Pokémon, und wieder im Stadtpark

Pokémon - und wieder im Stadtpark

Durch den Stadtpark zu gehen, in diesen Nächten, es könnte Angst aufkommen. Wer sich rasch ängstigt, läuft wohl in Panik aus dem Stadtpark. Aber es ist nicht für Angst und Bange, was im Stadtpark passiert. Ein mulmiges Gefühl, durchaus, ja. Die Menschen zu sehen, die vielen vielen Menschen mit ihren Smartphones, wie sie im Stadtpark umher, mit ihren eingeschalteten Smartphones in Händen, auf die sie unentwegt starren, indes sie schlendern, als würden sie etwas tun, aber sie tun nichts, sie laufen Zeichentrickfiguren hinterher, mit ihren leuchtenden Smartphones, aber diese leuchten nichts aus, zeigen keinen Weg, und doch bleiben sie immer mal wieder stehen, als suchten sie, indes, es sind bloß Zeichentrickfiguren, die sie dirigieren … ein mulmiges Gefühl kann dabei durchaus … es darf gar nicht daran gedacht werden, was, wenn sie, die vielen vielen Menschen einmal nicht von und für Zeichentrickfiguren dirigiert werden, sondern von anderen Figuren gegen … es kann an eine Erzählung gedacht werden, aber es ist eine gespenstische Erzählung, kein Grund in Panik

Ach, diese moderne Kommunikationstechnologie, wie wird diese doch einem Menschen verleidet, der ihren Anfang erlebte, von Beginn an aktiv nutzte, einsetzte … Hoffnung allerdings war keine dabei …

Die vielen vielen Menschen werden, wird an die tragende Rolle sogenannter moderner Kommunikationstechnologien gedacht, von Figuren manövriert gegen Menschen und dirigieren Figuren gegen Menschen, die auf Wanderung sind, an das wird gedacht, mit Blick auf den Hübner … es heißt, Ahasver sei der ewige Wanderer, aber der ewige Wanderer ist der Mensch, der ethnolose, der nationenlose, der kontinentenlose Mensch … der Mensch wandert auf der Welt umher, und das können und wollen vor allem Menschen, die im Hübner sitzen, nicht und nicht …

Die im Kursalon Hübner meinen auch rechte Unterschiede zwischen … indes die vielen vielen Menschen mit ihren Smartphones im Stadtpark erzählten ihnen, schauten sie nur einmal aus dem Hübner hinaus, wie alle einander ähneln, wie sie ihnen gleichen … da sind sogenannte Inländer und sogenannte Ausländerinnen, da sind junge Menschen, da sind alte Menschen, da sind Menschen, die studieren, Menschen, die hochmodisch gekleidet sind, Menschen, die einfach und auch eigentümlich gekleidet sind, Menschen mit Kopftuch und Menschen mit wallendem Haar, billigen und teuren Schuhen, mit kurzen und langen und krachledernen Hosen,  Menschen, mit Matura, Abitur und Lehrabschluß, Menschen ohne Ausbildung, Menschen mit und ohne Arbeit, und sie alle gemeinsam sind im Stadtpark, geeint im Suchen nach … friedlich und konzentriert auf ihre Smartphones, die ihnen irgendwas zeigen, einen Weg wohl nicht …

An alles das will aber nicht gedacht werden, beim Sitzen im Stadtpark, weit entfernt vom Hübner, sondern sich dem Versuch hinzugeben, aus dem Gedächtnis das Prosastück von Peter Altenberg zu holen, mit ihm im späten August 2016 im Stadtpark zu sitzen,

[a]ls Kinder saßen wir Abend für Abend mit unseren geliebten Eltern im Stadtpark, im Kursalon. Wir bekamen Eis und Hohlhippen und hatten keinerlei Sorgen. Der Vater geht nun seit Jahren nicht aus seinem bequemen Zimmer mehr heraus, und die Mutter nicht aus dem bequemen Totenschrein. Ich, glatzköpfig und sorgenvoll, komme nun in den Stadtpark, Kursalon, auf die Terrasse, an denselben Tisch, an welchem wir einst sorgenlos mit den geliebten Eltern saßen. Ich bestelle dasselbe Eis, Himbeerschokolade, wie als Kind, mit recht vielen und knisternden, also frischen Hohlhippen. Vor mir die Gartenbeete wie einst, ein bißchen bunter, origineller. Ich sehe Eltern mit ihren Kindern. Sie zanken und schelten. Unsre Eltern zankten und schalten nie, nie. Vielleicht war es schlecht, daß sie es nie taten, aber sie hatten Achtung vor ihren eigenen Erzeugnissen und Zuversicht! Wir haben sie enttäuscht; aber sie haben es hingenommen als Schicksal und Verhängnis. Wir haben ihre Tränen, die sie um uns weinten, nie gespürt — — —. Nun sitze ich, Glatzköpfiger, Sorgenvoller, wieder im Stadtpark, im Kursalon, auf der Terrasse, an demselben Tisch wie einst mit den geliebten Eltern, esse dieselbe Portion Himbeerschokolade wie einst, mit vielen knisternden, also frischen Hohlhippen — —  —. Die Gartenbeete, auf die ich herabblicke, sind ein wenig bunter, origineller. Aber sonst hat sich nichts verändert, in den Zeiten vom dummen Kind zum müden Mann! Ich sehe Eltern, die ihre Kinder im Park schelten; unsre Eltern schalten uns nie; sie erhofften es, daß wir sie einst belohnen würden für ihre Güte; aber wir taten es nicht. Wir hatten eine schöne Kinderzeit; so tauchen wir denn hinab in Erinnerungen, da wir vom seienden Tag nicht leben können. Wir hatten allzu sanftmütige, hoffnungsfreudige, schicksalsergebene Eltern. Es war ein Fluch und ein Segen! Man kann nun an Zeiten zurückdenken, die paradiesisch waren —-. Nicht jeder, der vor sich das Dunkel sieht, kann liebevollen Herzens der lichten Zeiten dankbar sich erinnern — — —.

Es ist ein rührseliges Stück, aber Erinnerungen sind wohl stets nur mit Rührseligkeit zu haben, und im Stadtpark sich dieser hinzugeben, das soll nicht gescholten werden. Dem Menschen scheint aber alles zur Rührseligkeit zu verkommen, sogar mit Hilfe kaltsachlicher Kommunikationstechnologie erzeugt er Rührseligkeit, als schriebe er immer noch mit Federkiel und wüßte von der Welt nicht mehr als damals, als es bloß Federkiele gab.

2 Gedanken zu „Pokémon, und wieder im Stadtpark

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