder des Aufsichtsrates, wenn sie als bestimmendes Publikum in den Balkonlogen, davon überzeugt, in der Josefstadt zu sitzen, wobei es ihnen nicht so ergeht wie einer Figur von Thomas Bernhard in ihrer Passion, auf der Mariahilfer Straße zu sein, die Mariahilfer Straße zu suchen, und die Mariahilfer Straße nicht zu finden, sie sind in der Josefstadt, sie suchten die Josefstadt, und ihnen wurde die Josefstadt …