Auf Pferden zur Bücherverbrennung

Friedrich Schiller hätte 1787 dem öffentlichen Verbrennen eines Buches von Rétif de la Bretonne in Wien wohl seine Aufmerksamkeit geschenkt, neugierig wie er war, und neugierig muß Schiller gewesen sein. Das darf auch im Zusammenhang mit Rétif de la Bretonne vermutet werden. Denn. Kaum wird das veröffentlichte „Das enthüllte Menschenherz“ bekannt, ist Schiller schon sein Leser und sofort äußert er sich brieflich gegenüber Goethe überschwänglich über dieses.

„Das enthüllte Menschenherz“ wurde nicht verbrannt; in Wien wurde 1787 „Le pornographe“ öffentlich verbrannt. Es ist jedoch kein pornographisches Buch, wie aufgrund seines Titels voreilig vermutet werden könnte, sondern ein Buch, das Vorschläge zur Reformierung der Regelung der Prostitution enthält.

In Wien von 1787 also wurde ein Buch öffentlich verbrannt, das Reformen zur Regelung der Prostitution behandelt. Das Wien von 1787 war das von Josef II.

Sie kennen Josef II.

Das ist der habsburgische Mann, der bis zum heutigen Tage als Reformator und Aufklärer in Österreich gefeiert, gehandelt wird, und den Kindern und Jugendlichen in den Schulen wohl weiter erzählt wird, als wäre es keine Legende, vielleicht auch, um ihnen einzubleuen, es hat Österreich mit einer Reformerin und einer Aufklärerin, der vor 228 Jahren verstarb, für alle Zeit das Auslangen gefunden …

Nur nebenher: Nach der sogenannten neuen Rechtschreibung wird einbleuen nun einbläuen geschrieben. Als wäre die Reformierung der Rechtschreibung einzig dafür gemacht für Österreich, um allein schon durch die Rechtschreibung Österreich vollständig charakterisieren zu können, dieses Land, in dem Wolken und Schatten, die nicht gesehen werden wollen, kurz und einfach zum blauen Himmel umgepinselt werden.

Es wird in Österreich weiter gebläut, daß – auch das – Josef II. ein …

Noch etwas nur nebenher: Wie gut, daß die Bücherverbrennung in Wien nicht im Jahr 88 war, sonst müßte in diesem gedenkreichen Jahr auch noch 230 Jahre Wiener Bücherverbrennung … So ist es aber schon 231 Jahre her, und über Österreich blauer Himmel überall … freilich, Österreich versteht es auch im gedenkrechten Jahr 18 Wolken und Schatten aus seinem Himmel, der nur blau zu sein hat, zu vertreiben.

Österreich mit seiner eingebläuten Geschichte. Und die FPÖ mit ihrer eingebläuten Lektüre von Schiller und Goethe. Eingebläute Lektüre oder, könnte gesagt werden, gesinnungsgemäß zensurierten Lektüre von Goethe und Schiller.

He.-Chr. Strache: „Wir wollen a gscheit’s“ Goethe – „unsere Tradition weiterleben“

Goethe für FPÖ, also nicht einmal für Anfängerin

Haimbuchner Volkswilli schreibt Goethe sein Geschriebenes vor

Und sehen Freiheitliche Pferde, fällt ihnen Schiller ein …

Innenminister erfüllt den hohen Auftrag der stefanischen Sendung: „Wohlauf, Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd!“

Nicht nur, so eingeschränkt dürfen Identitärinnen nicht gesehen werden, sie kennen und ehren auch ganz andere Pferdebereimer …

Des Herbert Kickl berittene Polizei – „Abschied von Deutschlands Pferden“

Eines würde Friedrich Schiller in der Gegenwart verwehrt bleiben. Die österreichische Staatsbürgerschaft. 1792 erhielt Schiller die französische Staatsbürgerschaft, für sein Stück „Die Räuber“. In Österreich dieser Tage könnte er, Schiller, für seine „Räuber“ eine Anklage sich einhandeln, weil irgendwer in Österreich meinen könnte, er habe mit seinen „Räubern“ gegen § 64 9 d …

„die Tat gegen den Nationalrat, den Bundesrat, die Bundesversammlung, die Bundesregierung, einen Landtag, eine Landesregierung, den Verfassungsgerichtshof, den Verwaltungsgerichtshof, den Obersten Gerichtshof, sonst ein Gericht oder eine Behörde oder gegen die Bevölkerung der Republik Österreich begangen wurde,“

Darüber hinaus „Die Räuber“ ein Stück, das 1792 als „Freiheitskampf“ interpretiert wurde. In diesen Tagen des Jahres 18 ein Stück, das von der schwarzidentitären Regierung, die gerade einen Entwurf für ein Gesetz vorlegte,

Österreich, Entwurf Anti-Terror-Gesetz: „Gutheißung terroristischer Straftaten“ – kurz FPÖ unzensuriert zitiert: „Gummiparagraphen“

zum Gerichtsbeweis werden könnte, daß Friedrich Schiller nicht Friedrich Schiller ist, sondern ein zu verfolgender Terrorist

Wie seltsam es doch um die Tradition bestellt ist. Die einen lesen Schiller und Goethe und suchen in Goethe und Schiller doch nur, was ohnehin in ihnen ist, aber nicht so in Goethe und Schiller, andere wieder lesen Schiller und Goethe und finden, was sie gar nicht suchten. Beispielsweise die Beschäftigung mit Rétif de la Bretonne, die Wiener Bücherverbrennung von 1787, von der zu reden, den Köpfen eingebleut, in die Köpfe eingeschlagen das eingebläute Österreich, es sich nicht geziemet, edel nur zu sprechen, treu zu gedenken der Bücherverbrennung von 1933 …

Wie seltsam es doch um die Kultur bestellt ist. Es werden beispielsweise dieselben Schriftstellerinnen gelesen, und dennoch entfremdet nichts mehr als die Kultur, auf die von allen als gemeinsame berufen wird. Als kämen alle nicht aus Österreich. Sondern. Die einen mit ihrem Rétif zugewandten Schiller aus Afrika und die anderen mit ihrem Goethe auf Pferden aus den Bergen.

Bücherverbrennung - Wien 1787 - Joseph II

Ein Gedanke zu „Auf Pferden zur Bücherverbrennung

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