Das Geschwefel, irgendwer sei zu jung für irgendwas

Oh, wie wird nach Deutschland sehnsüchtig geblickt, von Österreich aus, und geklagt, ach, in Österreich gibt es beispielsweise keine „Zeit“, denn das ist eine Zeitung, aber eben auch nur eine Zeitung, und wenn sie etwas über österreichische Politik veröffentlicht, dann ist es bloß noch eine Zeitung von einer Qualität, die es in Österreich zuhauf und beklagt gibt.

Der große Vorwurf, und damit ist die „Zeit“ nicht allein, Sebastian Kurz sei zu jung, um Außenminister sein zu können, und er könne in derart jungen Jahren nur Außenminister sein, weil Österreich in der internationalen Politik nicht relevant sei …

Was ist denn das für ein Argument! Niemand ist zu jung, niemand ist zu alt, für irgendeine Position.

Muß denn wirklich, ja es muß, es muß daran erinnert werden, daß Sebastian Kurz mit seinen 27 Jahren eigentlich im besten Alter ist für Höchstleistungen …

Ludwig Wittgenstein war 22 Jahre, als er mit seinem Traktatus begann, und er war 28 Jahre, als er mit seinem Traktatus fertig war. Georg Büchner verstarb mit 24 Jahren und hinterließ ein Werk von einer Größe, die er vielleicht mit 40 Jahren nicht mehr erreicht hätte, Albert Einstein legte mit 26 Jahren sogenannte nobelpreiswürdige Schriften vor. Étienne de La Boétie war keine 20 Jahre alt, als er „Von der freiwilligen Knechtschaft des Menschen“ schrieb, ein Werk gültig, so lange es Menschen gibt. Shelley wurde gerade einmal 30 Jahre alt und Keats nur 26 Jahre. Ihre Lyrik begleitet heute noch die Menschen. Arthur Rimbaud sah mit knapp 20 Jahren seine Arbeit als Dichter als beendet an. Mit 26 Jahren veröffentlichte Thomas Mann seinen Nobelpreisroman „Buddenbrooks“. Mit 25 Jahren schrieb Johann Wolfgang Goethe seinen Werther. Franz Schubert wurde nur 31 Jahre alt, mit 22 Jahren sein Forellenquintett … Mit 20 Jahren gründete Bill Gates das Unternehmen Microsoft. Mit 21 Jahren gründete Steve Jobs das Unternehmen Apple. Larry Page mit 25 Jahren das Unternehmen Google und Mark Zuckerberg mit 20 Jahren das Unternehmen Facebook …

Weitere Beispiele müssen nicht angeführt werden, um zu zeigen, wie haltlos es ist, mit dem Alter zu argumentieren.

Wer heute entschieden weltweit die Gesellschaft beeinflußt, verändert – ohne darüber jetzt ein positives oder negatives Urteil abgeben zu wollen, das sind, wie gerade der IT-Bereich zeigt, die jungen Menschen, und sie werden immer jünger, so daß gefragt werden kann, ob Sebastian Kurz eigentlich nicht schon zu alt ist, seinen Zenit bereits überschritten hat, den Zenit von Hietzing.

Und welch seltsamer Auffassung von Außenpolitik im besonderen und Politik im allgemeinen hängt Florian Gasser an, wenn er schreibt:

„Natürlich ist Sebastian Kurz zu jung, um dem diplomatischen Protokoll zu entsprechen.“

Ein Kniefall vor den alten Männern, ein Plädoyer dafür, alles soll bleiben, wie es war. Es ist hoch an der Zeit, das Protokoll zu ändern, und nicht weiter alte Männer internationale Politik …

„Und wäre Österreich eine relevante Größe in der internationalen Politik, wäre er eine glatte Fehlbesetzung. Aber spätestens seit dem EU-Beitritt 1995 ist die Außenpolitik nicht mehr als ein Stiefkind der jeweiligen Regierung. Zum Leidwesen der Beamten, die sich heute noch der Tradition der imperialen Diplomatie verpflichtet fühlen, auch wenn sie nicht mehr über die Geschicke des Kontinents mit entscheiden.“

Statt einer imperialen Beamtendiplomatie ist es wohl allemal besser und gesünder, gar keine Außenpolitik mehr zu betreiben …

„Ideen, wie sich ein Kleinstaat international einbringen kann, fehlen. Die vergangenen Außenminister gefielen sich in dezenter Zurückhaltung. In Erscheinung traten sie selten, ernstzunehmende Initiativen ließen sie vermissen. Die Messlatte für Kurz liegt demnach niedrig. Und die erfahrenen Diplomaten am Wiener Minoritenplatz sind schon froh, wenn ihnen ein Minister zuhört, dessen Englisch zumindest einem Abiturniveau nahe kommt.“

