Denkkrankheit des nationalen Idealismus

Es gibt einen Musilplatz aber keinen Robert-Musil-Platz in Wien, dafür seit kurzem einen Vuk-Karadžić-Platz direkt vor dem Haus in Wien, in dem Robert Musil so lange wohnte

Es gibt in Wien keine zweite Straße und keinen zweiten Platz und keine zweite Gasse und keinen zweiten Weg, die mit Robert Musil derart unmittelbar und untrennbar verbunden sind, wie es die Rasumofskygasse ist, in der Robert Musil von 1921 an bis zu seiner Emigration im Jahr 1938 lebte und in die er wohl hoffte zurückkehren zu können, da er die Wohnung in der Rasumofskygasse bis zu seinem Tod im schweizerischen Exil im Jahr 1942 behielt. Und die Rasumofskygasse ist der Ort in Wien, an dem Robert Musil insbesondere seinen Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“, über den Einigkeit herrscht, ein Roman der Weltliteratur zu sein, schrieb.

Seit kurzem, beschlossen im Dezember 2025, heißt der Platz vor dem Haus mit der Wohnung von Robert Musil „Vuk-Karadžić-Platz“, und seit wenigen Wochen prangt nun vor dem Haus mit der Wohnung von Robert Musil die Tafel „Vuk-Karadžić-Platz“, die irgendwann zwischen dem 4. Mai und 9. Juni 2026 aufgestellt wurde.

Reich bedacht in der Rasumofskygasse sind Tochter und Vater Karadžić, die Tochter mit einer Gedenktafel, der Vater mit einer Büste und nun zusätzlich noch mit einem nach ihm benannten Platz vor dem Haus mit der weltberühmten Wohnung von Robert Musil in Wien. Der Platz heißt aber nicht einfach Karadžić-Platz, sondern Vuk-Karadžić-Platz

bei Karadžić allein würde wohl sofort an einen weiteren Karadžić gedacht werden, an einen nationalistischen Führer, der sich als Nachfahre von Vuk Karadžić … Es war keine internationale Bewegung, die sich dafür einsetzte, den Platz vor dem Haus mit der Wohnung von Robert Musil nach einem Karadžić zu benennen, sondern —

Hinter dieser Würdigung steht ein jahrzehntelanges Engagement des Serbischen Bildungs- und Kulturvereins „Prosvjeta“ Österreich. Der Verein hat über mehr als ein Jahrzehnt hinweg systematisch daran gearbeitet, das Erbe Karadzics im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.

Kosmo. 3. Dezember 2025.

KOSMO – Nach jahrzehntelangem Kampf: Serbischer Nationalheld bekommt endlich seinen Platz in Wien | Facebook

Ein „Nationalheld“ hat also „endlich seinen Platz in Wien“ bekommen, vor dem Haus, in dem Robert Musil so lange lebte und schrieb, etwa von der „Denkkrankheit unseres nationalen Idealismus“ in seinem Essay „Die Nation als Ideal und als Wirklichkeit – Politik in Österreich“ —

„Čuvaćemo ono što nam je Vuk ostavio – naš prelepi srpski jezik“

Aleksandar Vučić je, u besedi na završnoj svečanosti 84. Vukovog sabora u Tršiću, naglasio da Vuk Stefanović Karadžić na osnovu svog celokupnog dela može da se stavi rame uz rame sa Nikolom Teslom, te da je Sabor u Tršiću danas najvažniji skup u Srbiji.

Naveo je da su Vuk Stefanović Karadžić, Nikola Tesla, uz Svetog Savu, Dositeja Obradovića i Njegoša, kao i Ivu Andrića dali najveći doprinos srpskom narodu. Vučić je podsetio da je Vuk bio reformator srpskog jezika, sakupljač narodnih umotvorina, a to što je stekao počasne doktorate dodatno dokazuje da se radilo o velikom i genijalnom umu.

Podvukao je da je nemerljiv Vukov doprinos očuvanju srpskog nacionalnog identiteta kroz sakupljački rad, kojim je sačuvao od zaborava slavna vremena i velike bojeve, navodeći da su jezik i pismo konstitutivni element svakog naroda.

„Deklaracija nema veze ni sa hegemonizmom, ni sa šovinizmom“

Predsednik Aleksandar Vučić poručio je da Deklaracija o zajedničkom objedinjenom nacionalnom delovanju i definisanju nacionalnih minimuma i principa za opstanak srpske nacije i srpskog naroda nema nikakve veze ni sa kakvim hegemonizmom, niti sa šovinizmom.

PTC. 17.09.2017. Izvor: RTS, Tanjug.

Kein zweiter Platz in Wien käme für einen Robert-Musil-Platz derart ideal in Frage wie der in der Rasumofskygasse, direkt vor dem Haus, in dem Robert Musil so lange lebte und u. a. m. an seinem „Mann ohne Eigenschaften“ schrieb, und in dem er sofort zur Emigration sich gezwungen sah, als eine nationalistische Gesinnung

die totale Massenmordherrschaft in Österreich durch einen Österreicher …

Ganz aber wurde auf Robert Musil in der Rasumofskygasse nicht vergessen, um genau zu sein, ein Mensch vergaß nicht auf Robert Musil, der 1960 eine Gedenktafel spendete, allerdings ist unbekannt, wer die Gedenktafel, die Fritz Wotruba gestaltete, für Robert Musil stiftete.

Und dann gibt es selbstverständlich in Wien den Platz in Ottakring, der 1956 auf „Musilplatz“ umbenannt wurde, und wer würde bei „Musilplatz“ sofort an Robert Musil denken, so wie beispielsweise in Hernals sofort an Leopold Kunschak denken, hieße der Platz bloß „Kunschak-Platz“ und nicht „Leopold-Kunschak-Platz“

Freilich gibt es Zusatztafeln, auch eine zum „Musilplatz“, mit der kurzen Angabe: „Robert Musil (1880 – 1942) Schriftsteller“ …

Was aber sagen Zusatztafeln aus? Im besten Fall enthalten diese eine korrekte Information, jedoch ohne etwas zu erklären, im schlimmsten Fall gegen den Menschen, nach dem eine Straße benannt ist; hierzu fällt augenblicklich die Zusatztafel für Angelo Soliman in Wien-Landstraße ein, von der Rasumofskygasse rasch zu Fuß erreichbar.

Zumindest eine weitere Tafel zur Tafel von Fritz Wotruba am Haus, in dem Robert Musil so lange lebte, in der Rasumofskygasse anzubringen, wäre längst überfällig, mit der informiert wird, daß Robert Musil durch die patriotisch gesinnnten nationalsozialistischen Massenmörder und die identitär gesinnten Massenverbrecherinnen zur Flucht aus Österreich gezwungen, gleich 1938 bereits gedrängt zum Verlassen seiner Wohnung in der Rasumofskygasse …