Für Richard Wagner überwindet sich ein freiheitlicher ZZler – Ein Wiener Lied von der Unschuld

Es wird Helge Morgengrauen möglicherweise nicht leicht gefallen sein, einen Schriftsteller zur Wiederlesung zu empfehlen, zum einen weil dieser die sonst von dem freiheitlichen ZZler empfohlenen Autoren qualitativ weit überragt, zum anderen weil mit Thomas Mann das Sozialheimatliche der Freiheitlichen nicht beworben werden kann …

Wiener Lied von der Unschuld

„1889 übersiedelte Chamberlain nach Wien […] und verfaßte sein umstrittenes Hauptwerk ‚Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts‘.“

Aber zu groß dürfte die Überwindung des freiheitliche ZZlers dann doch nicht gewesen sein, denn schließlich geht es nicht darum, Thomas Mann zu empfehlen, sondern Thomas Mann für Richard Wagner einzuspannen, Richard Wagner für die sozialheimatliche Gesinnungsgemeinschaft zu retten, zu erhöhen, und dafür eignet sich eine über jeden Verdacht erhabene Stimme wie keine andere …

Die „kritische Distanz“ von Thomas Mann zu Richard Wagner ist dem freiheitlichen ZZler allerdings „übertrieben“ … Helge Morgengrauen wird heilfroh gewesen sein, das Kritische wegschreiben zu können, mit Formulierungen wie „tiefe Liebe zu Wagner“, „in letzter Konsequenz überwog aber die Bewunderung“ …

Nicht übertrieben ist es, zu schreiben, für Richard Wagner ist Wien nach wie vor ein guter Boden, ein Heimspiel, in dem unverdrossen versucht wird, Richard Wagner nur als Komponisten zu präsentieren, gereinigt von allen Schatten, die auch der Nationalsozialismus auf ihn warf, versucht wird seine Rolle als Vorgänger zu leugnen … Das kann zwar nicht mehr gelingen, aber es wird weiter versucht, und es kann dieser Versuch nur unterommen werden, indem die gesamte neuere und auch gar nicht so neue Literatur einfach ignoriert wird …

Jedoch es sind nicht die Freiheitlichen allein, die für einen geschönten Richard Wagner sich stark machen, den Freiheitlichen stehen Vertreter und Vertreterinnen der bildungsbürgerlichen Hochkultur tapfer zur Seite … Eine für die strikte Trennung von Werk und Mensch eintretende, nur die Musik geltenlassende und Chamberlain zitierende Christa Ludwig, ein Karl Löbl, der die längst geklärte Frage heute noch Gottfried Wagner stellt, ob denn Richard Wagner sein Werk bewußt mißbraucht habe …

In Wien geht es wohl um mehr, als ausschließlich um Richard Wagner, es geht wohl auch darum, die Lüge des unschuldigen Wiens aufrechtzuerhalten, die Lüge weiter zu singen, bei der Massenvernichtung nicht dabei gewesen zu sein, für die Massenvernichtung nicht die entscheidenden geistigen Vorarbeiten geleistet zu haben, nur Opfer … Jedoch, das Wiener Lied von der Unschuld müßte augenblicklich verstummen, gäbe es einen ehrlichen Umgang – auch – mit Richard Wagner … Niemand mehr könnte in Wien das Lied von der Unschuld anstimmen, wenn offen und ehrlich – auch – über die Wagner-Familie und den Bayreuther Kreis …  Also etwa über Houston Stewart Chamberlein, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eben in Wien sich bereits vorbetätigte

Zur Nachlese, eine Auswahl:

Christa Ludwig spielt beim AC Richard Wagner auf der Position Kicherin

Alle wissen alles, alle tun nichts

Für die freiheitliche ZZ sind aber Wagners Zeilen antisemitismusfrei

Empfohlene der freiheitlichen ZZ

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