Michael Köhlmeier: „Sind Sie ein positiver Einzelfall?“

Der zurzeitige Bundeskanzler möchte Österreich an die „Spitze“ zurückführen. In einem Bereich müssen dazu aber keine Anstrengungen unternommen werden.

Nämlich in der Literatur.

In der Literatur ist in Österreich ein Abstieg von der „Spitze“ nie erfolgt.

In Österreich mit seinen vielen literarischen Gipfeln erheben sich in jeder Generation seit unendlicher Zeit neue literarische Gipfeln, werden Schriftstellerinnen und vor allem Schriftsteller zu Gipfeln, die alle anderen auf der Welt überragen. Kurz, die Spitze der Weltliteratur.

Und einer überragt sie nun alle.

Michael Köhlmeier.

In einer Vornacht zu den Gedenkveranstaltungen der Novemberpogrome 18 verfestigte Michael Köhlmeier seine Überragung mit einer einzigen Frage, die er einem Muslimen stellt:

„Sind Sie ein positiver Einzelfall?“

Der Frage voran geht die unmißverständliche und klare Ablehnung von Antisemitismus und eine starke Fürsprache für das „friedliche Zusammenleben von Juden und Muslimen“ durch den Muslimen, der darauf die Antwort als Frage von Michael Köhlmeier erhält:

„Sind Sie ein positiver Einzelfall?“

„Der freundliche, sich für vieles entschuldigende Baghajati kämpfte freilich mit dem Thema Antisemitismus von Muslimen – sah aber hierzulande (Gegenbeispiele wären Frankreich oder England) kaum Probleme. Er möchte deshalb Wien, ‚wo Muslime und Juden friedlich zusammenleben‘, als Modell sehen. ‚Wir wollen nicht Probleme herbeireden, wenn es sie nicht gibt.‘ Er sieht aber vor allem bei den Freiheitlichen die Tendenz, dass die frühere Judenfeindlichkeit nun durch Islamfeindlichkeit ersetzt werde. Sichrovskys Vorschlag: Muslime und Juden sollten (ganz nach seinem Vorbild) die FPÖ unterwandern, damit sie sie von innen ändern.“

„Sind Sie ein positiver Einzelfall?“

Eine Fernsehdiskussion in Österreich in der Nacht vom o7. auf den o8.11.18, eine Sternstunde der Menschheit. Und es wird verstanden, daß diese Stunde überschwänglich in einer Tageszeitung österreichischen Zuschnitts gelobt wird, die stets weiß, was Qualität ist. Dermaßen gelobt wird, daß noch ein weiteres Zitat daraus gebracht werden muß:

„Waren es die durchwegs interessanten Gäste, die klugen Fragen von Gastmoderator  Michael Köhlmeier oder die allgemeine Dynamik, die vor allem auch Sichrovsky mit seiner Ungeduld (auch gegenüber der Historikerin Heidemarie Uhl –  man solle bitte nichts sagen, was schon in der Zeitung stand, forderte er) befeuerte? Wohl alles zusammen. Das Ergebnis: Interessantere Diskussionen sieht man selten. Und charmantere. Etwa als Arik Brauer seine Gitarre herausholte und ‚Reflexionen eines Wiener Rassisten‘ gab; ein begeisterter Köhlmeier sang tonlos mit.“

„Sind Sie ein positiver Einzelfall?“

Das macht einen alle überragenden Schriftsteller aus. Fragen zu haben. Viele Fragen. Und diese auch zu stellen. Etwa Udo Ulfkotte. Den fragte er aber nicht, ob er ein „negativer Einzelfall“ sei, sondern von ihm, von Ulfkotte, wollte er sein Wissen haben. Auch das macht einen alle überragenden Schriftsteller aus, zu wissen, wo das Wissen abzuholen ist, wo es beheimatet ist. Und auch das macht einen alle überragenden Schriftsteller aus, kein Prophet zu sein. Er, Köhlmeier, konnte damals Ulfotte nicht fragen, ob er ein „negativer Einzelfall“ sei, weil damals war nicht gang und gäbe, von „Einzelfällen“ zu sprechen …

Und aus einem weiteren Grund war diese Fernsehdiskussion eine Sternstunde der Menschheit.

Peter Sichrovsky. Der Erlöser. Er erlöste die Menschen in Österreich von der ewiggleichen und bis zum Überdruß bekannten Ausrede, nichts gewußt zu haben, nicht dabei gewesen zu sein, nur die Pflicht erfüllt zu haben. Ab nun können Menschen in Österreich mit ihm als „Vorbild“ sagen: Wir haben alles gewußt. Wir waren dabei. Aber nur aus einem einzigen hehren Grund, um zu unterwandern.

Das wird sich wohl jetzt schon vor allem ein jüdischer Abgeordneter der Volkspartei notiert haben, um, wenn alles vorbei ist, wenn wieder alles in den Abgrund gestürzt wurde, nicht mehr sagen zu müssen, nichts gewußt zu haben und so weiter und so fort, sondern stolz verkünden zu können, ein Aktiver gewesen zu sein, ein Unterwanderungsaktiver … Denn nichts ist heutzutage mehr verpönt, als ein passiver Mensch zu gelten, als Opfer sich hinzustellen. heutzutage muß ein jeder Mensch aktiv sein, ein Täter …

Und die hehrste Entschuldigung für die heutige Generation in Österreich hat nun Peter Sichrovsky den Menschen in Österreich, die aktiv waren für die schwarzidentitäre Regierung, zum Geschenk gemacht. Und sie werden davon reichlich Gebrauch machen müssen. Sie werden hintreten und sagen können: Wir wollten unterwandern, deshalb waren wir dabei, das war unsere Pflicht, zu unterwandern. Und selbstkritisch werden sie hinzufügen, dabei bei einem Wort von Kollegen von Michael Köhlmeier Zuflucht nehmen, gescheitert zu sein … Und die österreichische Welt wird wieder heil …

Ein Rätsel aber bleibt. Freilich einer Sternstunde der Menschheit angemessen.

Welche Menschen mit islamischen Glauben sollen die FPÖ unterwandern?

Der von Michael Köhlmeier befragte Muslim wird es nicht sein können. Dieser „positive Einzelfall“ ist der FPÖ nun und wohl schon länger bekannt. Und wenn er der „positive Einzelfall“ ist, heißt das doch, alle anderen Menschen islamischen Glaubens sind „negative“ … und von diesen ist die FPÖ ohnehin … allerdings kann von einer Unterwanderung ganz und gar nicht …

Michael Köhlmeier - Sind Sie ein positiver Einzefall.png

2 Gedanken zu „Michael Köhlmeier: „Sind Sie ein positiver Einzelfall?“

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