Froh zu sein, bedarf es heutzutage wenig, dafür reicht es schon zu wissen, daß den Ideen von Florian Gasser kein Gehör geschenkt wird, sofern es überhaupt Ideen genannt werden können, es sind ja mehr Sentimentalitäten, vielleicht hat Florian Gasser zu viele hübsche österreichische Heimatfilme über den tanzenden Wiener Kongreß gesehen … Möglicherweise hängt Florian Gasser auch zu viel in Diplomatierentenheimen mit pensionierten Beamtendiplomaten ab, sonst müßte er wissen, daß gerade in seiner Generation in Österreich ein Englisch gesprochen wird, daß weit über das Maturaniveau hinausgeht …

Sebastian Kurz - Geschwefel vom zu jung seinMenschgemäß ist die Bestellung von Sebastian Kurz zum Außenminister eine weitere Absage, Außenpolitik gestalten zu wollen. Das offenbart schon die Kombination Außenpolitik und Integration. Für die Außenpolitik müßte Sebastian Kurz in der Welt unterwegs sein, für die Integration müßte er im Land bleiben, das heißt halbe Kraft für Außenpolitik und halbe Kraft für Integration. Und halbe Kraft ist Nullkraft.

„Kurz wird wohl als Außenminister nicht in die Geschichtsbücher eingehen, aber er ist eine Hoffnung für die politische Klasse.“

Was ist denn das wieder für eine Auffassung! Außenpolitik verstanden als Eintritt eines einzelnen Menschen in die Geschichte … Bert Brecht hat es schon einmal so schön zusammengefaßt, Geschichte machen u.v.a.m. die Köche, die für jene alles auf- und zubereiten, deren Namen allein in Geschichtsbüchern stehen, und: alle zehn Jahre ein großer Mann, wer bezahlt die Spesen …

Sebastian Kurz sei, so Florian Gasser, eine Hoffnung für die politische Klasse … Die politische Klasse in Österreich ist also die ÖVP -, gibt es in der politischen Klasse nicht wenigstens noch die SPÖ?

„Doch wer die Kluft zwischen Wähler und Politikbetrieb beklagt und über die Anziehungskraft des Rattenfängers Strache jammert, muss um einen Sebastian Kurz froh sein.“

Das kann sich Florian Gasser nicht verkneifen, He.-Chr. Strache ins Spiel zu bringen. Und noch ein Fehl von Florian Gasser. Das soeben präsentierte Programm 2008 von ÖVP und SPÖ bestätigt ganz aktuell, wer für wen Stimmen fängt … Und wie Florian Gasser die Ideen fehlen für eine andere Außenpolitik, fehlt zu vielen Wählerinnen und Wählern in Österreich, die von SPÖ und ÖVP genug haben, die Idee, andere als die freiheitliche Gemein-Schaft zu wählen. Die Anziehungskraft von He.-Chr. Strache ist die Ideenlosigkeit der Wähler und Wählerinnen.

Und wenn es dazu kommen sollte, daß Florian Gasser einmal vor dem Herrn Außenminister seinen Hofknicks machen darf, wird er untertänig darauf verweisen, um etwa ein Interview zu erhalten oder gar ein paar freundliche Worte vom Jungspund, er habe ohnehin geschrieben, es müsse um einen Sebastian Kurz froh … Wer um einen Sebastian Kurz froh ist, für den besitzt sogar He.-Chr. Strache Qualitäten, etwa die, eines Rattenfängers … (Wird die Sage konkret bedacht, ist es auch an der Zeit, Rattenfänger nicht zu mehr verwenden. Weder sind Wählerinnen und Wähler Ratten noch sind sie Unmündige, die nicht wissen, was sie tun, wem sie folgen und für wen sie stimmen. Sie wollen alle taub sein und nicht nur ein Kind ist taub. Weder verlassen sie nach der Wahl das Land noch gehen sie in die Donau; das Wasser steht ihnen bloß bis zum Hals nach jedweder Wahl eines Stimmenbeschenkten … und: es wurde auch einem He.-Chr. Strache nichts angetan, auch er wurde nicht betrogen, daß er sich rächen müßte. Nur eines stimmt mit der Sage überein, prächtig verkleiden kann sich auch He.-Chr. Strache. Und noch etwas stimmt überein, dem Stimmenbeschenkten steht nie das Wasser bis zum Hals, für sich weiß sie stets, wie sie ihr Häbchen ins Trockene bringt.) Und froh ist, wer vergessen kann, daß Sebastian Kurz prominentes und entscheidendes Mitglied der Stimmenvertreiber und Stimmenhintreiberinnen ist …

Worüber aber nicht aufgehört werden kann zu wundern, ist, weshalb die „Zeit“ ihren guten Ruf ruinieren will, mit dem Veröffentlichen von lagerpolitischem Geschwefel aus Österreich, denn Florian Gasser ist aus dem Tirolerischen, auch wenn er versucht, sich zu maskieren, etwa dadurch, Abitur statt Matura zu schreiben, aber vielleicht hat das eine Korrektorin ausgebessert, falls die „Zeit“ noch Korrektoren angestellt hat, die kommen, wie bekannt, in Zeitungen kaum noch zum Einsatz, sehr zum qualitativen Nachteil der Zeitungen …

Ein Gedanke zu „Das Geschwefel, irgendwer sei zu jung für irgendwas

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