Ein Mann ohne Kultur

Sebastian Kurz - Mann ohne Kultur

Trotz vielfacher Anfragen, so Martin Traxl, stand Sebastian Kurz nicht zur Verfügung. Um Fragen nach seinem Kulturverständnis zu beantworten. Es wurden, so Traxl, die für die Redaktion aussichtsreichste Kandidatin und die aussichtsreichsten Kandidaten der Nationalratswahl am 15. Oktober 2017 eingeladen, um Fragen zur Kulturnation Österreich zu beantworten.

Alle Eingeladenen nahmen diese Einladung an.

Nur einer nicht: Sebastian Kurz.

Sebastian Kurz nahm die Einladung nicht an, trotz vielfacher Anfragen. Vielleicht wählten sie beim Bitten um seine Teilnahme die falsche Anrede, verwendeten nicht das von ihm so heiß begehrte Wort, von dem noch zu sprechen sein wird, ein weiteres Mal.

In diesem Fall hätte das wohl keine Wirkung auf ihn gehabt, ihn so anzusprechen, wie es ihn befriedigt, ihn zum Kommen zu bringen – die Furcht vor Kultur und Kunst …

Dabei. Es waren leichte Fragen. Es waren wirklich die leichtesten Fragen, die zu Kultur und Kunst je gestellt werden können. Allerweltsfragen. Und Allerweltsantworten. Dennoch: alle beantworteten diese leicht und bravourös. Sogar He.-Chr. Strache schaffte es, erfolgreich zu verbergen, für welche Kunst und Kultur seine identitäre Parlamentspartei tatsächlich …

Nur Sebastian Kurz schwänzte die Frageminute.

Was heißt das?

Sebastian Kurz hatte also Angst vor den leichtesten Fragen zur Kultur. Angst davor, daß er zu den leichtesten Fragen, die er erwarten konnte, nichts, gar nichts hätte sagen können. Seine Antwort auf jede der leichtesten Fragen sein Schweigen nur gewesen wäre. Vielleicht hätte er gerade noch stottern können, in seinem weinerlichen Ton, das sei nicht seines, bei Kunst und Kultur wären keine Routen zu schließen, es tue ihm leid, zu Kultur und Kunst falle ihm nichts, da sei sein Kopf wie leer, er strenge sich an, er bemühe sich, aber er verstehe das Wort Kultur nicht, so könne er auch keine Verbindung herstellen, nicht einmal zu Flüchtlingen, die ihm sonst ja immer so leicht einfallen, bei jedem Thema, auch bei Themen, mit denen Flüchtlinge gar nichts zu tun haben, er fragen hätte müssen, Entschuldigung, was ist Kultur, was ist Kunst, was heißt das: Kulturnation …

Der Titel muß soher richtig lauten: Das Kulturunverständnis von Sebastian Kurz. Auch: Das Unwissen von Sebastian Kurz, auch von Kunst und Kultur.

Das ist also ein Mann, der will, daß die Menschen ihn in einem so ausreichenden Maße wählen, daß er zum Bundeskanzler gemacht wird, zum Bundeskanzler in einem Land, das sich als Kulturnation verstehen will.

Ein Mann ohne Kultur will Bundeskanzler in einem Land mit Kultur werden.

Ein Mann ohne Kultur will, so sagt er, Österreich zurück an die Spitze bringen, und was das für eine Spitze sein wird, das konnte festgestellt werden, auch anhand von konkreten Handlungen seiner Partei:

Mit einem Kanzler Sebastian Kurz Weltspitze in Kunst- und Kulturlosigkeit.

PS Sebastian Kurz hätte die Einladung wohl angenommen, wäre es nicht um Kunst und Kultur gegangen, sondern darum, was er ist: „Chef“. Da wäre er in seinem Element gewesen, da hätte er sofort korrigierend eingreifen können. Wie am vergangenen Sonntag, im Fernsehen, als er angesprochen wurde als „Teil Ihrer Bewegung“, wußte er sofort korrigierend zu sagen, ein einziges Wort: „Chef“. Das sollten sich vor allem jene merken, die meinen, mit ihm, Kurz, Teil einer Bewegung zu sein. Für Sie stimmt es, Teil einer Bewegung zu sein. Für Kurz nicht. Kurz ist nicht Teil Ihrer Bewegung. Ein Mann ohne Kultur ist „Chef“.

PPS Für eine Wahl reicht es zwar nicht aus, aber es muß dem Mann ohne Kultur schon hoch angerechnet werden, daß er – wenn er die Bedeutung von „Bundeskanzler“ wohl auch nicht in ihrer gesamten Tragweite versteht – weiß, es heißt Bundeskanzler, und nicht „Chef“.